Kleine Zusammenfassung
Das letzte verlässliche, behördliche Schriftstück der deutschen Verwaltung stammt vom 12. Januar 1945. In diesem amtlichen Bericht wird das Bernsteinzimmer im Königsberger Schloss letztmals offiziell als Sachbestand erwähnt. Unmittelbar nach diesem Datum wurde es aufgrund der herannahenden Roten Armee demontiert und verpackt.
Nach der Eroberung Königsbergs durch die Rote Armee im April 1945 setzten die Sowjets eine Spezialkommission unter der Leitung des Kunsthistorikers Anatoli Brjusow ein. Brjusow spürte Dr. Alfred Rohde in Königsberg auf und verhörte ihn im Mai 1945.
Rohde gab offiziell zu Protokoll, dass das Bernsteinzimmer bis zum 5. April 1945 unversehrt in Kisten im Königsberger Schloss, konkret im sogenannten Ordenssaal, eingelagert war. Diese Aussage ist im Untersuchungsbericht und den Tagebüchern von Anatoli Brjusow dokumentiert. Diese Akten lagern heute in russischen Staatsarchiven, unter anderem im Archiv der Russischen Akademie der Wissenschaften. Sie bilden das wichtigste historische Puzzleteil, da Rohde kurz nach den Verhören im Dezember 1945 verstarb.
Neben Rohde gibt es Berichte über informelle Sichtungen durch Wehrmachtssoldaten und Schlossangestellte. Einige Wachsoldaten sagten in späteren Befragungen aus, sie hätten noch im März oder April 1945 beim Verladen der schweren Kisten im Schlosshof geholfen. Diese Berichte sind primär in den späteren Suchakten des sowjetischen Geheimdienstes KGB sowie in den Untersuchungsakten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR dokumentiert, die in den 1960er bis 1980er Jahren eine geheime Suchaktion unter dem Namen Aktion Puschkin durchführten.
Schriftlich fixiert ist die letzte Sichtung im Schloss somit per April 1945 durch Alfred Rohde, festgehalten in den sowjetischen Kommissionsprotokollen von 1945.
Das Buch Das Bernsteinzimmer-Komplott von Paul Enke, dem ehemaligen Leiter der Stasi-Sucharbeitsgruppe, sowie die historische Dokumentation Das Bernsteinzimmer von Peter Bruhn fassen diese Archivfunde und Protokolle detailliert zusammen.
So viel wollte ich eigentlich nicht schreiben...