Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Aber von diesem - meinem - Pessimismus abgesehen: mit der gescheiterten oder nicht gescheiterten Aufarbeitung der Nazizieit hat das nicht eben viel zu tun ?!
Ich denke, dass die deutsche Sicht auf den Nahost-Konflikt (oder auch: Friedens- und Konfliktforschung allgemein) durchaus direkt im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Nazizeit gesehen werden kann und sollte.

Wobei dieser Zusammehang hier bisher zugegebenermaßen nur in einzelnen Beiträgen herausgearbeitet wurde; m. E. einerseits wegen der Komplexität des Themas (man "verzettelt" sich schnell), anderseits wegen der unbestreitbar tagespolitischen Aktualität, die man nur schwer sauber von der eigentlichen historischen Thematik abgrenzen kann.
 
(...) anderseits wegen der unbestreitbar tagespolitischen Aktualität, die man nur schwer sauber von der eigentlichen historischen Thematik abgrenzen kann.
Der Satz ist interessant. Nicht falsch oder so, ist nicht als Kritik gemeint. Wenn die viel beschworenen Lehren aus dem NS, die wir doch alle ziehen sollen, in der realen Politik derart ungeeignet als Maßstab sind, ist das nicht ein Beleg, dass die Aufarbeitung gescheitert ist?

Im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ziehen alle Seiten in Dtld offensichtlich verschiedene Lehren aus der Vergangenheit; welche das sind, wird ja oft und laut genug deklamiert (auch von mir). Wenn man sich über das "Warum" streiten will...
 
Meine Auffassung ist konträr:

Ich halte die Aufarbeitung des Nationalsozialismus keineswegs für gescheitert, aber es ist nicht ein einmaliger Vorgang (das hätten manche wohl gerne: "Irgendwann muss damit einmal Schluss sein!"), sondern ein kontinuierlicher Vorgang.

Deshalb ist manche Diskussion hier, wie die über den Überfall auf Polen 1939, oder den auf Jugoslawien 1941, produktiv. Denn auch diejenigen denen ich scharf kontra gebe, bemühen sich um Argumentation und Gespräch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn man einem ganzen Volk vorwirft "Gewalt zu vergöttern" und nicht zwischen Terrororganisation und Volk unterscheidet, dann unterscheidet man nicht mehr zwischen Schuldigen und Symptahisanten, nicht mehr zwischen Sympathisanten und Gegnern. Wenn man, um einen Terrorpaten zu erledigen, ganze Häuserblocks in Schutt und Asche legt, bietet man Terrororganisationen die Legitimation als Widerstandskämpfer. Man kann ihnen keinen größeren Gefallen tun.

Das ist jetzt in diesem Thread das dritte oder vierte Mal, dass du mir mit ad hominem-Vorwürfen kommst und mir Aussagen unterstellt, die ich gar nicht getroffen habe. Aussagen auch, die meine Beiträge inhaltlich gar nicht hergeben.



Ich schreibe, wenn einem der Kampf gegen Antisemitismus, den hausgemachten und den importierten, ernst ist, dann darf man nicht zu Hunderttausenden gewaltbereite Islamisten ins Land lassen.



Daraufhin unterstellst du mir, ich würde alle Muslime über einen Kamm scheren, unterstellst mir mangelnde Differenzierung, mangelndes Urteilsvermögen, unterschwellig auch Dummheit, denn in der Regel gehen nur Gimpel "auf den Leim". Du konstatierst, dass man aus der Gewaltspirale raus muss und unterstellst mir "anti-muslimischen" Rassismus.

Du sagst, du hältst nichts von der Logik der Aufrechnung, mir wirfst du genau das vor, um dann im nächsten Satz eine makabre Rechnung aufzumachen, in der du "Hunderttausende" (sic!) "gestorbene" Araber, gegen 2000 ermordete Juden aufrechnest und konstatierst, dass das ja die größere humanitäre Katastrophe ist.

Ich spreche ganz allgemein von Gewaltmechanismen, von meinen Erfahrungen mit äußerst gewaltbereiten Menschen, darunter auch Intensiv- und Sexualstraftäter und Nachwuchs-Djihadisten, in deren Gesellschaft ich fast zwei Jahre meines Lebens verbringen durfte. Wo immer (staatliche) Kontrollmechanismen versagen, wo das Recht des Stärkeren sich ausbreiten kann, da sind Leute im Vorteil, die laut, dreist und skrupellos sind. In dem Beitrag kamen die Worte "Muslime", Palästina oder Palästinenser gar nicht vor.

