Weiße Rose/Sophie Scholl

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von El Quijote, 12. November 2009.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Gesagt haben soll sie: "... wenn ich Gelegenheit hätte, Hitler zu erschießen, so müßte ich es tun" - sicher rechnete sie nicht ernsthaft damit, dass solch eine Gelegenheit kommen würde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2020
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  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Mal abgesehen von der praktischen Schwierigkeit der Umsetzung: In einem vertraulichen Gespräch unter jungen Leuten gesagt ist etwas schnell (immer vorausgesetzt, dass Frau Hirzel sich nach dreieinhalb Jahren noch korrekt erinnerte und wahrheitsgemäß berichtete), aber von einer Äußerung in einem Gespräch bis zu einem konkreten Tatentschluss und dem Willen, die Tat mit allen Konsequenzen wirklich durchzuziehen, ist es allemal noch ein großer Schritt.
     
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  3. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    1943 noch so einfach an Hitler heran zu kommen dürfte sehr schwer gewesen sein. Dennoch halte ich es für wahrscheinlich, dass die kolportierte Aussage getätigt wurde und Sophie Scholl es nicht "leichtfertig" sagte. Sie war im Widerstand, weil sie gegen ein verbrecherisches Regime eintrat, etwas dagegen tun wollte, aus voller Überzeugung. Ihr Leben setzte sie auch mit dem, was sie tat, aufs Spiel - und das - wie ich glaube - bei vollem Bewusstsein der Konsequenzen.
    Was für schlimmere Konsequenzen hätte denn ein Attentat auf Hitler noch haben können?
    Ich denke, ihr war auch klar, dass sie kaum Gelegenheit haben würde, diese Aussage in die Tat umzusetzen.
    "ich müsste ihn erschießen" zeigt mMn, dass sie es als ihre "Pflicht" angesehen hat, falls sich Gelegenheit bot, Hitler zu erschießen. Es zeigt evtl. noch nicht, dass sie dazu auch bereit gewesen wäre oder den Willen dazu gehabt hätte. Es zeigt aber, wie weit sie sich verpflichtet fühlte, im Widerstand zu gehen, wie weit der Widerstand an sich gehen sollte. Es gibt genug Beispiele dafür, dass Menschen wissen/fühlen/glauben, etwas tun zu müssen, es aber nicht tun, weil ihnen dann doch der Wille, der Mut usw. fehlt.
    Angesichts der Tatsache, dass sie schon ihr Leben mit den Flugblättern riskierte, sehe ich auch durchaus die Möglichkeit, dass sie den Willen und den Mut gehabt hätte, diese Tat auszuführen - weil es aus ihrer Sicht nötig gewesen wäre.
     
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  4. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Daraus spricht auch nicht der Wunsch, einen anderen Menschen zu töten, sondern eher eine Pflicht. Es ist also kein emotionaler Ausruf, sondern es schwingt die ethische Frage, ob es, selbst bei Hitler, richtig wäre jemand anders zu töten, mit.
     
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  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das will ich auch gar nicht ausschließen, allerdings musste ihr wohl klar sein, dass sie bei oder nach einem Schussattentat höchstwahrscheinlich selbst umkommen würde. Vom Verteilen von Flugblättern - was ich in keinster Weise banalisieren möchte, ebensowenig das dabei eingegangene Risiko, aber dabei bestand immerhin eine realistische Chance, unentdeckt zu bleiben und zu überleben - bis zu einer bewussten Selbstopferung ist es schon noch einmal ein großer Schritt.

    Im Übrigen ist das Erschießen eines Menschen (vor allem, wenn man noch nie jemanden getötet hat) allemal leichter gesagt als getan.
     
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  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    So ist es m. E. auch zu verstehen. Die Überschrift "Sophie Scholl wollte Hitler erschießen" ist verkürzt und insofern irreführend.

    Konkrete Vorbereitungen zu Anschläge auf Hitler oder andere hohe Repräsentanten des NS-Regimes waren von der Weißen Rose nicht geplant. Ihre Aktionen beschränkten sich auf das Verteilen von Flugblättern und nächtliches Anbringen von Losungen à la "Nieder mit Hitler". Aber ich denke, dass es ihnen auch klar gewesen sein muß, dass das Hitler-Regime nur durch einen gewaltsamen Sturz, sei es von innen oder von außen, beendet werden konnte.
     
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