Ich habe mich nochmal bei Florus eingelesen.
Florus wird als Quelle zum Schlachtgeschehen ja eher abgelehnt, weil er mit dem Lager-Angriff fundamental den anderen Quellen widerspricht.
(Ich bin kein Historiker sondern nur Laie und es gibt schon zuviel Laien-Unsinn zu Varus, Germanicus, Drusus & co.
Daher verzeiht bitte, wenn ich Grundlegendes übersehe.)
Allerdings, so wie ich das sehe, widerspricht Florus nur mit sieben Wörtern den übrigen Quellen.
Nur diese sieben Wörter suggerieren den Angriff auf ein Lager mit einer Gerichtsversammlung.
Wenn man diesen einen Satz
symbolisch auslegt, passt Florus zu den anderen Quellen.
Ich gehe hier Florus mal komplett durch und markiere die drei Wörter.
| Deutsch | Latein | Steht im Widerspruch zu anderen Quellen? | |
| (29) Doch ist es schwerer, Provinzen zu halten als sie zu schaffen [44f]; mit Streitkräften werden sie errichtet, (aber) mit Hilfe des Rechts behauptet. (30) Daher war die Freude nur kurz. Da die Germanen eher besiegt als bezwungen waren, blickten sie unter dem Feldherrn Drusus eher argwöhnisch auf unsere Sitten als auf unsere Waffen; | (29) Sed difficilius est prouincias optinere quam facere [44f]; uiribus parantur, iure retinentur. (30) Igitur breue id gaudium. Quippe Germani uicti magis quam domiti erant, moresque nostros magis quam arma sub imperatore Druso suspiciebant | Nein | |
| (31) nach seinem Tod aber fingen sie an, die Ausschweifung und den Stolz des Varus Quintilius ebenso zu hassen wie seine Grausamkeit. Dieser wagte es sogar, eine (Gerichts-)Versammlung einzuberufen, und er hatte sie recht unvorsichtig anberaumt, so als könne er der Wildheit der Barbaren mit den Stäben der Liktoren und der Stimme des Gerichtsdieners Einhalt gebieten | (31) postquam ille defunctus est, Vari Quintili libidinem ac superbiam haud secus quam saeuitiam odisse coeperunt. Ausus ille agere conuentum, et incautus [of] edixerat, quasi uiolentiam barbarum lictoris uirgis et praeconis uoce posset inhibere | Nein.
Das deckt sich sogar mit Paterculus, der ebenfalls von einem richterähnlichen Auftritt des Varus spricht. | |
| (32) Jene aber, die es schon längst [S. 53] schmerzte, daß ihre Schwerter verrosteten und ihre Pferde schlapp würden, griffen unter der Führung des Arminius zu den Waffen, sobald sie merkten, daß Togen [46f] und Rechte grausamer waren als Waffen | (32) At illi, qui iam pridem robigine obsitos [S. 52] enses inertesque maererent equos, ut primum togas [46f] et saeuiora armis iura uiderunt, duce Armenio arma corripiunt; (33) cum interim tanta erat Varo pacis fiducia, ut ne prodita quidem per Segesten unum principum coniuratione commoueretur. | Nein. | |
| (33) unterdessen war das Vertrauen des Varus in den Frieden so groß, daß er sich nicht einmal rührte, als ihm die Verschwörung durch Segestes, einen der Fürsten, aufgedeckt wurde. | (33) cum interim tanta erat Varo pacis fiducia, ut ne prodita quidem per Segesten unum principum coniuratione commoueretur. | Nein. | |
(34) Folglich griffen sie ihn, der nichts ahnte und so etwas nicht fürchtete, unvermutet losbrechend, von allen Seiten an, als er - welch eine Selbstsicherheit - zum Tribunal rief;
das Lager wurde geplündert, und drei Legionen wurden vernichtet. | (34) Itaque improuidum et nihil tale metuentem ex inprouiso adorti, cum ille - o securitas! - ad tribunal citaret, undique inuadunt; castra rapiuntur, tres legiones opprimuntur. | Ja.
Die drei Wörter widersprechen den anderen Quellen.
Sie besagen, dass Varus in einem Lager bei einer Versammlung angegriffen wird | Hier ist der entscheidende Satz |
(36) Nihil illa caede per paludes perque siluas cruentius, nihil insultatione barbarum
(...) | 36) Nichts war blutiger als jene Katastrophe in Sümpfen und Wäldern, nichts unerträglicher als der Spott seitens der Barbaren
(...) | Nein | |
Florus spricht auch an anderer Stelle symbolisch.
So schreibt er unter (32) davon, dass eine römische Toga bzw. römische Togen grausam wäre(n).
Eigentlich finde ich, dass Florus ansonsten exzellent zu den anderen Quellen passt.
Auch dass der Angriff plötzlich und von allen Seiten kam, passt ja zum Angriff auf die Marschformation nach Dio.
Einen feinen Unterschied zu Paterculus habe ich aber noch bemerkt.
Patercuslus spricht davon, dass die Germanen die juristischen Streiterein nur vorgetäuscht haben.
Florus stellt die Streiterein als echt dar, die Germanen sind wütend über die "Gerichtsurteile".
Für diesen kleinen Unterschied gibts aber auch Erklärungen.
Was meint Ihr: Kann Florus den Satz mit dem Angriff auf ein Lager eher....symbolisch gemeint haben?