Grundsätzlich würde ich ja den Satz unterschreiben, "aus der Gewaltspirale muss man raus", die Weisheit hilft nur keinem weiter, der sich gerade am unteren Ende der Gewaltspirale befindet. Der weiß das ja selbst, aber es gibt eben keine Antwort darauf, wie man denn aussteigt, wenn der böse Nachbar einen nicht aussteigen lässt.

Es wird immer wieder über "Rassismus gegen Weiße", "antideutschen Rassismus" gesprochen. Ich habe so meine Zweifel, ob da wirklich rassistische Motive den Ausschlag geben. Die "Almans", die "Kartoffeln" sind einfach die leichteste Beute. Alle Nationalitäten halten in Gefangenschaft zusammen, die Deutschen nicht, sie stammen aus zu unterschiedlichen Milieus, in Freiheit wären sie sich nie begegnet, und sie sind am wenigsten wehrhaft, was sie zur leichten Beute macht. Eigentlich haben die Deutschen ihnen auch nichts getan, aber sie haben keinen Erfolg in der deutschen Gesellschaft, und ihre Minderwertigkeitsgefühle lassen sie dann an den Handwerksmeistern aus, die Stress mit dem Finanzamt haben. Wenn man Menschen quälen und schikanieren kann, die einem in jeder Beziehung überlegen sind, ist das ein Triumph für den Typen, der außer zuschlagen nichts kann, den aber sein Bizeps zum Herrn und Meister macht.

Wer sich beschwert, wer so etwas meldet, ist am Ende der Dumme. Wie oft habe ich es nicht schon erlebt, dass am Ende der misshandelte Schüler oder misshandelte Gefangene ins Büro muss, mit aufs Revier muss. Oft ist er nichts als ein lästiger Querulant, während Intensivtäter unbehelligt bleiben.
Wer Gewalt über sich ergehen lässt, mit dem hat man auch kein Mitgefühl. Folter und Quälereien von Mitgefangenen sind ein beliebtes Gesprächsthema. Einige haben großes humoristisches Niveau, und wenn sie die schönsten Reaktionen der Opfer pantomimisch nachspielen, ist es tatsächlich unfassbar komisch. Im Hinterkopf fragt man sich, ob da die Phantasie durchgeht oder ob tatsächlich in irgendeinem Knast, eher noch im Maßregelvollzug, das an einer armen Sau erprobt wurde. In Freiheit würde es einen schaudern, in Gefangenschaft lacht man aus vollem Hals über diese bizarren Aventurien. Einige werden regelrecht terrorisiert. Terror fängt auch nicht bei Terrorismus an, bei Terroranschlägen. Wo das Recht des Stärkeren sich ausbreitet, da breiten sich auch Einschüchterung, Mobbing, Erpressung aus. Wenn Geschäftspartner schwierig werden, wenn die Gefährtin nicht spurt, da gibt es eben "ein paar vorn Ballon" oder "eins auf die Zwölf", da regiert die Faust, wenn man nicht gleich zum Messer, Baseballschläger oder zur Pistole greift.

Seit Jahren wird islamistischer Terror, auch eine absolut rücksichtslose Dominanzkultur klein geredet, bagatellisiert, verharmlost. Es wird laviert auf Zehenspitzen gelaufen, um nur ja nicht die böse Sache beim Namen zu nennen. Am Ende will man uns einreden, Männer sind das Problem. Täter werden nicht zur Verantwortung gezogen, sind psychisch gestört, nicht schuldfähig. Islamisten und Intensivtäter erhalten teure Therapien, während Leute, die wirklich Hilfe bräuchten, durchs System fallen.

Ich bin nicht länger bereit, dazu zu schweigen, das tatenlos hinzunehmen, und ich bin auch nicht bereit dazu, mich diffamieren zu lassen.
Ich schreibe seit 20 Jahren Beiträge in diesem Forum, ich wurde noch niemals gesperrt, niemals habe ich andere Diskussionsteilnehmer beleidigt oder in irgendeiner Weise verächtlich gemacht. Im Großen und Ganzen war ich eigentlich schon der Ansicht, dass ich sagen kann, einen fairen Diskussionsstil zu pflegen.

