Was kostete ein Pferd um 1650?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Gast, 9. Juli 2009.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo,

    ich recherchiere gerade für meinen neuen Roman. Dazu müsste ich wissen, was ein Pferd so um 1650 gekostet hat. Wenn mir da jemand behilflich sein könnte, wäre ich sehr dankbar. Habe im Internet nach langem Suchen nichts gefunden.

    Vielen Dank im Voraus

    Meddi Müller
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gibt es keine kaufmännische Reiseliteratur aus dem 17. Jahrhundert? Mir fällt gerade nur das Reisebuch der Familie Rieter ein, aber das ist aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Darin werden u.a. auch Ausgaben aufgelistet.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  4. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Kommt drauf an: Arbeitspferd? Reisepferd? Kriegspferd? Luxuspferd? Welche Rasse? Wieviele Beine? Welche Gegend? Welche Währung?;)

    Aus dem 16. Jh. liegen, wie ElQ andeutet, erheblich bessere Preisinformationen vor. Als gesichert gilt, dass der Krieg zunächst deutliche Preissteigerungen hervorbrachte; z. B. wurden in Oberschwaben auf dem Lande Pferde für 80, 170 und 251 fl. verkauft. [1] Nach dem Kriege könnten die Preise weitaus niedriger gewesen sein; "auf den braunschweigischen Domänen wurden in Jahr 1680 die vorhandenen Pferde nur zu rund 10 Talern das Stück taxiert" [2].

    Dies betrifft Arbeitspferde - siehe oben.


    [1] Zs. f. Gesch. d. Oberrh., 17. Bd., S. 423
    [2] Abel, Gesch. d. dt. Landw., S. 235
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ergänzend dazu noch folgende Anmerkungen:
    1. Kostentechnisch handelte es sich bei einem Kriegspferd bis ins 17./18. Jh. faktisch um ein Luxuspferd.
    2. Für Arbeitspferde wird noch im 19. Jh. darauf hingewiesen, daß es - selbst wenn 2 Pferde in der Lage seien, die Arbeit von 3 Ochsen zu leisten - noch immer kostengünstiger sei, mit Ochsen zu arbeiten.
    3. Bei Reisepferden bin ich mir zwar nicht endgültig sicher, ob dies für das 17. Jh. noch so gilt, aber zumindest noch in den Jahrhunderten zuvor wäre da eine weitere zusätzliche Frage: Was kostete ein Reisepferd, wenn man es selbst besaß, und was kostete es, wenn man es zum Reisen anmietete?
     
  6. Walter

    Walter Gast


    Ganz wichtig, die Zähne...die wohl etwas über den gesundheitlichen Zustand aussagen, oder?:lupe:
     
  7. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Ist vielleicht eine Definitionsfrage. Es wird schon ein Unterschied bestanden haben zwischen einem gewöhnlichen Kavalleriepferd und seinem Kameraden in der Spanischen Hofreitschule...

    Der Gast ist sicher für jede belastbare Zahl - ob Anschaffungs- oder Unterhaltskosten - dankbar. Vordringlich ist m.E. aber zu klären, auf welches Pferd er seine Romanfigur setzen will.
     
  8. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Nein, nein - die Zähne sagen nichts über die Gesundheit aus. Anhand des Gebisses lässt sich das Alter des Pferdes feststellen...


    Gruss Pelzer


    .
     
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  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Es ist eher eine Frage, welche weitere Differenzierung man dann treffen müßte.
    Ich kann es zwar nur für das europäische Mittelalter diesbezüglich genau sagen, aber zu jener Zeit kostete ein ritterliches Streitroß (destrier) etwa das 25-fache(!!!) eines normalen Reitpferdes (rouncey; weswegen viele Ritter auch im Kampf die normalen Reitpferde statt der teuren Kriegspferde nutzten, welche sie sich nicht leisten konnten - übrigens gab es andererseits auch teure Reitpferde (courser, palfrey), welche fast so teuer wie ein destrier sein konnten).

