Terrorisierung der Zivilbevölkerung

Dieses Thema im Forum "Kriegsschauplätze" wurde erstellt von Trojan, 12. Dezember 2014.

  1. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Das Treffen auf dem die japanische Führung darüber diskutieren wollte, war schon angesetzt, sein Ergebnis aber alles andere als klar, zumal Japan zuvor die von den Alliierten gesetzten Bedingungen für die Kapitulation abgelehnt hatte. Selbst nach Hiroshima gab es noch Stimmen im japanischen Kabinett und Generalstab, die meinten, dass man den Krieg fortsetzen könne. Die Projektkosten waren geheim, wie das gesamte Projekt. Da gab es nichts zu rechtfertigen. Was das Projekt gekostet hat, hat Truman erst nachher veröffentlicht. Allerdings wären auch ohne Einsatz die Ausgaben durch den Krieg gerechtfertigt worden.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu dieser Entwicklung siehe auch hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f68/l...rf-auf-hiroshima-warum-dort-33491/index6.html
    http://www.geschichtsforum.de/f68/ziele-verlauf-und-r-stung-im-pazifikkrieg-1941-45-a-34705/

    Neuere japanische Forschung hat den Aspekt ebenfalls herausgearbeitet, wie den Zusammenhang mit dem Scheitern des eigenen, japanischen A-Bombenprojekts, die Rolle des Heeres, und der japanischen Untersuchungskommissionen (speziell der des Heeres) ab dem Tag des ersten Abwurfes.
     
  3. Trojan

    Trojan Mitglied

    also wie gesagt meine Eingangsfrage sollte nicht in die Richtung gehen, ob Bombardierung oder Zerstörung von zivilen Zielen Auswirkungen auf den Gegner haben können.
    Das können sie natürlich, wenn ich z.B. durch ein Bombardement 100.000 Menschen töte, dann fehlt diese Arbeitskraft dem Gegner.

    Aber es ging mir explizit um die Frage, ob jemals die Bombardierung oder die "Terrorisierung" der Zivilbevölkerung zu Aufständen innerhalb des gegnerischen Systems geführt haben.
    Und da sehe ich halt ein klares nein.

    Das Beispiel der Atombombe sehe ich als irreführend an. Denn auch hier war es nicht die japanische Bevölkerung, die aufbegehrte, sondern die Japanische Führung, die nun ihre ausweglosigkeit erkannte und es militärisch als nicht mehr sinnvoll ansah, weiter zu kämpfen.

    Der Grundgedanke ist doch:
    Wir terrorisieren euch, und dann kriegt ihr angst und wehrt euch nicht mehr weil ihr angst habt dass wir euch komplett zerstören.

    ABer ich glaube psychologisch tritt das Gegenteil ein.

    Wenn beispielsweise ein Brite 1944 durch einen Luftangriff meine Familie tötet, dann wird mich das nicht eher zum defätisten werden lassen, sondern ich bekomme dann einen unnachgiebigen Hass auf "die Mörder" - in dem Falle die Briten.

    Der Hass der Zivilbevölkerung steigt meines Erachtens an so einem Punkt viel stärker als die Neigung zum Aufgeben.
    Das war meine Beobachtung und ich habe jetzt historisch kein BEispiel gefunden.

    Norditalien 1943 könnte vll wirklich eine Ausnahme sein. Wobei Italien an sich nie richtig in diesen Krieg "reinkam". Die Bevölkerung stand nie wirklich hinter dem imperialistischen Gedanken.

    Ein weiteres Beispiel, welches mir grade einfiel, ist der Vietnamkrieg. Auch dort habeen die Amerikaner schwere Verbrechen begangen mit dem Ziel, dass die Dorfbewohner beispielsweise sehen: wenn ich zum Vietcong überlaufe oder ihn unterstütze, dann geht es mir schlecht.

    Aber spätestens als der erste amerikaner den ersten Dorfbewohner abknallte, ist diese "Angst" einfach nur in Hass umgeschlagen. Ich glaube nicht, dass die GIs sich mit dieser Taktik auf Dauer einen Vorteil verschafft haben.
     
