Wieso kommt Heinrich VI. so schlecht weg in der Geschichte?

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von shingen, 26. Juli 2006.

  1. shingen

    shingen Neues Mitglied

    gibt es eine biographie von ihm ?
    er wird immer grundsätzlich immer vergessen zwischen barbarossa und seinem sohn friedrich .
    warum ? finde auch er war ein großer stauferkaiser der auch mehr beachtung finden sollte .
    kann mir einer vielleicht ein buch empfehlen ?
     
  2. tela

    tela Aktives Mitglied

    Keine wirkliche Empfehlung, weil man dafür ein Buch gelesen habe sollte. Aber probiers mal hiermit:

    Gerhard Baaken, Karl-Heinz Rueß, Kaiser Heinrich VI., ein mittelalterlicher Herrscher und seine Zeit, Göppingen 1998.

    Peter Csendes, Heinrich VI., Darmstadt 1993.
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Da spielt sicherlich eine Rolle, dass Heinrich VI. relativ früh starb. Ihm gelang, was sich Barbarossa über Jahre vergeblich erträumt hatte, nämlich die Kontrolle über ganz Italien.
    Allerdings gelang ihm dies auch deshalb, weil der letzte Hauteville-König von Sizilien, Wilhelm der Gute, einen großen diplomatischen Fehler machte, als er ohne eigene Erben seine Tante Konstanze an Heinrich verheiratete und Heinrich bei den Endkämpfen in Sizilien als rechtmäßiger Erbe auftreten konnte. Anders als die meisten Staufer vor oder nach ihm (nicht zuletzt auch Barbarossa) gelang es Heinrich, sich auch gegen den Papst durchzusetzen (zumindest hatte er keine größeren Schwierigkeiten mit ihm). Ich denke, der größere Ruhm in der Nachwelt (politisch hatte Heinrich sicher mehr erreicht als Friedrich II. und vielleicht sogar als Barbarossa) blieb ihm auch deshalb versagt, weil Heinrich durch sein Vorgehen gegen die sizilianische Adelsopposition in Italien einen schlechten Ruf bekam.
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Neu erschienen von einem seriösen Historiker:

    Althoff, Gerd
    Heinrich IV.

    Konflikte und Krisen kennzeichnen die Herrschaft Kaiser Heinrichs IV. ‹Canossa› ist zum Inbegriff einer der schicksalhaften Wenden des Mittelalters geworden. Behauptungswille wie tragisches Scheitern wurden dem Salier vielfach attestiert. Gerd Althoff nimmt in seiner Darstellung auch die Argumente der zahlreichen Gegner Heinrichs IV. ernst, die ihn mit Vorwürfen verschiedenster Art überschütteten. So gelingt ihm zugleich eine spannende Nachzeichnung des politischen Klimas, aus dem die Krisen erwuchsen, wie die Annäherung an eine Persönlichkeit, die nahezu alle Rahmenbedingungen für herrscherliches Verhalten verletzte – zumindest nach Meinung seiner Gegner.

    Wissenschaftliche Buchgesellschaft Reihe:Wissen
    2006. 336 S. mit 10 s/w Abb., Fadenh., geb. mit SU.
     
  5. tela

    tela Aktives Mitglied

    Kleiner Zahlendreher. In der Frage geht' um Heinrich VI. nicht Heinrich IV.
    Dennoch ein gutes Buch, keine Frage!
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Eine Kurzbiographie findet sich logischerweise auch in folgendem Buch, welches ich der Vollständigkeit halber noch hinzufügen möchte:

    Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter "Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. - C.H. Beck - München 2003

    Das Kapitel zu Heinrich VI. ist von Joachim Ehlers.
     
  7. shingen

    shingen Neues Mitglied

    war es eigentlich ein unglück für das reich das er so früh starb ?
    habe gelesen das sein machtbereich immer größer wurde , lehensherrschaftt über england ,zypern , nordafrika und das er einen kreuzzug in heilige land plante ?
    p.s ist er wirklich in sizilien sein grab und kann man das besuchen ?
     