    Aber Du hast dennoch grundsätzlich natürlich Recht, wenn Du auf die Unterschiede zwischen verschiedenen Kavalleriepferden verweist...

    Vielleicht hilft unserem Gast ja auch folgende Auflistung etwas weiter: Preisrelationen
    Anm.: Rt. bedeutet Reichstaler :fs:

    Wichtig: Wie JSchmidt bereits ausführte, dürften diese Preise um 1650 bereits recht deutlich abgesunken sein...
     
  10. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Wenn sich der Gast entschließen könnte, sein Pferd in England zu kaufen, wäre tatsächlich eine Preisangabe eher möglich.

    Siehe insbesondere die hervorragenden Tabellen in: Rogers, A history of agriculture and prices in England, vol. 5, p. 347 ff.; für 1650: "Horses, saddle or coach, highest price" = 20 Pfund 15 Schilling! (ebd. S. 350)!
     
  11. Walter

    Walter Gast

    Einfacher und spannender für den Roman, wäre es doch, wenn er das Pferd nicht kauft, sondern raubt, klaut oder wie auch immer, auf jeden Fall nicht bezahlen....:fechtduell:
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    :eek:, konnte das Pferd auch fliegen oder andere Kunststücke?
     
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  13. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Das nicht, aber dem Vernehmen nach war es dem Kronprinzen wie aus dem Gesicht geschnitten... :scheinheilig:
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juli 2009
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Verstehe, das mußte daher zu jedem Preis aus dem Markt genommen werden. :D
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    So ungewöhnlich wäre dies für einen "highest price" - also Höchstpreis - für ein Pferd keineswegs; im Gegenteil: gemessen daran, daß seit 1526 der Silbergehalt des Pfunds herabgesetzt war (von 92,5% auf 33,3%), erscheint der Wert im Vergleich zu früheren Jahrhunderten nicht besonders hoch.

    20 Pfund 15 Schilling entsprächen demnach in etwa knapp 7 Silberpfund - wobei 1 Silberpfund nicht mit 500 g, sondern mit etwa 373 g gleichzusetzen ist (troy pound); ergo wären das etwa 2,5 kg Silber (Und das war ein Höchstpreis!).

    Zum Vergleich: Im 13. und 14. Jh. lag der basic initial purchase price - also Grundkaufpreis - für ein Pferd des Typs rouncey (das ist - zur Erinnerung siehe meinen vorherigen Beitrag - ein normales Reitpferd bzw. Allzweckpferd) bei 3...10 Silberpfund (Lit.: John Clark (Hrsg.): The Medieval Horse And Its Equipment - Museum Of London/The Boydell Press - London, 1995/2004). Pferde vom Typ courser, palfrey und erst recht destrier lagen vom Preis deutlich darüber - letztgenannte Pferde (Streitrösser) waren wie bereits ausgeführt etwa bis 25mal so teuer!
    Anm.: Hierbei muß zum Vergleich jedoch 1 Silberpfund mit etwa 406,5 g gleichgesetzt werden (Karlspfund) - d.h., der Wert für den rouncey entspräche etwa 1,2 bis 4 kg Silber (Und das war die Spanne des Grundpreises für ein Allzweckpferd!).
    Geradezu als "Schnäppchen" erscheinen einem dagegen auf den ersten Blick noch die Angaben im Frühmittelalter, wo nach der Lex Ribuaria ein normales Reitpferd mit 7 Solidi, ein Hengst (für den Kriegseinsatz) mit 12 Solidi und eine Stute (da nur für die Nachzucht) mit 3 Solidi taxiert wurden (20 Solidi = 1 Silberpfund, also 1 Solidus = 1/20 Silberpfund). Im 8./9. Jh. kam man also selbst für ein Kriegspferd noch mit etwa 250 g Silber aus, was aber eben immer wieder in Relation gesehen werden muß (denn so wurden Schwert, Schild und Lanze zusammen wiederum mit 9 Solidi taxiert)...