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  4. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    Laut Wikipedia hat Japan lange vor Hiroshima grundsätzliche Kapitulationsbereitschaft signalisiert und wollte über akzeptable Friedensbedingungen verhandeln. Eisenhower habe Truman deshalb vom Einsatz der Atombomben abgeraten. Laut Eisenhower habe der Einsatz der Atombomben schon am 16. Juli festgestanden. Das Ultimatum an Japan erging erst am 26. Juli und stellte Bedingungen, von denen wohl allen Beteiligten klar war, daß sie für Japan unannehmbar waren. In dem Ultimatum wurde Japan auch nicht der Einsatz von Atomwaffen angekündigt.

    Also wenn das alles so stimmt, was in dem Wikipedia-Artikel steht, ist es wohl offensichtlich, daß man die Atombombe nicht einsetzen mußte, sondern einsetzen wollte. Die Gründe dafür dürften vielfältig gewesen sein, vom Feldexperiment der neuen "Superwaffe" bin zu einer Demonstration der Stärke gegenüber Stalin.

    Das Projekt war extrem teuer und wurde meines Wissens auch noch am Kongreß vorbei, also quasi illegal finanziert. Wenn Truman die Waffen nun nicht eingesetzt hätte, weil sie eben militärisch überhaupt nicht notwendig waren, wäre es wohl problematisch gewesen der amerikanischen Öffentlichkeit zu erklären, weshalb man derartig gigantische Summen an Steuergeldern quasi illegal in ein Waffenprogramm investiert, welches für den Ausgang des Krieges schließlich keine Rolle spielte.
     
  5. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    Ein solches Bombardement ist doch nicht anderes als gezielte Massenvernichtung von Frauen, Kindern und Greisen. Warum wird das heute immer noch so oft verharmlost und als eine Art "normale Kriegshandlung" dargestellt, die irgendwo doch noch legitim gewesen sei? Diese Art Bombardements sind schlimmste Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und nichts anderes.
     
  6. Trojan

    Trojan Mitglied

    das habe ich ja auch nicht bestritten. Ich sehe es ebenfalls als Verbrechen an.
     
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    Jörg Friedrich - Der Brand, Seite 85.
    Ab dem 14. Februar 1942 (area bombing directive) findet sich die Brechung der "Moral der gegnerischen Zivilbevölkerung ... insbesondere der Industriearbeiterschaft" im Vordergrund.
    (Gleiche Quelle, ebenso Seite 85)
    Und hier liegt der Brechung einer "Moral" auch der Wunschgedanken zugrunde, man könne einen Politikwechsel herbeibomben, ähnlich der Intention der 3. Reichs bei der vorangegangenen lang anhaltenden Bombardierung Londons.

    Dabei darf nicht übersehen werden, dass die "Terrorisierung der Zivilbevölkerung" im Inneren durch das 3. Reich bereits vollendet war, während das Vereinigte Königreich hier dergleichen weder vorhatte noch bewirkte.
    Bemerkenswert ist vielleicht auch, dass sich hochentwickelte Staaten gegenüberstanden,
    die einerseits innere Entwicklungen sehr gut erfassen, und sich auch dadurch gegen Aussen abschirmen konnten,
    und andererseits erstmalig über die weitreichenden Luftstreitkräfte in entscheidendem Umfang verfügten.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    In Anlehnung an die aktuelle Publikation von Overy (Der Bombenkrieg 1939-45*) Folgendes:

    1. Bei Kriegsausbruch 1939 war die Überlegung der Bombardierung gegnerischer Städte im Kalkül jeder Nation. Zudem - hier im Forum mehrfach auf Basis der völkerrechtlichen Literatur breit diskutiert - gab es dazu keinerlei kriegsvölkerrechtliche Beschränkungen. Die "politischen Bombardierungen" (nach Overy, in Abgrenzung zu "strategischen Bombardierungen") wurden allgemein erwartet. Als ein Beispiel "spielte" Göring 1939 damit, als es um die Besetzung der Rest-Tschechei ging, und drohte die Einäscherung Prags an. Ebenso fanden auf Basis der Überlegungen umfangreiche Vorbereitungen der Großmächte statt, Luftschutz in den Städten einzurichten. Das es zwischen den Westmächten und dem Deutschen Reich anfangs zu systematischen Bombardierungen nicht kam, lag a) an mangelnden Ressourcen und b) an der gegenseitigen Abschreckung, damit nicht zu beginnen.

