Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Eben das genau ist der Punkt. Das ist kein "old stuff" So etwas erleben wir tagtäglich in anderen Formen in der ganzen Welt, verbal und physisch!

Ich fühle mich weder schuldig, noch bin ich dafür verantwortlich!
Nur!!! vergessen darf man diese tödliche menschenverachtende Tat nie.
Wen das nicht interessiert, der kann auch kaum rechtzeitig dagegen einschreiten.

Ich denke, man sollte sich bewusst sein, dass es zu jedem Zeitpunkt der deutschen Geschichte nur eine Minderheit war, die überhaupt bereit war zu einer ehrlichen Aufarbeitung. Die Mehrheit war schon immer dafür, dass endlich einmal Schluss sein musste.



Als Kind, da fiel mir auf, dass sich oft dröhnendes Schweigen einstellte, dass ein Wort, eine Geste genügte, und schon breitete sich Schweigen aus, fast als gäbe es eine geheime Übereinkunft ein Thema wie eine gefährliche Klippe zu meiden. Ein Außenstehender hätte niemals vom reinen Wortlaut her vermuten können, das von Scheußlichkeiten, von Verbrechen die Rede war. Die Älteren aber wussten sofort Bescheid, wussten was und auch wer gemeint war. Ich wollte immer wissen, wer die nordhessischen Juden waren, wer die Leute waren, die in dem und dem Haus lebten. Ich bedaure, dass ich die Alten, dass ich meine Großeltern nicht mehr fragen kann. Ich hatte sie zuletzt soweit, dass sie auch über die Juden erzählten, vieles hatte ich vorher nie gehört. Meine Mutter fragt manchmal, wie ich es anstellte, dass sie mir erzählten, ihr und ihrer Schwester aber nicht. Ich wusste, was ich fragen musste und nach wem ich fragen musste. Ich hatte auch den Eindruck, dass es viele erleichtert hat, Dinge mal auszusprechen.

Die Nationalsozialisten und der Nationalsozialismus sind Geschichte, die letzten Zeitzeugen sind nach und nach weggestorben, es gibt keinen Eichmann oder Mengele mehr, auch keinen Alois Brunner oder Otto Skorzeny, die man noch aufspüren könnte. Selbst die letzten Helfer der Helfershelfer sind ausgestorben, es gibt nicht mal mehr hundertjährige Buchhalter und Sekretärinnen, an der sich die Justiz noch abarbeiten könnte, nachdem sie im Dornröschenschlaf nicht viel darum kümmerte. So wird sich Geschichte nicht wiederholen.

Die Erinnerung an den Nationalsozialismus halte ich auch für wichtig, aber die Aufarbeitung des NS, etwa in der eigenen Familie ist eben sehr zeitaufwändig, sehr unbequem und sehr unangenehm. Es ist eben viel bequemer, wenn man das nur abarbeitet, wenn man an der Oberfläche bleibt.
Das aber beinhaltet die Gefahr, dass man zwar pflichtschuldig sich gegenseitig immer wieder versichert, dass die Nazis und der Nationalsozialismus ganz schrecklich waren, aber letzten Endes gar nicht begreift, was der NS denn nun war.
-Wichtig wäre es, zu verstehen, welche Mechanismen dazu beitrugen, dass Menschen über ihre Nachbarn herfielen.
-Zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass Menschen Nachbarn denunzierten, dass sie asoziales Verhalten zeigten, für das sie sich früher geschämt hätten, dass sie sich schleunigst wieder abgewöhnten als die Nazis in der Versenkung verschwanden.

Wenn man nur lernt, dass NS ganz schrecklich ist, aber gar nicht versteht, was denn nun der NS war, was ihn so schrecklich machte, dann kann man auch Geschichte nicht verstehen. Wenn man nicht versteht, kann man auch nicht korrekt analysieren, dann muss man zu falschen Schlussfolgerungen kommen. Dann fährt man sich einen Film, und dann macht man sich lächerlich. Wenn man sich stilisiert als Widerstandskämpfer und Antifaschisten, der gegen das "Einheitsbraun" und die neu Machtergreifung ankämpft, während man in Wirklichkeit nur ein Politik-Versager ist, dem Folgen einer katastrophalen, verfehlten Politik um die Ohren fliegen und dem die eigene Wählerschaft u. a. wegen erwiesener Inkompetenz in Scharen davonrennt.