Du bist ein guter Moderator, das würde ich niemals in Abrede stellen. Meine Positionen kann ich aber zumindest argumentativ begründen. Mag sein, dass ich völlig falsch liege, das ist immerhin möglich. Vielleicht lässt sich die Frage auch gar nicht eindeutig beantworten, und je nach Perspektive muss man zu unterschiedlichen Antworten kommen. Aber erkenne bitte an, dass es den Meinungskorridor enger macht, wenn man Positionen diskreditieren will, die völlig legitim sind.
 
Das ist jetzt in diesem Thread das dritte oder vierte Mal, dass du mir mit ad hominem-Vorwürfen kommst und mir Aussagen unterstellt, die ich gar nicht getroffen habe. Aussagen auch, die meine Beiträge inhaltlich gar nicht hergeben.
Welche Vorwürfe wertest du genau als ad hominem-Vorwürfe??

Ich schreibe, wenn einem der Kampf gegen Antisemitismus, den hausgemachten und den importierten, ernst ist, dann darf man nicht zu Hunderttausenden gewaltbereite Islamisten ins Land lassen.
(Gewaltbereite) Islamisten kann ich nicht an der Nase erkennen.

Du sagst, du hältst nichts von der Logik der Aufrechnung, mir wirfst du genau das vor, um dann im nächsten Satz eine makabre Rechnung aufzumachen, in der du "Hunderttausende" (sic!) "gestorbene" Araber, gegen 2000 ermordete Juden aufrechnest und konstatierst, dass das ja die größere humanitäre Katastrophe ist.
Das habe ich sicher nicht geschrieben. Die Hamas ist eine verbrecherische Organisation, die besiegt gehört, das steht außer Frage. Die Frage ist aber, ob man dafür den gesamten Gaza-Streifen in Schutt und Asche legen muss. Ich halte dies strategisch für falsch und bin davon überzeugt, dass jedes getötete palästinensische Kind die Hamas stärkt und nicht schwächt.

Du konntest es die letzten Jahrzehnte beobachten: Wenn in Israel Wahlen anstanden und Wahlkampf war, stiegen die Anschlagszahlen in die Höhe. Hamas braucht eine israelische Law-and-Order-Partei um seine Existenz zu rechtfertigen und genauso brauchen die israelischen Rechten die Hamas, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Da'esh ist nicht die Hamas, aber wesensverwandt. 2012 wurde ein Strategiepapier von Da'esh bekannt, dass das sehr schön offengelegt hat: Anschläge in Europa sollten den antiislamischen Rassimus fördern, um mehr europäische Muslime in die Fänge von Da'esh zu treiben. Genau das ist schon viel länger - und angesichts der Anschlagskonjunktur deutlich sichtbar - die Politik von Hamas.

Ich spreche ganz allgemein von Gewaltmechanismen, von meinen Erfahrungen mit äußerst gewaltbereiten Menschen, darunter auch Intensiv- und Sexualstraftäter und Nachwuchs-Djihadisten, in deren Gesellschaft ich fast zwei Jahre meines Lebens verbringen durfte.
Ich kann mit deiner Knasterfahrung nicht mithalten. Aber hast du dir schon mal überlegt, dass du im Knast nicht die Mitte der Gesellschaft triffst, sondern einen bestimmten Ausschnitt?

Wo immer (staatliche) Kontrollmechanismen versagen, wo das Recht des Stärkeren sich ausbreiten kann, da sind Leute im Vorteil, die laut, dreist und skrupellos sind.
Das ist richtig.

Grundsätzlich würde ich ja den Satz unterschreiben, "aus der Gewaltspirale muss man raus", die Weisheit hilft nur keinem weiter, der sich gerade am unteren Ende der Gewaltspirale befindet. Der weiß das ja selbst, aber es gibt eben keine Antwort darauf, wie man denn aussteigt, wenn der böse Nachbar einen nicht aussteigen lässt.
Im Falle von Israel als westlicher Demokratie erwarte ich einfach, dass es die angemessenen Mittel einsetzt. Es steht z.B. außer Frage, dass Israel sich verteidigen können muss. Es stand nach dem 7. Oktober außer Frage, dass Israel hart reagieren musste. Aber diese Härte richtete sich nicht alleine gegen die Urheber dieses letzten Krieges.