    2. die deutsche Strategie "operativ-taktischer Bombardierungen" war - Beispiel Guernica - vorgegeben. Für die Zivilbevölkerung war dieser theoretische Unterschied unmaßgeblich, siehe zahlreiche polnische Städte bis hin zu Warschau, oder Rotterdam. Dabei war es Bestandteil der operativ-taktischen Doktrin - Beispiele für Quellen sind hier im Forum verlinkt - durch das Leiden der Zivilbevölkerung Aufgabe-/Übergabedruck (Warschau, bis hin zur Zurückweisung der aus solchen Zentren fliehenden Bevölkerung) oder sogar Kapitulationsdruck (zB Rotterdam) auszuüben.

    3. Der deutsche Strategiewechsel in der Luftschlacht um London hin zu einer flächigen Zerstörung zwecks Ausschaltung von "Industriezentren" (in einem industriell geführten Massenkrieg) ergab sich spätestens mit dem Übergang auf nur grob "zielbare" Nachtangriffe bereits 1940.

    4. Weder bei den deutschen, noch bei den anglo-amerikanischen Bombenangriffen stand eine Vorstellung im Raum, mit "moral bombing" oder "area bombing" Widerstand oder Aufstände gegen die staatliche Macht zu erzeugen. Ziel der Konzeptionen (zu unterscheiden von den anderen Ansätzen taktisch-operativer Bombardierungen nach "Frontlage"**) war die Ausschaltung industrie- bzw. rüstungswirtschaftlicher Kapazitäten.

    5. Über die direkten Wirkungen und die Möglichkeiten zu 4. bestanden bis Kriegsende völlig übersteigerte Vorstellungen, zT durch falsche Auswertungen oder Berichte noch gefördert. Selbst im katastrophalen Fall Hamburg lag die erhebliche Beeinträchtigung des rüstungsrelevanten Umfeldes nur im Bereich von 4-8 Wochen. Die unmittelbaren Wirkungen/Zerstörungen sind dabei aber nur ein Aspekt des Bombenkriegs gegen Städte: schwere rüstungsindustrielle Auswirkungen/Verzögerungen/Produktionsausfälle/Ressourcenbindungen - und das wird von oberflächlichen Betrachtungen des deutschen "Rüstungswunders" überdeckt - gab es durch die Evakuierungen von Industrie und Bevölkerung bis hin zu großen Programmen der Untertage-Verlagerung sowie durch kapazitative Bindungen zur Abwehr im Bombenkrieg.

    6. Die geäußerten Vorstellungen über Hass auf die "Bombenkrieger" und Steigerung des Widerstandswillens: natürlich sind auch solche Reaktionen zu finden, bis hin zu Lynchjustiz an abgesprungenen Besatzungen (wobei es hier ebenso Fälle von durch die NS-Parteiorganisation angeheizten Tötungen gab). Der Sicherheitsdienst SD berichtet zB aus München auch anderes: weit verbreitete Meinungen über Bombenkrieg als "Strafgericht" für Verbrechen des NS, oder Feldpostbriefe noch aus 1945 mit eben diesem Tenor. Daneben war eine weitere Reaktion Lethargie. Wenn man über "ausbleibende" Wirkungen der rüstungswirtschaftlichen Schäden diskutiert, ist weiterhin der gewaltige NS-Einsatz von Zwangsarbeit in den relevanten Rüstungssektoren ein Faktor (gerade das Feld der empirischen Messungen), was man wohl nicht weiter erläutern muss.

