Waren alle Deutschen Nazis?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von florian17160, 10. November 2008.

  1. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Beides gehört aber zusammen. Will man etwas gegen die Repressalien tun, die aus der poltischen Unfreiheit in einer Diktatur resultieren, muß man die Diktatur selbst beseitigen. Dies kann aber nur die Masse der Bevölkerung tun - als Einzelperson ist man da machtlos. Das ist sicher auch der Grund dafür, warum sich Diktaturen z. T. über Jahrzehnte halten können:
    Weil das Volk geschlossen gegen eine Diktatur aufbegehren muß. Dazu wiederum muß sich das Volk organisieren, was die Diktatur auf der anderen Seite natürlich zu verhindern versucht. Das Resultat: Repressalien gegen das Volk.

    Edit:
    Und was du da noch geschrieben hast, das unsere heutige Gesellschaft betrifft, hat nichts mit politischer Unfreiheit zu tun - eher mit Methoden der Verbrechensbekämpfung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. November 2008
  2. Panzerreiter

    Panzerreiter Neues Mitglied

    Wer garantiert mir, dass es auch wirklich nur zur Verbrechensbekämpfung genutzt wird?
    Sind die Sachen erst einmal installiert, ist es ein kleiner Schritt für den Staat, das diskret auszuweiten. Der Mechanismus ist immer der gleiche:
    Erst einmal wird dem Volk erzählt, man mache das nur zu seiner Sicherheit, dann weitet man es aus und am Ende heißt es: "Ihr hab doch selbst zugestimmt, Ihr wolltet das so." Gerade die Begehrlichkeiten der deutschen Innenminister sprechen doch da Bände. Der sich derzeit entwickelnde Überwachungstrend hat mir Verhältnismäßigkeit nicht mehr viel zu tun. Noch scheitern manche Vorstöße des Innenministeriums im Bundestag oder BVG.

    Abgesehen davon, dass ich weder mir noch meinen direkten Vorfahren den Schuh anziehe, den sich auch Barbarossa nicht angezogen hat, der Grundgedanke von Fox ist so weit entfernt von der Wahrheit nicht.
    Ich demonstriere heutzutage schon auch, wenn es mir angebracht erscheint, aber ich kann mir heutzutage auch relativ sicher sein, dass nicht ein paar Tage später der BND vor der Haustür steht und mich freundlich ins Gulag einläd. Ob ich die heutzutage von unseren Großvätern gerne rückwirkend geforderte Courage aufgebracht hätte, unter hochgradiger Gefährdung meines eigenen Lebens und des meiner Familie - ich bin da ehrlich skeptisch.

    Aber generell: Was hat der Thread mittlerweile eigentlich noch mit der ursprünglichen Frage zu tun?
     
  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich denke, der hat sehr wohl noch etwas damit zu tun.

    Die Frage war ja eigentlich auch tiefsinniger gemeint.
    So in etwa,"Wie ist es möglich ein Volk zu verführen?"
     
  4. Panzerreiter

    Panzerreiter Neues Mitglied

    Ich stimme zu, dass die reine "Threadtitelfrage" durch Deine näheren Ausführungen im Starterpost schon in diese Richtung umdirigiert wird.

    Prinzipiell habe ich mit der Diksussion über Verführungstechniken auch kein Problem, im Gegenteil, ich halte sie für unbedingt notwendig, um den "mündigen Bürger" auch wirklich "mündig" sein zu lassen, ihm derartige Techniken offenzulegen und ihn dadurch - hoffentlich - dagegen zu immunisieren.

