Was wurde im Mittelalter gegessen?

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 5. Mai 2004.

  1. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  2. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Danke für den Link!

    Ich habe das in diversen Dokumentationen und Fachartikeln rund um das Thema der Hirsauer Konstitutionen im Vergleich zur Benediktusregel und den Cluniazensischen Konstitutionen und daraus resultierend die Schwierigkeiten der Umsetzung benediktinischer Askese in Südwestdeutschland so gefunden.

    Ich werde jedenfalls nochmals genau prüfen, ob ich da einem einfachen Kommastellenfehler aufgesessen sein sollte, bzw. woher diese Angaben (die ich habe) konkret stammen.

    Danke und LG
    KeineAhnung
     
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  3. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Bei den Kürbissen sind bestimmt Flaschenkürbis ? Wikipedia gemeint und nicht die aus Amerika stammenden Kürbisse ? Wikipedia
     
  4. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Guter Einwand, danke!
    Ich habe mir ehrlich noch nie Gedanken darüber gemacht, als ich Kürbis auf dem Speisezettel gelesen habe. Entweder war es der Flaschenkürbis, oder aber es war ein Kürbisgewächs wie die Zaungurke oder die Melone. Auch das ist eine Anregung für gründlichere Überlegungen.

    LG KeineAhnung
     
  5. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Die durchschnittlichen 3° C mehr als heute erscheinen wirklich etwas viel, es wäre nett, wenn du das nochmal überprüfst. Wahrscheinlicher wären wohl eher 0,3° im Jahresmittel und auch das eher im Vergleich zur letzten Normalperiode und nicht im Vergleich zu heute. Nur mal als Richtwert: die Jahresdurchschnittstemperatur 2009 lag bei 9,2° C, bei 3°C wärmer im Jahresmittel wären wir in der Toskana. Zudem dauerte diese Warmperiode nur knapp 200 Jahre, eine pauschale Klimaaussage zum Mittelalter lässt sich daher nur schwer machen.
     
  6. Hapa

    Hapa Mitglied

    laut diesem link war es wirklich wärmer als heute...
    Der Klimawandel und Deutschlands Klima im Mittelalter!
     
  7. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Also schon allein der Einleitungssatz auf der Seite macht den Link schon mehr als fragwürdig. Das ist schlich und ergreifend eine absolute Verharmlosung der aktuellen klimatischen Entwicklungen. Mit Blick auf die Tabellen... Mal sorry, mehr als doppelt so hohe Durchschnittstemperaturen als heute? Damit wären wir im Jahrsmittel bei einem Klima vergleichbar zum heutigen Ägypten. Ich kann mich nicht entsinnen, dass es mittelalterliche Quellen gäbe, die von weitgehenden Verwüstungen in Deutschland berichten. Selbst zu Beginn der kleinen Eiszeit war es laut dieser Übersicht in Deutschland im Jahresmittel noch wärmer als heute? Und das obwohl 8 der 10 wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen in die letzten 20 Jahre fallen? Wer soll das glauben?

    Die realistische Variante: Klimarekunstruktion seit dem Jahr 1000, Darstellung der Temperaturabweichung zur letzten Normalperiode nach unterschiedlichen Studien zur Temperaturentwicklung - und damit wären wir nach jeder großen ernst zu nehmenden Studie der letzten Jahre im Null-Komma-Bereich.
    Eigentlich OT, aus gegebenem Anlass aufgrund der hier verlinkten Seite für die Klimawandelrevisionisten (nein keine Sorge, ich diskutiere es nicht weiter, ich will es aber auch nicht so stehen lassen): doch wir haben ein Problem
     
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  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    das ist natürlich genauso eine plakative Floskel...diesmal nur von der "anderen" Seite.
    Systematische Klimaaufzeichnungen wurden eigentlich erst ab dem 18.Jahrhundert gemacht und da befanden wir uns mitten in der kleinen Eiszeit.In so fern ist der Wert solcher Aussagen auch mehr als relativ.

    Wir wissen allerdings,daß im mittelalterlichen Klimaoptimum die Passierbarkeit der Alpen auf Grund des Rückganges der Vergletscherung besser war als heute ,es im skandinavischen Raum zu einer Bevölkerungsexplosion kam ,die Nordausdehnung des Weinbaus ihren Höhepunkt erreichte und auf Grönland Landwirtschaft und Viehhaltung möglich waren.

    Wir wissen außerdem aus Aufzeichnungen der Kloster und Städte und hier insbesondere der Winzer, daß zwschen 970 und 1070 und nochmals 1130-1135 eine extreme Hitze-und Dürreperiode in Mitteleuropa geherrscht haben muß, die zu Hungernöten führte und bei denen auch mehrmals große Flüsse wie der Rhein (bei Strassbourg z.B.1000 , 1022,1132,1135) austrockneten.
    Und für das Jahr 1107 ist vermerkt,Heinrich der Löwe habe zu Weihnachten frische Erbeeren und junge Bohnen "wie sonst nur im Juni " auf seinem Tisch gehabt.

