Spielfilme angesiedelt im Mittelalter

@muck dieses Buch, an welches sich die Fantasy-History-Serie anlehnt: spielt sich das a la Nibelungenlied im höfischen Mittelalter oder in der Spätantike ab?
 
Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, spielt das Buch im 5. Jahrhundert. Im Unterschied zum Nibelungenlied ist Hagen von Tronje als Antiheld der Sympathieträger der Geschichte.
 
Mach es so wie ich, dann kannst Du Dir sogar den Medicus anschauen.
Jetzt gibt es offenbar einen zweiten Teil, welcher an Weihnachten in die Kinos kommt. Man erkennt anhand des Trailers sofort, dass man hier wieder einmal an den Erfolg von Game of Thrones anknüpfen möchte, da dort zwei Darsteller aus der Serie mit vertreten sind.

 
Zehn Jahre sind vergangen, daher gibt's den nächsten Robin Hood. Diesmal mit Sean Bean in der Rolle des Sheriffs von Nottingham. Den Robin-Darsteller kenne ich gar nicht.

:rolleyes:
 
Sean Bean würde bedeuten, dass es ein Robin Hood mit einem alten (oder in die Jahre gekommenen) Sheriff wird --- ist der dir unbekannte Robin Hood-Darsteller jung oder würde er vom Alter her zu Sean Bean passen?
 
Auch mit dem nächsten Eggers-Film geht's in die Vergangenheit: Sein Werwulf wird im England des 13. Jahrhunderts spielen. Einige haben anhand der ersten Bilder vom Set bemängelt, dass da wie in anderen "Mittelalter-Filmen" die Leute in "grau-braun" rumlaufen:

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Nachdem ja diese Ulkserie mit fantasievollen Kostümen neulich auf dem Stoff von Boccaccio beruhen sollte, habe ich vor ein paar Tagen den Klassiker von Pasolini gesehen.

"Decameron"
I 1971 Regie: Pier Paolo Pasolini

Handlung: In dem Film fällt die Rahmenhandlung von Boccaccio weg. Stattdessen kommen mehr oder minder miteinander verwoben verschiedene Episoden aus dem "Decameron" vor wie der arme Teufel (Ninetto Davoli), der von Frauen in eine Falle gelockt, seines Geldes beraubt wird und in einen Aborthaufen fällt, um daraufhin stinkend wie er ist ein Grab auszurauben um wieder an Geld zu kommen. Die übrigen sieben Geschichten sind abwechselnd brutal, lustig oder frivol und scheuen auch nicht vor drastischen Darstellungen zurück. Einzig nicht aus der Vorlage stammen Episoden um Giotto (P. P. Pasolini), der ein Wandgemälde schafft und manchmal wie verrückt aufspringt, um daran weiter zu arbeiten.

Der Film bemüht sich durchaus irgendwie historisch zu sein, was man an den teilweise Buchmalereien nachempfundenen Betten erkennt. Die Kostüme in den Filmen von Pasolini scheinen alle recht ähnlich zu sein und in ihren teilweise eigenartigen Materialien - manche Frauen tragen sowas wie eine Rüstung (?) - aus der Welt des Theaters zu stammen. Vielleicht weil es dort leichter war Drehgenehmigungen zu bekommen, wirken die Städte oftmals wie ausgebombt mit praktisch abrissreifen Häusern, leeren Kirchenbauten. Zum Teil ist es daher aber auch etwas wenig verständlich, was gezeigt werden soll, wenn etwa ein Edelmann in einem leeren Raum wohnt, wo der Putz von der Decke zu fallen scheint. Sehr schön fand ich die Burg in welcher die Szenen mit dem beichtenden Schwerenöter gedreht wurden und die für das späte Mittelalter typische Bohlenstube. Zum Teil fordert Pasolini auch eine ziemliche Geduld vom Zuschauer, wenn gefühlt garnichts passiert, etwa der später von ihnen ermordete Liebhaber mit den Brüdern seiner Geliebten Fangen spielt. Pasolini liebt offenbar die Hässlichkeit und hat überwiegend Gesichter gecastet, die aussehen, als wären die Guten in eine Schlägerei gekommen.
Insgesamt ist der Film aber dennoch Kunst und hat auch schöne Momente und transportiert doch auch Lebensgefühl wie ich es in meiner Beschäftigung mit dem "Decameron" vorgefunden habe.
Das Casting reicht von Laiendarstellern bis zu teils Schauspielern, die ich schon in Italowestern wahrgenommen habe. Die sehr dezente Musik stammt vom großen Ennio Morricone. Die Synchro mit Größen wie Thomas Dannenberg, auch wenn sie oft so garnicht zu den Lippen etc. passen will, ist teilweise sehr unterhaltsam.