    Wenn die Titelfrage nur als Pointierung dienen und die Dikskussion eigentlich über etwas anderes gehen sollte, dann kann ich das auch grundsätzlich nachvollziehen. Allerdings komme ich nicht umhin, auf ein ernsthaftes Problem hinzuweisen, welches zumindest ich mit der Vermischung dieser beiden Fragen habe:

    Gleichwie man die Frage "Wie kann man ein ganzes Volk verführen" natürlich diskutieren kann, so ist doch eine weitgehende Gleichsetzung dieser Frage mit der Frage "bestand das ganze Volk aus Nazis?" dahingehend heikel, dass diese durch die erste Frage gleichsam a priori beantwortet wird:
    Man kann, wenn ich beide Fragen gleichsetze, zu dem Schluss kommen, dass, wenn es wirksame Techniken gibt, um ein Volk zu verführen, zwangsläufig dann auch "das Volk" verführt wird/wurde, und das entspricht allen Menschen dieses Volkes.
    Die Crux ist das Wörtchen "Volk". Der Denkfehler liegt darin, dass man nicht "ein Volk" verführen kann, sondern immer nur Menschen. Es kann nie gelingen, und ist auch nie gelungen, tatsächlich alle Menschen eines Volkes von irgendetwas zu überzeugen. Weder mit Gewalt, noch mit Demokratie, noch mit Religion. Es gab und gibt immer Abweichler, selbt bei noch so effektiver Propaganda.
    So gesehen ist die Frage "Waren alle Deutschen Nazis" eigentlich schon beantwortet: Nein, denn so etwas ist gar nicht möglich.

    Man muss die beiden Fragen dringend trennen. Denn ein "Ja" bei der einen bedeutet noch lange kein "Ja" bei der anderen. Die Frage darf gar nicht tiefsinniger in der Art, wie Du beschreiben hast, gemeint sein.

    Man mag mich insofern missverstehen, dass ich alter Nörgler wieder mal Haare spalten will.
    Das ist aber nicht mein Beweggrund. Ich bestehe auf diese Trennung ganz einfach deshalb, weil die beiden Fragen eben tatsächlich allzu oft in unzulässiger Weise verquickt werden, was zu völlig falschen Schlüssen führt. Denn durch das mit dem Wörtchen "Volk" verknüpfte alle-oder-keiner-Schema halten sich viele heutige Nationen für moralisch unangreifbar und sind davon überzeugt, dass ihnen so etwas wie damals den Deutschen nie passiert wäre und auch nie passieren wird.
    In der Folge haben heute irgendwie nur die Deutschen eine besondere Verantwortung und bedürfen spezieller Kontrolle.

    Sollte das der Schluss sein, der aus den damaligen Ereignissen gezogen wird, dann sind 55 Millionen Menschen umsonst gestorben.
     
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  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ob heikel oder nicht, mein lieber Panzerreiter. Die Frage wurde angenommen und es entwickelte sich eine gute Diskusion daraus. Schon das war es mir Wert.
     
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  6. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Als Bild gesehen kommt mir Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik und darauf der Nazis tatsächlich wie ein Laboratorium vor. Vieles braute sich zusammen, alles mögliche hätte entstehen können. Dann gab es aber den Faktor Hitler, eine Art Minuspol, der alles ungute anzieht und es komprimiert. Am Ende flog der Dreck in die Luft.
     
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  7. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Ich wollte mit meinem Beitrag lediglich aufzeigen, dass Repressalien ganz "harmlos" und schleichend beginnen können, und dass die Menschen sich nicht wehren, solange sie noch können.

    Beispiel: Bei der Machtergreifung hätten doch alle Gegner geschlossen protestieren können, zu dem Zeitpunkt waren Hitler und Konsorten nach wie vor in der Minderheit.

    BEVOR sich die Terror-Apparaturen der Diktatur vollständig entwickelt hatten, BEVOR auch nur ein einziger Jude öffentlich geächtet wurde, BEVOR die Verfassung komplett ausser Kraft gesetzt wurde, wäre es noch vergleichsweise einfach gewesen, sich zu wehren, etwas dagegen zu unternehmen.

    DAS ist es, worauf ich hinaus möchte. Dass sich 1939 oder 1940 niemand mehr getraut hat, einen falschen Schritt zu tun ist mir ja begreiflich (ich bin sehr skeptisch, ob ich mich getraut hätte, organisierten Widerstand zu leisten und u. U. mein Leben zu lassen), nur, was ist mit all der Zeit davor gewesen?