Seit Jahren wird islamistischer Terror, auch eine absolut rücksichtslose Dominanzkultur klein geredet, bagatellisiert, verharmlost.s wird laviert auf Zehenspitzen gelaufen, um nur ja nicht die böse Sache beim Namen zu nennen.
Seit spätestens 2001 ist doch der islamistische Terrorimus ein mediales Dauerthema, Moscheen werden geschlossen, Vereine verboten und ihre Vermögen beschlagnahmt, wir haben ein Probelm mit Syrienrückkehrern (vor allem den Frauen von in Syrien inhaftieren Djihadisten und ihren Kindern), ich kann nicht feststellen, dass dieses Thema "bagatellisiert" wird.

Ich bin nicht länger bereit, dazu zu schweigen, das tatenlos hinzunehmen, und ich bin auch nicht bereit dazu, mich diffamieren zu lassen.
Ich schreibe seit 20 Jahren Beiträge in diesem Forum, ich wurde noch niemals gesperrt, niemals habe ich andere Diskussionsteilnehmer beleidigt oder in irgendeiner Weise verächtlich gemacht. Im Großen und Ganzen war ich eigentlich schon der Ansicht, dass ich sagen kann, einen fairen Diskussionsstil zu pflegen.

Du bist ein guter Moderator, das würde ich niemals in Abrede stellen. Meine Positionen kann ich aber zumindest argumentativ begründen. Mag sein, dass ich völlig falsch liege, das ist immerhin möglich. Vielleicht lässt sich die Frage auch gar nicht eindeutig beantworten, und je nach Perspektive muss man zu unterschiedlichen Antworten kommen. Aber erkenne bitte an, dass es den Meinungskorridor enger macht, wenn man Positionen diskreditieren will, die völlig legitim sind.
Ich habe auf deine Aussagen nicht als Moderator geantwortet. Ich lese deine Ausagen aber so, dass du israelische Leben über palästinensische Leben stellst. Wenn ich das falsch lese, dann bitte ich das zu entschuldigen. Aber wenn man ein israelisches Leben über palästinensische Leben stellt, dann muss man sich eben Fragen gefallen lassen. Und nur um das klarzustellen: Die meisten Israelis sind mir persönlich näher, als die meisten Palästinenser. Aber ein Leben ist ein Leben, egal wem es gehört und da kann es keine Kompromisse geben.

Frieden ist ein zartes Pflänzchen, dass nur sehr langsam wächst und behutsam gepflegt werden muss, sonst geht es ein. Militärstiefel treten es leicht in den Grund, der Fanatismus der Djihadisten reißt es aus. Ich befürchte, dass ein Frieden im Nahen Osten nur zu machen ist, wenn es gelingt, drei Generationen so gut wie gewaltfrei zu leben. Also wenn irgendwann die persönliche Erinnerung an erfahrene Gewalt und erduldetes Leid nicht ehr da ist. Aber irgendwann muss man damit anfangen. Dann haben wir dort vielleicht in 100 Jahren so etwas wie eine vertrauensvolle Nachbarschaft.
 
Welche Vorwürfe wertest du genau als ad hominem-Vorwürfe??


(Gewaltbereite) Islamisten kann ich nicht an der Nase erkennen.

An ihren Taten und Worten aber schon
Ich kann mit deiner Knasterfahrung nicht mithalten. Aber hast du dir schon mal überlegt, dass du im Knast nicht die Mitte der Gesellschaft triffst, sondern einen bestimmten Ausschnitt?
Ja, natürlich! Aber im Grunde ist der Knast ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Es war Gefängnis auch bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Dort wurde man in Ruhe gelassen, ich hatte Gelegenheit in der Bibliothek zu arbeiten. Bedenkt man, dass wir ein sehr heterogener Haufen war, dass einige sehr kurze Zündschnüre hatten, war es im C-Flügel sogar recht friedlich, und nachdem man seine Reviere abgesteckt hatte, kam man miteinander aus. Wirklich übel war Maßregelvollzug, und dort waren auch die übelsten Typen zu finden. Die aber hatten 6 Jahre aufwärts, weshalb man sie lange, lange therapieren kann-eine Lizenz zum Gelddrucken.
Im Falle von Israel als westlicher Demokratie erwarte ich einfach, dass es die angemessenen Mittel einsetzt. Es steht z.B. außer Frage, dass Israel sich verteidigen können muss. Es stand nach dem 7. Oktober außer Frage, dass Israel hart reagieren musste. Aber diese Härte richtete sich nicht alleine gegen die Urheber dieses letzten Krieges.