  8. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Es ist natürlich schwer zu sagen, wie es weiter gegangen wäre, wenn Heinrich VI. länger gelebt hätte. Tatsache ist, dass das deutsche Reich und besonders die Staufer unter einem typischen der großen Probleme des Mittelalters litten: als Heinrich starb, hinterließ er nur einen minderjährigen Nachfolger, dass sogleich wieder der Kampf um die Macht ausbrach. Als sein Sohn Friedrich II. dann ca. 20 Jahre später deutscher König wurde, hatten sich die Machtverhältnisse und die politische Landschaft derart zuungunsten der Staufer entwickelt, dass auch der fähige und lange regierende Friedrich den Niedergang des Reiches nicht dauerhaft verhindern konnte.


    @ shingen: ja, Heinrich VI. liegt in Palermo im Dom begraben. Eine Fahrt dorthin kann ich auf jeden Fall empfehlen. In Palermo und Umgebung (Monreale, Cefalu) liegen die teils wunderschönen Grabstätten, Kirchen und Paläste der Hauteville-Könige, der großen Gegenspieler der Staufer in Italien, die viel Ritterromantik aus der hohen Zeit des hohen Mittelalters versprühen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2006
  9. ning

    ning Gesperrt

    Schade, hier wäre fingalo der richtige Mann ...
     
  10. shingen

    shingen Neues Mitglied

    schade das er in sizilien liegt etwas näher wäre besser .... ^^ .
    finde er hat in den kurzen zeit gigantisches erreicht und wie würde deutschland aussehen wen er noch 20 jahre gelebt hätte ?
     
  11. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Schade,ich habe den Thread erst gerade entdeckt, ich habe zur Zeit Urlaub und deshalb Zeit im Archiv zu stöbern.

    Die Frage von shingen möchte ich trotzdem ganz spontan damit beantworten, dass es dann für die Staufer nicht so bitterböse ausgegangen wäre, wie es ist.

    Heinrich VI. hatte zwar nicht die schillernde Ausstrahlung seines Vaters Barbarossa und seines Sohnes Friedrich II Roger, gegen die nahm er sich aus wie eine graue Maus, aber er hatte einen eisernen Willen.

    Zudem waren die Staufer zu der Zeit auf der Höhe ihrer Macht und Heinrich VI war dabei, diese Macht zu festigen und eine Erbmonarchie für die Staufer zu installieren und nach Meinung von Historikern ( leider weiß ich jetzt natürlich wieder mal nicht die Quelle :pfeif:, es steht in einem Buch über die Staufer, das ich vor kurzem gelesen habe, ich fürchte es ist wieder in der Bücherei) wäre es ihm auch gelungen, wenn er nicht in so jungen Jahren gestorben wäre. Durch seinen frühen und plötzlichen Tod 1197 konnte er sein Werk nicht beenden und sein Erbe nicht absichern. Sein Sohn und Erbe war bei seinem Tod erst drei Jahre alt und die Mutter des Kindes, Konstanze von Sizilien, ist auch bereits 1198 gestorben. Sie ließ vor ihrem Tod Friedrich Roger noch zum König von Sizilien krönen und stellte ihn unter die Obhut des Papstes.

    Ciao.....
     
  12. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Hätte eine weitere Vergrößerung der Territorien unter Heinrich VI. tatsächlich dazu geführt, dass Konradin nicht gefangengenommen und getötet worden wäre, was hier als bitterböse bezeichnet wird?


    Ich möchte ganz spontan an dieser Stelle hinklatschen, dass derartige Spekulationen noch nie zu etwas geführt haben. Es ist faktisch unmöglich, alle einflussnehmenden Problemchen in so einem "Was-wäre-wenn-Spiel" zu berücksichtigen und deshalb wird man auch nie über den Bereich der Mutmaßungen hinauskommen.
     
  13. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    :grübel:
    Ich meine nicht das die Verheiratung Konstanzes de Hauteville mit Heinrich VI. ein Fehler Wilhelms des Guten war.