    Keiner kann mir erzählen, dass ALLE Bürger der ehem. Weimarer Republik wohlwollend die politischen Ereignisse betrachtet haben. Aber warum haben sie nichts dagegen getan? Das ist meiner Ansicht nach ein Kernpunkt der Frage.

    Und hier schließt sich der Kreis zu meinem Beispiel: es ist nur ein kleiner, scheinbar unbedeutender Schritt, den die momentane sicherheitsfanatische Politik da macht. Nur: wo endet der Weg?

    Ich könnte hier noch Massen an Beispielen nennen:
    - RFID-Chips
    - Trojaner im Internet (Bsp. Alexa von Microsoft oder der "Bundestrojaner"- und übrigens... wieso regt man sich auf, dass "fremde" Hacker auf den eigenen Rechner zugreifen können und duldet es beim Staat?)
    - Abhören des Telefons (nachweislich bereits seit Jahren vorhanden, selbst Matt Groening macht sich schon lustig darüber)
    - Abfangen/Umleiten usw. von Emails
    - Einsicht auf Konten durch den Staat
    - Krankenkassenkarten, die (in Zukunft) alle nur denkbaren Informationen über den Patienten enthalten, z.b. Krankheitsgeschichte, Bild, genetischer Fingerabdruck, etc.
    - Handys, Fahrräder etc. die geortet werden können (neueste Info: geht auch mit Navigationssystemen)
    - bereits genannt: Vorratsdatenspeicherung

    Mag alles nicht wirklich gefährlich klingen... aber was, wenn in fünf oder zehn Jahren jeden Morgen dein Rechner angeht und dein Oberkapo dich zum Frühsport animiert und zur Arbeit schickt? Was, wenn dein Fernseher auf einmal den Text anzeigt "es ist Zeit zum Schlafen gehen" und sich automatisch ausschaltet (und dann nicht mehr einschalten lässt)? Ein Betriebssystem für den Computer, welches mir mitteilt, welche Programme ich brauche und welche entschieden nicht, gibts ja schon: Windows Vista. Was, wenn deine Kinder in der Schule nicht mehr eigenständiges Denken sondern völlige Assimilation an die Masse lernen?

    Klingt für einige absurd und paranoid, ich weiß. Klang es nicht vielleicht auch absurd, dass ein kleiner Österreicher das gesamte Judentum Europas auslöschen wollte...? Klang es nicht absurd, dass man wegen eines Satzes oder Wortes abgeknallt werden konnte...? Das alles war im Vorfeld schon zu erkennen gewesen und niemand sagte etwas dagegen. Nicht einmal als man noch was sagen KONNTE ohne gleich ins KZ gebracht zu werden.

    Und nun nochmal meine Frage: Sind wir WIRKLICH so anders...?
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. November 2008
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  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Bereits wenige Tage nach der "Machtergreifung" wurde am 04.Februar 1933 die Verordnung zur Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit erlassen.

    Die Verfassung wurde nicht komplett außer Kraft gesetzt.
    Am 8.02.1933 setzt die Verordnung zum Schutze vom Volke und Staat (kurz Reichstagsbrandverordnung) wesentlich Grundrechte wie beispielsweise Post- und Fernsprechgeheimnis, Meinungsfreiheit, Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit, Unverletzlichkeit von Eigentum und Wohnung außer Kraft.

    Bereits am 20.März 1933 hat Himmler die Eröffung des ersten Konzentrationslager in Dachau bekanntgegeben. Im April 1933 wurde das Geheime Staatspolizeitamt gebildet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. November 2008
  9. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Es gab auch nach 1918 noch sehr viele, die sich die Monarchie zurück wünschten. Ich glaube, mit der DNVP gab es auch noch eine recht starke monarchistische Partei.