Seit spätestens 2001 ist doch der islamistische Terrorimus ein mediales Dauerthema, Moscheen werden geschlossen, Vereine verboten und ihre Vermögen beschlagnahmt, wir haben ein Probelm mit Syrienrückkehrern (vor allem den Frauen von in Syrien inhaftieren Djihadisten und ihren Kindern), ich kann nicht feststellen, dass dieses Thema "bagatellisiert" wird.


Ich habe auf deine Aussagen nicht als Moderator geantwortet. Ich lese deine Ausagen aber so, dass du israelische Leben über palästinensische Leben stellst. Wenn ich das falsch lese, dann bitte ich das zu entschuldigen. Aber wenn man ein israelisches Leben über palästinensische Leben stellt, dann muss man sich eben Fragen gefallen lassen. Und nur um das klarzustellen: Die meisten Israelis sind mir persönlich näher, als die meisten Palästinenser. Aber ein Leben ist ein Leben, egal wem es gehört und da kann es keine Kompromisse geben.

Frieden ist ein zartes Pflänzchen, dass nur sehr langsam wächst und behutsam gepflegt werden muss, sonst geht es ein. Militärstiefel treten es leicht in den Grund, der Fanatismus der Djihadisten reißt es aus. Ich befürchte, dass ein Frieden im Nahen Osten nur zu machen ist, wenn es gelingt, drei Generationen so gut wie gewaltfrei zu leben. Also wenn irgendwann die persönliche Erinnerung an erfahrene Gewalt und erduldetes Leid nicht ehr da ist. Aber irgendwann muss man damit anfangen. Dann haben wir dort vielleicht in 100 Jahren so etwas wie eine vertrauensvolle Nachbarschaft.

Sicher hat Israel auch Fehler gemacht. Es gab quasi keine Alternative zu "Wir gehen da jetzt rein". Keine Regierung hätte es überlebt, untätig zu bleiben, und es war auch eine sehr schwierige Militäroperation. Die Hamas hat sich in Schulen und Krankenhäusern verschanzt, hat Zivilisten als Schutzschilde verwendet.

An den Massakern hat sich auch die Zivilbevölkerung beteiligt. Dieses Tunnelsystem hätte wohl kaum entstehen können, ohne dass Zivilisten davon etwas mitbekommen haben. Wenn man sich die wirklich widerlichen Reaktionen u. a. auf Palästina-Demos ansieht, halte ich es für eine absolut nachvollziehbare Reaktion, wenn Israeli sich fragen, was man am 7. Oktober 2023 getan hat, sich fragt, ob sie auch mitgemacht, mitgemordet haben, ob sie auch noch mal auf die Leiche einer Frau gespuckt und fröhlich Baklava verzehrt haben. Bei einigen lautet die Antwort "ja". Marcus Silbermann, eine der Geiseln, Israeli und deutscher Staatsbürger hatte angefangen, Arabisch zu lernen. Sein Podcast über seine Zeit als Hamas-Geisel ist recht interessant. Er sagte aber auch, dass er niemals Palästinenser mehr so unbefangen betrachten kann wie vor dem 7. Oktober.
Die ersten Opfer waren Besucher eines Rock-Festivals, Kibbuzim-Bewohner, das war das links-liberale Israel, was da abgeschlachtet wurde.

Bei den Israeli, da könnte ich sagen, wer die Menschen waren, die umgebracht wurden, wüsste ich wie sie lebten, was das für Menschen waren, man stößt auf Namen von Orten, die einem bekannt sind. Die Menschen stehen mir näher.

Wenn ich so manche Reaktionen sehe, wenn ich an den Clip denke, jenes Möchtegern-Djihadisten, der mit dem geraubten Handy seine Eltern anrief und ganz stolz ihnen meldete, dass er soeben eigenhändig 10 Menschen umgebracht hat. Die Mutter weint, sie ahnt, dass sie diesen verlorenen Sohn nie wieder sieht. Ganz offensichtlich aber haben diese Eltern ihrem Sohn nie gesagt: "Tu das nicht, wirf nicht sinnlos dein Leben weg! Lebe für Palästina, aber töte keine Menschen/Juden. Wenn ich von "Märtyrern" höre, muss ich mich immer fragen- wie darf ich mir die vorstellen? So wie diesen Jungen, dieses halbe Kind?