    Mit Churchill hat "die Idee" nichts zu tun, sondern mit den britischen Kommissionen speziell bereits im September 1940, die sich mit den Schadensanalysen nach den deutschen Bombenangriffen auf britische Städte beschäftigten. Diese Kommissionen berichten bereits im September 1940 über solche Effekte in britischen Städten. Die deutsche Seite hatte solche "Erkenntnisse" und Ideen ebenfalls, da zB im Fall Rotterdam die größten Verluste und Schäden durch Großfeuer eintraten, nicht durch gestreute Bomben selbst mit höchster Sprengkraft. Im Ganzen basierten die Schadensspekulationen schon auf Vorstellungen der 1920er Jahre mit Großangriffen auf Städten, ohne bei den Schäden zu differenzieren oder Teilwirkungen abzuschätzen.

    ____
    * Wobei Overy bzgl. des kriegsvölkerrechtlichen Teiles nicht zutreffend den Stand der Diskussion wiedergibt. Er sieht sowohl die Ausdehnung von "Kriegszielen" als auch die Bombardierungen selbst in der im September 1939 begonnenen Eskalation als rechtswidrig an, selektiert dabei aber die verfügbare Literatur, und berücksichtigt insbesondere nicht den Stand 1939 (vgl. Hanke)
    ** was sich so zB auch bei den alliierten Bombardierungen Ende 1944/45 durchmischte. Wenn es zB den Fall Paderborn, u.a. gab, so standen diese in kausalem Zusammenhang zu Frontlagen. Aus den gleichen Gründen entkam zB Regensburg um Haaresbreite einer Totalvernichtung durch Abzug seitens der Wehrmacht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Dezember 2014
  9. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    London wurde erst bombardiert, nachdem die RAF nächtliche Angriffe auf deutsche Innenstädte und Wohnviertel geflogen hatte. Die Bombardierung Londons hatte auch nicht zum Ziel England militärisch völlig niederzuschlagen, sondern die britische Regierung zu einer Einstellung ihrer Feindseligkeiten gegenüber Deutschland zu bewegen.

    Das Vereinigte Königreich hat damals einen großen Teil der Erde unterjocht und terrorisiert. Das darf natürlich auch nicht übersehen werden. ;)
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das ist Unsinn.

    Siehe hier zum vorbestimmten Angriffsziel London:
    http://www.geschichtsforum.de/591481-post17.html

    Die Ereignisse im Westfeldzug Mai/Juni 1940 haben andere Hintergründe, siehe hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f68/luftkrieg-m-nchengladbach-11-12-mai-1940-a-19708/
     
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  11. excideuil

    excideuil unvergessen

    Für mich ist es nicht glaubhaft, dass sich die Bombenopfer in Dresden, Berlin, Hamburg ... so kräftezehrenden Emotionen wie Hass hingaben. Es mögen Gefühle wie Ohnmacht, Resignation, Angst, Verzweiflung gewesen sein, die Sorge um Angehörige, um die nächste Mahlzeit, ein Dach über dem Kopf ... aber Haß?

    Grüße
    excideuil
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Dezember 2014
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der Hinweis ist berechtigt, siehe auch #28 Nr. 6.

    Nach einem fürchterlichen Angriff (Kassel, mit 10.000 Toten, prozentual höher als Hamburg) war es noch Goebbels, der sich unter die erschütterte Bevölkerung traute, durch die Straßen fuhr (was später bei NS-Größen die Seltenheit war, und unter handverlesenem Publikum eher Anstachelungen für den "Endsieg" betrieb (Rede im Oktober 1943, unmittelbar nach dem Angriff):
    http://www.geschichtsforum.de/460488-post42.html
     
  13. hatl

    hatl Premiummitglied

    ich bin da tatsächlich auf dünnem Eis gewandelt. :D
    Danke auch für den guten Überblick.

    hatl
     
  14. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    Laut Wikipedia erfolgte der erste Angriff der RAF auf eine deutsche Stadt am 4. September 1939 auf Wilhelmshaven.

    Weitere Angriffe der RAF auf deutsche Stadte bis September 1940:

    31. März: Emden
    10. Mai: Freiburg
    12. Mai: Düren
    12. Mai: Mönchengladbach
    15. Mai: Hagen
    16. Mai: Münster
    18. Mai: Hamburg
    19. Mai: Hannover
    Juni: Frankfurt a.M.
    1. Juni Mannheim
    5. Juni: Leverkusen
    11. Juni: Rostock
    18. Juni: Krefeld
    18. Juni: Köln
    2. Juli: Kiel
    26. Juli: Erfurt
    August: Wiesbaden
    16. August: Fürth
    17. August: Augsburg
    25. August: Stuttgart
    25. August: Frankfurt Oder
    25. August: Berlin

    Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg ? Wikipedia

    Keine Ahnung, ob die Liste vollständig ist.