    Ohne jetzt darauf herum reiten zu wollen, aber für mich klang die Erklärung mit den Nationalsozialisten = Nazis recht einleuchtend, denn analog dazu ist für die Sozialdemokraten auch das Kürzel Sozis im Gebrauch.
    Die Erklärung bei Wiki kommt mir dagegen ziemlich aberteuerlich vor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. November 2008
  10. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied



    Und da hat man sich nicht dagegen wehren können? Oder eher "wollen" ? ;)




    Auch da hat man sich nicht dagegen wehren können? Protestieren, zum Beispiel?

    Gut, dann stelle ich noch eine Frage in den Raum: wer trat denn der Gestapo bei? Nur Überzeugte? Wieviele waren es am Anfang? Wie Viele waren es im Verhältnis zur restlichen Bevölkerungsgröße?

    Mir geht es nur darum: Es gab viele Möglichkeiten und viel Zeit um sich der Entwicklung entgegen zu stemmen, und ich denke, Viele haben es "aus Bequemlichkeit" nicht getan, sprich: "wird schon irgendwann wieder vorbeigehen..."

    Propaganda hin, Propaganda her, es waren nicht mehr die Zeiten zu denen galt "wes Brot ich ess', des Lied ich sing'". Der gesunde Menschenverstand alleine hätte das Leid schon verhindern können. Warum aber hat niemand darauf gehört (bzw. nur sehr, sehr wenige)?
    Entweder verblendet und einverstanden, oder nicht einverstanden und abwartend. Beide Haltungen missfallen mir, aber auf diese beiden Möglichkeiten scheint die Situation beschränkt gewesen zu sein (bis auf wenige Ausnahmen).

    Und damit sage ich immer noch: es ist heute wie damals.
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Winston Churchill stellt in seiner Geschichte des 2. Weltkriegs Überlegungen an, wie ein zweiter großer Krieg hätte verhindert werden können, und er war der Meinung, dass das deutsche Reich nach dem 1. Weltkrieg besser von einer konstitutionellen Monarchie hätte regiert werden sollen, da die Monarchie die konservativen Kräfte besser eingebunden hätte, wenn sie schon nicht völlig entmachtet wurden, als das die Weimarer Republik konnte, die von weiten Teilen der Konservativen völlig abgelehnt wurde.

    Die Erklärung in der Wiki erschien mir gar nicht einmal so abwegig, jedenfalls schreibt auch Joachim Fest in seiner Biographie davon, dass "Nazi" für bayrische Ohren eher jovial, fast freundschaftlich, klang, eben weil es als Koseform von Ignaz geläufig war.
     
  12. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Im "Tausendjährigen Reich" galten ganz andere "Spielregeln" als in der vormaligen Republik. Die Schlägertrupps der SA kannten kein Pardon und die haben und hätten mit brutaler Härte "durchgegriffen." Ich erinnere nur an den Altonaer Bltusonntag oder den unglaublich brutalen Mord in Potempa in der Wahlkampzeit in der noch republikanischen Ära. Der spätere "Führer und Reichskanzler" hat sich dann auch noch öffentlich mit den Mördern solidarisiert. Die Herren sind vor rein gar nichts zurückgeschreckt und da sollte einer mal wagen öffentlich ein Demo aufzuziehen oder irgendwelche Maßnahmen in Frage zustellen. Der wäre Ruckzuck aus dem Verkehr gezogen worden und konnte froh und glücklich sein", wenn er dann davon gekommen ist und nicht in einer Zelle bei der Gestapo nach entsprechender "Behandlung" an "Herzversagen verstarb.