Sicher, auch dieses Schicksal ist tragisch in seiner ganzen schrecklichen Sinnlosigkeit, ich muss aber ganz ehrlich gesehen, dass der Tod dieses Jungen, auch der Tod der ganzen beschissenen Familie bei mir nichts auslöst außer grenzenlose Erleichterung, dass er keine Menschen mehr umbringen kann.
 
Noch etwas aber fällt mir zu Gaza ein, dann zurück zur Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit-versprochen! Kennt zufällig jemand den Namen Carolin Bohl? Ich kannte ihn nicht, habe den Namen zuvor noch nie gehört, bis ich auf ein Interview stieß, dass Sarah Maria Sander mit Sonja Bohl, der Mutter von Carolin machte.

Carolin Bohl war das einzige deutsche Mordopfer des 7. Oktobers 2023. Sie war keine Israeli, keine Jüdin, und sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Carolin Bohl war 22 als sie umgebracht wurde, sie studierte Modedesign in Berlin, und ein Kommilitone, ein britisch-israelischer Student lud sie ein, ihn nach Israel zu begleiten. Sie war zum ersten Mal in Israel, hatte keine familiären oder sonstigen Bindungen dort.

Carolin reiste gemeinsam mit ihrem Begleiter nach Tel Aviv, um dessen Schwester zu besuchen, wo sie drei Tage blieben, bevor sie das Kibbuz Nir Oz besuchten, wo die Mutter ihres Kommilitonen aufgewachsen war. Dieses Kibbuz lag in der Nähe von Gaza.
Die Mutter, Sonja Bohl machte sich Sorgen deswegen, und die Tochter versuchte, sie zu beruhigen, verwies darauf, dass jedes Haus einen Luftschutzraum hatte. Am 7. Oktober ging der Rückflug von Tel Aviv, und eigentlich wollten sie am 6. Oktober nach Tel Aviv fahren. Durch einen Zufall ergab es sich, dass man noch einen Tag in Nir Oz bleiben wollten. Am Morgen des 7. Oktober wollten sie nach Tel Aviv fahren. Gegen 6.30 ging es los, es kamen die ersten Raken geflogen, und man ging in den Luftschutzraum-Business as usual . Um 7.17 sagte sie noch ihrer Mutter Bescheid, dass der Krieg ausgebrochen ist, dass aber alle im Keller und in Sicherheit sind, dass sie noch nicht in Tel Aviv angekommen sind. Um 6.30 gingen im ganzen Land die Sirenen, während die Raketen auf Israel niedergingen, durchbrachen Hamas Leute, begleitet von Zivilisten den Grenzzaun und dringen mit Geländewagen, Paraglidern und Motorrädern nach Israel ein.

Die Terroristen drangen in die Häuser ein, töteten Männer, Frauen und Kinder und nahmen Geiseln. In den folgenden Stunden versuchte die Mutter mehrfach, die Tochter zu erreichen, aber die Mails wurden nicht mehr beantwortet. Anrufe bei der deutschen Botschaft blieben ergebnislos. Es wurden Rückrufe versprochen, kamen aber nie. Von Carolin Bohl und ihrem Begleiter fehlten Spuren, man ging davon aus, dass sie entführt wurden. Am Sonntag, dem 8. Oktober 2023 kam gegen 18.00 die Nachricht, dass beide tot waren. Etwa eine Woche später wurden die sterblichen Überreste von Carolin Bohl zurückgeschickt. Es fand eine Obduktion statt, die Gerichtsmediziner rieten der Mutter dringend, sich nicht die Leiche anzusehen. Anhand eines Tatoos, das der Bestatter fotografierte, konnte Carolin Bohl identifiziert werden.

Die Terroristen haben sie totgeschlagen, und deutsche Medien haben sie totgeschwiegen. Ich muss es gestehen, bis vor ein paar Tagen habe ich von diesem Namen nie gehört, obwohl ich die Nachrichten aufmerksam verfolgt habe.

Auf dem YT-Kanal von Sarah Maria Sander gibt es das Interview mit Sonja Bohl.

R. I. P, Carolin Bohl!
 
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