Wie sah es in Afrika im Mittelalter (Herrschaftsgebiete) ?

Dieses Thema im Forum "Afrika" wurde erstellt von bibaborsti, 26. März 2010.

  1. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    da mich Afrika zugegeben ein nicht nur ein wenig fasziniert (aufgrund meiner wahrscheinlich illusorischen Vorstellungen), aber für mich Afrika trotzdem ein unbeschriebenes Blatt ist, würde ich gerne wissen, wie es in Afrika im Mittelalter ausgesehen hat ?

    Während in Europa Burgen gebaut, mächtige Königreiche entstehen, geschieht in Afrika ... ?

    Ich bedanke mich schonmal im Vorraus für die Beantwortung meiner ungenauen Frage :pfeif:

    Gruß bibaborsti

    Edit: es fehlt das 'aus' in der Überschrift ;-)
     
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  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Viel......mehr als in Europa.........weil Afrika ja viel größer ist. :winke:

    Du erwartest doch nicht wirklich, dass dir jemand einen Abriss über alle Ereignisse in allen Ländern Afrikas gibt.
    Wie wäre es vorab mit Geschichte Afrikas – Wikipedia und dann bitte konkreter werden. :winke:
     
  3. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied

    Nein, aber vllt. beschäftigt sich jemand ausführlicher mit Afrika und kann einen grob groben Überblick geben (die Wikipedia-Artikel sind gewaltig) ;-)

    Ok, konkreter:

    Stichwort: Architektur

    Nordafrika war doch vor allem durch den Handel geprägt (besonders hervorzuheben ist da wohl doch Karthago, oder gab es noch andere große Handelszentren in Nordafrika!?), also wie sahen die Gebäude der Armen und Reichen aus (im Vergleich) ? Sind sie ungefähr vergleichbar mit den Bauten in Spanien (Sevilla) ? Da müsste es doch eigentlich eine deutliche Ähnlichkeit geben, aufgrund der Wanderungsbewegung zur iberischen Halbinsel!?

    Und wenn man einen großen Sprung macht, vom nördlichen Ende Afrikas zum Südlichen, was für Unterschiede würde man dort sehen (also wieder in Bezug zu Architektur / Gebäudestruktur) ? Könnte man (jetzt nur in Bezug auf die Architektur) Rückschlüsse auf den Fortschritt (in Bezug auf den Lebensstandard, Oberschicht - Unterschicht) machen oder bräuchte man dafür genauere Informationen ?

    So ich könnte noch mehr Fragen stellen, aber eines nach dem anderen, sonst wird mir selber das noch zuviel ;-)
     
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  4. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Karthago ist aber vor allem eine Handelsmacht vor den Punischen Kriegen gewesen, also vor gut 2200 Jahren. Später, nach Zerstörung, Brache und Wiederaufbau als römische Kolonie wurde es Bischofssitz und wieder ein Zentrum - aber nur bis zur Islamisierung der Region. Nordafrika würde ich nicht wirklich als AFRIKA begreifen wollen. Nordafrika ist ein Teil der mediterranen Welt und der mediterranen Kultur. Zwar gibt es Verbindungen zwischen Nordafrika und dem Rest von Afrika via die Sahara, aber die Wüste ist ein sehr viel stärkerer Trenner, als das Meer! Wenn du aber Nordafrika meinst, dann ist dies in der Antike zunächst einmal ein gemeinsamer hellenistischer und römischer Kulturkreis mit seinen natürlich ägyptischen, nubischen lybischen Elementen im Mittelalter aber mit Sizilien, al-Andalus und dem Vorderen Orient ein gemeinsamer islamischer Kulturkreis. Und wenn du Sevilla benennst: Die Giralda, also der Glockenturm der Kathedrale von Sevilla, welcher ursprünglich das Minarett der Hauptmoschee war, hat ihren Zwillingsturm in der Kutubiyya-Moschee von Marrakesh.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Na toll, drei Genera für ein und dasselbe Gebäude: Die Giralda, der Glockenturm, das Minarett.
     
