Wohin bestellte Varus seine Vexillationen und wie funktionierte das?

Der Schluss ist sehr wohl zulässig:
  • Der entfernte Aufstand existiert nicht.
  • Varus wird getäuscht, nach einem mit klarem Vorsatz gefassten und lange vorbereiteten Plan,
  • gedrängt eine vom Täuschenden intendierte Handlung zu begehen,
  • und arglos in eine voller Heimtücke gestellte Falle zu gehen.
 
Das stellt Cassius Dio aber etwas anders dar: Bei ihm "erheben sich irgendwelche von den weit entfernt von ihm Wohnenden zuerst" (ἐπανίστανταί τινες πρῶτοι τῶν ἄπωθεν αὐτοῦ οἰκούντων) tatsächlich - wenn auch als Teil der Verschwörung, um Varus anzulocken. Aber an sich existiert der entfernte Aufstand schon.
 
ein vorgetäuschter Sachverhalt ist, wenn:
ruft ein Forumsteilnehmer bei Bockstein an und sagt: ihre Bank ist Pleite....und Bockstein sagt: ich habe gar keine, aber Sie können die Auszüge bei mir abholen:)
 
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Auch Varus warf man zunächst(bis in die Zeit des Tiberius)nur seine Unbedachtsamkeit vor(temeritas) und seine Nachlässigkeit(neglegentia), sah aber ansonsten das verhängnisvolle Schicksal am Werk, natürlich außerdem den Verrat des Arminius.
Oliver Stoll, Lernen aus Niederlagen und "Schwächediskurse,Universität Passau 2022 Seite 203ff.-Sueton, Tib. XVIII,1).
 
"In der Kaiserzeit ist die Kaschierung der Niederlage fester Bestandteil der genannten systeminternen Logik"(ebenda S. 204)
 
Dein Analogieschluß ist unzulässig.
Niemand hat einen Analogieschluss gezogen.

Ich ziehe jetzt auch im folgenden keinen Analogieschluss sondern weise lediglich auf folgende Analogie hin:

Der Betrüger, der sich als Polizist ausgibt, kündigt ein reales Verbrechen an: Dem Opfer sollen tatsächlich Bargeld und Wertsachen gestohlen werden.
Gelogen ist in jedem Fall, dass der Betrüger vorgibt, dem Opfer gegen die Verbrecher behilflich zu sein, während er im Gegenteil maßgeblich am Verbrechen beteiligt ist.
 
Die Analogie ist unzulässig, ich spare mir den Schluß.

1)Es ging darum, ob die Offenbarung eines weit entfernten Aufstandes die Wahrheit ist.


2)Der Betrüger täuscht ein reales Verbrechen vor? Welches Verbrechen denn?. Wie will er ihm helfen?Möchte er , daß das Opfer Bargeld und Wertsachen herausgibt(hast Du wohl unterschlagen), damit es nicht gestohlen wird??
Verbrechen definiert sich über die Strafzumessung
 
Zuletzt bearbeitet:
Welchen Hintergrund hat denn diese "juristische" Betrachtungsweise? Geht es Dir darum, wie die römischen Autoritäten einerseits und die Anhänger des Arminius andererseits das Ganze wahrnahmen? Erfolgreiche Kriegslisten werden häufig als besonders klug wahrgenommen, selbst wenn dabei (natürlich) meist Täuschung im Spiel ist. Themistokles soll den Perserkönig beispielsweise bei Salamis überlistet haben, indem er ihm erzählte, ein Teil der griechischen Flotte werde überlaufen. Xerxes I. hat ihm das aber anscheinend nicht dauerhaft angekreidet, sondern ihn sogar in seinen Dienst genommen, als er bei den Athenern in Ungnade gefallen war.
 