    Die Gestapo war ja nicht allein. Durch Erlaß vom 22.0.2.1933 ordnete der Innenminister Göring an, das SA, SS und Stahlhelmleute als Hilfspolizisten einzusetzen sind. Allein schon die SA war eine Massenorganisation. An Personal hat es wahrlich nicht gemangelt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. November 2008
  13. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ein paar kurze Anmerkungen, warum die Republik nicht wirklich akzeptiert wurde:

    Die deutsche Bevölkerung hat den Ersten Weltkrieg als einen Verteidigungskrieg begriffen und hat die Niederlage von 1918 nicht begriffen, wie sollte die auch, denn das Gesuch an Wilson ging ohne jede Vorbereitung der Öffentlichkeit raus. Die Niederlage im Krieg wurde in den kommenden Jahren, Stichwort Dolchstoßlegende, nicht verarbeitet. Der Kaiser wurde mit gezielten Falschinformationen zur Flucht aus Deutschland veranlasst und die Republik ausgerufen, und das gleich zweimal. Der verlorene Krieg war die Ursache des Zusammenbruchs der Monarchie und die Demokratie in Deutschland erblickte praktisch über Nacht das Licht der Welt.
    Für die Bevölkerung ist quas ohne Vorwarnung ihre alte „Welt“ zusammengebrochen. Der Anteil der Monarchisten, die höheren Beamten, das Offizierkorps, die Großagrarier in Preußen etc.. die mit der Demokratie nicht viel im Sinne hatten, war nicht gerade gering. Von Weimar wird auch gelegentlich gern behauptet, es sei eine Demokratie ohne Demokraten gewesen, das ist aber so sicher auch nicht zutreffend. Aber ein Blick auf die Ergebnisse der Reichstagswahlen liefert da schon ein paar Anhaltspunkte.

    Dann kam in November der Waffenstillstand, schon der Weg dorthin war praktisch eine bedingungslose Kapitulation, mit seinen nicht gerade großzügigen Bedingungen. Dies wurde von der Bevölkerung den Demokraten angelastet, obwohl die überhaupt gar keine Alternative hatten. Nur das wollte keiner sehen oder wissen. Die Strategie von Ludendorff und Hindenburg, den Demokraten die Niederlage anzulasten, ist voll aufgegangen.

    Die erste deutsche Demokratie wurde durch die Niederlage des Krieges, der angeblich„durch Verrat“ verloren ging, von Teilen der Bevölkerung als aufgezwungen empfunden.
    Für die Bundesrepublik hingegen hat sich die Frage nach der Legitimation im Gegensatz zu Weimar nie gestellt.
     
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  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es klang bei Turgot schon mit dem Altonaer Blutsonntag an: im Wahlkampf 1932 starben mehr als 200 Menschen. Das war schon Terror vor der Machtergreifung. Wer sollte nach der Machtergreifung, als die Nazis den Staat binnen kurzem vollkommen kontrollierten, diesen, spätestens mit dem göring'schen Erlass vom 23. Februar 1933, noch Einhalt gebieten?

    Wenn die Nazis eins konnten, dann war das organisieren und mobilisieren. Während die Kommunisten etwas hilflos waren und glaubten, "man muss die Frauen mit den eigens dazu geschaffenen Organen bearbeiten", waren die Nazis sehr gut organisiert. Die ihnen angeschlossenen Frauenvereine (Deutscher Frauenverein, Völkischer Mädchenbund) versorgten z.B. in nationalsozialistischen Zentren Arbeitslose mit Essen und Kleidung. Die SA rekrutierte so ihre Mitglieder. Das schaffte Loyalität.
    Außerdem fungierten Frauen "in der Kampfzeit" als Krankenschwestern, Meldegängerinnen und Waffenträgerinnen während Demonstrationen. Sie bewegten sich parallel zu den Aufmärschen durch die Städte um dann den Männern, Messer und Pistolen zu überreichen oder um pflegerische Tätigkeiten ausführen zu können.
     