  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Für mich ist Afrika noch nicht einmal im Mittelalter angelangt. Die sind ganz weit da hinten oder irgendwo.
    Andererseits hatte ich als Kind ein Buch mit Märchen aus Afrika. Das war sehr schön. Leider ist mit das Buch bei einer meiner Umzüge irgendwie abhanden gekommen.
    Ich würde nicht einmal behaupten wollen, die Kolonialmächte hätten Afrika kaputt gemacht. Die Sklavenhändler (Portugiesen, Engländer usw.) haben die Sklaven ja auch nicht selbst gefangen. Die Schwarzafrikaner haben sich selbst verkauft!
    Ich möchte da mal Joseph-Désiré Mobutu (1930-1997), Diktator vonZaires, zitieren: "Demokratie ist eine Erfindung des Westens und für Afrika nicht brauchbar." Ich sehe das mal nicht nur in der Zukunft, sondern auch in der Vergfangenheit. Afrika ist/war chaotisch und deshalb kaum fassbar. Damit meine ich in der Hauptsache Schwarzafrika. Algerien hat da eine ganz andere Geschichte, als z.B. der Kongo. Beide kann man nicht vergleichen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. März 2010
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  8. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied

    Wow, um ehrlich zu sein, habe ich noch nie ein so großes Gebäude aus Lehm gesehen :eek:

    Und da setzt schon meine nächste Frage an:

    Es sieht so aus, als würde die Moschee auf dem Bild noch durch Holz stabilisiert, aber wo kam das Holz überhaupt her ? Wenn ich mir NORD-WEST-AFRIKA vorstelle, sehe ich immer eine wüstenähnliche Landschaft oder gibt / gab es auch Baumarten wie z.B. den Olivenbaum, der als Holzlieferant hätte dienen können!??? (Hier noch besser zu sehen, was ich meine: File:Djingareiber cour.jpg - Wikimedia Commons)

    Ok, dann wäre (mir) das schonmal klar (auch im Zusammenhang mit deinen Aussagen davor) ;)

    Dann will ich jetzt mal einen Schnitt machen (eine Antwort auf meine oben genannte Frage, wäre aber trotzdem nicht schlecht :)) und mich mal mehr in Richtung Sahara und Mali wenden ;)

    Durch die Sahara wurden nach Norda(-west-)afrika gebracht; war das überhaupt (für wen genau) ertragreich ? Wenn ja, dann müssten die Händler Um nochmal auf den Link zum Wikipedia-Artikel zurückzukommen, zitiere ich einfach mal:

    Konnte der Handel wirklich so einen hohen Stellenwert einnehmen ? Wenn ich mir Europa zu dieser Zeit ansehe, gibt es große Unterschiede (Leigeigener - adeliger Grundbesitzer) in der Gesellschaft, die nur durch das strenge Macht- und Gewaltensystem der Adeligen / Könige / Ritter / kirchlichen Instanzen gewahrt wird und da ich annehme, dass es so ein System von Leibeigenen nicht gab und keine zentrale Organisation des Glaubens scheint es mir unwahrscheinlich, dass es, wenn es genauso große gesellschaftliche Spannungen gab, wie in Europa zu dieser Zeit, dass es nicht Konflikte gab, die ein nicht Land unstabil werden lassen, allein weil es Reichtum durch den Handel mit anderen Nationen jenseits der Wüste anhäuft.


    Edit:

    Mit dieser Aussage liegst du wahrscheinlich richtig, aber ich betrachte hier das Mittelalter als Zeitform, da man Afrika wie du schon geschrieben hast, kaum nach unseren Vorstellungen von Fortschritt vergleichen / beurteilen / bewerten kann.