Welchen Hintergrund hat denn diese "juristische" Betrachtungsweise? Geht es Dir darum, wie die römischen Autoritäten einerseits und die Anhänger des Arminius andererseits das Ganze wahrnahmen? Erfolgreiche Kriegslisten werden häufig als besonders klug wahrgenommen, selbst wenn dabei (natürlich) meist Täuschung im Spiel ist. Themistokles soll den Perserkönig beispielsweise bei Salamis überlistet haben, indem er ihm erzählte, ein Teil der griechischen Flotte werde überlaufen. Xerxes I. hat ihm das aber anscheinend nicht dauerhaft angekreidet, sondern ihn sogar in seinen Dienst genommen, als er bei den Athenern in Ungnade gefallen war.
@Stradivari ,
es ging mir erstmal darum, wie Varus seine Abordnungen organisiert und wieder einsammelt. Gleiche Überlegungen habe ich angestellt, ob diese Abordnungen das Heer erheblich bzw. unerheblich schwächten, oder ob die Abordnungen nur aus Auxiliarien bestanden.
Danach habe ich überlegt, wie Varus und sein Verhalten (anhand der Quellen) juristisch zu werten ist.

Diese Wertung beinhaltete die Frage,ob Varus eine Sorgfaltspflichtverletzung anzulasten ist.

Soweit dies zutrifft, könnte Varus mit einer adäquaten Marschformation diese Niederlage nicht erlitten haben, mit ggf. Folgen für Germanien bzw. uns.
Im selben Zusammenhang habe ich eruiert,wie das römische Bild einer Niederlagenbewältigung aussieht(Stoll). Zusammen führt dies zu einer negativen oder positiven Beurteilung. Daß wir Varus unterschiedlich beurteilen, liegt auch an Velleius, obgleich ich mir dessen Urteil nicht zueigen mache. Insgesamt liegt diese milde Beurteilung(vor Tiberius) am Selbstverständnis des römischen Staates, der eine Niederlage als Vorstufe zum Sieg sah.
 
@Stradivari ,
ob eine Kriegslist als klug wahrgenommen wird, liegt an ihrem Erfolg. Man kann aber sagen, daß die Kriegslist, der Varus anheim fiel, einfach und clever war.
Ich hatte schonmal erwähnt, daß die einfachste Frage die nach der Aufstandlokalität ist, weil sonst nichts geht;und die mußte weiter entfernt sein, um den Zeitfaktor zu ziehen.
 
Der Betrüger täuscht ein reales Verbrechen vor?
...einen Preis für elegante Logik gewinnt man mit solchen Schlaumeiereien eher nicht ... ;)
Es ging darum, ob die Offenbarung eines weit entfernten Aufstandes die Wahrheit ist.
Laut den Quellen, die von dieser Finte/Täuschung berichten, war das gezinkt, d.h. der Aufstand war nicht weit entfernt. Also war diese "Offenbarung" nicht die Wahrheit.
es ging mir erstmal darum, wie Varus seine Abordnungen organisiert und wieder einsammelt. Gleiche Überlegungen habe ich angestellt, ob diese Abordnungen das Heer erheblich bzw. unerheblich schwächten, oder ob die Abordnungen nur aus Auxiliarien bestanden.
was zu keinem Ergebnis geführt hatte, denn die Quellen, die von Vexillationen erzählen, nennen weder Zahlen noch Orte

Danach habe ich überlegt, wie Varus und sein Verhalten (anhand der Quellen) juristisch zu werten ist.
Diese Wertung beinhaltete die Frage,ob Varus eine Sorgfaltspflichtverletzung anzulasten ist.
...mit Verlaub: das soll zwar tiefsinnig-fachlich wirken, ist aber nur aufgeblasener Mumpitz. Was heißt denn "Sorgfaltspflichtverletzung" auf Latein?... Welche Rechtsammlungen augustäischer Zeit handeln von solchen? Oder willst du den Varus bei Richterin Barbara Salesch beackern?...
 
Da könnte man U.S. Grant nach der Schlacht von Shiloh (Pittsburg Landing) ebenso fahrlässige Körperverletzung und fahrlässigen Todschlag in Folge der nicht Befestigung der Camps einschließlich mangelnder Sicherung und Aufklärung vorwerfen. Wo soll das hinführen? Sinn????
 
Frau Salesch berichtete mir auf meine Anfrage, daß viele Rechtssätze, die auch in der frühen Kaiserzeit galten, noch immer Verwendung finden:)
 
Frau Salesch berichtete mir auf meine Anfrage, daß viele Rechtssätze, die auch in der frühen Kaiserzeit galten, noch immer Verwendung finden:)
Wo liegt da der Sinn? Wollen wir in Zukunft das Verhalten von Feldherren nach verlorenen Schlachten juristisch bewerten!????
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