    Aber genug der mittelalterlichen Vergleichsbeispiele: Der genannte Pferdehöchstpreis aus England um 1650 - 20 Pfund 15 Schilling - ist keineswegs so exotisch wie er erscheint; andererseits (deswegen auch der Rückgriff in noch frühere Jahrhunderte) läßt sich für die Vormoderne (bis 1500) bis in die Moderne feststellen, daß Pferde nicht gerade zu den preiswertesten Gütern gehörten (vor allem, wenn man die Preise bspw. mit den jeweiligen Tageslöhnen der entsprechenden Zeit vergleicht).

    Ach ja; und :sorry: für das Abschweifen vom eigentlich angefragten Zeitraum...
     
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  16. Gast

    Gast Gast

    Kein Sorge, der Held kauft nicht! Geht eher in die Richtung "...wie auch immer" ;-)

    Vielen, herzlichen Dank an Alle. Ihr habt mir sehr geholfen! Ich konnte nun einige Dinge klären.

    Bis zum nächsten Mal (Wird, denke ich, nicht lange dauern!)

    Meddi Müller
     
  17. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Meddi, vieleicht kann dir hier der eine oder andere helfen, aber ich wundere mich, dass ein Romanautor auf Internetrescherchen angewiesen ist, wenn ich deine erste Frage richtig verstanden habe.
    Man liesst da doch erst mal Fachliteratur.
    Ich habe danach auch gesucht, aber kaum was gefunden im Internet.
    Viel Glück mit deinem Roman. Ich habe das auch schon mal versucht. Vieleicht liesst es mal mein Urenkel, wenn er das Manuskript mal findet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juli 2009
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  19. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, so wirds wohl sein, egal.
    Ich habe mich mal eine Stunde mit Däniken unterhalten. Der ist auch nur ein Mensch.
    Ich habe doch gar nichts gegen Meddi. Wenn ich etwas richtig wissen will, finde ich schon einen Weg, rauszufinden, was wichtig für mein Werk ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juli 2009
  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Jedes Jahr gehen bei Verlagen ca 800.000 (unverlangte) Manuskripte ein, und die meisten Lektoren stöhnen dabei nur auf. Viele freie Lektoren leben davon, angehenden literarischen Genies Hoffnung zu machen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer richtig Kohle hat und eitel genug ist, für sein eigenes Opus 10- 20.000 Euronen zu blechen kann bei Zuschussverlagen fündig werden, die literarischen Nachwuchs kirre machen mit Überschriften
    "Manuskripte gesucht".

    Manuskripte werden nicht gesucht, und der Markt ist dermaßen übersättigt mit Romanen die kein Mensch braucht und die niemals bei einem seriösen Verlag veröffentlicht werden.


    Es ist geschäftsschädigend was ich schreibe, und ich schneide mich ins eigene Fleisch, aber ich kann nicht ansehen, wie Leute in ihr Verderben rennen, und daher sage ich:

    "Leute, vergesst den Quatsch!" schreibt gute Kurzgeschichten, setzt euch mit Literaturbüros in Verbindung, schickt eure Manuskripte an Literaturzeitschriften. Wer gut schreiben kann, wird dann mal etwas veröffentlichen oder auch eine Lesung halten können und mit seiner Schreibe sogar etwas verdienen, statt dafür zu löhnen. Aber vergesst es, wenn ihr als Nachwuchsliteraten ein Erstlingswerk bei einem großen Verlag plazieren wollt. Die haben gar nicht genug Lektoren, das alles zu lesen, was unaufgefordert eingeht. Die Wartezeit dauert gut 2-3 Monate, wenn ihr überhaupt eine Antwort bekommt, und die Ablehnung sagt wenig über die literarische Qualität aus.


    Leute, vergesst es
     
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