    Gerade weil die Gegensätze so groß sind, kann man meiner Meinung nach, diese beiden Länder vergleichen, da mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft Algerien und die nord-west-afrikanischen Staaten das Tor nach Europa darstellen. Aber das nur am Rande ;)

    Mir geht es vor allem um die afrikanischen Staaten, die südlich der Sahara liegen (wie mir durch den Post von El Quijote klar geworden ist), da ich mir diese Gebiete schon rein bildlich nicht richtig vor Augen führen kann, während die Staaten im Norden ein klein wenig vertrauter, aber nicht wirklich mehr bekannt sind ;)

    Den Vergleich (Nordafrika - Südafrika) habe ich deswegen angeschlagen, weil ich mir zwar denken kann, dass die Unterschiede allein aus dem Grund des Einflusses heraus, gewaltig sind, aber mir kein näheres Bild machen kann...

    So kanns kommen =)
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. März 2010
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  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Diese Städte liegen meist an Oasen, oder in der Nähe von Flüssen, da gibt es auch Bäume (z.B. Palmen). Weiter entfernt vom Wasser gibt es Akazien

    Mir fehlt da noch irgendwie ein Objekt in dem Satz...


    Irgendwie wird insgesamt nicht ganz verständlich, worauf du hinaus willst... Die Gegend rund um den Senegal und Ghana war im Mittelalter das Goldland schlechthin. Hier kam das Gold her, welches im Nahen Osten und in Europa gemünzt wurde.
     
  10. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied

    :oops: es fehlt 'Waren' :winke:

    Entschuldige, beim nächsten Mal schreibe ich nicht so einen langen Satz, bin wohl etwas müde, gestern war erst Ferienanfang und bin noch nicht 100% an länger Aufbleiben gewöhnt :schlafen:

    Das wusste ich nicht, aber deswegen bin ich ja hier :)
    Schreibe morgen zurück, wenn du nichts dagegen hast, bin gerade auch etwas verwirrt :confused:
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die meisten Kulturen im Bereich der Sahara sind ja islamisch bzw. islamisch beeinflusst. Äthiopien hat eine großartige christliche Kultur entwickelt - aber auch hier ist ein mediterraner Einfluss nicht zu leugnen. (Bitte nicht falsch verstehen, ich meine jetzt nicht, dass der Anstoß kultureller Entwicklung von außen kam, sondern dass die Einflüsse von außen (Islam, Christentum) sehr stark waren.) Ein mittelalterliches Reich zunächst außerhalb der Reichweite mediterraner Kulturen war das Karanga-Reich, auch als Großzimbabwe bekannt.
     
  12. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi bibaborsti

    Da du nach dem Mittelalter fragst - vielleicht noch etwas zu der Moschee von Djenne (oder Mopti, Agadez, Timbuktu, In Salah usw.). Die Moschee von Djenne ist bloss gut 100 Jahre alt. Und soll die grösste sein?

    Solche Lehmbauten sind nicht sehr standfest und müssen jährlich umfangreich erneuert werden. Und nach Regenfällen stürzen sie auch schon mal ein und begraben zahlreiche Leute unter sich. Der Baustil wird üblicherweise als „sudanesische Architektur“ bezeichnet und ist in weiten Teilen des Sahels verbreitet. Der wurde ganz entscheidend von den Kolonialmächten gefördert (und auch verbreitet), deshalb sind viele der Bauten aus dem späten 19. Jahrhundert. Neben den bekannten Moscheen sind vor allem auch die Bürgerhäuser bemerkenswert.

    Die Bauten werden von den massiven Strebepfeilern und den vorstehenden Bundhölzern geprägt. Diese Balken verhindern "das Platzen" der Bauten. Und sie dienen als Gerüstträger für denn alljährlichen erforderlichen neuen Lehmputz. Wegen der zahlreichen neuen Putzschichten erscheinen die Bauten auch immer so rundlich.

