Theophanu - eine vergessene Kaiserin?

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Arcimboldo, 4. April 2004.

  1. silent-kid

    silent-kid Neues Mitglied

    Meines Wissens nach war vor Kiew eine blühende Stadt, die angeblich vor Reichtum fast überlief, reichgeworden durch den Handel entland der Flussroute zw. Schwarzem Meer und Ostsee. Der Fürst von dort war sicherlich keine schlechte Partie, v.a. was den Handel anging konnte Byzanz dadurch seine Interessen wohl deutlich besser durchsetzen.

    Wohl eine deutlich bessere Wahl die junge Anna mit ihm zu verheiraten. Lag das Gebiet um Kiew damals doch Byzanz rein mental wesentlich näher, als das rauhe, kalte und unwirtliche Reich im Westen.
     
  2. Widukind

    Widukind Neues Mitglied

    Die Ehe von Anna und Wladimir wurde 989 geschlossen, da war der spätere Großfürst gerade mal seit einem Jahr Christ! Sein Vater Swajtislaw oder Swjatoslaw (+ nach August 1018) blieb sogar bis zu seinem Lebensende Heide! Da hat Anna (+ 1011) schon längst nicht mehr gelebt!

    Wenigstens wurde Wladimirs Großmutter Olga schon 957 in Konstantinopel getauft.
     
  3. Enginger

    Enginger Neues Mitglied

    Trotzdem war das Kiewer Rus mit seinen goldenen Dächern, seinen Gelehrten und Status sicherlich bedeutender als ein zerfallender (Fränkische Teilung) durch Wikinger und Ungarnüberfälle auseinanderdriftender Staat im nassen/kalten Norden.
    Von der langfristigen Bindung Russlands und des größten Teils der Ukraine an die Ostkirche mal ganz zu schweigen.
    Erst durch die Mongoleneinfälle verlor Kiew seinen Reichtum und Status.
     
  4. Andrea G.

    Andrea G. Gast

    Woran verstarb Theophanu?

    Hallo Ihr alle.

    Und wieder will ich Euch mit einer Frage belästigen:

    Ich habe nun einiges über Theophanu gelesen und auch die Doku im Fernsehen gesehen. Ich interessiere mich sehr für die Ausnahmsbilder einer starken Frau in der Geschichte, die ja leider viel zu selten sind. Vielleicht, weil die Frauen schon immer etwas leiser und diplomatischer waren als.... ;)

    Aber zu meiner Frage:
    Theophanu war so jung, als sie verstarb. Ich habe immer nur gelesen, dass sie kurz erkrankte. Aber woran sie starb, konnte ich bisher nicht herausfinden. Weiß das einer? Gibt es Dokumente darüber, die mir da weiter helfen können? Vielleicht die Beschreibung von Symptomen ihrer Leibärzte?

    Manchmal denke ich, das kann doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Kurz erkranken und dann sofort sterben und das so jung. Ob da nicht mal jemand nachgeholfen hat.

    Danke für die hoffentlich fundierten Antworten, die da kommen werden und mich weiter bringen.

    Andrea
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo Andrea,

    es gibt durchaus dazu Aufzeichnungen.
    Ein Dokument dazu stammt von Thietmar von Merseburg - s. a. http://www.netzwerk.wisis.de/text/293.htm

    Eine Übersicht zu den verschiedenen Aufzeichungen zum Jahr 991 (ich hoffe, Dein Latein ist gut):
    http://www.digitale-sammlungen.de/~...id=00000870&fip=217.227.109.238&no=7&seite=77

    Es gibt Historiker, die auch von dieser Möglichkeit sprechen - aber wohlgemerkt: von der Möglichkeit; d.h., es gibt dafür wohl keine sicheren Belege.
    Vgl. dazu http://www.genealogie-mittelalter.d...theophano_sklerina_deutsche_koenigin_991.html
    (Mittlerer Textteil...)
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2007
  6. AndreaG

    AndreaG Gast

    Hallo Timotheus,

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Das Dokument kannte ich schon.Leider steht auch da nicht viel.

    Nein, da bin ich leider mit meinem nicht vohandenen Latein am Ende ;)

    Soso die Capetinger. Ich glaub das schon. Sicherlich, sie wird viele Feinde gehabt haben, auch im eigenen Haus.Und eine Kaiserin kann man ja schlecht auf dem Schlachtfeld töten oder blutig um die Ecke bringen. Wie sähe das denn aus. Nicht gerade Gentleman like.Und Gift war zu der Zeit sicherlich unmöglich nachzuweisen.

    Schade schade!

    Andrea
     
  7. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Aha, möchte auch mal gerne wissen wie Herr Althoff darauf gekommen ist.
     
  8. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Kein Problem :cool:



    Die Schnellübersetzung des entsprechenden Textauszuges via Computerprogramm:
    Anm.: Keine Garantie für die Übersetzung - Lateinexperten, bitte ggf. korrigieren!

