Warum hatte Adenauer nicht den Mut Fritz Bauer zu unterstützen?

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von Griffel, 13. Januar 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    :cool: Einen schönen Abend! Hier spricht mal wieder der Griffel! Da ich neu hier bin, dachte ich mir, ich bringe mich mal gut ein. Deshalb, schon wieder ein neues Thema.

    Meine Überschrift, sagt es eigentlich schon aber noch mal zum Verständnis:
    Konrad Adenauer, galt trotz seiner Fehler, zurecht als moralische und politische Instanz. Was sich in dem Vertrauen seitens des Auslandes zeigt.

    Um so mehr wundert mich eine Sache dann doch! Warum hat der Mensch und Kanzler Adenauer, jemanden wie Fritz Bauer im Regen stehen lassen bzw. ihn nicht öffentlich unterstützt?

    An sich, hatte Konrad Adenauer doch nichts zu fürchten? Die Geschichte stand auf seiner Seite. Die Moral stand auf seiner Seite und die Fakten, standen auch auf seiner Seite.:rolleyes: Die meisten Akten, welche die Siegermächte bei den Nürnberger Prozessen verwendet haben, waren ja nicht von Ihnen, sondern von den Nazis. Somit, hätte er ja jede Anfeindung, die Beschuldigungen, seien Erfunden, sofort entkräften können.

    Er war sowohl de Jure als auch de Facto, der oberste Vorgesetzte aller Beamten. Somit hätte ein "Machtwort", seinerseits wohl ausgereicht, um alle Verzögerungsmanöver und Vertuschungsversuche zu vereiteln. Natürlich ist mir bekannt, dass viele seiner damaligen "Wähler" das Ganze am liebsten schon damals abgehackt hätten. Was aber aus politischen, sozialen und ökonomischen Gründen nicht ging!:p

    Wieso also, hat Konrad Adenauer nicht die Chance ergriffen, durch eine Fernsehansprache klar Stellung zu beziehen! Sowohl er als Kanzler als auch die BRD als Staat, hätten dadurch nur gewinnen können. Und den Beziehungen zu Israel, hätte das auch ganze gewiss nicht geschadet!;) Auch wenn, diese damlas noch "inoffiziell" waren. Diplomatische Beziehungen wurden ja erst 1965 aufgenommen.

    Ich kenne natürlich nicht alle Einzelheiten über Adenauer. Deshalb ja auch meine Frage, nach der Biographie. Aber glaube mich gut zu erinnern, dass Antisemit und Nazissympathisant, nicht zu einen Eigenschaften gehörte. Einem Mann, dem die Westbindung über alles ging. Und dem an der Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern gelegen war. hätte mit einer konsequenten Verfolgung der Straftaten der Nazis, nur Pluspunkte beim Ausland sammeln können. Selbstverständlich, darf sich ein Kanzler nicht in die Justiz einmischen; oder besser gesagt, er sollte es nicht! Was Konrad Adenauer ja getan hat! Stichwort Spiegelaffäre. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Wenn, aber ein Konrad Adenauer im Fernsehen gesagt hätte, dass er es vorbehaltlos unterstützt, dass die Verbrechen der Nazis verfolgt werden und er Fritz Bauer in jeder Weise zur Seite steht. Dann hätte das dem Mann, das Leben und seine Arbeit sehr erleichtert.

    Und vielleicht, hätte es Fritz Bauer besser geschützt. Das die Täter, später nur nach Jugendstrafrecht verurteilt wurden, liegt natürlich an der persönlichen Sichtweise der Juristen. Aber dafür, kann man ja Herrn Adenauer nun nicht verantwortlich machen.
     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich vermute, Adenauer fürchtete um seine Wiederwahl, wenn er Fritz Bauer öffentlich unterstützt hätte. Nicht nur viele Juristen hielten Bauers Aufarbeitung der Naziverbrechen für "Nestbeschmutzung". Große Teile der bundesdeutschen Bevölkerung wünschten ebenfalls einen "Schlußstrich". Daher nehme ich an, dass Adenauer sich weiterhin die Unterstützung dieser Gruppen sichern wollte - oder anders gesagt: Er hatte nicht den Mut, Fritz Bauer zu unterstützen - in welcher Form auch immer.
     
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ich stimme Dir weitgehend zu. Ne Vermutung. Vielelicht war es gar nicht der "Mut", sondern das Kalkül, dass er die innere "Pazifizierung" als Strategie gewählt hatte und allen die Hand zur Versöhnung hin streckte. Als zweite Chance.