6 von 10 Streichen.
 
Ich habe mir jetzt mal diesen französischen Historienfilm über Wilhelm den Eroberer aus dem Jahr 2015 angesehen:

The Conqueror – Angst wird herrschen

Meine Erwartungshaltung war niedrig ... und sie wurde im Wesentlichen bestätigt.

Dabei beginnt der Film eigentlich durchaus vielversprechend: Wilhelm wartet mit seinem Heer, darunter seinem Halbbruder Bischof Odo, auf die Überfahrt nach England. Seine Männer haben Bedenken wegen der langen Warterei, doch Wilhelm verweist auf ungünstige Winde. (Im kleinen Kreis gesteht er, dass das nur ein Vorwand ist und er aus strategischen Erwägungen wartet - eine Ansicht, die auch in der modernen Forschung vertreten wird.) Dann Rückblende auf seine Kindheit: Sein Vater, Herzog Robert, will nach Palästina pilgern, und bestimmt Wilhelm zum Erben. Einige seiner Großen haben Einwände, weil Wilhelm der Beziehung mit einer Gerberstochter entsprang - nach kirchlichem Recht sei er nicht legitim. Robert und andere Große halten dagegen, dass die Beziehung "dänischer Tradition" entsprochen habe und Wilhelm durchaus legitim sei. Robert setzt sich durch, bricht auf und stirbt auf seiner Pilgerreise. Für Wilhelm wird es heikel ...

Bis dahin war ich von der vergleichsweise großen historischen Genauigkeit der Filmhandlung beeindruckt. Doch ab da geht es bergab. Der Großteil des Films zeigt Wilhelm als Kind und jungen Mann, wie er sich mit ein paar Getreuen in den Wäldern versteckt. Sogar bei Krypto-Heiden (mit Thor-Hammer ausgestattet) sucht er Zuflucht. Die in der Realität große Vielzahl widerstrebender Magnaten mit wechselnden Konstellationen wird auf einen Bösewicht-Baron mit ein paar Handlangern und einem Verräter reduziert. Der Film endet im Wesentlichen mit der Schlacht von Val-ès-Dunes. Dann springt er wieder in die "Gegenwart": Wilhelm erhält Botschaft aus Norwegen und beschließt den Aufbruch.
Das war's dann. Die Schlacht bei Hastings sieht man nicht mehr. Vielleicht wollte man sie für eine Fortsetzung aufsparen, aber vermutlich wusste man einfach, dass mit dem Budget ohnehin keine vernünftige Schlachtdarstellung möglich war.

Der Film ist nämlich eine dieser zahlreichen unterbudgetierten Historienfilm-Billigproduktionen der letzten Jahre. Es wird an allen Ecken und Enden gespart. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass der Großteil des Films darin besteht, dass Wilhelm mit ein paar Getreuen im Wald herumhängt. Ein bisschen mehr Aufwand hat man lediglich bei der Schlacht von Val-ès-Dunes betrieben, aber auch da bestehen beide Heere aus kaum mehr als jeweils 100 Mann.

Auch sonst bietet der Film die übliche Machart. Alles ist düster, grau und braun, Farben sieht man kaum. Auch in der Schlacht tragen die Protagonisten entweder erst gar keine Helme - oder sie nehmen sie extra ab, wenn sie an die Reihe kommen, sich mit einem anderen Protagonisten zu duellieren. Wie üblich löst sich in der Schlacht nämlich der Schildwall schnell in Einzelkämpfe auf.
Die Kämpfe selbst sind auch eher dilettantisch und unblutig choreographiert und inszeniert.

Wenigstens die Ausstattung der normannischen Krieger ist recht authentisch geraten (um wenigstens etwas Positives zu erwähnen).

Um mich einmal an Brissotins Wertungssystem zu bedienen:
2 von 10 Nasalhelmen.
 
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