    Erst am 7. September erfolgte der erste Luftangriff auf London. Also als London zum ersten mal bombardiert wurde, hatte die RAF bereit sämtliche deutsche Großstädte bombardiert.

    Daß England mit diesem Luftkrieg begonnen hat, steht wohl aufgrund der Faktenlage außer Zweifel.
     
  15. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Hallo Parsifal,
    allerdings hatten viele der Angriffe damals nichts mit den Massenbombardements späterer Zeit zu tun. Der erste Angriff auf Wilhelmshaven war gegen dort in der Werft liegende Kriegsschiffe gerichtet. Viele Missionen wurden mit wenigen Bombern unternommen, glichen darin noch den den begrenzten Bombermissionen des Ersten Weltkrieges und dienten zum Teil der Aufklärung.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Richtig, die Liste mit strategischen Bombardements, "political bombing" oder "area bombing" in Verbindung zu bringen, ist erneuter Unsinn von Parsifal.

    Der Wiki-link in dem Zusammenhang ist Blödsinn, und vielleicht kann er mal per PN erklären, wie zB Freiburg (10. Mai 1940) auf die Liste kommt.

    Dieser Angriff wurde - so richtig in Wiki dargestellt - irrtümlich von deutschen Kampffliegern geflogen und von der deutschen Propaganda den Alliierten zugeschoben:
    Bombenangriff auf Freiburg am 10. Mai 1940 ? Wikipedia
    Tatsächlich sollten deutsche Flugzeuge Dijon bombardieren (vorrangig - insoweit wieder falsch in Wiki - die Flugplätze).

    Solche Listen werden zB in Darstellungen wie der von Czesanny "produziert", bei denen Polemik sich mit massenhaften sachlichen Fehlern mischt.

    Thema wird daher in den Bereich Kriegsschauplätze - Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte verschoben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Dezember 2014
  17. White_Wolf

    White_Wolf Neues Mitglied

    Betrachten wir den Krieg allgemein, im 20. Jahrhundert waren es "Völkerschlachten". Ein Volk gegen ein anderes, eine Überzeugung gegen eine Andere, ein Ideal gegen ein anderes.

    1. Zweiter Weltkrieg
    Über die Sinnhaftigkeit massiver Flächenbombardements gegenüber der Zivilbevölkerung wurde und wird viel diskutiert.
    Jedenfalls haben die Bombardements den "Kampfeswillen" nicht gebrochen, jedoch bezweifle ich, dass dies wirklich der Grund für Bombardements war.
    Von einem flächendeckenden Bombardement würde ich mir Sekundär die "terrorisierung" der Bevölkerung, Zerstörung des "Sicherheitsgefühls" der Bevölkerung und Ausübung von Druck (á la: Unsere Flugzeuge können ungehindert überall hin und alles zerstören, sprich propagandistisch: Eure Verteidigung ist wirkungslos ihr seid am verlieren) versprechen.
    Primär jedoch die Schädigung der Kriegswirtschaft. Durch Bomben zerstörte Industrie kann nicht produzieren, Menschen deren Zuhause, Familie oder Freunde ausgebombt wurden, haben mutmaßlich andere Sorgen als regulär arbeiten zu gehen, was die Kriegswirtschaft wieder schädigt. Menschen die tot sind gehen auch nicht arbeiten, schädigt die Kriegswirtschaft. Zerbombte Lager und Höfe führen zu Nahrungsmittelengpässen, Unzufriedenheit, Revolten und destabilisieren den Gegner.
    Und wenn du die Bombardements im 2.WK betrachten willst, musst du auch eingestehen, dass die überaus grausame Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki sehr wohl den Allierten die Kapitulation eines ohnehin ausgebluteten Landes eingebracht haben, welches ansonsten unter massiven Verlusten (Auch der Bevölkerung, nach dem Beispiel von Iwo Jima) hätte erobert werden müssen.