    Damit war er in seinem Verständnis von Tat, Strafe und gesellschaftlicher Integration - vermutlich unbewußt - ein sehr moderner Vertreter der Anwendung von Rechtsnormen.

    Habe ich persönlich sehr viel Sympathie für das Wirken von Fritz Bauer, dennoch war die Strategie von Adenauer "klug" und letztlich hat ihm der Erfolg der Entwicklung der BRD-Gesellschaft zu einer "vollwertigen Demokratie" Recht gegeben.
     
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  4. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Ich denke dass die meisten Probleme in der Verfolgung von Naziverbrechen und Naziverbrechern für Fritz Bauer auf Behördenebene lagen. Und das waren überwiegend kommunale und Länderbehörden.
    Ein Justizapparat der von einem Konsensus getragen war "dass endlich einmal Schluss sein muss".
    Kommunalen Behörden die dicht hielten in den nur ihnen zugänglichen Informationen. Man hätte ja sehr wohl aktualisierte Listen über bekannte Parteimitglieder und Funktionsträger führen können.
    Oder über die Versorgungsämter die lückenlose Zuordnung zu den militärischen Einheiten während des Krieges dokumentieren lassen: wo war der Soldat Meier der 1953 Rente beantragte im Juni 1942 gewesen? Selbst Lochkarten wären da hilfreich gewesen.
    Bauers Problem war: Täter deckten Täter, und es war die Verstrickung der Bevölkerung in die Verbrechen die das Schweigen begünstigte.
    Und: Adenauer war der letzte der keinen Mut hatte.
     
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  5. hatl

    hatl Premiummitglied

    ... und die stammten zu Fritz Bauers Zeit noch aus dem Dritten Reich. https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publ...chichtsband_1.pdf?__blob=publicationFile&v=22
    Schau Dir Schaubild 1 auf Seite 33 an. Beim Justizministerium war zu der Zeit als Fritz Bauer wirkte, die Mehrzahl des Personals entweder ehemalige NSDAP oder SA-Mitglieder. Wie es scheint bildet sich dies immerhin nicht gleichermaßen auf die Zahl der Abteilungsleiter ab (immer noch dem Link folgend).
    Also ich könnte mir schon vorstellen, dass der mutige Fritz Bauer bei einer Zunft, die gerade erst gestern noch das Recht mit Füßen trat, wenig willkommen war.

    ... und Adenauer sagte ja, man schüttet schmutziges Wasser erst weg, wenn man sauberes hat, und es musste irgendwie weitergehen..
     
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  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Es gab m. W. auch eine Aussage von Bauer, dass er an seinem Arbeitsplatz sich von Feinden umringt sah.

    Ich habe es gefunden:

    Er selbst soll einmal gesagt haben: „In der Justiz lebe ich wie im Exil.“[13] Medien zitierten ihn ebenfalls mit dem Satz: „Wenn ich mein [Dienst-]Zimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland.“
    Fritz Bauer – Wikipedia
     
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  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Adenauer hat zwar selbst mal unter den Nazis gesessen, und in der frühen Bundesrepublik war er einer der wenigen Politiker, dem man keine NS-Verstrickung nachsagen konnte, aber einen wirklichen Willen für eine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit hatte er nicht. Es gibt ja ein Bonmot von ihm, da sagte er, solange man kein sauberes Wasser habe, könnte man Dreckwasser nicht wegschütten. Da waren sie dann bald alle wieder in Amt und Würden die ganzen Nazis: Und was für ein Gruselkabinett! Hans Globke, der die Kommentare für die Nürnberger Gesetze verfasst hatte, wurde sein Staatssekretär des Inneren, Theodor Oberländer wurde Bundesminister für Vertriebene. 1959 gab es eine heftige Diskussion um dessen Vergangenheit im Ostministerium. Hans Filbinger wurde Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Als Marinerichter hatte er noch in den letzten Kriegstagen junge Soldaten hinrichten lassen, er hatte sich aber nichts vorzuwerfen, was damals Recht war konnte heute kein Unrecht sein. Ein pathologisch gutes Gewissen hatten sie alle, die Bundespräsidenten (Heinrich Lübke und Karl Carstens), die Arbeitgeberpräsidenten (nach einem Hans Martin Schleyer könnte man eigentlich nicht mal einen Schrebergarten benennen, wäre er nicht von der RAF umgebracht und zum Märtyrer gemacht worden.

