Vor 25 Jahren: Russen besetzen Afghanistan

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von heinz, 9. Dezember 2004.

  1. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Am 27.12.1979 drang die Sowjetunion mit Luftlande- und Panzertruppen in Afghanistan ein und besetzte schon am folgenden Tag die Hauptstadt Kabul. Dabei wurde Ministerpräsident Amin, dermit sowjetischer Hilfe eingesetzt worden war, ermordet.
    Die sowjetische Partei- und Staatsführung unter Breschnew begründete den Vorstoß mit einem 1978 abgeschlossenen Beistandspakt. Moskau sah Afghanistan als Teil der sozialistischen Staatengemeinschaft; muslimische Aufstände, die vom Ausland unterstützt wurden, gefährdeten jedoch den Staat.
    In der Tat beteiligten sich die USA mit Ausbildern und der Lieferung moderner Waffen ( die später gegen sie selbst eingesetzt wurden) am Kampf gegen die sowjetischen truppen. Afghanistan wurde zusehends das sowjetische gegenstück zum amerikanischen Vietnamkrieg. Die Kämpfe zogen sich wegen des starken Widerstands afghanischer >Gotteskrieger< über Jahre hin; Millionen flüchteten.
    Erst unter Michail Gorbatschow zog die Sowjetunion 1988/89 die truppen zurück. Afghamistan kam dadurch freilich nicht zur Ruhe, da die muslimischen Rebellen (Mujaheddin) nun die Chance sahen, einen staat nach islamischen fundmentalistischen Grundsätzen als Keimzelle des weltweiten Kampfes gegen die verhassten USA zu errichten. 1996 eroberten die Taliban Kabul und riefen ihren islamistischen staat aus. :teach:
     
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  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Wie du schon sagst. Jetzt hat die NATO den Dreck. Und Deutschland mitten drin. Man hat es ja. Und Russland lacht sich ins Fäustchen
    Die Waffenlobby, die damals Milliarden verdiente, lacht sich auch noch eins mit.
     
  3. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Halte ich nicht ganz für korrekt und sauber: Die Mudschaheddin waren nicht allesamt gläubige "Gotteskrieger".
    Mudschaheddin war, wer gegen die Sowjets gekämpft hat. Darunter waren natürlich auch Gotteskrieger, aber auch Leute wie Burhanuddin Rabani, Raschid Dostum oder Ahmed Schah Massud, die nicht unbedingt der Glaubensfraktion anhingen. Die Usbeken und Tadschiken sind und waren nie die Gotteskrieger, das waren wenn dann die Paschtunen (und selbst da bei weitem nicht alle)
    Viel eher würde ich von "Warlordism" sprechen....Den Warlords ging es um die Durchsetzung ihrer persönlichen Machtinteressen, nicht um die Implementierung eines islamisch-klerikalen Systems.

    Die Taliban hatten mit dem Kampf gegen die Sowjets als Organisation nichts zu tun. Sie sind eine Bewegung der 90er-Jahre. Und erst mit deren Auftauchen ging es um islamischen (Steinzeit-)Fundamentalismus....
     
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  4. M.A. Hau-Schild

    M.A. Hau-Schild Premiummitglied

    Die Religion ist für fast alle dinge die man tut eine hervorragende vorgeschobene Begründung.
    Das all dies den Gründsätzen der Relegion wiederspricht spielt keine Rolle.
    Das diese Leute nach Mach und nochmehr Macht streben ist klar.
    Fast jeder Mensch tut das wenn er die Gelegenheit und die möglichkeit hat.

    Macht Korrumpiert nun einmal.
    Und absolute Macht korrumpiert absolut.
    Das Problem ist, das dies für die Leute kein Problem ist, so lange man Macht hat.
     
  5. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Florian,
    ich hoffe nur, dass unsere Soldaten ohne größere Schäden aus diesem Konflikt rauskommen. Schließlich hatten wir vor 25 Jahren kiene Waffen und Ausbilder nach Afghanistan gesandt und müssen nun dafür sorgen, dass neben dem Präsidenten auch das Parlament auf demokratischer Grundlage gewählt wird. :thx:
     
  6. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Ich würde dagegen noch lieber von Kriegsherrentum sprechen.... :p

    Bei derlei Fällen hilft nur noch Zwiebelfisch. Nimms mir bitte nicht übel aber man kann auch übertreiben mit Anglizismen. :)
     
  7. Alarich

    Alarich Neues Mitglied

    Drogenhandel

    ich würde eher von Drogenbaronen sprechen.. neulich war zu lesen, dass die Opiumernte in Afghanistan neue Rekorde erreicht. Das liegt bestimmt nicht nur am guten Wetter, sondern an der erheblichen Erweiterung der Anbauflächen. Unter den Taliban wurde Handel und Anbau auch nicht völlig unterbunden, die sollen dabei mitkassiert haben. Jetzt scheinen die Drogenbarone aber gänzlich freie Hand zu haben. Da könnte man glatt vermuten, welche Motive die einheimischen Verbündeten der USa beim Kampf gegen die Taliban angetrieben haben. Ich möchte wetten, dass jede Zentralregierung, die ernsthaft gegen den Drogenanbau vorgeht, mächtige Probleme bekommt. Und die Bundeswehr steckt dann mitten drin...
    Da kann man nur hoffen, dass alle in Afghanistan eingesetzten Panzer gültige TÜV und Abagasuntersuchungen (AU) haben... sonst dürfen die nämlich nicht fahren. Typisch deutscher Bürokratismus...
     
