Verbrennung

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Kassia, 6. Juni 2006.

  1. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Also muß ich meine Frage etwas modifizieren: Warum wurden Ketzer verbrannt? (Und jetzt sag nicht: Weil auch Hexen verbrannt wurden ;))

    Das mit dem verbrannten Propst bilde ich mir nicht ein: http://www.mgh.de/da/rezensionen/band52.1/0229.html
    (um ein bißchen aus dem Nähkastchen zu plaudern: Als Kurzes ehem. Hilfskraft kann ich mich erinnern, daß er schon damals darüber nachgrübelte, wieso sie den Propst verbrannt haben, anstatt es beim Erschlagen zu belassen)

    Der Begriff der Auferstehung des Leibes / Fleisches ist keineswegs ein für allemal geklärt (gewesen). Wie verstand man damals das Verhältnis von Seele und Leib /Körper?
    Der pneumatische Leib, von dem Paulus redet (1Kor15,42-44) ist unantastbar, da kann auch eine Verbrennung nichts dran ändern. Aber sah man das damals auch so (also in etwa zur Zeit von Trient)?
    Das auf und ab der physizistischen Auffassung kann man gut bei Angenendt nachlesen (Geschichte der Religiosität im MA, S. 721ff)

    Kassia
     
  2. ning

    ning Gesperrt

    Na, dann (im Mercyschen sinne) nochmal und weniger schräg:

    "Als Sodomiten, Hexen und Häretiker Verurteilte starben oft auf dem Scheiterhaufen, da nach damaliger Auffassung der Kirche durch das „reinigende Feuer“ ihre Seele gerettet werden sollte.
    /
    Bei den Sodomiten wollte man außerdem die Flammen von Sodom nachahmen – jener Stadt, die laut Bibel (Gen 18-19) wegen ihrer Sündenverfallenheit unter einem Regen von Feuer und Schwefel begraben wurde. Auch Tiere wurden nach Tierprozessen auf dem Scheiterhaufen verbrannt."


    Außerdem steht da noch: Bekannte sich der Häretiker schuldig, wurde er vom Scharfrichter erdrosselt, eine Straferleichterung vor dem qualvollen Feuertod sozusagen ...

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Scheiterhaufen
     
  3. ning

    ning Gesperrt

    Corpora eorum ignibus crementur

    ... jetzt hab ich bei dem Thema Feuer gefangen ...:still:

    http://www.dhm.de/ausstellungen/hexenwahn/aufsaetze/02.htm
    stellt mal die Einführung des Feuertodes fest:
    "Bereits im ausgehenden 12. Jahrhundert finden sich für Bereiche der iberischen Halbinsel weltliche Bestimmungen zur Ketzerverfolgung. So erklärte König Alfons II. von Aragón († 1196) im Jahre 1194 Häretiker zu Feinden des Volkes und des Staates. Sie seien als Hochverräter Majestätsverbrecher (crimen laesae majestatis) und daher unter Konfiskation ihrer Güter des Landes zu verweisen. Drei Jahre später verschärfte Alfons' Sohn, Peter II. († 1213), diesen Erlass. Um die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Verfolgung zu animieren, versprach er Denunzianten ein Drittel des Ketzerbesitzes. Vor allem aber führte er die Strafe des Feuertods (Corpora eorum ignibus crementur) für verurteilte Häretiker ein. Damit erfüllte erstmals ein Herrscher die Forderung der Kirche, die selbst kein Blut vergießen durfte, nach der Bestrafung der Ketzer durch den weltlichen Arm.

    Ich stelle das deshalb herein, weil in vielen Quellen (auch so unschräge wie Wikipedia) stets und anscheinend fälschlich der (eigentliche Oberhäretiker für die Kirche) Friedrich II als Urheber des Feuertodes für Häresie und Hexerei genannt wird.

    Nachforschenswert wäre, ob die Nähe zur arabischen resp. vorderasiat. Kultur und Rechtsprechung (bei Friedrich wie bei Peter) eine Rolle für die Wahl der Qual spielte und man (ich) dadurch viell. Jacobums weit zurückreichende Erklärungen als geschichtl. Vorlauf erkennen kann ...
     
