Die aufarbeitung ist schon 1945 gescheitert.Mein Opa sagte mir in den 80er jahren mal das eine woche nach dem Kriegsende,schon die ersten riefen"man muss doch vergessen können die zeit ist vorbei".heute hör ich das wieder laut kreischend aus der extrem rechten ecke.Jetzt geht wieder öffentlich die Holocaustleugnung los oder man meint"es waren nur ein paar tausend"würde es harmloser machen.
Na, wenn es dein Opa sagt, dann wird es wohl so sein. Man muss auch vergessen können, das wurde uns ja auch seit frühester Jugend eingetrichtert. Im Geschichtsunterricht deutscher Schulen wurde die NS-Zeit nie behandelt, wir haben niemals Kriegsgräber gepflegt, niemals gegen SS-Treffen demonstriert. Niemals hat eine deutsche Schulklasse Orte wie Auschwitz, Buchenwald, Dachau oder Flossenbürg besucht.
Unsere Großeltern-Generation hat uns nur positive Erinnerungen an die HJ , an Fahrten und Geländespiele berichtet. Haben die uns sonst nichts erzählt? Man hat uns immer nur erzählt, dass der NS eine schöne, eine herrliche Zeit war. Dass der 2. Weltkrieg eine tolle Sache war, ein Abenteuerurlaub. Junge Leute bekamen mit der Wehrmacht die Chance, Europa zu erkunden. WW 2 war sozusagen die Fortsetzung von KDF mit anderen Mitteln. Sie haben auch niemals von Bombenangriffen erzählt, von Flucht und Vertreibung, von Tod und Terror, von Leuten, die wegen einer Nichtigkeit, weil sie schwarz eine Sau geschlachtet oder einen Witz erzählt haben im KZ landeten oder unter der Guillotine. Niemals haben sie von Brüdern, Schwestern und Cousins erzählt, die "der Krieg gefressen hat. "Niemals hat man uns erzählt vom brennenden Rotterdam, von Hamburg, Kassel, Köln oder Frankfurt, von Geschwistern, Freunden, Bekannten, die erfroren, mit ihrem U-Boot zu Grunde gingen, die im Feuersturm verbrannten. Die zahllosen Kriegsversehrten sind uns nie aufgefallen, und sie haben auch nie erzählt, wie sie Gliedmaßen verloren haben, nichts von Kriegstraumata, von Krankheiten, Terror und Gewalt.
Eine US-Serie über eine jüdische Familie aus Berlin ist völlig spurenlos an uns vorbei gegangen. Ein Wort war plötzlich in aller Munde, das wir zuvor nie gehört haben, das so viel wie Brandopfer bedeutet. Niemand hat mit der Familie Weiß sympathisiert, mitgefiebert. Ihr Schicksal hat uns nicht berührt, denn wir waren alle der Ansicht, dass man auch vergessen muss, dass man endlich mal einen Schlussstrich ziehen muss, dass man stolz darauf sein kann, Europa in Brand gesetzt zu haben, stolz darauf, dass die ganze Welt einen hasst, dass man zum Sinnbild des Barbaren wurde, des Unmenschen. Dass der industriellen Massenmord ein Meisterwerk der Organisation war, auf das man stolz sein kann. Nie haben wir vom Tagebuch der Anne Frank gehört, vom Gerstein Bericht, von der Wannseekonferenz.
Man hat uns immer nur gesagt, dass es das nie gab, dass wir es aber es wiederholen, sobald wir können, dass es beim nächsten Mal klappen muss. Ein Berliner, der die Shoah überlebte, weil Berliner ihn unter Lebensgefahr versteckten, ist in den 1970er und 1980ern nicht der beliebteste Showmaster gewesen.
Selbstverständlich haben wir auch niemals eine Gedenkstätte besucht, von Orten wie Auschwitz, Dachau, Buchenwald haben wir nichts gewusst, und nie gehört, nichts davon geahnt. Wenn wir es dann doch mal taten, dann haben wir uns in KZs nur Expertise eingeholt, wie man industriellen Massenmord plant und durchführt. Niemals auch sind KZ-und Holocaust-Überlebende in deutsche Schulen eingeladen wurden. Einer NS-Aufarbeitung hat sich das ganze deutsche Volk immer verweigert. Holocaust-Leugnung ist in der BRD Staatsdoktrin, und Mein Kampf und Der Mythus des 20. Jahrhunderts sind bekanntlich Schullektüre. Adolf Hitler ist nach wie vor Ehrenbürger zahlreicher deutscher Städte, in jeder Stadt gibt es mindetens eine Straße oder Schule, die nach ihm benannt ist. Niemals ist ein deutscher Bundeskanzler niedergekniet im Warschauer Ghetto, und unseren Nachbarn haben wir stets den Mittelfinger gezeigt und durchblicken lassen, dass wir gar kein Interesse an einer Versöhnung haben., dass wir auf Aufarbeitung pfeifen, dass uns die Gräuel in Polen am Gesäß vorbeigehen, dass uns die polnische, französische Perspektive nicht interessiert.
Es gab auch keinen wissenschaftlichen Austausch, wissenschaftlich ist der NS völliges Neuland, Bücher von Götz Aly odee Ian Kershaw haben uns nie interessiert, ebensowenig wie uns Autoren wie Joachim Fest oder Eugen Kogon interessierten. Niemals ist uns ein Licht aufgegangen, dass wir gar keine andere Wahl hatten, als die NS-Zeit aufzuarbeiten und mit unseren Nachbarn ins Reine zu kommen, wollte D je wieder Teil der Staatengemeinschaft, der Zivilisation werden.
Selbst, wenn wir das alles vergessen wollten, unsere Nachbarn haben es nicht vergessen, sie konnten es nicht, es waren die Leichenberge zu groß, die Verbrechen zu monströs, und es war die Welt (noch) nicht so moralisch verkommen, dass sie diese monströsen Verbrechen, diese atavistische Barbarei, diesen Triumph der Niedertracht hätte vergessen können.
Es gab und gibt Unverbesserliche, die den Holocaust leugnen, es hat ihn nie gegeben, aber er sollte sobald wie möglich wiederholt werden. In der deutschen Bevölkerung war das aber immer eine sehr kleine Minderheit. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen, auch der "alten Nazis" ist am Ende in der Demokratie angekommen und wusste deren Vorzüge zu schätzen.
Es gibt aber tatsächlich eine Bevölkerungs-Gruppe, die laut kreischend "Tod den Juden" fordert, die sich vor Entzücken nicht fassen kann und betialische Morde mit Süßigkeiten abfeiert. Sie wollen Juden, und zwar
alle Juden vom Angesicht der Erde vertilgen. Ihre Ideologie könnte man durchaus am äußersten rechten Spektrum verorten, denn ihre Ideologie ist so ziemlich das reaktionärste und barbarischste, was es überhaupt im politischen Spektrum gibt. Ihre Haltung ist deckungsgleich mit der von Hitler, den sie ganz großartig finden.
Man kann ihnen vieles vorwerfen, aber Holocaust-Leugner sind sie nicht. Sie leugnen die Shoah nicht, spielen keine Zahlen herunter. Wozu auch, es war die größte Tat und Leistung der Weltgeschichte, und skandalös ist daran nur, dass immer noch viel zu viele Juden
die Shoah überlebt haben. Das würden sie gerne korrigieren. Sie sind keine Holocaust-Leugner, sondern Holocaust-Bewunderer und -Apologeten.