    Das alles deutet daraufhin,daß damals die Temperaturen höher waren als heute
    und das hat auch zu veränderten Essgewohnheiten geführt.
     
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  9. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Dafür reichen aber Temperaturen im Null-Komma-Bereich und mehr wollte ich gar nicht sagen, als ich anzweifelte, dass es zu Temperaturerhöhungen um 3°C in der nächsten Darstellung sogar um 10 ° C gekommen sei.
     
  10. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ist schon klar, daß die 10 Grad Unsinn sind. das Problem ist,daß wir die Kreisläufe und Wechselwirkungen der verbundenen Klima-Systeme nicht oder nicht genau genug kennen,um definitive Schlußfolgerungen zu ziehen.Aber ich glaube damit kommen wir endgültig vom Thema ab.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2010
  11. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Es hat zwar ein paar Tage gedauert, aber nun bin ich "schlauer"!

    Ich habe zwischenzeitlich einen der "Urheber" (besser "Verbreiter" in Form von Fachveröffentlichungen) der strittigen Aussage "...3°C wärmer als heute..." kontaktiert. Er bezieht sich auf folgenden Link: Der Klimawandel und Deutschlands Klima im Mittelalter!, der von Hapa bereits eingestellt wurde.

    Ich mag mich nicht darüber äußern, ob ich diese Seite für seriös halte oder nicht, aber etwas anderes ist mir aufgefallen: die hier dargestellte Kurve bezieht sich ausschließlich auf das Mittelalter von 500 - 1500 n.Chr.

    Eine Temperaturdifferenz von 3 °C erscheint mir plausibel, wenn ich die Warmperiode um das 11./12. Jh. direkt den Temperaturen der "kleinen Eiszeit" im 15. Jh. gegenüberstelle. Aber nur dann!
    Die Aussage "im Vergleich zu heute" kann ich also so nicht aufrecht erhalten. (Über diesen Punkt bin ich derzeit auch mit obigem Herren in Diskussion ;) )


    Stimmt Lili, Pauschalaussagen über einen Zeitraum von 1000 Jahren sind sicher nie sinnvoll. Aus diesem Grund habe ich mich in meinem Beitrag ja auch explizit auf das 11. / 12. Jh. bezogen, noch dazu auf einen ausgewählten Personenkreis.
    Die Ernährungsgewohnheiten unterliegen in einem Zeitraum von 1000 Jahren sicher mannigfaltigen Veränderungen und Einflüssen, die sicher nicht alle nur klimatisch bedingt sein müssen. Aus diesem Grund ist schon die Fragestellung recht pauschal. ;)

    Liebe Grüße
    KeineAhnung

    OT: Ich weiß es absolut zu schätzen, dass eine strittige Aussage auf konstruktive und faire Weise hier im Thread diskutiert wird. Danke dafür! :friends:
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2010
  12. beetle

    beetle Aktives Mitglied

  13. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Vielen Dank für den Hinweis.
    Aber in Deinem Link mußte ich dann doch über folgenden Satz grinsen:
    Heute kostet ein normales Freizeitpferd zwischen 2500,- und 3000.Euro
    und echter Safran wird mit ca. 400 EURo pro 100 Gramm bzw. 2000,- Euro pro 500 Gramm gehandelt
    So sehr haben sich da die Relationen seit dem Mittelalter trotz verbessertem globalen Markt also nicht geändert.
     
  14. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Safran

    Hallo

    @zaphodB.
    naja, der beste Safran wird im Ostiran angebaut und sehr mühsam per Hand gepflückt. Da kommen keine Hunderttausende von Tonnen zusammen, da bringt Globalisierung keinen Vorteil für den Verbraucher.

    mfg
    schwedenmann
     
  15. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Kommastelle verrutscht, aber da sei dir verziehen. Safran ist einfach unglaublich teuer.

    Safran kostet bei einem bekannten Gewürzhändlern mit guter aber nicht herausragender Qualität, der bei dir im Supermarktregal steht, 3 Eur pro 0,1gr, also 3.000 Euro pro 100gr.

    500gr Ostmann kosten also etwa 15.000 Euro.

    2-3000 Euro für einen brauchbaren Gaul halte ich für realistisch.

    Ein Pfund Edeka-Safran also 5- 7 Reitpferde oder 5*500=2500 kg Salami oder ein potentieller Turniergewinner.