  4. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Die Forderung der Kirche? Dann sind die weltlichen Herrscher quasi der verlängerte Arm der Kirche. Da weltliche Herrscher in erster Linie aber Gott und damit der Kirche Gehorsam schuldeten, haben sie sozusagen im vorauseilenden Gehorsam Ketzer verbrannt.
     
  5. ning

    ning Gesperrt

    Irene, die Katze -umformuliert- leckte sich hier den Schwanz und beginnt so: Katharer, Waldenser -> von Innozenz III als Häretiker zuerst unter Kirchenführung verfolgt, Besitz eingestrichen -> dies erregt Widerstand v. a. kirchenintern (die Strafverfolgung aber auch Bereicherung wurden angeprangert) -> Innozenz macht einen Deal mit den weltlichen Herrschern und diese übernehmen nach und nach die Sache. Von blindem Gehorsam und vorauseilend kann historisch abfolgend nicht die Rede sein.

    Weil das Schwert (richterl. Gewalt inkl.) und der "Judaslohn" (Einstreichen des Eigentums der Ketzer) nicht Sache des Kirchenmannes sein durfte: ein Deal.
    Zumindest hab ich die Geschichte bisher so verstanden.

    :still: Aber eigentlich geht es ja um den Feuertod als Hinrichtungsart. ;-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juni 2006
  6. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Bei welchem Lemma? Bei "Ketzerverbrennung" steht nur, dass er ein entsprechendes Edikt erließ, nicht dass er als erster die Verbrennung anordnete und Augustinus als erster für die Verbrennung eintrat.
    Ich lese nur bei Robert II.
    "Indem er 1022 in Orléans eine Anzahl von kirchlichen Amtsträgern der Stadt, darunter den Beichtvater Konstanzes, als Ketzer verbrennen ließ, wurde er zum ersten mittelalterlichen Herrscher, der eine Ketzerverbrennung anordnete."
     
  7. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Da muss man immer die Diskussionsseite dazu lesen!
     
  8. Mercy

    Mercy unvergessen

    Wenn sie denn existiert.
     
  9. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Und um die Verwirrung noch weiter zu treiben: Was ist bei der Verbrennung germanisches Erbe (habe ich mehrfach gelesen, daß das so sein soll, aber nicht wann, von wem, in welchen Fällen etc.) und was geht auf Augustinus zurück? Inwiefern hatte der Alte von Hippo sich mit dem Feuertod von Abweichlern zu beschäftigen? (Die Häretiker an sich sind mir geläufig, Donatisten, Manichäer, Pelagianer etc.)
     
  10. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Ich will das nicht behaupten, aber ich bin auf die Stelle in anderem Zusammenhang gestoßen und stelle das einmal kommentarlos in die Diskussion hinein.
    In der Capitulatio de partibus Saxoniae, die Karl d. Gr. den besiegten, heidnischen Sachsen vorschreibt (ca. 782 n. Chr.) findet sich folgender Passus:

    Besser ist das folgende aus den Berichten einer Reformsynode für die fränkische Kirche unter Bonifatius, dem Concilium Germanicum (742/743 n. Chr.)

     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich habe mir mit einigem zeitlichen Abstand diesen Thread durchgelesen und denke, daß beim Thema "Verbrennung" schon ein wenig differenziert werden muß...

    Angesprochen wurden verschiedene Traditionen, wobei auch zwischen diesen bzw. in diesen eine genauere Betrachtung notwendig erscheint...

    1. Altrömische Todesstrafe "Feuertod": im Zwölftafelgesetz (um 450 v.Chr.) schriftlich fixiert als Strafe bei Brandstiftung (ius talionis: Prinzip, Gleiches mit Gleichem zu vergelten), aber in der Anwendung erst sicher belegt unter Kaiser Nero (54/68), kam diese Strafe später - neben anderen Strafen - unabhängig vom Delikt während der Christenverfolgung zum Einsatz. Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, wurde diese Strafe beibehalten - weil sie wohl im Gegensatz zu Kreuzigung und Damnatio Ad Bestias nicht aus religiösen Gründen abgelehnt wurde.
    Anm.: Es mag auch die bereits angesprochene Sicht auf das "reinigende Feuer" schon eine Rolle gespielt haben, aber das ist Spekulation meinerseits.