    Wie bereits geschrieben, schreiben die Fachleute "möglicherweise" - es ist also lediglich eine Vermutung.
    Ich kann aber nicht sagen, wie Herr Althoff zu dieser Vermutung gekommen ist...
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Mai 2007
  9. jeanne d'arc

    jeanne d'arc Gesperrt

    Die Antwort steht im Roman von Henry Benrath: ( Er lässt Theophanu selbst erzählen):
    " Die Fieber kamen und fraßen mich auf ... Vor meinen Augen gingen dunkelblaue, graubraune Wogen ... Wochen...Monate...Jahre....
    Dann kam das Schweben - das Fortgetragenwerden - auf Ährenspitzen windbewegter Kornfelder - auf den hortensienblauen Wassern des Bosporus - auf den Teerosenfeldern von Gümüldjinna - Wohin ? Wohin ?
    Habe ich mit dem Gifte der Kapetinger bezahlt ?
    Ich weiß es nicht" ..............
    Zitiert aus dem Schluß des Romans - S. 345
    salu, jeanne
     
  10. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Einmal abgesehen davon, daß es dort auch ziemlich vage formuliert ist, würde mich interessieren, woher Henry Benrath diese Version hat... :grübel:
    Wie bereits erwähnt, äußert es ein Fachmann von Reputation wie Gerd Althoff auch lediglich als Vermutung; etwas Abgesichertes habe ich diesbezüglich aber bislang nicht gefunden.
     
  11. buchdrucker

    buchdrucker Neues Mitglied

    Kaiserin Theophanu und die Ottonen

    Diese Kaiserin aus Byzanz wird in der deutschen Geschichte wenig beachtet. Dabei hat sie vor rund 1000 Jahren ein Reich regiert, dass in seiner Komplexität und Grösse eine Weltmacht war.

    Nach dem frühen Tod ihres Mannes, Kaiser Otto II, übernahm sie die Regentschaft für ihren Sohn. Durch eine kluge Politik, aber auch durch Kriege konnte sie das Reich konsolidieren und widerspenstige Fürsten und Bischöfe in ihre Politik einbinden.

    Leider starb sie sehr früh in Nymwegen und wurde in Köln bestattet.

    Mich interessiert besonders ihre Politik gegenüber Fankreich. Wer hat sich mit dieser bedeutenden Herrscherin beschäftigt?
     
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  12. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dem möchte ich in solcher Absolutheit nicht ungeteilt zustimmen.
    Siehe dazu auch die ursprünglichen drei Threads, welche ich soeben zu einem Thread zusammengeführt habe.

    Hier nochmals eine Empfehlung zu ihr: Theophano Sklerina Deutsche Königin + 991
     
  13. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Eigendlich haben ja die deutschen Fürsten ,Theophanu gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Adelheid die Regentschaft anvertraut, nach dem Tode Ottos, wenn ich das noch richtig im Kopf habe.
    Der Thronerbe war ja erst drei Jahre alt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2009
  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    ich habe keineswegs den Eindruck, dass Theophanu von der deutschen Forschung und Geschichtsschreibung stiefmütterlich behandelt wird. Es gibt eine ganze Reihe von Biografien und sonstigen Publikationen, die Leben und Wirken dieser byzantinischen Kaiserin thematisieren. Wer sich mit mittelalterlicher Geschichte beschäftigt, kommt an dieser bedeutenden Frauengestalt ohnehin nicht vorbei.

    Die Verdienste der Theophanu um das Reich sind in der Tat unbestreitbar, denn am politischen Geschehen nahm die hochgebildete Frau lebhaften Anteil.

    Nach Ottos II. Tod leitete sie die Erziehung des minderjährigen Otto III., sicherte ihm gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Adelheid den Thron und führte - von Erzbischof Willigis von Mainz und Kanzler Bischof Hildibald von Worms unterstützt - mit Umsicht und Festigkeit das vormundschaftliche Regiment. Adelheids Einfluss wurde dabei wie schon zuvor unter Kaiser Otto II. zeitweilig zurückgedrängt.

    Theophanu zeigte sich den inneren und äußeren Gegnern (Heinrich der Zänker, Miesko von Polen, Boleslaw II. von Böhmen, König Lothar von Westfranken) durchaus gewachsen, sicherte 987 Lothringen für das Reich und trat auch in Italien uind Rom, wo sie 989/90 mit einem Heer erschien (!), als "Imperator Augustus" urkundete (!), nach ihrer Kaiserkrönung datierte und andere kaiserliche Rechte ausübte, als Platzhalter ihres Sohnes auf.

    Ihr Einfluss macht wesentliche Züge von dessen politischer Ideologie (Renovatio imperii Romanorum) verständlich.

    Insgesamt also eine glänzende Bilanz und das in einer Zeit, die die freie Entfaltung der Fraueen nur allzu oft behinderte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2009

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