    Adenauer stand auf dem Standpunkt, dass Fachkräfte gebraucht würden, von den unbelasteten hatten viele Krieg und NS nicht überlebt. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Deutschen wünschte sich keine NS-Prozesse, keine Aufarbeitung der Vergangenheit. Die schlimmsten Nazis waren verurteilt und hingerichtet, und es war die Auffassung, dass "endlich Schluss sein müsse" weit verbreitet. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Wähler wollten keine Aufarbeitung. Politiker, die wie Willi Brandt in der Emigration gelebt hatten, wurden noch in den 1970er Jahren von bundesdeutschen Politikern der C-Parteien kritisiert und angefeindet. Selbst die Männer des 20. Juli galten bei vielen Deutschen als Vaterlandsverräter, und mit noch abfälligeren Bemerkungen wurde gegen Leute wie Fritz Bauer hergezogen, der Jude und schon vor dem NS Sozialdemokrat gewesen war. Von solchen "Elementen" war die Justiz gesäubert worden, innerhalb der Medizin, der Geschichtswissenschaft, der Jurisprudenz war die überwiegende Mehrheit der deutschen Juristen schlichtweg stramme Nazis, und die meisten dieser Herren empfanden es schon als Zumutung dass "so etwas" wie Fritz Bauer nicht nur Krieg und NS überlebt hatte, sondern jetzt auch noch die Kreise der Herren und "alter Kameraden" störte.

    Fritz Bauer äußerte einmal, wenn er in seiner Behörde säße, befände er sich in Feindesland. Als er erfuhr, dass Eichmann und Mengele sich in Argentinien aufhalten, gab er dem Mossad einen Tipp, weil er nicht ohne Grund befürchtete, dass deutsche Juristen eine Festnahme hintertreiben würden, wenn sie Wind davon bekämen. Gegen Mengele, der nach dem Krieg einige Male unter seinem wahren Namen in seiner Heimat Günzburg auftauchte, konnte nur mit Mühe ein Haftbefehl erwirkt werden, gegen den Mann lag nichts in Deutschland vor.

    Die Vorbereitung der Anklage für die Auschwitzprozesse war eine gigantische, enorm aufwändige Aufgabe. Es musste nach individueller Schuld geurteilt werden, der Krieg lag 20 Jahre zurück, es war eine Sisyphos-Aufgabe, Zeugen zu eruieren und sie nach Frankfurt zu laden. Es hatten manche Zeugen große Schwierigkeiten, sich exakt an Daten, Personen und Ereignisse zu erinnern, Manchen wurde die Aussage zur Qual. Eine Holocaust-Überlebende und Prozessbeobachterin, die Berliner Journalistin Inge Deutschkron schrieb, dass sie selbst und viele Zuschauer die Zeugenbefragungen kaum ertragen konnten. Fritz Bauer und die wenigen Juristen, die an einer Aufarbeitung der NS-Verbrechen interessiert waren, waren sehr einsam. Für ihr Engagement hatten sie wenig Anerkennung und Dank zu erwarten, innerhalb der eigenen Zunft und innerhalb der großen Mehrheit der Deutschen schlug ihnen Skepsis, passiver Widerstand und nicht zuletzt auch blanker Hass entgegen.

    Diese Leute, allen voran Fritz Bauer kann man wegen ihres Engagements und den vielen Unannehmlichkeiten, die sie dafür jahrelang ertragen mussten gar nicht genug würdigen, denn ihnen und ihnen allein ist es zu verdanken, dass es die Auschwitzprozesse überhaupt gegeben hat.
     
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  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Vielen Dank @Scorpio für die Darstellung. Sehe ich auch so.

    Wenn man kurz die Perspektive wechselt, auf die britische, dann waren viele Soldaten, auch die Spitzen, schockiert über das, was sie in Deutschland vorfanden.

    Die begründete moralische Ächtung von NS-Tätern im deutschen Volk war allerdings nur ein Aspekt. Die anderen Aspekte waren die plötzliche und umfassende Verantwortung für ein stark zerstörtes Land.

    Und ab diesem Punkt der Erkenntnis, dass man kein Land gegen, sondern nur mit der Bevölkerung regieren kann, gab es nicht nur "Nazi" oder "Nicht-Nazi", "Täter" oder "Nicht-Täter", sondern viele Formen der Abstufung. Und mit den Personen in dieser Grauzone mußte die britische Besatzungsmacht ein neues, demokratisches Deutschland aufbauen. Sie alleine wäre logistisch und finanziell nicht in der Lage gewesen, das über einen längeren Zeitraum zu leisten.

    Dass dabei einzelne Täter sich einer gerechten Bestrafung, wie z.B. Werner Best, entziehen konnten, zeigt, wie unvollkommen der Entnazifizierungsprozess war. Er zeigt aber auch, dass die Täter wie Best m.E. unzweifelhaft einer war, problemlos in die Gesellschaft integriert wurde und sogar zu ihrer wirtschaftlichen Elite gehörte.

