Theophanu - eine vergessene Kaiserin?

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Arcimboldo, 4. April 2004.

  1. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ..immer ist von den Muskel -und sprücheklopfenden deutschen Kaisern die Rede, :( hier mal
    erinnert an das byzantinische Mädchen ,daß als 12 jährige aus ihrer niveauvollen Umgebung herrausgerissen wurde um Ottos Dynastie zu veredeln. Verschachert an Otto II, der geb. wurde, als sein Vater gerade das Wunder vom Lechfeld vollbrachte und die Ungarn aus dem Turnier warf. Wen von den Deutschen Potentaten kann man sich vorstellen,der wie Sie für interkulturellen Austausch und Ausgleich gelebt hat...Warum ich auf die komme ? Sie liegt hier um die Ecke in Köln ,St.Pantaleon (griech.Heilige) auf eigenem Wunsch. (*~960-961)
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2004
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  2. askan

    askan Neues Mitglied

    Soweit ich weiß sollte sie in Magdeburg herrschen.
    Madgeburg war als 2. Konstaninopel geplant worden.

    Das arme Mädchen, vom schönen Marmarameer nach Magdebueg verbannt, das noch im Mittelalter.

    Im Ernst es muß ein ziemlicher Kulturschock gewesen sein.
    Als Barbarossa, z.B. vor Konstaninopel stand und um Verpflegung für die Kreuzfahrer bat, notierten die byzan.Chronisten, nicht das ein Kaiser seinen Kollegen um Hilfe bat, sondern das Fridericus, der Häuptling der Alemannen, um Brot bettelt.
    Soweit zum Selbstverständnis der Griechen damals.
     
  3. Sissi

    Sissi Neues Mitglied

    Auch wenn sie aus ihrer niveauvollen Umgebung herausgerissen wurde, hat sie doch einiges erreicht. Nachdem ihr Mann gestorben war und der Thronfogler gerade mal drei Jahre alt gewesen ist, hat sie die Herrschaft über das Hl. röm. Reich dt. Nation übernommen, und sich nciht nur als imperatrix, sondern sogar imperator, also Kaiser, genannt. Das find ich schn sehr beeindruckend für eine "ausländische" Frau. Vielleicht war das dann auch ein kleiner AUsgleich für sie...

    LG Sissi
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Das ausländische wiegte damals nicht so schwer.
    Die Zusammengehörigkeit zum röm. Reich war damals in der Politik noch sehr tragend. Nur das die "Weströmer" bzw. die jeweiligen meist. romanischen und/oder germanischen Amtsträger zur Konkorrenz zu Byzanz standen, die ja de facto die wirklichen Erben des röm. Imperiums waren, auch wenn ise sich religiös abschalteten (oder spalteten wir ab? )
     
  5. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ..nun ,religös gesehen behauptet der Papst in Rom katholisch, also rechtgläubig zu sein und der Patriarch aus Konstantinopel war immer schon orthodox, also noch rechtgläubiger, wobei der Ostkaiser immer über dem geistl.Oberhaupt stand, was ihm viel Äger erspart hat. :p
     
  6. askan

    askan Neues Mitglied

    Die Griechen waren früher schon ziemlich gerissen wenn es um Machtfragen ging.
    Wie hieß es im Ilias: "traue keinem Griechen, auch wenn sie mit Geschenken kommen."
     
  7. Sissi

    Sissi Neues Mitglied

    @ akan. ICh glaub, das ausländische wog damals doch schon, einmal, wie Arcimboldo schon sagte, wegen der katholisch - orthodoxen auseinandersetzung, und zum anderen wegen des Zweikaiserproblems... Oder bin ich da jetzt in einer falschen Zeit?
     
  8. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Zur Zeit Theophanus verstanden sich die beiden Kaiser zunächst relativ gut, immerhin gab es einen Friedensvertrag (oder sowas in der Art) zwischen ihrem Onkel Johannes I. Tzimiskes und Otto dem Großen. Unter Otto II. kam es wieder zu Spannungen mit Byzanz, die letztendlich zu einem Krieg führten.
     