Ich habe da eher den Eindruck, dass man da eher auf der anderen Seite vom Pferd fällt. Wenn man den NS versteht, müsste man erkennen, dass Meldestellen vielleicht doch keine so gute Idee sind.
-Müsste man erkennen, dass auch positiver Rassismus Rassismus ist.
 
Also ich bin 1978 aus der Hauptschule entlassen worden und Geschichte wurde da eher lückenhaft vermittelt.Das 20.Jahrhundert etwa so.Erster Weltkrieg eine Stunde,Weimarer republik war eher Wirtschaftskrise und beim 3.Reich im Galopp durch.Machtergreifung,Reichskristallnacht,Kriegsbeginn und die Judenvernichtung wurde so in der art als nebensatz mal erwähnt.Dann Kriegsende und schwupps richtung währungsreform und feiern des Wirtschaftswunders.
Als Kind habe ich,war etwa 8,auch erwachsene reden hören wie sie Sinti und Roma(die hatten einen Platz in der nähe wo sie als Korbmacher lebten).Da kamen auch Sprüche ala"Die hat Adolf vergessen"etc.Alles,oder den grössten Teil was das 3.Reich betrifft habe ich mir selbst angelesen und der auslöser war die US-Serie Holocaust.Ich hab damals ja gewusst was für Vebrechen stattgefunden haben aber das ausmass konnte ich nicht ahnen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Auch wundere ich mich darüber, das solch eine Einlassung ausgerechnet von dir, "Biblio", kommt!?

Das Leben hat mich zum Realisten gehaemmert, meine blauaeugige Idealistenzeit liegt lange zurueck. Vergiss nicht, Ich bin ~50 mit vielen anderen Dingen bis ueber die Ohren sehr beschaeftigt gewesen,i.e. Geld nach Hause zu bringen.
Erst nach 50 bin ich freiwillig in die Juden-Thematik gerutscht und bin dann fuer etliche Jahre dran kleben geblieben. Ich habe zwar einen ganzen Schrank voller Buecher ueber das Thema, doch entdecke ich immer wieder, dass man nur kleine Aspekte weiss, also immer wieder dazu lernen kann. Ueber den HC und dem Britischem Mandat bin ich dann in's Voelkerrecht geschlittert,also eine etwas ueber 30 Jahre lange Odyssee.
Meine Einlassung bezgl dieser Thematik is very simple: seek and find verifyable truth and try to convey it. 'He who speaks the truth, gets chased off seven villages". Dass Du mich meistens auf juedischer Seite findest, liegt daran ,dass dort kaum gelogen etc wird, Cross checkng will always confirm the assertions. So wird es auch bleiben.

öffnet das nicht jeder Relativierung, jedem Whataboutism Tür und Tor? ...dass da "nur" eine Frage der Quantität vorliege, mit diesem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden.
Ich denke dass Zahlenjongliererei a la Dresden is pure Relativiererei. Redet irgendjemand ueber das bestialische Verhalten der Japaner waehrend des 2n WK's? Afrika, alle viel weniger dokumentiert als der HC in DEU, ebenfalls , 'nur' eine Frage of scale.
Apropos, wer aus der Vergangenheit nicht lernt: schon Churchill wies darauf hin, dass es immer hazardeure geben wird, die ihr Glueck auf Kosten der Zivilbevoelkerung versuchen werden. Nix ist in Stein gemeisselt oder im Endeffekt strafbar. Wievile Kriege hat es seit dem 2.WK gegeben ?
Eben!
Dass DEU eine Sonderstellung unter den Nationen bzgl awareness einnimmt ist versraendlich, doch fuer seine Jugend nicht unbedingt erforderlich. Warum sollen die eine Sonderstellung in der Familie der Nationn einnehmen?
 
Oh, das Schuldbewusstsein, dass man jüdische Unternehmen arisiert, dass man Häuser, Immobilien für einen Appel und ein Ei aufgekauft hat, dass man alles mögliche beschlagnahmte oder auch klaute, die war doch, mein Eindruck, äußerst gering, in so manchen Haushalten waren noch reichlich Artikel vorhanden, die man Juden abgenommen hatte, die man unter Wert gekauft oder auch geraubt hatte.

