Vergleich zwischen totalitären und faschistischen Staaten in Europa

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Anna234, 14. April 2019.

  1. Anna234

    Anna234 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,
    ich schreibe demnächst mein Abitur in Geschichte und habe gerade im Bildungsplan gesehen, dass ich totalitäre (Nationalsozialismus) und faschistische (Italien, Spanien) Regime in Europa miteinander vergleichen soll. Allerdings ist mir der Unterschied zwischen Totalitarismus und Faschismus nicht ganz klar. Ich weiß, dass z. B. das Dritte Reich besonders durch die Vernichtungspolitik und den Antisemitismus sich vom italienischen Faschismus abgrenzt hat.
    Leider habe ich zu dem Thema nichts in meinem Heft gefunden und auch das Schulbuch enthält keinen Vergleich.
    Ich würde mich daher sehr über Antworten freuen

    Liebe Grüße
    Anna
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ergeben sich zunächst eine Reihe von Fragen, weil es ein umfangreiches Thema ist und dazu liegt eine Menge an Literatur vor.

    - In Wiki die entsprechenden Stichworte gesucht?
    - Irgendeine Literatur angesehen? Welche?
    - Eine Bibliothek in Reichweite?
    - Wie ist das Interesse an der Beschäftigung mit dem Thema? (Lernen und Vergesssen oder ernsthaftes Interesse?)
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es gibt mittlerweile eine akademische Diskussion, ob es mehr Gemeinsamkeiten oder Unterschiede gibt zwischen den beiden typischen "totalitären" Gesellschaften, der stalinistischen UdSSR und dem 3. Reich Hitler`s.

    Ansonsten ist der Faschismus im weitesten Sinne eine "Unterkategorie" des "Totalitarismus". Und die NS-Ideologie wird als eine Variante des Faschismus definiert bzw. man kann die länderspezifischen Arten des Faschismus unter das wissenschaftliche Konstrukt "Faschismus" einordnen.

    Als zusätzliche Hinweise, weil Suchen immer so schwierig ist:

    http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/173908/glossar?p=20

    https://community.zeit.de/user/loki45/beitrag/2010/03/06/nationalsozialismus-oder-faschismus

    http://www.bpb.de/apuz/257662/globalgeschichte-des-faschismus?p=all

    aus der Apuz Publikation:
    http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/257678/anti-faschismus
    als pdf-download

    Strukturelle Analyse des Faschismus / Nationalsozialismus /
    https://www.volksverpetzer.de/analyse/12-merkmale-faschismus/

    Faschismus in Deutschland und Italien
    http://www.sehepunkte.de/2006/09/8954.html

    Und eine ganz brauchbare Darstellung zum Unterschied:

    "there’s a big difference: Beantworten lässt sich diese Frage, durch einen Vergleich des italienischen Faschismus mit dem Deutschen Nationalsozialismus.

    Ein erster Unterschied lässt sich an ihrer Einstellung zum traditionellen Staat feststellen. Während in Italien Mussolini letztlich an vielen Traditionen (wie der Monarchie) festhalten und lediglich einen nach seinen Vorstellungen stärkeren Staat schaffen wollte, schafften Hitler und die Nationalsozialisten die meisten alte Institutionen ab um deren Aufgabenbereiche in ihren Gleichschaltungsapperat zu integrieren. Die NSDAP erwarb deutlich größeren Einfluss auf alle Teile der deutschen Gesellschaft, als es die Faschisten unter Mussolini geschafft haben. Dies lässt sich auch im postnationalsozialistischen Deutschland noch erkennen, wenn man etwa die italienische und deutsche Arbeiterbewegung nach 1945 vergleicht.

    Weiter hatte der italienische Faschismus zwar durchaus einen expansiven Charakter, jedoch nicht in dem Maße, wie es beim deutschen Nationalsozialismus der Fall war. Elemente, wie die deutsche Blut-und-Boden-Ideologie, deren Folge der unmenschliche Vernichtungskrieg im Osten war, gab es hier nicht.

