Welchen strategischen Wert hatten Burgen?

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von DerGreif, 26. September 2014.

  1. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Vor ein paar Jahrzehnten war die "Fliehburg" eine Populärerklärung für alle Arten vor- und frühgeschichtlicher Ringwallanlagen. Vermutlich rührte sie daher, dass die (meist) Heimatforscher, die sie im frühen 20. Jahrhundert untersuchten, Spuren von Innenbesiedlung kaum erkennen oder deuten konnten. Dieser Wiki-Artikel ist noch ganz im damaligen Geist geschrieben. Auch wenn es hier und da tatsächlich "Fliehanlagen" gegeben hat (so nahmen einige spätrömische Höhensiedlungen in der Eifel, dem Elsaß oder dem Voralpenland wohl tatsächlich geflohene Landbürger auf), so sollte diese Interpretation nur mit Vorsicht angewendet werden. Einige der im Artikel genannten Anlagen waren eindeutig nicht als "Fliehburg" konzipiert, so etwa die Büraburg und der Dünsberg. Beide weisen umfangreiche Spuren dauerhafter Wohnbesiedlung und umfangreiche, steinerne Befestigungsanlagen auf. Dies heißt nicht, dass sie nicht auch mal für diesen Zweck genutzt werden konnten (für die Büraburg ist dies bei einem sächsischen Angriff in die Gegend belegt). Aber dies war nicht ihr primärer Entstehungszweck.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da fallen mir spontan die Bornholmer Rundkirchen ein und die zum Schutz der Bevölkerung Almerías vor Piratenangriffen als Befestigungsanlage eingerichtete Kathedrale von Almería.
     
  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die europäischen Mittelmeer-und Adriaküsten sind mit Burgen reichlich ausgestattet. Diese dienten auch immer der Küstenbevölkerung als Fluchtburgen vor den nordafrikanischen Korsaren, die Sklavenjagden in den Fischerdörfern veranstalteten. Ein Beispiel ist die Burg Rosetto in Kalabrien, auf dem Foto.
     

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  4. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Nicht nur für Weinliebhaber: unweit der mittelalterlichen Weinstadt Iphofen gibt es in Mönchsondheim eine Kirchenburganlage aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, in welcher das Kirchenburgmuseum untergebracht ist. Ich habe das Dorf vor Jahren anlässlich eines Festes besucht und war begeistert ob der Fülle des dort Erhaltenen. So ist zum Beispiel in der einklassigen Dorfschule, in der bis 1967 unterrichtet wurde, der Klassenraum samt Einrichtung noch vollständig erhalten.
     

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  5. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Bei uns am Rhein gab es vor allem viele Zollburgen-bzw. ganze Burgengruppen mit dieser Funktion
    Und in der Südpfalz gab es das staufische Reichsburgensystem.zur Sicherung staufischer Hausmacht
    Dann gibt es noch befestigte Forsthäuser zur Grenzsicherung und durchsetzung von Jagdrechten und Wildbann. Im Churpfälzisch-leinigischen Grenzgebiet bei Neustadt a.d.Weinstr, gibt es deren drei mit den bezeichnenden Namen: Kehrdichannichts,Murrmirnichtviel und Drehdichnichtum.:D :D
     
  6. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Wie hat das mit den Zollburgen so funktioniert?

    Ich meine, so eine Burg kostet ja Geld, das erst mal wieder reingezöllnert werden muss.

    Waren die Durchreisenden so gefährlich? Oder ging es da mehr um die mittelfristige Sicherung der Einnahmen? Über einen gewissen Zeitraum kam da ja wahrscheinlich schon etwas für Raubritter o.ä. interessante Summe zusammen.

    Hat sich da Neubau gerechnet? Oder wurden nicht doch nur alte Burgen als Zollkasernen genutzt?
     
  7. Apvar

    Apvar Premiummitglied

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