    Für die Bundhölzer und die Balkenlage verwendet man meist das Holz von verschiedenen Palmensorten (z.B. Dumpalme). Die Stämme sind lang und zäh. Und billig. Andere Bäume, wie zum Beispiel der weitverbreitete Baobab haben zu schlechtes Holz und geniessen religiösen Schutz. Oder sie sind zu teuer oder zu kurz (Khaya, Karité, Akazien, usw.).


    Gruss Pelzer


    .
     
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  13. tela

    tela Aktives Mitglied

    In Zimbabwe ist folgender Bau erhalten, stammt laut wiki aus dem 11.-15.Jh., also passt genau in deine Zeit:

    Groß-Simbabwe – Wikipedia

    Die Anlage ist sehr faszinierend, besonders eben, weil sie aus Stein errichtet ist. Und weil immer noch nicht vollkommen klar ist, was es wirklich damit auf sich hat.
     
  14. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Zu Äthiopien hatte ich hier mal was geschrieben: http://www.geschichtsforum.de/385698-post3.html Eigentlich wollte ich das längst mal fortsetzen ....
    In Äthiopien gibt es Überreste aus verschiedenen Epochen - aber eben nur, wenn aus Stein gebaut wurde. Das dürfte insgesamt die Schwierigkeit bei Afrika sein, weil dort meistens sehr vergängliche Baumaterialien eingesetzt wurden. Der äthiopische Kaiser Menelik II., der Ende des 19. Jh. Addis Abeba gründete, lebte die ersten Jahre in seiner neuen Hauptstadt in einem Haus aus Holz und Lehm. Ein großes sehr schönes Lehmhaus, aber eben doch "nur" aus Lehm. Während im Nahen Osten beispielsweise auch jahrhundertealte Lehmarchitektur überleben kann, machen einem da in den meisten Teilen Afrikas schon die heftigen Regenfälle einen Strich durch die Rechnung.
    Äthiopische Bauten, die heute noch zu sehen sind: verschiedene Palast- und Grabreste in Axum und Umgebung (inklusive der berühmten Stelen), Felsenkirchen (vor allem die in Lalibela) und Klöster. Gerade in Axum gibt es aber große Datierungsschwierigkeiten.
     
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  15. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Wir sollten uns davor hüten, unsere kulturelle Abfolge als Vergleichsmaßstab für andere Weltgegenden anzulegen. Damit bringen wir uns um die Chance, aus anderer Geschichte zu lernen.
    Vielleicht können wir uns darauf einigen, Mittelalter nur zeitlich zu betrachten, nämlich als die Phase von vor 1500 - 500 Jahren.

    Die Schwarzafrikaner waren genauso wenig ein Solidaritätsblock wie die Europäer, Asiaten oder Altamerikaner. Sie hatten Hierachien, Königreiche, Verbündete und Besiegte.
    Mittelalterliche Hörige mussten ihrem Fürsten in den Krieg folgen und Tribut als Zehnten leisten, an der Stelle könnte man Afrika evtl. schon mit Europa und Asien vergleichen. Dass Besiegte als Sklaven verkauft wurden oder Geiseln stellten, ist ein nicht ausrottbares Phänomen der gesamten Menschheitsgeschichte, auch wenn jede Gruppe, das ein bißchen anders handhabte und bezeichnete. In Afrika könnte es in einigen Teilen, eine an die römische Clientel/Adoption- Gesellschaft erinnernde Praxis gegeben haben. An der Stelle muss ich mich aber zurückhalten, weil ich mich weder mit der römischen noch der afrikanischen Geschichte gut genug auskenne.

    Handel hat in Afrika eine lange Tradition. Mit der afrikanischen Frühzeit habe ich mich etwas beschäftigt und dabei für Westafrika den Eindruck gewonnen, dass aufgrund der unterschiedlichen Verteilung der Ressourcen in einem Clangebiet, die Spezialisierung großräumiger erfolgte als in Europa. Hirten in den Trockensavannen, Bauern in regenreicheren Gebieten oder an Flussläufen, Fischer an Seen usw und Großhändler für Salz, Gold etc.