  15. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Selbst unmittelbar nach der Machtergreifung gab es durchaus noch ein paar mutige Menschen, die sowas wie Widerstand geleistet haben. Die da beispielsweise:

    Mössinger Generalstreik ? Wikipedia
     
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  16. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Du ziehst die Lebenslagen der Deutschen nicht in Betracht.
    Die meisten waren heftig damit beschäftigt , sich zu ernähren - die
    Arbeitslosigkeit war auf Hochständen ( wobei es kaum Arbeitslosenunterstützung gab ).
    Information war bei weitem nicht so umfassend wie heute, politische
    Bildung über Rechts- und Verfassungsgrundsätze nur bei Eliten vorhanden.
    Man ordnete sich der Staatsautorität gewohnheitsmässig unter - nur
    sassen dort jetzt Hitlers Leute .....

    Nach der Ermächtigungsgesetz wurden die linken und anderen politischen Aktivisten sofort in provisorische KL gebracht, verhört , bedroht , gefoltert und einige ermordet.

    Wer sollte denn aus dem Stand nun Aktionen gegen die umfassende
    Organisation der NSDAP auf die Beine stellen ?
    Und welche Hilfsmittel hätten solche Leute denn besessen ?

    Wird die Situation damit deutlicher ?
     
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  17. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich weiß jetzt nicht ob es abwegig ist. Fällt mir nur gerade ein. Wenn man die Frage, ob alle Deutschen Nazis waren, egal mit nein oder ja beantwortet, stellt sich weiter die Frage der Schuld jedes Einzelnen an den Verbrechen. Da gibt es, grob eingeteilt, die Täter, die Ignoranten, die Ahnungslosen und die, die Widerstand leisten. Haben z.B. die Ahnungslosen die Pflicht, sich zu informieren? Dabei würden sie zu den Ignoranten oder Widerständlern aufschließen. Täter kann ich mir nicht vorstellen.
    Sind dann die Ignoranten auch Nazis gewesen, z.B. nur zum Teil, mal in Prozente ausgedrückt?
    Wieviel Schuld hat man, wenn man hört, dass am Abend der Nachbar von der Gestapo abgeholt wird und man macht das Licht aus und verhält sich muksmäuschenstill?
     
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    OT:
    Klasse, Leo ist wieder da. "Freit me saumäßig" (Meine Freude darüber ist groß)

    TT:
    Der Mössinger Streik war aber meines Wissens die einzige derartige Aktion in Deutschland.

    Die KPD hatte die Moskauer Direktive nichts zu unternehmen, der Faschismus wurde dort (bei der Komintern) als "notweniger Übergang" zum Sozialismus gesehen.
    Ich kenne die kommunistischen Theorien zu wenig um dies irgendwie nachvollziehen zu können, der historische Fakt ist aber unbestritten da.
     
  19. Hruga

    Hruga Neues Mitglied

    (sorry, wenn ich hier im Büro sitze kann ich einen Text nicht aufbereiten, erscheint alles im Fließtext - keine Ahnung warum. Ich bitte um Verständnis)


    Was ist, wenn man Angst hat? Was ist, wenn man einer Information aufgesessen ist, die interessegeleitet ist? Bist du mitschuldig an dem Unrecht in einem Land, wenn du Südfrüchte aus gerade diesem Land beziehst? Nicht falsch verstehen, ich will keine politische Diskussion vom Zaun brechen, nur auf die Tatsache hinweisen, dass Ethik ein sehr weites Feld der Diskussionen bedeuten kann. Ich denke, dass man diese Frage hier und jetzt gar nicht beantworten kann.Ein Beispiel aus der familiären Umgebung:Meine Großmutter entstammte aus einer Familie, bestehend aus Sozialdemokraten und Kommunisten mit entsprechender Ansicht zum NS-Regime. Und in ihrer ureigensten Persönlichkeit als aufmüpfige kleine Person, hat sie seinerzeit der Lady der NS-Winterhilfe an der Tür mitgeteilt, dass sie dafür nichts übrig hätte. Nun musste sie als Kriegswitwe für sich und ihre beiden Kinder selbst sorgen, selbstverständlich hatte sie Angst um ihre Kinder. Nach eigenen Aussagen (und es war ihr sehr unangenehm, später darüber zu sprechen, auch wenn sie keine Details genannt hat), hatte sie sich mit einem Angehörigen der SA "arrangiert", der sie dann auch entsprechend geschützt hat. War meine Oma nun ein Nazi?
     