    Von größerer Bedeutung aber ist der Unterschied der beiden Ideologien im Hinblick auf Rassentheorie und Antisemitismus. Der deutsche Nationalsozialismus passte sich insofern den deutschen Gegebenheiten oder den Bedürfnisse der Deutschen an, als dass er schon als Mittel der Machterlangung antisemitische und rassistisch-biologistische Propaganda nutzte. Antisemitismus und Rassismus also waren hier zentrale Bestandteile der Ideologie, die von Anfang an offen hervortraten und nach außen hin proklamiert wurden.

    In Italien war dies anders: Eine Rassenideologie gab es in dem Maße nicht, erst 1938 begannen biologistische Anschauungen eine Rolle zu spielen. Auch hatte der Antisemitismus hier nicht eine solch vernichtende Konsequenz wie in Deutschland. Zwar spielte er auch hier in der faschistischen Ideologie eine Rolle, jedoch trat er eher in Form von Diskriminierung, Vertreibung und Entrechtung in Erscheinung, als in der einzigartigen Form des maschinellen Völkermordes, wie es in Deutschland der Fall war.

    Hier soll es nicht um eine Relativierung des italienischen Faschismus gehen, dieser soll hier nicht seines Schreckens beraubt werden und sicherlich sind Diskriminierung, Vertreibung und Entrechtung der Juden in Italien schrecklich genug gewesen. Jedoch sollte als zentraler Punkt deutlich werden, dass der Holocaust, also die maschinelle Vernichtung von Millionen von Menschen, eine spezifisch deutsche Tatsache ist, die im italienischen Faschismus so nicht auftrat."

    Quelle: https://afyd.wordpress.com/2008/09/18/faschismus-und-nationalsozialismus-–-zwei-begriffe-die-gleiche-sache/

    Und noch ein paar Literaturhinweise: (eher günstig)
    Arendt, Hannah (2013): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus.., München: Piper
    Bauerkämper, Arnd; Kocka, Jürgen (2006): Der Faschismus in Europa 1918-1945. . Reclam: Stuttgart
    Nolte, Ernst (1990.): Der Faschismus in seiner Epoche. Action française, italienischer Faschismus, Nationalsozialismus. , 25. - 27. Tsd., (8. - 10. Tsd. dieser Ausg.). München, Zürich: Piper
    Paxton, Robert O. (2006): Anatomie des Faschismus. 1. Aufl. München: Dt. Verl.-Anst.
    Schieder, Wolfgang (2010): Der italienische Faschismus, 1919-1945. München: Beck
    Wippermann, Wolfgang (2009): Faschismus. Eine Weltgeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute. 1. Aufl. Darmstadt: Primus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. April 2019 um 10:37 Uhr
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  4. Anna234

    Anna234 Neues Mitglied

    Hallo thanepower,
    ich habe im Internet keinen wirklichen Unterschied gefunden. Auf meinen Abikarteikarten von Klett steht nur, dass die Vernichtungspolitik und der Antisemitismus das dritte Reich von anderen faschistischen Staaten abgrenzen. Ich dachte es gäbe vielleicht noch einige andere offensichtliche Unterschiede.
    Leider habe ich aufgrund des anstehenden Abiturs nicht die Zeit mich ausführlich mit dem Thema mithilfe von Literatur auseinanderzusetzen.
     
  5. Anna234

    Anna234 Neues Mitglied

    Hallo thanepower,
    vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
    Sie haben mir sehr weitergeholfen.

    Liebe Grüße
    Anna
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da hat AfYD m.E. Unrecht, wenn man an den Abessinienkrieg denkt, da gab es zwar keine Mordfabriken, aber einen Vernichtungskrieg gab es auch dort, mit Senfgasangriffen, Massenerschießungen und der gezielten Bombardierung von Krankenhäusern. Es mag diesem Vernichtungskrieg die exterminatorische Zielsetzung gefehlt haben.