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  9. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Die Kaiser mögen sich gut verstanden haben, ..als bodenlose Anmaßung hat der Patriarch von Konstantinopel den Versuch vom röm.Papst empfunden ,die oström. Kirche unter seiner Jurisdiktion zu verstehen. Hier zeigen sich wohl tieferliegende Gründe im theolog.Bereich der beiden Kirchen neben denen der jeweils aktuellen Machtpolitischen Frage.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    Das wirkt bis heute nach, als der Papst vor ein paar Jahren die Ukraine besuchte, sind die Popen fast ausgerastet.
     
  11. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    .... ebenfalls geschäumt hat ja auch der Moskauer Metropolit bei besagtem Besuch ,der sich als Oberhaupt des dritten Rom übergangen fühlte. Fingerspitzengefühl war bei den Päpsten wohl noch nie Trumpf in der Beziehung ihrer strenggläuigen Brüder und Schwestern im Osten.
    ...geschickte Diplomaten hingegen ware die Byzantiner, die sich aus der Verbindung mit einem Mitglied ihrer makedonischen Dynastie(Theofanu ) und dem "fränkischen "Kaiser etwas ausgerechnet haben in ihrem nicht aufgegebenen Anspruch auf verlorene Gebiete des ital.Festlandes.
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Hmmm, war der Beriff: "Byzantiner" nicht einmal ein Schimpfwort für jemanden der alles verspricht, aber nichts hält?
     
  13. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ..nun die Byzantiner waren sehr Stolz auf ihre Dynastie und befürchteten ,wie man später sehen kann, zurecht ein Machtverlust durch Identitätsaufgabe ihrer originären Herkunft.
    Theofanu war ja ursprünglich nicht erste Wahl,- sondern eine wirkliche Tochter des Kaisers
    Romanos II. mit Namen Anna. Der Verhandlungspartner von Otto I. Nikephoros Phokas befürchtete Ärger mit den hohen byz.Dynasten ,wenn er die wertvollste Partie einem aus iher Sicht nicht gleichrangigen König zur Frau gab. Mit dem neuen Kaiser J.Tzimiskes kam es dann zur Einigung mit seiner jungen NichteTheofanu und Otto I. für seinen Sohn.
     
  14. Sissi

    Sissi Neues Mitglied

    Ich glaub es lag auch daran, dass man die gute Anna nicht einem 'Barbaren' zur Frau geben wollte. Aber wurde sie nicht nur ein paar Jahre später einem russischen Fürsten verheiratet? Also da hätte sie es mit Otto II. schon besser gehabt. Wie dem auch sein, so kam eben Theophanu nach Deutschland.
     
  15. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Hallo Sissi,
    ja, Anna wurde später mit Wladimir von Kiew verheiratet.

    Im Übrigen ist es nicht 100%ig sicher, ob Theophanu wirklich blutsverwandt mit Johannes I. ist. Es gibt da mehrere Theorien, u. a. meinte man urspr., dass auch Theophanu eine Tochter des Romanos II. war. Neben der Vermutung, dass sie mit Johannes blutsverwandt ist, gibt es auch die Theorie, sie sei die Tochter von Konstantin Skleros und Sophia Phokas. Und Konstantin Skleros war der Bruder der Maria Sklerina, der ersten Frau von Johannes I. Wenn dies zutrifft, dann ist Theophanu zwar eine Nichte von Johannes I., aber nicht mit ihm blutsverwandt; außerdem wäre sie dann auch mit Nikephoros II. verwandt, da dieser auch aus der Familie der Phokas stammt.
     
  16. Widukind

    Widukind Neues Mitglied

    Hallo Imperator,

    soweit ich weiß, ist die Theorie, Theophanu sei die Tochter von Konstantin Skleros und Sophia Phokas, die in der Geschichtsforschung favorisierte!

    Schließlich hieß ihre zweite Tochter Sophia, nachdem die erste nach der Schwiegermutter Adelheit genannt worden war!

    Mit besten Grüßen
    Widukind
     
  17. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Hallo Widukind,
    ja, aber sicher ist diese Vermutung auch nicht.
     
  18. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

  19. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

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  20. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Hallo,
    Thorstein hat mich gebeten folgenden Link hier hinein zu stellen:

    http://www.netzwerk.wisis.de/text/478.htm

    Im Übrigen entschuldige ich mich dafür, dass es seit Samstag keine Pressenews gab. Ich hatte Probleme mit meinem PC. Aber ab heute geht das Gemetzel weiter.
     

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