    2. Amerikanischen Bürgerkrieg
    "Das Massaker von Lawrence" oder "Quantrill´s Raid" am 21. Aug. 1863 gilt bis heute als eines der schlimmsten Verbrechen der Konföderierten, infolgedessen die Unionstruppen das Prinzip der verbrannten Erde im Grenzgebiet von Kansas anwendeten und die dortige Bevölkerung "Zwangsevakuierte". Mir ist nicht ganz klar wer für die Bevölkerung das schlimmere Übel war. Jemand der viele Familienmitglieder tötet weil er einen Politiker, den Senator James Henry Lane, gefangen setzen will, und aus Frust die Stadt anzündet, also recht lokal, oder jemand der ein ganzes Grenzgebiet niederbrennt, die Frucht vieler Jahre Arbeit und die Menschen vertreibt. (vgl. General Order No. 11 vom 25. Aug.1863). Dieses Urteil muss sich jeder selber bilden.
    Terrorisiert wird von beiden Seiten und leider auch auf die eigene Bevölkerung.
    Ansonsten ist "Terror" in erster Linie gegen die Kriegswirtschaft des Gegners, ergo dessen Versorgung, ergo dessen Arbeiter/ Zivilbevölkerung gerichtet.
    Vermutlich passen die sog. "Raids", blitzartige Überfälle, am besten in die Kategorie Terror der Bevölkerung. Deren Ziele waren meist strategischer Natur, Konterbande, Lager, Transporte, Eisenbahnlinien, Telegraphennetze, Versorgungsrouten zerstören. Was die Truppe im Feld sicherlich behindern sollte, idealerweise aber den Gegner zwingt anstelle sich auf seine Ziele zu konzentrieren auf diese Überfälle zu reagieren. Also dienten diese Raids auch dazu das Heft zu übernehmen und den Gegner in eine passivere Rolle zu drängen.
    Während diesen Raids waren die Truppenteile meist zu schnell unterwegs um deren Versorgung zu sichern, sie mussten sich selber Versorgen. Oft wurde ordnungsgemäß für Waren bezahlt, vielmals jedoch einfach geplündert. Unglücklicherweise spielen stehts auch Emotionen eine große Rolle, weshalb zu Plünderungen meist auch Mord, Totschlag und Brandstiftung dazu gesellten.

    3. Napoleanoische Kriege
    Neben ihrem Anteil als Unbeteiligte in Leipzig und anderen Ortschaften war die Bevölkerung vor allem durch die Folgen der Kriege quasi "Terrorisiert" wobei dies hier keine ersthafte militärische Zielsetzung dahingehend gab. Krankheiten, Hungersnöte und sie wurden natürlich geschröpft. Geld, Lebensmittel, Nutztiere. All das war zu entrichten oder wurde von den Kriegsführenden Parteien "Konfisziert". In diesen Kriegen wage ich mich soweit zu behaupten, dass sie auf ziviler Bevölkerungsebene quasi "sauber" waren. Auch hier waren Massaker, Mord, Totschlag und Brandschatzungen nicht unüblich, aber sie dienten nicht als Vorgabe. Anstatt Ware zu vernichten war es sinnvoller sie selbst zu verwenden. Eroberte Landstriche zu Verheeren war keine Option, wenn man diese später nutzen oder schröpfen wollte. Tote Vasallen zahlen keine Steuern für die stehts klammen Kriegskassen.