    Da Safran nach meiner Erfahrung eher geschmacksarm ist und Kurkuma den Kuchen genauso gehl macht, gehe ich persönlich schon lange davon aus, dass im Supermarktregal eh besten falls Kurkuma steht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2015
  16. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Dafür macht er den Kuchen geehl :D
    Die Preise hab ich nur kurz im Internet gegoogelt.
    aber ich finde es immer wieder Klasse.wie man selbst in historisch nicht ganz unbeleckten Ausstellungskatalogen mit Vergleichen umgeht um das Publikum zu begeistern- wenn sie wenigstens Pfeffer oder Muskat genommen hätten .
    und die meisten hinterfragen das nicht mal :rofl:
     
  17. Artefakt

    Artefakt Mitglied

    Hallo Alle,

    meine Frage an euch ist ziemlich speziell:
    Ein hoher Kirchenherr im Weserbergland hat um das Jahr 1500 einen großen Garten.
    Welche Pflanzen wuchsen in seinem Garten?
    Ich nehme an Arzneipflanzen wie Engelwurz (Angelika),
    Obstbäume: Äpfel, Kirschen, Pflaumen
    Im Küchengarten: Wurzeln, Kohl, Erbsen, Bohnen.
    Gewürze und Kräuter? Eberraute, Kamille
    Wie sah es aus mit Rhabarber?
    Ich nehme an, man kannte Himbeeren und Johannisbeeren?
    Gab es damals eigentlich schon Spargel?

    Und eine Frage zu süßem Gebäck. Über welches Gebäck konnte sich jemand freuen, der (um 1500/Weserbergland) sehr reich war?
    Wurde da vielleicht Weißmehl verbacken, mit Rosinen und Honig drübergestrichen? Vielleicht nahm man dazu Hafermehl?
    Gab es so etwas wie Kuchen? Für Marzipan war es dort um 1500 zu früh.
    Wie ein "Kuchen" oder süßes Gebäck damals ausgesehen hat, wüsste ich gerne.

    Ich freue mich auf eure Antworten
    Arti
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2015
  18. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    @Artefakt:
    Für das Weserbergland könnte das Mittelniederdeutsche Kochbuch interessant sein. Aus dem Jahr 1539 ist ein Spargelrezept von Hieronymus Bock überliefert.

    Bei diesem Apfelkuchenrezept aus "Das Kochbuch der Sabina Welserin" (1553) wird kein Teig erwähnt, was nicht heißen muss, dass der Kuchen tatsächlich teiglos war:
    "Ain dorten von epfflen Schelt die epffel saúber vnnd thiet die bútzen heraús,
    hackts klain vnd rests jm schmaltz, thiet weinberlach, zúcker
    vnnd rerlach daran vnnd lasts bachen."

    Ich dachte immer im Mittelalter, bzw. der Frühen Neuzeit, galt es für Wohlhabende als standesgemäß, Speisen sehr stark mit importierten Gewürzen (Pfeffer, Zimt, etc.) zu versehen. Ich weiß nicht mehr, wo ich das her habe und ob es stimmt. :winke:
     
  19. Erik Erikson

    Erik Erikson Gesperrt

    Da braucht nicht erst die Urgroßmutter zu kommen. Ich hab als Kind auch Güsselfutter aus rohen Brennesseln gegessen und auch heute hab ich einen Spinat aus Brennesseln lieber als richtigen Spinat.

    Interessantes Thema! Als jemand, der sich mit Selbstversorgung beschäftigt, habe ich mich mehr gefragt, was man im Winter so frisches gegessen hat.
    Die Links gehe ich später durch und stelle mal eigene Vermutungen an.
    Jede Zivilisation ist ja auf einer Getreideart aufgebaut. Getrocknet sehr lange haltbar dürfte das die Grundsäule der Ernährung gewesen sein.
    Als nächstes stelle ich mir vor, das man im Winter, so man es sich leisten konnte, vermehrt tierische Produkte gegessen hat.
    Erbsen, Bohnen und Linsen sind auch haltbar und dürften zur Verfügung gestanden haben.
    Dann gibt es Wintergemüse, wie Porree und Schwarzwurzeln. Rosenkohl erst Ende des 16. Jh., die Steckrübe noch später. Judasohren, so fern man welche fand. Ich hatte nicht das Glück.
    Ich vermute, das der Flaschenkürbis, ähnlich unseren Kürbissen lange haltbar war.
    Pilze können auch gut getrocknet werden, ebenso Früchte.
    Weiterhin ist die Milchsäuregärung seit der Steinzeit bekannt. Es dürfte also Sauerkraut und Gurken zur Verfügung gestanden haben.
    In späterer Zeit haben vielleicht Eiskeller bei der Haltbarmachung eine Rolle gespielt.
    Wenn wie hier beschrieben, Bier so eine große Rolle gespielt hat, wäre das ein weiterer Vitaminlieferant.
     

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