Wie der Römer seine Beute verteilte

Eine andere Nutzungsform in Flussnähe ist in Mittelhessen das Anlegen von Färbergruben für Färberwaid. So muss eine Weidwiese (Waidwiese) nichts mit Kühen zu tun haben, und im nassen Marburger Ortsteil Weidenhausen grasten auch keine Seekühe.

Dann schaue man sich doch mal die Flurnamen in besagtem Gebiet an:

Ruttershausen4.jpg
 
Danke für den Hinweis!

Es ist eine wunderschöne, abwechslungsreiche und faszinierende Kulturlandschaft.

Beeindruckend auch die Altarme der Lahn und die den Fluss querenden und mit Hügelgräbern gesäumten vorrömischen Altwege in Richtung Ebsdorfergrund, Amöneburger Becken und Edergebiet hin zur Weser.
 
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Die einzige echte Auffälligkeit in der Schummerung ist ein alter Weg von ca. 12 Meter Breite im westlichen Teil vom Lollarer Sumpf.

Der zieht sich schnurgerade bis zur Spitze des Lützelbergs. Offenbar wird er von allen Wegen, Gräben gestört und auch im Wehrholz nimmt kein Forst und Waldweg ihn auf.

Ich schreibe mal von einem Weg, aber ohne weiteres lokalhistorisches Wissen könnte es auch die Spuren einer größeren Erdleitung sein! Ich habe die Tage das DGM 1 in GIS gequält und glaube das mit dem DGM und DOP´s keine weitere Infos mehr rauszuholen ist. Bleibt also nur eine archäologische Luftbildbefliegung und kostengünstigere Drohnenflug mit Multispektral Aufnahmen über das Jahr 2027.

lollar 2 klein.jpg
 
Und die Erklärungen dann auf korrekte Messungen stützen, siehe Wie der Römer seine Beute verteilte ! Im Vergleich dazu wirken nämlich manche sehr vollmundigen Mitteilungen denn doch etwas peinlich...
Auch diese Wiederholung eines angeblichen Messfehlers möchte ich so nicht stehen lassen, auch wenn ich oben bereits auf die Fehlinterpretation des zitierten Teilnehmers hingewiesen habe.

Im Übrigen ergibt meine Interpretation auch mehr Sinn, denn ansonsten hätte die ursprüngliche Schneise nicht so weit nach NW reichen müssen. Diese spiegelt sich im Verlauf des Limes wider, der m.M.n. später errichtet wurde.

Aber auch hierüber werde ich nicht zum x-ten Mal diskutieren.

Kaisergrube xtesmal.jpg
 
Lieber @pietFFM , Du hast Dir ja die Mühe gemacht und beherrschst GIS, DGM1 und LIDAR besser als ich:

Besteht eine Beziehung zu der schon oft erwähnten karolingischen Straßenfeste Altes Schloss von Gronau, südlich der Salzböde, und zur Weinstraße auf den orographisch rechten (westlichen) Lahnbergen?

Die Erläuterungen zu den Fernwegen dort in West-Ost-Richtung (Herborner Straße/ Hohe Straße/ Lange Hessen) und in Nord-Süd-Richtung (Weinstraße) sind hilfreich.

Natürlich denke ich immer an die römischen Straßen aus den Germanicusfeldzügen, die die unweit des in Monte Tauno (= Dünsberg?) die zurückgelassenen armen Baukolonnen des L. Apronius ausbauen sollten.

Mit dem römischen Lager im Brücker Wald östlich von Amöneburg ist eine römische Nutzung der Trasse der Langen Hessen nachgewiesen, eine wie auch immer geartete römische Nutzung der Weinstraße ist mehr als wahrscheinlich.

Und da gab es vor 11 Jahren eine sehr fruchtbare Diskussion zwischen @Sepiola, @Riothamus, @dekumatland und @LEG XVII, mit dem Exkurs über Limites / Schneisen:
Wobei ein "limes" nicht unbedingt eine Grenze sein muss, gerade auch Schneisen durch den Wald zum Zweck des Vormarschs werden als "limites" bezeichnet


"Betrachtet man den Begriff limites unter milit. Gesichtspunkt, so umschreibt er die zur Erschließung unzugänglicher Gebiete von röm. Seite aus in Feindesland geschlagenen Bahnen, bes. in Wälder und Gebirgsgegenden..."


Reallexikon der germanischen Altertumskunde



Auch an der zitierten Stelle wären die Wörter "Grenze" und "Grenzscheide" besser durch "Schneise" zu ersetzen:



(at Romanus agmine propero silvam Caesiam limitemque a Tiberio coeptum scindit, castra in limite locat, frontem ac tergum vallo, latera concaedibus munitus.)