    4. 30-jähriger Krieg
    Hier nun liegt die Vorgabe auf der Hand. "Der Krieg ernährt den Krieg..." sind die geflügelten Worte welche Friedrich Schiller seinem Wallenstein in den Mund legt.
    Der Krieg wurde neben den regulären Heeren von Frankreich, Dänemark und Schweden auch insbesondere von Söldnerheeren, Feldmarschällen oder besser Kriegsunternehmern geführt. Die Heere geregelt zu versorgen war schlichtweg unmöglich, also ging man dazu über, dass die Truppen in den Gebieten durch welche sie zogen, Geld, Gold und Wertgegestände für ihren Lohn und die Kriegskasse erbeuteten und Nahrung, Nutzvieh Gebrauchsgegenstände plünderten um das Heer zu füttern. Dass bereits nach wenigen Jahren sämtliche Gebiete Deutschlands, wo der Krieg maßgeblich ausgeführt wurde, leer geplündert waren, ist nicht weiter verwunderlich. Die blanke Not zwang schließlich Bauern ohne Hab und Gut sich den Heeren anzuschließen. So dass quasi die ganze damalige Bevölkerung quasi unter Waffen stand, da sie entweder in einem der Heere diente, oder einem der Heere folgte. Hunger, Krankheit, Tod und Elend folgten auf dem Fuße, zudem wurde neben dem Machtpoker (Das katholische Frankreich kämpfte z.B. an der Seite der Protestanten) auch ein Glaubenskonflikt, Glaubenskrieg ausgeführt. Wenn Menschen Verantwortung für ihr Handeln an eine höhere Macht abgeben können, sind sie zu allem Fähig. Der Umgang mit "Ungläubigen" wird oft und genug erzählt (Schwedentrunk und Galgenbäume). Der Terror war hier klare Zielsetzung des vorgeschobenen Glaubenskrieges, man wollte die Ungläubigen nicht bekehren, man wollte sie offenbar ausmerzen und sie vernichten. Ironischerweise fielen "Gläubige" beider Seiten genauso hemmungslos über Dörfer der eigenen Konfession wie über jene der anderen her.


    Terror soll nicht die Aufgabe der Bevölkerung bewirken, sondern die Kriegsanstrengungen eines Feindes zunichte machen, indem die Bevölkerung nicht zur Arbeit geht, das öffentliche Leben zusammenbricht und das für Chaos und anarchische Zustände sorgt. Denn wenn man einen Feind dazu bringt sich Problemen im Inneren stellen zu müssen, insbesondere der eigenen Bevölkerung, zwingt man diesen Ressourcen zu verschwenden oder nach Innen zu verwenden, welche an der Front fehlen könnten. Ausserdem wirkt sich Unsicherheit und Gefahr der Liebsten Zuhause auch auf die Moral der Soldaten aus. Im besten Fall gelingt es diese zu erschüttern damit die Soldaten desertieren um ihrer Familie beizustehen, was die Kampfkraft schwächt und das Überwältigen der Streitkräfte deutlich vereinfachen soll.
    Auf der anderen Seite ist Terror allerdings auch oft nur ein Nebeneffekt welcher aus Wut, Frustration, Neid und Hass geboren wird, und der mehr um sich greift, je weniger von der Führungsebene gegengesteuert wird.


    Mfg
    WW
     
  18. excideuil

    excideuil unvergessen

    In einem anderen Faden habe ich u.a. diese Frage gestellt:
    Mit der levée en masse vom 23. Aug. 1793 hier gut beschrieben von Eberhard Straub:

    "Jeder ist auf seine Art Soldat. Die jungen Männer kämpfen an der Front, die älteren produzieren die Waffen und übernehmen den Transport, die Frauen weben, schneidern und dienen als Krankenschwestern, Kinder verfertigen Mullbinden, und die Greise machen mit Reden allen Mut, indem sie die wahrhafte Demokratie preisen und den Hass auf die Monarchen schüren. Es ist die totale Mobilmachung der gesamten Gesellschaft für einen totalen Krieg, in dem es keinen Unterschied mehr gibt zwischen dem Kombattanten und dem friedlichen Bürger. Wer nicht kämpft oder sich erfassen lässt, gerät in den Verdacht, ein Verräter zu sein." [1]

    begann etwas, was ich als Terrorismus gegen das eigene Volk verstehe. Als alternativlos verkündet, gab es nur schwarz und weiß, ein dagegen sein endete z.B. mit dem wohl schwärzesten Kapitel der Franz. Revolution, der Niederschlagung der Aufstände in der Vendée.


    Grüße
    excideuil

    [1] Straub, Eberhard: Der Wiener Kongress Das große Fest und die Neuordnung Europas, Klett-Cotta, Stuttgart, 2014, Seite 31
     

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