    Auf dieser Grundlage könnten wir versuchen, afrikanische Gesellschaften z.B. der Saharaanrainer mit den europäischen zur gleichen Zeit zu vergleichen.


    Nicht alle Saharaanrainer müssen entwicklungsgeschichtlich von Norden beeinflußt worden sein, wenn wir die Zeitspanne von 500 - 1000 betrachten.
    Das Reich von Ghana – Wikipedia wurde zwar auch durch den Transaharahandel reich aber auf Grundlage einer eigenständigen Kultur.

    Vom verwendeten Baumaterial kann man den mittleren Teil Afrikas mit Mittel- und Nordeuropa vergleichen. In feuchten waldreichen Gegenden bleiben Gebäudereste aus Holz nicht lange erhalten. Und nach den berühmten Pfostenlöchern wird in Afrika vielleicht noch nicht intensiv genug gesucht.
     
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  16. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied

    Wow das nicht gerade wenig, was ich aber auch nicht erwartet habe...



    Um das zu verstehen, habe ich mir mal die Weite der der Sahara angeguckt (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Sahara_satellite_hires.jpg&filetimestamp=20070209175251) und muss leider sagen, dass ich das Gebiet der Sahara wohl eindeutig in ihrer Größe und überhaupt die geografische Weite Nordafrikas unterschätzt habe.

    So nahm die Sahara in meiner Vorstellung gar nicht so einen großen Teil im Vergleich zu dem restlichen Teil, der (von mir plump gedacht) aus Oasen und Grünflächen, in denen viele große bekannte Tiere leben ein

    Damit ich das aber jetzt richtig verstanden habe:

    Der Einfluss von mediterraner Kultur war bis zu der "großen Grenze" Sahara in den nordafrikanischen Kulturen im Westen wie im Osten (Ägypten und Äthiopien zählen dazu!?) "immer" schon sehr groß (das zählt auch für das Karanga-Reich?) und ein starker Austausch fand nicht nur im wirtschaftlichen Bereich (sprich Handel) statt, sondern auch im Kulturellen!?

    Wenn ich aber in dieser politischen Karte (http://www.keremix.de/wp-content/afrika.jpg) gucke und mit der Karte im obringen Link vergleiche fällt mir auf, dass Äthiopien hinter der Sahara liegt und der Einfluss doch folglich durch die mediterranen Kulturen nicht so hoch gewesen sein kann wie durch die Kulturen auf der arabischen Halbinsel, oder ?



    Aus welchem Grund ? Aufgrund von militärischen Aspekten ?




    Ah jetzt weiß ich worauf du dich beziehst, auf den Wikipedia-Eintrag(http://de.wikipedia.org/wiki/Malinke)




    Achso, das hat mich schon gewundert
     
  17. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied



    Wow das kam jetzt etwas unerwartet für mich
    Jetzt beschäftige ich mich gerade mit Bauten aus Lehmziegeln und dann kommt ein Steinbau

    Soo habe mir jetzt den gesamten Wiki-Artikel durchgelesen und für mich hinterläßt er schon fast erwartungsgemäß mehr Fragen als Antworten -.-




    Also kann man durch die Architektur folglich nur sehr schwer Erkenntnisse über Afrika gewinnen!? Interessanter Artikel Das Äthiopien der zweitälteste Staat der Welt ist, war mir gar nicht bekannt...



    Das hätte ich so gar nicht erwartet, wahrscheinlich liegt auch das wieder daran, dass man als westlich geprägter Mensch mit Afrika nicht sehr viel (Positives) verbindet (außer vllt. Negatives in der heutigen Zeit: Dikaturen, Hungersnöte, Konflikte, Krankheiten etc.)



    Was ich eigentlich damit meinte, war das ich mir nicht vorstellen kann, dass eine Gesellschaft nur durch den ertragreichen Handel Stabilität besitzt



    Interessant, aber was ist mit der Zeitspanne von 1000 - 1500 ?