    Insofern war das politische Momentum in vielerlei Hinsicht günstig für den Integrationskurs von Adenauer. Und letztlich ermöglichte diese relative Kontinuität das Funktionieren und brachte ein demokratisches, rechtsstaatliches politisches System hervor. Obwohl und gerade weil beispielsweise im Justizministerium die gleichen Juristen, die hochproblematische NS-Normen gesetzt haben, jetzt Gesetze für die BRD formulierten (vgl. Görtemaker, Safferling: Die Akte Rosenburg)
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2021
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Adenauer hatte natürlich eine Menge "Baustellen" zu bedenken. Es galt Hunderttausende Flüchtlinge und Kriegsgefangene in der jungen BRD zu integrieren, eine geordnete Verwaltung und einen funktionierenden Justizapparat galt es zu etablieren, und "unbelastete" Fachkräfte standen schlicht nicht (mehr) zur Verfügung. Man kann ja viel gegen den Adenauer sagen, aber er und die Nazis waren keine Brüder im Geiste, und persönlich hat man ihm teilweise übel mitgespielt.

    Mit der Distanz von so vielen Jahren muss man einfach das Fazit ziehen, dass eine angemessene Vergangenheitsbewältigung in einer Generation nicht zu leisten war. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands hatte eine Menge mitgemacht hat, und sie hat sich einfach auch viel zu tief auf den NS eingelassen. Auch die, die dem Regime kritisch gegenüber standen, wurden, ob sie wollten oder nicht Zeugen und Mitwisser. Das Land war geteilt, wirtschaftlich, politisch und vor allem moralisch am Boden- und es musste natürlich irgendwie das Leben weitergehen.

    Die Generation meiner Eltern und meine eigene, wir haben vom Leder gezogen gegen die "alten Nazis", und davon gab es auch in der eigenen Familie einige, und Friede ihrer Asche, aber die führten noch in den 1970er, 1980er Jahren das große Wort und ein sehr scharfes Regiment, das einfach auch die Polemik herausforderte. Heute, wo die alle der grüne Rasen deckt, kann man ihnen mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen, denn wenn die sich auch restaurativ autoritär und intolerant gaben, wenn die Auseinandersetzung mit ihnen mühsam und anstrengend war, die überwiegende Mehrheit hat sich in die Demokratie eingelebt und demokratische Gepflogenheiten übernommen. Der wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik hat diese Integration gefördert und zu einer Akzeptanz und Identifikation mit der jungen Bundesrepublik beigetragen. Gemessen am Grad der Verwilderung und Verrohung des politischen Lebens war dieser Integrationsprozess durchaus eine Leistung, die anzuerkennen ist. Mehr war von der Kriegsgeneration vernünftigerweise kaum zu erwarten. Eine Aufarbeitung der jüngsten deutschen Geschichte war von einer Generation nicht zu leisten, und auch die 1968er Generation meiner Eltern war zeitlich noch zu nah dran. Dass die Frage nach dem warum oft polemisch gestellt wurde, lag in der Natur der Auseinandersetzung. "Wie konntet ihr!" fragte die 1. Nachkriegsgeneration, aber in vielen Fällen wurde über den Krieg wenig und über den Holocaust noch weniger oder gar nicht gesprochen.

    Wenn Adenauer Fritz Bauer unterstützt hätte, wäre er dadurch sehr unpopulär geworden, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wünschte keine weiteren Prozesse, wollte "einen Schlußstrich ziehen". Adenauer hätte mit einer Unterstützung Fritz Bauers seine Wähler und die Mehrzahl seiner Partei verprellt und beunruhigt, daher hielt sich Adenauer zurück und schützend die Hand über "Altlasten" wie Globke und Oberländer.

    Für die Opfer und Leidtragenden des NS-Systems war das eine Katastrophe. Juden, die den Genozid überlebt hatten, sahen sich bei Entschädigungsverfahren nicht selten mit den gleichen Sachbearbeitern konfrontiert, die sie 1935-38 enteignet, entrechtet und ausgeplündert hatten. Der Pojeimus, der Genozid an den Sinti und Roma wurde jahrelang gar nicht als solcher anerkannt. Leute, die von NS-Gutachtern und Ärzten als "erbkrank" oder "schwachsinnig" eingestuft worden, hatten Jahre und Jahrzehnte unter den stigmatisierenden Folgen zu leiden. Ähnlich erging es Familien, denen das Sorgerecht über die Kinder genommen wurde, die zwangssterilisiert wurden.
     
