Selbstredend.Es ist halt das Wesensmerkmal einer repräsentativen Demokratie, dass sie einen Machtwechsel durch Wahlen ermöglicht.
Aber das ein Machtwechsel durch Wahlen nicht stattfand, weil z.B. der Amtsinahber einfach wiedergewählt wurde, beweist ja nicht, dass er nicht möglich gewesen wäre. Nur weil der Nachweis einer Möglichkeit fehlt, heißt das nicht, dass sie nicht existiert hätte.
Genau so behandelst du das allerdings, wenn du davon ausgehst, dass die Möglichkeit erst gegeben sei, wenn ein solcher Wechsel bereits stattgefunden habe.
Das Andere ist eben, dass du von einem einmaligen Prozedere sprichst.
Der einmalige Akt eines Machtwechsels durch wahlen kann aber nicht das dauerhafte funktionieren einer Demokratie beweisen, sondern, wenn das der von dir verlangte Nachweis sein sollte, könnten nur Staaten als Demokratie wahrgenommen werden, in denen solche Wechsel regelmäßig vorkommen, denn ansonsten könnte man argumentieren, sei das System nicht in der Lage nachzuweisen, dass es als Demokratie immernoch funktioniere.
Dann haben wir aber ein Problem, wenn eine Partei, wie eben z.B. die Liberaldemokraten in Japan oder vielleicht um bei etwas geläufigeren Verhältnissen zu bleiben, die CSU in Bayern, Jahrzehntelang mehr oder weniger unangefochten regiert.
Da es als nicht als Beweis für das akteulle Funktionieren einer Demokratie herhalten kann, dass irgendwann vor Äonen mal ein durch Wahlen legitimierter Machtwechsel stattfand, müsstest du, im Prinzip jedem Gebilde in dem sich eine Regieungspartei langfristig hält, die Demokratiefähigkeit absprechen, weil de facto keine Wechsel stattfinden, die die funktion der Demokratie nachweisen.
Das halte ich für problematisch.
Ich würde ein anderes Modell anbieten:
Ich würde von meinem Standpunkt aus sagen, ob Demokratie strukturell gesehen zu einem Land oder einer Gesellschaft passt (nicht ob sie funktioniert, dass ist ein anderes Thema) hängt maßgeblich davon ab, ob sie als Legitimationsmodell für politische Macht funktioniert.
Wenn de facto diktatorisch regierende Herrscher, es für notwendig halten ihre Herrschaft nicht mit irgendwelchen höheren Mächten, Traditionen oder den persönlichen Charisma des Herrscher zu legitimieren, sondern sie mit scheindemokratischen Elementen zu verbrähmen, damit sie für die Bevölkerung oder die Eliten akzeptabel wird, dann hat diese Gesellschaft unabhängig davon, dass die Menschen dort nicht in einer Demokratie leben eine wie auch immer geartete demokratische Ideenwelt soweit verinnerlicht, dass sie im Prinzip reif für die Demokratie wäre, insofern sie dann sehr wahrscheinlich grundsätzlich bereit wäre ein demokratisches System anzunehmen.
Und Merkmale demokratischer Regierungsformen als Legitimationsinstrument, um die Bevölkerung bei der Stange zu halten, waren bereits im 19. Jahrhundert in México durchweg vorhanden.