    Vielmehr hatte die normannsich-staufische Hochzeit ihm seine ambitionierte Mittelmeerpolitik ermöglicht nachdem er mit den Staufern wegen deren Italienpolitik in Konflikt geraten war. Zudem ließ er seine Barone (u.a. Tankred) in Troia auf Kaiser Heinirch VI. als seinen Nachfolger in Sizilien einschwören, womit eine klare Erbregelung getroffen wurde. Es waren jedoch die Barone die diesen Eid nach seinem Tod gebrochen haben und Tankred auf den Thron hoben wodurch es erst zum Nachfolgekampf gegen Heinrich VI. kommen sollte, in dem Heinrich aber auch auf normannische Unterstützung zählen konnte. So z.B. die Grafen Roger von Andria und Richard von Carinola.
     
  14. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Als Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien 1186 heirateten war noch nicht abzusehen, dass Wilhelm II bereits 1189 im Alter von 23 Jahren und ohne Erben sterben würde. Eigentlich war für Sizilien diese Heirat einPrestigegewinn, dass der Erbfall hinzu kam war für die Staufer ein Glücksfall.
    Der von den Baronen favorisierte Tankred von Lecce war, schon bedingt durch seine nichteheliche Geburt, für das Erbe nicht vorgesehen.

    Die grausamen Bestrafungen nach dem Aufstand machten ihn bei den Baronen und, wie es heißt, auch bei seiner Ehefrau noch unbeliebter als er schon war und ließen ihn auch in der Geschichtsschreibung nur grausam und unsympathisch erscheinen, zudem hatte er ja auch nicht das glänzende Erscheinungsbild seines Vaters Barbarossa oder seines Sohnes Friedrich II Roger.

    @ Liebe Lukrezia, wie würdest Du das Ränkespiel zwischen Papst und Karl von Anjou und die Hinrichtung Konradins in Neapel bezeichnen, als gerechtfertigt ?

    ciao.....
     
  15. tela

    tela Aktives Mitglied

    Aus heutiger Sicht oder aus der Sicht der Zeitgenossen???
     
  16. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo,

    ich meine auch schon zu damaliger Zeit.
    Der Papst hat Karl von Anjou favorisiert, weil er sich von diesem mehr erhofft hat.
    Allerdings waren die Sizilianer wohl mit dessen Herrschaft nicht so zufrieden, denn ansonsten wäre es kaum zum Sizilianischen Vesper 1282 gekommen.

    Gruß....
     
  17. tela

    tela Aktives Mitglied

    Vor allem war es kein Staufer mehr.
    Was um 1260 natürlich noch nicht abzusehen war.
     
  18. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    @Josephine
    Aber letzten Endes wurde auch Karl von Anjou vom Papst mit dem Königreich Sizilien beliehen ebenso wie Friedrich II., nur das der Staufer 1245 auf dem Konzil von Lyon seines Thrones für verlustig erklärt wurde. Dessen Nachfolger Konrad IV., Konradin und Manfred wurden vom Papst nie als Könige anerkannt
    Vom Standpunkt der Kurie und des Anjou war ihr Handeln 1265 also gerechtfertigt (1254 wurde schon einmal Prinz Edmund Crouchback mit Sizilien belehnt), von Seiten der Staufer freilich nicht da diese die Lehnsherrschaft des Papstes auf Sizilien ignorierten.
    Das Eisen hat diese Frage schließlich entschieden und Karl eroberte sein neues Königreich 1266 bei Benevent (vs. Manfred) und verteidigte es 1268 bei Tagliacozzo (vs. Konradin). Das der Kopf des kleinen Konrad rollen musste ist zwar tragisch aber auch die letzte Konsequenz in diesem Ringen, allenfalls hätte er seine Tage in einem finsteren Kerker beendet.