  10. Griffel

    Griffel Mitglied

    Den Spruch von dem Schmutzwasser, kenne ich natürlich. Und sicherlich habt ihr Recht! Auch ich habe das schon als Schlüer so gesehen. :rolleyes:

    Adenauer und mit ihm die Leute, die Ihn unterstützten, mussten ein zerstörtes Land wieder aufbauen! Und das kann man nun einmal "nur" mit geschulten Fachkräften. Anderensfalls, hätte man die Besatzungsszeit noch einmal um 10 Jahre oder so verlängern müssen! Und das hätten weder die Deutschen noch die Alliierten mitgemacht.

    Dafür, war damals in der Welt zu viel los. Politisch, Ökonomisch und auch Militärisch. Nicht zuletzt der Korea Krieg, hatte ja auf die Eine oder Andere Weise, positive Auswirkungen auf Westdeutschland.
     
  11. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Schon, aber irgendwann nach 10 Jahren, hat man dann eigentlich bei den Fachkräften auch so viel Nachwuchs, das man ehemalige NS-Funktionäre jedenfalls nicht mehr auf herausragende Posten setzen musste.

    Insofern, hinsichtlich der Tatsache, dass die teilweise in den späten 1960er Jahren noch in den Ämtern saßen, ist diese Begründung dann ein bisschen dünn.
    Für das erste Nachkriegsjahrzehnt, mag sie gelten.
     
  12. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Der Direktor meines Gymnasiums befragte, so um 1974/74, eingehend und sehr intensiv einen jungen französischen Lehrer ob er denn Kommunist sei. Und dieser schüttelte den Kopf und sagte "Ausgerechnet Herr Schmidt..."
    Der Allerweltsdeutsche Schmidt war seinerseits doch Mitglied im Kraftfahrerkorps oder in einer Reiterstaffel gewesen, also einer Elitegruppierung, die über das Mitläufertum hinausging. Und dennoch den Aufstieg zum Schulleiter nicht im geringsten behindert hatte.

    Unser Hausmeister stellte mit professioneller Geschicklichkeit einen Eindringling auf dem Schulgelände, und man sagte mir: "Der war doch bei einem Einsatzkommando..."

    Alle wussten etwas voneinander, alle schwiegen, der Pakt der Verschwiegenheit wirkte auch 20 Jahre und später nach Kriegsende weiter. Einbinden durch Schuld.
     
  13. Griffel

    Griffel Mitglied

    Das meinte ich Ja!:rolleyes: Oder besser gesagt: Naturlich, haben auch wir bzw. ich in der Schule gelernt, dass es damals trotz guten Willens, nicht möglich war, eine komplette Entnazifizierung durchzuführen.
    Das war ja auch ein Grund, warum man die Sache dann sozusagen abgebrochen hat. Wenn, man das Ganze "durchgezogen" hätte, wäre ja so gut wie niemand übrig geblieben, mit dem hätte arbeiten können.
    Naturlich, hat auch der Zeitdruck in Folge des Kalten Krieges eine Rolle gespielt.

    Das Motto Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, war natürlich tonangebend.

    Aber um noch einmal auf meine Eingangsfrage zurück zukommen. Adenauer, war ja damals als die Ausschwitzprozesse stattfanden, schon nicht mehr der Jüngste. Also hatte er seine Karriere quasi hinter sich. Und schon aus diesem Grund, hätte er es sich leisten können und auch müssen, Fritz Bauer zu untersützten. Denn, die langfristig positiven Folgen für die BRD, hätten die kurzfristigen negativen Folgen, in Form von schlechten Wahlergebnissen klar überwogen.

    Wäre Adenauer öffentlich für Fritz Bauer eingetreten, hätte er damit nochmals unterstrichen, dass er es komplett anders machen will, als die Nazis, und mit ihm große Teile des deutschen Volkes. Richtig! Ich schreibe große Teile des deutschen Volkes weil, ich weis, dass damals auch unverbesserliche "Sturschädel":rolleyes::mad:gab, die noch immer vom Endsieg geträumt haben. Zumindest, hätte das Westdeutschland auf dieser Schiene, weniger angreifbar gemacht.
    Das ändert natürlich nichts daran, dass man Beamte, die man eingestellt hat und die sich nichts zu schulden kommen haben lassen, bis zu ihrer Pension beschäftigen muss. Daher erklären sich auch die langen Verweildauern von Belasteten Personen in Amt und Würden.

    Mag es gehen wie es will! Wir ändern heute nichts mehr dran.
    Ciao und schönes Wochenende.:cool:
     

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