Warum hätten sie sich freuen sollen, wenn da hoppla, der Nachbar wieder auftauchte, den man längst tot glaubte und der womöglich Besitzansprüche geltend machte?
Das war in FRA und POL nicht anders gewesen: in Polen wurden solche Rueckkehrer ohne Spur von common sense - Idealisten - entweder verdroschen,vertrieben oder gar ermordet. Lies darueber auch ueber die 'Bielsky Brothers'
In FRA wurden nach dem Krieg alle leerstehenden Wohnungen von Nichtjuden total uebernommen und die waren nicht im geringsten geneigt da wieder rauszuziehen.Das wid sehr eindrucksvoll in einem Buch ueber zwei Schwestern erzaehl die sehr erfolgreiche Maqusards gewesen waren, actually dutzende von 'Kreisen' gefuehrt hatten. Sie wurden dann auch zu Helden FRA's erklaert und dekoriert. Hatte ihnen aber nichts geholfen in ihre ehem. Wohnungen zurueckzukehren. Erst durch die Intervention der Regierung wurde ihre Wohnung wieder frei. Man sieht, ueberall ist der Mensch gleich. Und wer APPOLINARIS Wasser trinkt oder sich mit Nivea einreibt, wird wohl kein 'Schuldgefuehl' haben dass dese Firmen von Juden geklaut wurden. Schlafende Hunde weckt man nicht.
 
"Wenn man den NS versteht, müsste man erkennen, dass Meldestellen vielleicht doch keine so gute Idee sind.
"Wenn man den NS versteht"... Kann man das?
Dann muesste man sich ja in Irrationales hineindenken.
Und mit moeglichen NS Facetten identifizieren.
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Verwandt mit diesen Gedanken ist, dass Churchill in seinen Memoiren Hitler beachtend zugestanden hatte, praktisch aus einem Nichts, also der Thule Gesellschaft, eine riesengrosse Organisation aufgebaut zu haben. Leser waren empoert ueber Churchill's 'Lob'. Dabei war es ein Missverstaendnis.
>>> Churchill praises Hitler>>> fuehrt zur Seite der Churchill Society.
 
Dass Du mich meistens auf juedischer Seite findest, liegt daran ,dass dort kaum gelogen etc wird, Cross checkng will always confirm the assertions. So wird es auch bleiben.
Das ist wieder diese Form von "Philosemitismus", die um keinen Deut besser ist, als der Antisemitismus, die einfach antisemitische Klischees in ihr glattes Gegenteil verkehrt und nicht akzeptiert, dass Juden auch nur ganz normale Menschen sind, ein Teil der acht MIlliarden. Jeder Mensch lügt. Angeblich sogar mehrfach am Tag (wer das gezählt haben will, ist eine andere Sache). Wer antisemitische Klischees in ihr Gegenteil verkehrt, tradiert sie auch.
 
Wievile Kriege hat es seit dem 2.WK gegeben ?
Eben!
das.erklärt exakt gar nichts zur deutschen Nachkriegsgeschichte, ist also schlicht entbehrlich.
Nix ist in Stein gemeisselt oder im Endeffekt strafbar.
dein Ernst???
Ich denke dass Zahlenjongliererei a la Dresden is pure Relativiererei. Redet irgendjemand ueber das bestialische Verhalten der Japaner waehrend des 2n WK's? Afrika, alle viel weniger dokumentiert als der HC in DEU, ebenfalls , 'nur' eine Frage of scale.
...also zur Aufarbeitung der Nazizeit (Titel des Themas hier) trägt diese primitive Variante von Quantitätsrelativismus ebenfalls nichts bei. Ich kann nicht beurteilen, ob das dein Ernst oder nur provokante Stichelei ist - mein Eindruck aber ist, dass da nicht nur die Grenze des guten Geschmacks überschritten wurde...
 
Nur mal als grundsätzlichen Einwurf zum Thema hier:

Allein die ungeheuerliche Dimension der akribisch durchgeplanten Menschenvernichtung! in sehr kurzer Zeit läßt keinen, das betone ich ausdrücklich! Spielraum für Relativierungen!!

Dieser mal als "Fliegenschieß der Geschichte" bezeichnete Zeitraum hat unmittelbar und mittelbar rund 30-40 Millionen Menschenleben gekostet!
 
Und noch was:

Wie soll man das denn werten, wenn ein junges Mädchen mit ihren Klassenkameraden über die Lehrer herzieht und sagt: "Das sind doch alles Untermenschen" ohne das die überhaupt weiß, was sie da von sich gibt!!! Ich konnte da nur noch abkotzen und war nicht mehr sehr freundlich!
 
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