Stellung des Henkers in der Gesellschaft des Mittelalters

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 16. Januar 2005.

  1. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Ergänzend hierzu der Hinweis, dass es über die Sansons ein ganz interessantes Buch gibt:
    "Die Tagebücher der Henker von Paris"

    hier zur näheren Info: http://www.amazon.de/Tagebücher-Hen...ef=sr_1_1/302-4318980-4277615?ie=UTF8&s=books


    Daneben steht auch bei wiki etwas über die Henkerdynastie Sanson geschrieben, leider nur in französischer Sprache:

    http://fr.wikipedia.org/wiki/Sanson


    Im deutschen wiki ist wenigstens Charles Henri Sanson, der sogenannte "Revolutionshenker" erwähnt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Henri_Sanson


    Jacobum
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Henker und Abdecker waren unter den unehrlichen Berufen bei weitem die verfemtesten. Niemand spielte mit den Kindern des Scharfrichters, in einigen Städten mußten die Henker Latrinen reinigen, Straßen fegen, dazu hatten sie häufig auch die Aufsicht über die Prostituierten. Unehrlichkeit war keine moralische, sondern eine soziale Kategorie. Unehrlichkeit galt als übertragbar, wer mit einem Henker trank oder einen Hund tötete und damit in den Aufgabenbereich des Schinders eingriff, wurde ehrlos. Es gab Fälle, in denen sich Leute aus diesem Grund umbrachten. Außer Scharfrichtern und Abdeckern gehörten Prostituierte, Schauspieler, Büttel und Gerichtsdiener, Schäfer und Müller zu den unehrlichen Berufen. Dennoch sollte man die Unehrlichkeit auch nicht überbewerten, Scharfrichter oder Müller gehörten durchaus zu den wohlhabenderen Zeitgenossen. Es wäre gar nicht so einfach, einen Handwerkszweig anzugeben, der nicht von konkurrierenden Zünften als "unehrlich" diskreditiert wurde. Wie Pariahs haben die unehrlichen Berufe nicht gelebt, Tabuisierung und Ausgrenzung war das eine, Faszination und Neugier das andere. Bei der medizinischen Unterversorgung waren Henker, Abdecker, Schäfer und Hirten vielgeschätzte Heilpraktiker und Veterinäre. Vor allem bestand auch ein großer Bedarf an Accessoires die in Verbindung mit der Exekution standen. Stücke eines Stricks oder die Handschuhe des Scharfrichters waren beliebte Glücksbringer. Blut der Hingerichteten galt als wirksames Mittel gegen Epilepsie, und der Verkauf dieses Blutes wurde noch im 19. Jahrhundert von den Obrigkeiten gebilligt.
     

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