  20. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Also wenn man sich der Frage, ob alle Deutschen Nazis waren nähern möchte, sind m.E. am ausschlaggebensten, die Wahlergebnisse, von den letzten Reichtagswahlen vor der Machtergreifung Hitlers. Denn hier beginnt, die Verbindung der Bevölkerung mit Politik der NSDAP.

    Wenn man jetzt die Reichtagswahlen von 1930 statistisch aufarbeitet kommt man zu dem Ergebnis dass:

    Wahlebeteiligung Durchschnitt der Wahlen von 1930 -1933

    84,82 %

    Das bedeutet, daß Durchschnittlich 15,18 % nicht gewählt haben und sind unpolitisch.

    Gegenwahlstimmen der NSDAP

    14. Sep 30
    Wahl zum 5. Reichstag
    80,31 %

    31. Jul 32
    Wahl zum 6. Reichstag
    58,78 %

    06. Nov 32
    Wahl zum 7. Reichstag
    63,99 %

    05. Mrz 33
    Wahl zum 8. Reichstag
    53,80 %

    Das bedeutet, dass Durchschnittlich 64,22 % haben die NSDAP nicht gewählt.

    Statistisch gesehen, haben in der Zeit von 1930 – 33, 79,4 % die NSDAP nicht gewählt und können somit auch nicht als Nazis bezeichnet werden.

    Fazit: Diese 80 % der deutschen Bevölkerung haben somit eine kleine Art von Widerstand gegen die NSDAP betrieben, indem sie diese Partei nicht an die Macht wählen wollten und somit gegen diese Partei waren.

    Interessant wären jetzt noch die Nazihochburgen im Deutschen Reich:
    Dabei benutze ich die Zahlen, der Wahl, die vor Januar 1933 stattfand.

    06. Nov 32
    Wahl zum 7. Reichstag

    Diese Wahlen zeigten, dass die NSDAP schon wieder weniger gewählt wurde als zur 6.Reichtagswahl und verloren ca. 5 % der Stimmen.

    Im einzelnen entfielen bei dieser Wahl auf die NSDAP

    Waldeck………………………..61,8…….Bevölk. .....55.816
    Braunschweig ………………43,13…..Bevölk. ....501.875
    Anhalt……………………………40,51…..Bevölk. ....351.045
    Hessen………………………….40,23…..Bevölk. .1.347.279
    Oldenburg……………………..38,6…...Bevölk. ....545.172
    Thüringen…………………….37,76…….Bevölk. .1.607.339
    Lübeck………………………….37,09……Bevölk. ....127.971
    Mecklenburg-Strelitz…….36,98…..Bevölk. ....110.269
    Mecklenburg-Schwerin….36,94…..Bevölk. ....674.045
    Sachsen…………………………36,63…..Bevölk. .4.994.281
    Lippe………………………………34,74…..Bevölk. ...163.648
    Baden…………………………….34,09…..Bevölk. .2.312.462
    Preußen………………………….32,85….Bevölk. 38.120.173
    Schaumburg-Lippe………..31,75…..Bevölk. .....48.046
    Bayern…………………………..30,52…..Bevölk. .7.379.594
    Hamburg………………………..27,18…..Bevölk. .1.152.523
    Württemberg………………..26,46…..Bevölk. ..2.580.235
    Bremen………………………….20,85……Bevölk. ....338.846

    Zum Vergleich der Größe des jeweiligen Freistaates habe ich die Bevölkerungszahlen angegeben, die natürlich abweichen können.

    Damit ist zu sehen, in welchen dieser Freistaaten die NSDAP gewählt wurde und wie ca. der Bevölkerungsanteil ist.

    Quelle:
    http://www.gonschior.de/weimar/index.htm
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. November 2008

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