    Das ist ja auch schonmal kein kleines Gebiet und bietet sich dann ja praktisch an

    Gruß bibaborsti

    PS: Könnte ein Admin vllt. das Thema umbennen ? Die Herrschaftsgebiete sind wohl nicht mehr an ganz am Thema dran und noch was:

    Ich musste den Beitrag splitten, weil er zu lang ist und die Smiley werden nicht angezeigt, da ich zur Sicherheit den Artikel in Word abkopiert habe und diese nun hier nicht übernommen werden...
     
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  18. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Ich kenne mich nur mit Äthiopien gut aus, und das Land ist innerhalb von Afrika ein Sonderfall (alte christliche Kultur, eigene Schriftsprache, nie kolonisiert....). Deshalb kann man das alles nicht ohne weiteres auf andere afrikanische Kulturen oder Reiche übertragen.
    Das axumitische Reich in Äthiopien (bestand bis ins 9./10. Jh., wenn auch zum Schluß nicht mehr besonders einflußreich) hatte sehr weitreichende Handelsbeziehungen - auch der Mittelmeerraum gehörte zum Einzugsgebiet. Griechisch war eine der Verkehrssprachen, Steininschriften der Herrscher wurden neben Ge'ez und Sabäisch auch in Griechisch verfaßt, griechische Handelsgüter sind gefunden worden. Im Austausch bot Axum Gold, Elfenbein, Weihrauch, Sklaven, Tiere und Felle/Häute (sowohl von Wildtieren als auch von Nutztieren). Es gab sogar Verbindungen bis Indien, wo dann auch die einzigen Reiche außerhalb Afrikas existierten, in denen Afrikaner die Herrscherschicht bildeten. Noch heute gibt es in Indien Volksgruppen, die sich auf äthiopische Wurzeln zurückführen und eine eigene (wenn auch inzwischen stark indisch geprägte) Kultur haben. Siehe dazu z.B. HIER.
    Diese Sichtweise halte ich im Fall von Äthiopien für nicht angebracht. Natürlich kam das Christentum von außen, aber das war schließlich in Europa genauso. Das axumitische Reich war immerhin der zweite christliche Staat der Welt, und die Armenier hatten darin nur ein paar Jährchen Vorsprung.
    Axum profitierte von verschiedenen Fernhandelswegen, sowohl zur See als auch an Land. Es kontrollierte Karawanenwege nach Norden und war intensiv am Handel im Roten Meer beteiligt. Fernhandel ist tatsächlich ein ganz wichtiger Faktor gewesen, da er Reichtümer und Luxusgüter ins Land brachte und die Existenz einer Herrscherelite erst ermöglichte.
    Die Blütezeit des Reiches war spätestens nach dem 6. Jh. vorbei. Grund hierfür nicht zuletzt der Aufstieg des Islam und damit verbunden der Zerfall des Sasanidenreiches, was beides dazu führte, daß Axums Handelseinnahmen zurückgingen. Im 9. Jh. wurde dann Axum immer wieder von Überfällen südlicher Stämme heimgesucht, die schließlich das Reich zerstörten.
    Das nächste Machtzentrum Äthiopiens lag dann in Lalibela (damals hieß es Roha), das weiter im Landesinneren, im Hochland lag. Hier entstanden vor allem im 13. und 14. Jh. die berühmten Felsenkirchen. (Gibt es aber auch überall sonst im nördlichen Hochland.) Ein Teil der Kirchen, die man heute in Lalibela besichtigen kann, waren wohl ursprünglich repräsentative und/oder Verwaltungsgebäude und wurden erst später zu Kirchen umgestaltet.
    Allerdings sind da die Erkenntnisse recht spärlich, weil die äthiopisch orthodoxe Kirche dort keine Grabungen mag. Aber vielleicht ändert sich das ja bald. In Axum wird jetzt zumindest mit weitreichenden Grabungen angefangen, die sich über einen Teil der modernen Stadt erstrecken. Das betreffende Viertel soll abgerissen werden; neue Häuser an anderer Stelle sind im Bau.
    Diese Felsenkirchen in Lalibela (und anderswo) sind natürlich ungeheuer dauerhaft, aber andererseits ist auch eine genaue Datierung sehr schwierig. Bei vielen geht man davon aus, daß sie über mehrere Jahrhunderte immer wieder umgestaltet und erweitert wurden. Dazu kommt, daß äthiopische Geschichtsschreibung eigentlich erst im 13. Jh. anfängt und auch dann ziemlich legendenhaft daherkommt. Für frühere Jahrhunderte ist das wenig hilfreich, so daß man sich auf archäologische und epigrafische Befunde stützen muß.
    Über die Könige von Lalibela weiß man daher nur sehr wenig. Erst im 16./17. Jh. sind die Informationen - bedingt auch durch Kontakte mit den Portugiesen - wieder vielfältiger.
    Auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens gab es bis weit ins 19. Jh. noch mehrere kleine Königreiche, die erst durch die Kolonialpolitik von Menelik II. und seinen Vorgängern unterworfen wurden. Diese Reiche hatten nun gleich gar keine Schriftsprache und bauten anscheinend auch nicht in Stein - da ist wenig übriggeblieben und schon gar nichts aus dem Mittelalter.
     