    @Anna234
    Definiere: Was ist Faschismus?
    Was ist Totalitarismus?
     
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  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Nun ja... diese zwei Merkmale, die die zentralen politischen Unterschiede kennzeichnen, haben in der Realität zu einem Krieg und einem Genozid geführt, in dessen Verlauf mehr als 50 Mio Menschen ihr Leben haben lassen müssen.

    Sekundär betrifft das natürlich die staatliche Organisation, die in ihren Funktionen, diese zwei Unterschiede in die Realität umgesetzt haben. Das betrifft u.a. die staatliche Unterdrückung durch das RSHA (SS, Gestapo etc.), die Umsetzung des Krieges durch die Wehrmacht und die Formierung der Wirtschaft und der Gesellschaft auf den "Totalen Krieg".

    Insofern ergeben sich in der Realität gravierende Unterschiede.
     
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  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Sehe ich ein wenig anders. Es gab im italienischen Faschismus, wie auch in Japan (vgl. Young: Japan`s Total Empire) , einen historischen Bezug, aus dem man die Expansion heraus begründet hatte. In Italien unter Rückgriff auf das römische Imperium (vgl. z.B. MacGregor Knox)

    Es gab aber für den italiensischen Fasschismus keine historisch angelegte Verbindung zwischen Großraumpolitik, sozialdarwinistischer Rassetheorie und politischem Revanchismus. Die Kombination war "neu" und ebenfalls die Radikalität in der Umsetzung. Wenngleich die einzelnen Aspekte des NS-Regimes für sich nicht neu waren.

    In diesem Sinne: "The similarities in structure and dynamics between Fascist Italy and Nazi Germany provide clues to help to explain the enormous disparities between them in expansionist zeal, fighting power, and staying power." ( MacGregor Knox, 2000, S. 227)

    https://www.geschichtsforum.de/thema/verbindung-hitler-mussolini-ideologie-kriegsverlauf-etc.46735/
    Knox, MacGregor (2007): To the threshold of power, 1922/33. Origins and Dynamics of the Fascist and National Socialist Dictatorship. Volume 1. Cambridge: Cambridge Univ. Press
    Knox, MacGregor (2000): Common destiny. Dictatorship, foreign policy, and war in fascist Italy and Nazi Germany. Cambridge: Cambridge University Press.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. April 2019 um 12:13 Uhr
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  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was nicht verhinderte, dass sowohl Italiener als auch Japaner mordend und brandschatzend durch Abessinien bzw. China und Korea zogen.
     
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  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Keine Frage, und für die Betroffenen war es auch egal, wie komplex die Begründung für ihre Tötung waren.
     
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  11. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Sowohl in Italien als auch in Japan, gab es eigentlich noch eine Instanz oberhalb des Duce und der Regierung in Japan. In Spanien sah es schon wieder anders aus. Aber dafür hat sich Spanien aus dem 2. Weltkrieg heraus gehalten.
     
  12. Anna234

    Anna234 Neues Mitglied

    @ElQuijote
    Ich habe mir meine Definition wie folgt aufgeschrieben

    Faschismus: Der Begriff Faschismus ist geprägt durch die Herrschaftsform von Mussolini in Italien. Der Faschismus ist zwar geprägt durch Rassismus und Militarismus und damit verbunden mit einer gewünschten Expansion, dennoch gab es eine solche Rassenideologie wie im Nationalsozialismus nicht. Es ging Mussolini somit nicht um einen Rassenkrieg. Des Weiteren wurde der Antisemitismus nicht ansatzweiße so systematisiert wie im Nationalsozialismus.