    2. In der germanischen Tradition hat das mit Todesstrafe nichts zu tun, aber hier gibt es verschiedene Arten von Feuer...
    Das von Bonifatius gegeißelte Nodfyr oder Niedfyr diente nach dem Volksglauben der Abwehr von Dämonen und bösen Geistern bzw. der von diesen gebrachten Schäden; dieses findet im christlichen Volksglauben eine christliche Umdeutung und Fortsetzung mit dem Johannisfeuer.
    Ein anderes Feuer ist die übliche Form der Feuerbestattung - übrigens nicht typisch germanisch, sondern in vielen Kulturen verbreitet. Diese wurde im Christentum aufgrund des wortwörtlichen Verständnisses der Auferstehung im Fleisch über Jahrhunderte abgelehnt.

    Die ambivalente und auf den ersten Blick widersprüchliche Einstellung des Christentums zum Feuer wird mE nur dadurch erklärlich, wenn zwischen Feuertod (Strafe) und Feuerbestattung (Bestattungsritual) strikt getrennt wird.

    BTW eine sehr interessante Seite zu den Hintergründen, insbes. aber auch zur Verbrennungspraxis während der Hexenverfolgung ist http://www.historicum.net/themen/he...sslingen_Hex/html/artikel/1616/ca/68f8aeeee0/
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2006
  12. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Da ich darauf aufmerksam gemacht wurde (wofür ich auch sehr dankbar bin), muß ich noch einen Kommentar zu einem Satz in meinem vorigen Beitrag hinzufügen...

    Das Johannisfeuer steht gewiß nicht nur mit dem genannten Notfeuer der germanischen Tradition in Zusammenhang, und so hatte ich es auch gar nicht verstanden wissen wollen.
    Ich hatte diesen einen Bezug hier lediglich hergestellt, weil es zuvor explizit zur Sprache kam... :fs:
     
  13. Anni

    Anni Gast

    Vielleicht weil die Menschen dachten das solche Menschen nur schlechtes tun und die Menschen krank machen. Es ist vieles Moglich aber so genau weiß man das gar nicht, oder? Ich habe von dem alles noch nicht soviel gehöhrt!
     
  14. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Erstaunlich finde ich, wie lange sich spiegelnde Strafen, darunter auch die Verbrennung, hielten. 1813, also lange nach der letzten Hexenverbrennung in Europa 1782 in Glarus, wurden in Berlin Christoph Horst und seine Freundin Fiederike Delitz zum Feuertod verurteilt. Die beiden waren Mitglieder der Bande des "Schönen Karls". Diese fielen weniger durch die raffinierte Vorbereitung ihrer Coups auf, als durch die Skrupellosigkeit, mit der sie Höfe, Weiler und selbst kleine Dörfer abfackelten, um dann im Chaos einzubrechen und zu stehlen.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Heinrich von Kleist schrieb über "die Mordbrennerbande" schon in den Berliner Abendblättern, der ersten täglich erscheinenden Zeitung Deutschlands, für die er exklusiv Polizeiberichte auswertete. Weil er aber auch ständig unterschwellig Napoleon kritisierte, gewährte ihm die preußische Polizei bald keinen Einblick in die Polizeiberichte mehr und die Berliner kauften die Abendblätter nicht mehr, weil der interessanteste Teil - Unfälle, Mord und Totschlag - wegfiel, die Zeitung ihre Attraktivität verlor. Deshalb musste die am 1. Oktober 1810 begonnene Zeitung schon im April 1811 aus Unrentabilität eingestellt werden.
     
  16. Mercy

    Mercy unvergessen

  17. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hier handelt es sich um einen Irrtum. Die Anna Göldin wurde am 13. Juni 1782 wegen "Hexerei" zum Tod durch das Schwert verurteilt und hingerichtet. Von Hexenverbrennung kann hier keine Rede sein...

    Gruss
    Pelzer

    .
     
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  18. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das war mir neu, danke, @pelzer
     
  19. Caecilia

    Caecilia Gast

    Hier hab ich dazu noch was gefunden bei wiki:
    Anna Göldi - Wikipedia

    Pelzer, erst dachte ich Du wärst mit Deinem Avatar eine Mischung aus Bierwurscht und Mortadella mit Pistazien, andererseits erinnert es mich auch etwas an die Nebra-Scheibe...
     
  20. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Ja, ja - ist die Wurst von Nebra. Hab ich bei Raubgrabungen in meinem Kühlschrank gefunden...

    Gruss
    Pelzer

    .
     

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