Völkernamen-Erfindung Roms?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Derfel Cadarn, 29. September 2010.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das natürlich, aber es beweist nicht, dass der Stamm auch tatsächlich so alt war wie die Überlieferung behauptete.
     
  2. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Wenn man die Sache genauer betrachtet, dann kann man wohl Sachen erkennen:

    Beispielsweise die Bituriges (deutsch auch Bituriger genannt):

    Der Name bedeutet die Ueber-alles-Herrscher (das war auch ihr Selbstverständnis). Ihre Hauptstadt - das heutige Bourges in Frankreich - hiess damals ebenfalls Bituriges.
    Biturigen ? Wikipedia

    Oder man nehme die Carnutes:

    ihr Name bedeutete die Gehörnten. Der Name bezieht sich auf die damalige mythologische Bedeutung der Hörner und hat nichts mit unserem heutigen Verständnis von gehörnt-sein zu tun.
    Karnuten ? Wikipedia

    Die Liste liesse sich fast beliebig verlängern.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zunächst einmal können wir anhand ihres Namens nur feststellen, wie sie sich zu Caesars Zeit nannten. Doch wie lange existierten sie schon unter diesem Namen?
    Ihre Hauptstadt hieß Avarik, latinisiert Avaricum und wurde erst - ähnlich wie Lutetia 'der Pariser' zu Paris zum Avaricum Biturigum (also Avaricum der Biturger) zu Biturigum (Bourges). Wir erfahren aber literarisch nichts über ihre vorherige Geschichte.

    Auch hier: Was erfahren wir über diesen Stamm aus vorcaesarianischer Zeit? Nichts. Wir können lediglich Traditionen annehmen. Wir können annehmen, dass die Druidentreffen im Carnutenwald eine gwisse Tradition hatten und wir können für wahrscheinlich annehmen, dass sich gallische Stämme nicht erst drei Tage vor dem Erstkontakt mit Römern Carnuten, Biturger oder Häduer genannt haben.

    Der Threadstarter fragte aber nach einem Zeitpunkt nicht wenige Jahre vorher, sondern einige Generationen bzw. sogar Jahrhunderte vorher.
     
  4. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Ich habe auch nicht behauptet, dass man alles über Jahrhunderte vor Cäsar zu 100 % zurückverfolgen kann. Man kann aber mithilfe der Archäologie z.B. feststellen, dass die Ortschaft xy des Stammes yz z.B. seit dem 6. Jahrhundert konstant besiedelt wurde (z.B. anhand von Keramikfunden und Grabfunden), man weiss auch von Feldzügen (z.B. Kelteneinfall in Norditalien), wann sie stattgefunden haben. Es wäre heute sogar mit Genetikmethoden möglich, festzustellen, ob leute gemeinsame Vorfahren hatten oder einen allfällig vorhandenen sehr nahen Verwandschaftsgrad (Bruder/Schwester/Vater/Mutter...). Man denke da z.B. an die Forschung bei ägyptischen Pharaonen.

    Das vielleicht im einen Fall ein Stamm ausgewandert ist, mag im einen oder anderen Fall schon sein. Auch wird es sicher auch den einen oder anderen Fall gegeben haben, wo ein Stamm das Gebiet eines anderen Stammes erobert hat, dann verjagt, versklavt oder gar ausgerottet hat. Auch denkbar, dass sich ein Stamm oder eine Ortschaft umbenannt hatten.

    Es macht aber keinen Sinn, mit à-priori-Negativ-Hypothesen alles auszuschliessen, nur weil grundsätzlich die Möglichkeit besteht, dass es anders gewesen sein könnte. Besser wäre es, aufgrund lokal vorhander Befunde die konkrete Situation auszuloten und dann Thesen aufzustellen, wohlwissend, dass man nie zu 100 % alles rekonstruieren kann. Aber ziemlich solide Annäherung an Früheres sollte durchaus möglich sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Oktober 2010
  5. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Hier werden die archl. Quellen aber stark überinterpretiert.
    Kaum ein Fund aus Siedlungskontexten kann genauer als z.B. Hallstatt D(1,2,3), Laténe A etc. datiert werden.
    Diese Phasen umfassen aber immerhin mehrere Jahrzehnte, ob z.B. die Siedlung damit kontinuierlich besiedelt wurde, kann nicht beantwortet werden, dafür reicht die Datierungsschärfe nicht aus.

    Überhaupt sagt Siedlungskontinuität erstmal nichts von sich aus über die Gemeinschaft der Siedler, sowie einen möglichen "Stammesbezug".

    Nochmals sei auf die Mittellaténezeit (kelt. Wanderungen) hingewießen, gerade die Rückkehrer brachten eine Menge an Innovationen und Ideen mit. Das sich daraus u.A. Dingen, dann die spätlaténezeitliche Oppidazivilisation entwickelte, wird angenommen. Und erst dann entstehen auch die kelt. Stammesgebiete, die dann C. mit Stammesnamen füllt.

    Ich pers. halte nicht viel davon, die Geschichte lang zu machen und zu sagen, nur weil Ort A mgwl. kontinuierlich besiedelt wurde und für die Spätlaténezeit dort der Stamm XY überliefert wird, dass man dann im Umkehrschluss sagen kann, der Stamm XY war dort auch schon in der Frühlaténezeit vorhanden.
    Dazwischen liegen runde 400 Jahre, das ist mir ein zu statisches Kulturmodell.
     
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