    Totalitarismus: Absolute Einnahme des gesamten gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens und somit eine komplette Umgestaltung der Gesellschaftsstruktur. Die Expansion wird durch einen Rassenkrieg gerechtfertigt und führt somit zu dem Unrechtscharakter des Rassen-und Vernichtungskriegs im Osten.

    Einen vergleichbaren Totalitarismus gibt es meiner Ansicht nicht, obwohl Stalin genau wie Hitler ein menschenverachtendes Regime geführt hat gab es keine Systematisierung der Vernichtung von Menschenleben.
    Diese Tatsache wurde laut meiner Kenntnis in den 80er im sogenannten Historikerstreit festgehalten.

    Unser Bildungsplan verlangt allerdings außerdem, dass wir das NS- Regime mit anderen totalitären Staaten in Europa vergleichen sollen. Weiß jemand von Ihnen, was damit gemeint sein könnte?
     
  13. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Europa wurde in den 1930er Jahren von einer Welle totalitärer Regierungen überschwemmt. Weitere Beispiele wären der Ständestaat in Österreich (Austrofaschismus) und auch die ungarische Regierung unter Horthy.
    In den 1940er Jahre kommen dann in Rumänien die Regierung Antonescu und die Ustascha-Herrschaft in Kroatien dazu. Hier ist jedoch zu relativieren, dass es sich um deutsche Vasallenstaaten handelt.

    Man kann Ähnlichkeiten und Trennendes zwischen diesen autoritären Staaten herausarbeiten. Aber was der Lehrplan nun genau meint, müsste man mit seinem Lehrer oder Lehrerin abklären.
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wenn Du mal lesen würdest, was andere schreiben, dann könntest Du es Wissen.

    Ansonsten noch ein kleiner - der allerding auch schon formuliert wurde - Hinweis, dass "Totalitarismus" ein politikwissenschaftliches Konstrukt ist, das während des Kalten Krieges - im Auftrag und mit Unterstützung des CIA - "erdacht" worden ist. Somit durchaus nicht "ideologieneutral" ist und man vor allem damit beschäftigt war, den ideologischen Gehalt von analytisch sinnvollen Ergebnissen zu extrahieren.

    Und unter "Totalitarimus" werden "lediglich" zwei Staaten als - alleinige - Beispiele aus der damaligen Epoche subsumiert. 1. NS-Deutschland und 2. Stalin`s UdSSR.

    Andere Staaten mögen durch faschistische Bewegungen regiert worden sein, aber es waren "nur" Diktaturen", die als "autokratisch", aber nicht als "totalitär" zu bezeichnen wären. Dabei sind Diktaturen oder totalitäre Staaten durchaus auch "Polizeistaaten", aber der Grad der gesellschaftlichen Gleichschaltung ist anders. In "normalen" Diktaturen wird in der Regel die Trennung von "Privat" und "Gesellschaft" respektiert, solange keine regimefeindlichen Aktivitäten aus dem "Privaten" hervorgehen.

    In "totalitären" dagegen wird diese Trennung aufgehoben und das "Private" zum "öffentlichen Bereich" erklärt und durch eine ideologische Indoktrination versucht "gleichzuschalten". Also im Ergebnis, einen neuen Typus von Menschen zu "schaffen".
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. April 2019 um 11:19 Uhr
    silesia gefällt das.
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Neben den Hinweisen von Thanepower möchte ich hier darf auf hinweisen, dass Totalitarismus in erster Linie nichts mit der Systematisierung der Mordmaschinerie zu tun hat. Hätte es Zweiten Weltkrieg und Holocaust nicht gegeben, wäre das Dritte Reich deshalb um nichts weniger ein totalitärer Staat gewesen. Totalitarismus bemisst sich nicht an der Menge der Opfer noch daran, ob es überhaupt Opfer gab (wobei zweiter Punkt sicherlich streitbar ist). Der Totalitarismus hat aber sicher dazu beigetragen, die Ideologie, welche den Morden zugrundelag, in den Köpfen zu implementieren, wobei man daraus nicht den Fehlschluss ziehen darf, dass alle die, welche im Sinne des NS-Staates mordeten auch entsprechend ideologisch indokriniert waren. Es gibt hinreiched Zeugnisse von Leuten, die mordeten und sich der Unsinnigkeit ihres Tuns sehr wohl bewusst waren, so etwa Willy Peter Reese:

    Die Juden ermordet,
    als brüllende Horde
    nach Russland marschiert,
    die Menschen geknebelt,
    im Blute gesäbelt,
    vom Clowne geführt,
    sind wir die Gesandten
    des allwärts Bekannten
    und waten in Blut.
    Wir tragen die Fahnen
    Der arischen Ahnen:
    Sie stehen uns gut.​
     
  16. Anna234

    Anna234 Neues Mitglied

    Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Hilfe. Dank Ihnen fühle ich mich jetzt auch auf diesem Themengebiet sicher.
     
  17. Bantelli

    Bantelli Mitglied

    "Das totalitäre Regime versucht, die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben aufzuheben. Der Einzelne ist verpflichtet, sich an eine bestimmte Ideologie zu halten, die der Staat durch Maßnahmen zur Kontrolle der Massen (Indoktrination von Jugendlichen, Propaganda usw.) fördert."

    Das Nazi-Regime ist durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen. Sein Totalitarismus hat sich langsam entwickelt. Die Gleichschaltung in allen Lebensbereichen war 1945 nach 12 Jahren (seit 1933) nicht abgeschlossen. War vielleicht auch nicht gewollt in aller Konsequenz. Wie eng oder weit muß oder kann der Begriff Totalitarismus gefaßt sein um als solcher wirklich zu gelten? Und wieviel Zeit muß dafür angesetzt werden? Sind 12 Jahre eigentlich ausreichend oder kann ein Zeitlimit kein Kriterium sein?
     
  18. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Ich glaube, Du übersiehst hier etwas. Nämlich das sehr schnelle Verbot der anderen Parteien und auch Gewerkschaften. Und dann die Gleichschaltung der Vereine. SA und SS waren Staat im Staat, obwohl eigentlich nur Parteiorganisationen, zumindest am Anfang. Und wenn das alles schon nicht reicht, dann weis ich auch nicht mehr.

    Gleichschaltung – Wikipedia
     
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  19. Bantelli

    Bantelli Mitglied

    Wenn ich meinte feststellen zu können, daß die Gleichschaltung bis 1945 nicht in allen Lebensbereichen durchgezogen wurde, beziehe ich mich auf meine Erfahrungen und das Leben in einer evangelischen Freikirche. Wie unter einem Glassturz konnte das Gemeindeleben und auch das überregionale Geschehen in dieser Kirche weitergeführt werden. Natürlich auch mit einer gewissen Sympathie für und vorauseilendem "Gehorsam" gegenüber dem Staat. Jedenfalls war das Leben, auch meiner Eltern, zentral und ausschließlich bestimmt von den Bemühungen um ein geheiligtes Leben immer in Verbindung mit einem ganz persönlichen Gottes- und Glaubensverständnis. Wir hatten keine Tageszeitung und nur das Radio war die Verbindung nach "draußen". In die Welt da draußen und das meinte auch den öffentlichen Raum. Und wenn z.B. von Hitler gesagt werden konnte: Er raucht nicht und trinkt nicht, dann war das für viele schon genug um sich ein positives Urteil zu bilden.
     
  20. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Also war auch die Gemeinde, dank vorauseilendem Gehorsam gleich geschaltet. Um ja nicht aufzufallen.
    Keine Zeitung zu haben, okay. Aber dank dem Volksempfänger hat man doch die Propaganda mit bekommen. Und wenn man auf der Straße beim einkaufen war hat man nicht mit bekommen das man, wie sagt man heute so schön, in einer Filterblase gewesen ist?
     

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