Als Domitian 83 n. Chr. gegen die Chatten zog, ließ er die Wälder großräumig mit Schneisen durchziehen:

"Imperator Caesar Domitianus Augustus, cum Germani more suo e saltibus et obscuris latebris subinde impugnarent nostros tutumque regressum in profunda silvarum haberent, limitibus per centum viginti milia passum actis non mutavit tantum statum belli, sed et subiecit dicioni suae hostes, quorum refugia nudaverat."
=
"Als die Germanen nach ihrer Gewohnheit aus Waldschluchten und dunklen Verstecken heraus die Unseren immer wieder überfielen und dabei einen sicherien Rückzug in die Tiefen der Wälder hatten, ließ Kaiser Domitian mehrere Schneisen über 120 Meilen hinweg anlegen, und hierdurch veränderte er nicht nur den Zustand des Krieges, sondern er unterwarf auch die Feinde unter seinen Befehl, deren Schlupfwinkel er bloßgelegt hatte."
(Frontin. strateg. 1.3.10, zitiert nach: Marcus Nenninger, Die Römer und der Wald, S. 148)
 
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Besteht eine Beziehung zu der schon oft erwähnten karolingischen Straßenfeste Altes Schloss von Gronau, südlich der Sakzböde, und zur Weinstraße auf den orographisch rechten (westlichen) Lahnbergen?

Hierzu empfehle ich die von mir im Faden "Römer in Mittelhessen" erwähnte Altwegepublikation von Hans Reeh.

Dort wird speziell auf die Nutzung zur Römerzeit eingegangen.
 
Das ist genau das, was ich eingezeichnet habe und auch auf meinen Detailfotos so zu sehen ist. Ich weiß also nicht, was du damit sagen willst.

Ich war davon ausgegangen, dass Du das Kleinkastell Kaisergrube (von mir fälschlicherweise als "Römergrube" bezeichnet) als Messpunkt angesehen hattest. Tatsächlich ist Dein Messpunkt gar kein Kastell, sondern ein beliebiger Punkt des Limes.

Wenn der Limes zu den römischen Anlagen zählt und alle zehn Meter des Limesverlaufs als potentieller Messpunkt gerechnet wird, haben wir bei 70 km Limes schon 7000 potentielle Messpunkte, das dürfte die Anzahl der Tankstellen in der Gegend bei weitem toppen.
Nehmen wir den Limes heraus, bleiben noch genau drei nachweislich römische Anlagen
- Forum Waldgirmes
- Marschlager Okarben
- Kleinkastell Römergrube [recte: Kaisergrube]

Also bleiben in Deinem System genau zwei römische Anlagen, die durch ein unregelmäßiges Gitter verbunden werden können. Da brauchen wir dann auch keine Wahrscheinlichkeitsrechnung mehr zu bemühen.
 
Korrigiere mich er hat nur eine Breite von ca. 5 Meter und an der Messstelle liegt er nur 9-10 cm tiefer.
Ich glaube, dort wurde einfach bloß eine Gasfernleitung verlegt. Da steht auch ein kleines zugehöriges Gebäude kurz hinter der Waldgrenze.

Evtl. Wasser.

Ja, Wasser, führt hoch bis zum Wasserhochbehälter.
 
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Tatsächlich ist Dein Messpunkt gar kein Kastell, sondern ein beliebiger Punkt des Limes.
Es wäre natürlich dumm, das Kastell auf den Messpunkt zu stellen, und umgekehrt. Die Punkte Waldgirmes, Lollar und Wölfersheim wurden ja auch nicht in die Lager gesetzt.
Mal ganz abgesehen davon, dass das Kastell evtl. erst einiges später mit dem Limes errichtet wurde.
Das war jetzt aber meine letzte Einlassung zur Kaisergrube.
 
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Eine andere Nutzungsform in Flussnähe ist in Mittelhessen das Anlegen von Färbergruben für Färberwaid. So muss eine Weidwiese (Waidwiese) nichts mit Kühen zu tun haben, und im nassen Marburger Ortsteil Weidenhausen grasten auch keine Seekühe.

Dann schaue man sich doch mal die Flurnamen in besagtem Gebiet an:

Sorry, aber da beginnt mein Bullshitdetektor zu ruckeln. Wenn von "Weide" die Rede ist, sollte man neben dem Futterplatz auch an den Weidenbaum denken, und wenn es um einen Siedlungsnamen geht, liegt der Personenname Wido sehr nahe, das wären vier etymologische Möglichkeiten. Als Fifty-fifty-Joker ließe sich die mittelalterlich überlieferte Namenform benutzen. Im Fall Weidenhausen bei Marburg habe ich die Form "Wiedenhusen" gefunden, da scheiden Futterplatz und Färberpflanze aus:

Die Stadt, die dadurch zu einem der größten Wallfahrtsorte des Mittelalters wurde, brauchte alsbald zur Beherbergung der zahlreichen Pilger ein weiteres Hospital, weshalb das „Spital zu Wiedenhusen" (Weidenhausen) entstand.​



Eindeutig auf sumpfiges Gebiet hinweisen würden für mich Flurnamen wie z. B. "Riedwiesen" oder "Krötenpfuhl"...
 
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Es wäre natürlich dumm, das Kastell auf den Messpunkt zu stellen, und umgekehrt. Die Punkte Waldgirmes, Lollar und Wölfersheim wurden ja auch nicht in die Lager gesetzt.

Um Dir entgegenzukommen, habe ich den Messpunkt an den Lagerwall gesetzt, schau bitte noch mal rein.


(Warum das Deiner Meinung nach "dumm" wäre, erschließt sich mir nicht. Die Römer müssten dann meistens "dumm" vorgegangen sein, denn sie legten den zentralen Messpunkt für rechtwinklige Kreuzungslinien - Decumanus/Kardo - jedenfalls mitten ins Lager.)
 
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