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  19. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Das ist objektiv sicher richtig, wahrscheinlich fällt uns der mittelmeerische Einfluß eher auf, weil wir da näher dran sind und Äthiopien genau wie Europa von der christlichen Religion geprägt ist und die arabische Halbinsel vom Islam.
    Europa, Asien und Afrika waren nie vollständig voneinander getrennt und haben sich daher gegenseitig beeinflußt. Je nach Lage auf dem riesigen afrikanischen Kontinent gab es Kontakte von und nach Europa, Nahost und zwischen Indien und Ostafrika.


    Ja, Afrika hat aktuell einen schlechten Ruf :pfeif:, vielleicht sollte die OAU mal einen Imageberater beauftragen, vielleicht hilft ja die Fußball-WM beim Imagewandel, hat in Deutschland doch auch funktioniert. :fs:


    Warum nicht, dazu hast du selbst schon ein Beispiel genannt, Khartago, die Phönizier oder auch Venedig stützten Gesellschaft und Wohlstand auf Handel und spezialisiertes Handwerk.



    Ob sich der mittlere Waldteil Afrikas zum Vergleich mit Mitteleuropa so richtig anbietet?
    Ach, warum nicht, mir gefällt deine ergebnisoffene Art an ein so riesiges Thema heranzugehen.:winke:
    Und außerdem gab´s da auch ´ne Völkerwanderung. :scheinheilig:
     
  20. bibaborsti

    bibaborsti Neues Mitglied

    Äthiopien ist auch nicht gerade klein und ist wegen seiner einzigartigen Sonderrolle schon sehr interessant ;)

    Das ist auch gar nicht nötig; es reicht ja schon Äthiopien als Sonderfall darzustellen (wie du es schon getan hast) :)

    Könnte das auch deswegen sein (also griechische Sprache etc.), weil Alexander der Große seinerzeit Ägypten einnahm und nach seinem Tod die Ptolemaier die Herrschaft übernahmen und Griechisch als Sprache einsetzten und behielten ?

    Afrikaner und Herrscherschicht konnte ich mir bis zu diesem Moment
    in der Geschichte nicht vorstellen :nono: Dies entspricht aus meiner bisherigen Erfahrung der Geschichte der kompletten Vorstellung von Afrikanern. Ich habe eigentlich erwartet, dass Afrikaner immer schon benachteiligt wurden/ niederer Angesehen wurden/ etc.


    Wenn das so ist, ist vielleicht auch die Frage, was jetzt "indisch" an der indischen Kultur ist und was "äthiopisch" :ironie:
     

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