    Was Tankred's uneheliche Herrkunft angeht so hat die Geschichte schon einmal gelehrt das das Attribut der Ehelichkeit bei den Normannen keine besonders große Rolle spielte.:cool:
    http://www.geschichtsforum.de/f43/z...rch-die-normannen-3271/index3.html#post256382
     
  19. Triere

    Triere Mitglied

    Zur Frage der Grausamkeit Heinrichs VI gegen die Rebellen in Sizilien habe ich eben erst was recht interessantes gelesen, bei Görichs "Die Staufer". (Immer wieder faszinierend, daß es gerade die dünnen Büchlein sind, von denen ich mir meist nur eine Auffrischung erwarte, die mir neue Sichtweisen oder Informationen liefern. Und er hat mir erklärt, worunter ich leide: Stauferitis. =))

    Jedenfalls meint er, daß Heinrichs brutales Vorgehen auf die (deutschen) Zeitgenossen deshalb so schockierend gewirkt hat, weil es im Deutschen Reich einfach nicht (noch nicht?) üblich war, bei Verrat so vorzugehen. Er beruft sich dabei u.a. auf das hochinteressante Buch von Althoff (Spielregeln der Politik im Mittelalter) und meint, daß es unter den Normannen, die nach anderen "Spielregeln" handelten, eher üblich war. Demzufolge hätte Heinrich im Ex-Normannenreich einfach nur wie ein Normannenherrscher gehandelt, statt wie ein Deutscher, der den Aufständischen Gelegenheit hätte geben müssen, sich zu unterwerfen, wobei dieses Verhaltensweisen bei den späteren Staufern ohnehin schon Auflösungserscheinungen zeigten, siehe auch Friedrich II vs. Heinrich (VII).

    Ein interessanter Gedanke, den ich mangels Wissen über die Gepflogenheiten normannischer Herrschaft nicht weiterführen kann. Jemand anders? Ist Görich hier auf dem Holzweg?

    Die Frage, ob es mit einem länger gelebt habenden Heinrich VI auch eine Konradin-Hinrichtung gegeben hätte, ist insofern wohl irrig, da es so vielleicht auch keinen Konrad IV gegeben hätte. Wer weiß, mit wem Heinrich Friedrich II verheiratet hätte. Oder, um das weiterzuführen, einen Konradin, wenn der doch gezeugte Konrad IV eine andere Frau geheiratet hätte.
    Die Frage ist wohl eher die, ob es nach einer längeren Herrschaft auch diesen für die Staufer letzten Endes so verhängnisvollen Endkampf mit den Päpsten gegeben hätte.
    Ich liebe das Was-wäre-gewesen-wenn-Spiel, aber hier spielen wohl zu viele Variablen mit.
     
  20. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Nun, zimperlich haben die Normannen in Süditalien nicht regiert.

    So lies z.B. Roger II. seinen erfolgreichen ammiratus ammiratorum (Großadmiral) Philipp von Mahdia hinrichten weil dieser zum Islam konvertierte.

    Dessen Nachfolger im Amt Maio von Bari (ein Grieche) errang das Vertrauen König Wilhelms I. und zog die Feindschaft des normannischen Adels auf sich. So z. B. als er den Normannen Gottfried von Lecce, Graf von Montescaglioso (dessen Schwester die Mutter König Tankreds sein wird) blenden und einkerkern lies.
    1160 verschwor sich Maio's Schwiegersohn in spe Matthäus Bonnellus mit anderen Normannen gegen Maio, der schon die Hochzeit vorbereitete, und erstach den Admiral in Palermo. König Wilhelm I. und seine Familie wurden von den Verschwörern gefangen genommen.
    Jedoch gelang es dem König sich zu befreien und schlug die Revolte schnell nieder. Matthäus Bonnellus wurde geblendet und gelähmt, bald darauf starb er. Dessen tatsächliche Verlobte, Gräfin Clementia von Catanzaro (eine Hauteville!) die Matthäus die Ehe versprochen hatte falls dieser Maio erfolgreich tötete, wurde mit ihrer Mutter in einen Kerker gesteckt wo sie denn Rest ihrer Tage verbrachten, Clementias mütterlicher Onkel Thomas wurde gehängt. Des Königs Strafgericht sollen noch andere Verschwörer zum Opfer gefallen sein, nur Verwandten des Königs wie Graf Roger von Avellino, der ein Großneffe war, wurde Gnade zu teil.
    So berichtet es der Chronist Hugo Falcandus.

    Philip of Mahdia - Wikipedia, the free encyclopedia
    Maio of Bari - Wikipedia, the free encyclopedia
    Matthew Bonnellus - Wikipedia, the free encyclopedia
     

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