Ich habe mir jetzt mal diesen französischen Historienfilm über Wilhelm den Eroberer aus dem Jahr 2015 angesehen:
The Conqueror – Angst wird herrschen
Meine Erwartungshaltung war niedrig ... und sie wurde im Wesentlichen bestätigt.
Dabei beginnt der Film eigentlich durchaus vielversprechend: Wilhelm wartet mit seinem Heer, darunter seinem Halbbruder Bischof Odo, auf die Überfahrt nach England. Seine Männer haben Bedenken wegen der langen Warterei, doch Wilhelm verweist auf ungünstige Winde. (Im kleinen Kreis gesteht er, dass das nur ein Vorwand ist und er aus strategischen Erwägungen wartet - eine Ansicht, die auch in der modernen Forschung vertreten wird.) Dann Rückblende auf seine Kindheit: Sein Vater, Herzog Robert, will nach Palästina pilgern, und bestimmt Wilhelm zum Erben. Einige seiner Großen haben Einwände, weil Wilhelm der Beziehung mit einer Gerberstochter entsprang - nach kirchlichem Recht sei er nicht legitim. Robert und andere Große halten dagegen, dass die Beziehung "dänischer Tradition" entsprochen habe und Wilhelm durchaus legitim sei. Robert setzt sich durch, bricht auf und stirbt auf seiner Pilgerreise. Für Wilhelm wird es heikel ...
Bis dahin war ich von der vergleichsweise großen historischen Genauigkeit der Filmhandlung beeindruckt. Doch ab da geht es bergab. Der Großteil des Films zeigt Wilhelm als Kind und jungen Mann, wie er sich mit ein paar Getreuen in den Wäldern versteckt. Sogar bei Krypto-Heiden (mit Thor-Hammer ausgestattet) sucht er Zuflucht. Die in der Realität große Vielzahl widerstrebender Magnaten mit wechselnden Konstellationen wird auf einen Bösewicht-Baron mit ein paar Handlangern und einem Verräter reduziert. Der Film endet im Wesentlichen mit der Schlacht von Val-ès-Dunes. Dann springt er wieder in die "Gegenwart": Wilhelm erhält Botschaft aus Norwegen und beschließt den Aufbruch.
Das war's dann. Die Schlacht bei Hastings sieht man nicht mehr. Vielleicht wollte man sie für eine Fortsetzung aufsparen, aber vermutlich wusste man einfach, dass mit dem Budget ohnehin keine vernünftige Schlachtdarstellung möglich war.
Der Film ist nämlich eine dieser zahlreichen unterbudgetierten Historienfilm-Billigproduktionen der letzten Jahre. Es wird an allen Ecken und Enden gespart. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass der Großteil des Films darin besteht, dass Wilhelm mit ein paar Getreuen im Wald herumhängt. Ein bisschen mehr Aufwand hat man lediglich bei der Schlacht von Val-ès-Dunes betrieben, aber auch da bestehen beide Heere aus kaum mehr als jeweils 100 Mann.
Auch sonst bietet der Film die übliche Machart. Alles ist düster, grau und braun, Farben sieht man kaum. Auch in der Schlacht tragen die Protagonisten entweder erst gar keine Helme - oder sie nehmen sie extra ab, wenn sie an die Reihe kommen, sich mit einem anderen Protagonisten zu duellieren. Wie üblich löst sich in der Schlacht nämlich der Schildwall schnell in Einzelkämpfe auf.
Die Kämpfe selbst sind auch eher dilettantisch und unblutig choreographiert und inszeniert.
Wenigstens die Ausstattung der normannischen Krieger ist recht authentisch geraten (um wenigstens etwas Positives zu erwähnen).
Um mich einmal an Brissotins Wertungssystem zu bedienen:
2 von 10 Nasalhelmen.