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  8. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Alarich,
    ich sehe die deutsche Bürokratie wie Du, aber meiner ansicht nach wird es auf die Panzer in Afghanistan nicht ankommen. Entscheidend wird ein demokratisch funktionierendes System sein, wobei der erste Schritt mit der wahl des Präsidenten schon geschafft wurde und zwar mit deutscher hilfe und nun noch das Pearlament gewählt werden muß. Vielleicht bekommt man dann die Dogenbarone wieder in Griff. :thx:
     
  9. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Einmarsch der Sowjets in Afghanistan vor 25 Jahren

    Wegen des Einmarsches in Afghanistan verhängen die USA wirtschaftliche Sanktionen gegen die Sowjetunion. Außerdem boykotierten US-amerikanische Sportler die Olympischen Spiele in Moskau, dem schloss sich auch die Bundesrepublik an. Nach Gründung der afghanischen Guerilla-Bewegung der Mujaheddin waren die Sowjets Ende 1979 in Afghanistan einmarschiert. :rolleyes:
     
  10. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Wie versprochen - der Artikel aus PM-History:
    (sollte nicht der komplette Artikel zu lesen sein, dann einfach mit der Nr.
    201713504990 freischalten.)

    Weiter: PM
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. März 2008
  11. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Besonders interessant finde ich die Einzelheiten beim Einmarsch der Roten Armee. Davon habe ich damals natürlich nicht viel mitbekommen - da war ich auch noch zu jung. In der Schule hieß es dazu nur kurz: "Die SU ist gebeten worden, einzumarschieren".
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Allein die Taraki-Amin-Fehde am Anfang lässt erschaudern, auf welchem Niveau sich die Russen einliessen. Der Beitrag lässt aber nicht deutlich werden, dass die Sowjets im Grunde genommen damals nicht anders operierten als heute ihre ausländischen Nachfolger. Ein Land, dass bis 7000 Meter hoch geht und nirgends eine Infrastruktur besitzt ist nicht zu befrieden. Aber wer das nicht wahrhaben will muss eben die Erfahrung machen.
     
  13. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Ohne die Art und Weise, wie die SU in Afghanistan agierte, rechtfertigen zu wollen, sollte man die geografische Nähe berücksichtigen. Ich denke dem KGB war auch schon damals nicht entgangen, welche Gefahren von den "Glaubenskämpfern", auch für bestimmte instabile Regionen im eigenen Reich, ausgehen könnten. Wenn ich mich recht erinnere, gab es dann auch später kleinere Aktionen der Mujahedin, oder erst noch später der Taliban, in der SU bzw. in Tadschikistan/Turkmenistan/Usbekistan. Es wurde versucht den Krieg gegen die ungläubigen auszuweiten. Ich glaube mehere Kommanndos drangen damals auf fremde Territorien vor. Ich meine mich zu erinnern, das ein ARD-Reporter sogar eine solchen Gruppe bei Ihrem Zug in "Feindesland" begleitet hat. Hat dazu jemand Informationen von Euch?

    Hier noch ein interessanter Link mit einer kurzen Zusammenfassung:
    Department Sozialwissenschaften : Institut für Politische Wissenschaft : Arbeits- und Forschungsstellen : Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung : Aktuelle Kriege : ... VMO : 141 Afghanistan
     
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  14. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Für weitere Aspekte der Thematik empfehle ich auch "Der Krieg des Charlie Wilson" sich mal anzuschauen. Natürlich nicht alles ernst zu nehmen, bietet der Film dennoch Anlass, sich evtl. mit weiteren Themen mal näher zu beschäftigen.
    Der Krieg des Charlie Wilson | FILMSTARTS.de
     
  15. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 6. Oktober 2013
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gibt es dazu weitere Literatur, die sich mit dem US-Engagement näher auseinander setzt und das detailliert darstellt?
     
  17. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    das hat sich sogar bis in die Cineastik herumgesprochen: James Bond 007 ? Der Hauch des Todes ? Wikipedia :)
     
  18. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Richtig.
    Auch John Rambo wusste davon.:winke:
     
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  19. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    auf die Schnelle: Operation Cyclone - Wikipedia, the free encyclopedia (mit weiteren Literaturangaben).

    lief erst die letzten Tage im TV - imho einer der besten Bonds (neben Licence To Kill und Never Say Never Again).
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Nachfrage war auf die Forschung gerichtet.:winke:

    @Carolus: Danke sehr.
    Die Publikationen kann ich allerdings nicht einschätzen. Vielleicht kann man da mal detaillierter einsteigen.
     

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