Wohin bestellte Varus seine Vexillationen und wie funktionierte das?

Für die gesamte Germania fand ich eine Bevölkerungszahl von 1,6 bis 2,6 Millionen Menschen angegeben.

Von diesen dürften m.E. 25% mobilisierbar gewesen sein. Mit hierarchischer Struktur der Mobilisierung und Festlegung auf ein Datum wäre eine hohe Zahl von Kämpfern verfügbar gewesen, und bei guter Planung auch rasch vor Ort.
Ja, die gesamte "Germania", meinst Du damit das Siedlungsgebiet germanischer Stämme im heutigen Deutschland oder die kurzeitige römische Provinz?
 
Offensichtlich wurden sie gefragt? Von wem hast Du das?
Von Tacitus:

Igitur cupido Caesarem invadit solvendi suprema militibus ducique, permoto ad miserationem omni qui aderat exercitu ob propinquos, amicos, denique ob casus bellorum et sortem hominum. praemisso Caecina, ut occulta saltuum scrutaretur pontesque et aggeres umido paludum et fallacibus campis imponeret, incedunt maestos locos visuque ac memoria deformes. prima Vari castra lato ambitu et dimensis principiis trium legionum manus ostentabant; dein semiruto vallo, humili fossa accisae iam reliquiae consedisse intellegebantur. medio campi albentia ossa, ut fugerant, ut restiterant, disiecta vel aggerata. adiacebant fragmina telorum equorumque artus, simul truncis arborum antefixa ora. lucis propinquis barbarae arae, apud quas tribunos ac primorum ordinum centuriones mactaverant. et cladis eius superstites, pugnam aut vincula elapsi, referebant hic cecidisse legatos, illic raptas aquilas; primum ubi vulnus Varo adactum, ubi infelici dextera et suo ictu mortem invenerit; quo tribunali contionatus Arminius, quot patibula captivis, quae scrobes, utque signis et aquilis per superbiam inluserit.

Offensichtlich waren die Überlebenden der Varusschlacht ja in die acht Legionen des Germanicus integriert worden - wieso sonst waren sie dabei, wenn erst während des Feldzuges - so zumindest schildert es Tacitus - Germanicus den Wunsch hegte, das Schlachtfeld zu besuchen. Diese Soldaten sollen nun Germanicus gezeigt haben, wo die Adler geraubt wurden und wo die Legaten fielen, wo Varus sich selbst richtete. Offensichtlich sind sie also gefragt worden. Oder Tacitus lügt. Kann auch sein.

Jura und Historik haben etwas miteinander zu tun, daß ist richtig.
Dann müsste es dir doch vertraut sein, dass man Quellen hinterfragt und nicht einfach blindlings alles glaubt, was man aufgetischt bekommt.
 
Du reagierst auf einen Beitrag von mir, wo ich davongaloppierendes Hypothetisieren wieder versucht habe, anhand dessen, was in der Überlieferung habhaft ist, einzufangen.


Sind sie?


Tacitus wird wissen, warum er von einem Dreilegionenlager schrieb - ob dessen Auffinden nun historisch ist oder nur der Gegenüberstellung dient.
Germanicus ließ getrennt marschieren. Caecina mit vier Legionen, er selbst mit vier Legionen und die Reiterei. Dann gemeinsam mit acht Legionen. Im Jahr darauf hat man auf die Aufteilung verzichtet und ist zur Emsmündung gefahren und von dortaus gemeinsam, mit acht Legionen gen Minden/Rinteln marschiert. Also warum sollte Varus mit drei Legionen getrennt marschiert sein?



Richtig, weise ich immer wieder drauf hin. Zumal, wenn wir Cassius Dio nicht hätten, die Weser überhaupt kein Referenzpunkt für Varus wäre.


Was Tacitus mit dem saltus Teutoburgiensis meinte, wissen wir streng genommen nicht einmal. Wir haben lediglich die Angabe, dass man das ganze Gebiet zwischen Ems und Lippe verwüstet habe und als man die letzten Brukterer (die am weitesten vom Rhein entfernten Brukterer?) erreicht habe, in der Nähe des saltus Teutoburgiensis gewesen sei, in dem die unbestatteten Varuslegionen lagen.
Ganz in der Nähe von Gibraltar liegt die afrikanische Küste, man kann sie von Spanien aus gut sehen. In Afrika liegt der Kilimanscharo. Das ungefähr zum geographischen Wert der Angabe des Tacitus.



Das ist eben ein Faktoid. Es steht nirgends in den Quellen, dass Varus auf dem Weg in die Winterlager war, als er überfallen wurde. Velleis gibt uns nur die Info, dass ....pro tribunali ordine trahebat aestiva (Varus verschleppte mit Richtertätigkeiten den Sommer). Ein an sich unsinniger Vorwurf, dass Varus seinen Aufgaben nachgekommen ist, der uns aber immerhin eine zeitliche Einordnung gibt, nämlich, dass die Varusschlacht in der fortgeschrittenene zweiten Jahreshälfte stattfand.


Ich kann dir sagen, woher das mit den Winterlagern kommt: Laut Velleius soll der aus Rom herbeigeeilte Tiberius als Reaktion auf die Varusschlacht den Rhein überquert haben und dann zurück in die Winterlager gegangen sein. Und zuvor: L. Asprenati testimonium, qui legatus sub avunculo suo Varo militans gnava virilique opera duarum legionum, quibus praeerat, exercitum immunem tanta calamitate servavit matureque ad inferiora hiberna descendendo vacillantium etiam cis Rhenum sitarum gentium animos confirmavit. Lucius Asprenas, der las Legat unter seinem Onkel diente, kam (von Obergermanien) den Rhein hinab und sicherte die unter(germanisch)en Winterlager.

Daher kommen die Winterlager, aber dass Varus auf dem Weg in die Winterlager gewesen sei, kann man in den Quellen vergeblich suchen. Trotzdem hat sich diese Vorstellung so fest in den Köpfen verankert, dass das meist widerspruchslos hingenommen wird.


Naja, Tacitus beschreibt ja auch nicht die Varusschlacht, sondern die Varusschlacht durch die Augen der Legionäre des Germanicus, der sechs Jahre später das Schlachtfeld aufsucht bzw. durch die Augen es träumenden Caecina und der Germanen, als Arminius ihnen, auf Caecina und seine vier Legionen deutend sagt: "Seht, da ist er, derselbe Varus, den ihr schon mal besiegt habt."

Velleius sagt durchaus, was Varus gemacht hat: Er hat den Sommer mit Formalitäten verschleppt.



Ja, es gibt die Leute, die 40 Jahre später als alte Männer befreit wurden.
Das sind aber kaum diejenigen, die clades eius superstites, pugna aut vincula elapsi - die Überlebenden der Niederlage, die der Schlacht und den
Fesseln entkamen, die mit Germanicus sechs Jahre später auf dem Schlachtfeld waren und die verschiedenen Orte kommentierten. Wie das vincula elapsi zu verstehen ist, ist auch nicht ganz klar, man kann das so verstehen, dass sie der Gefangenschaft entgingen (also gar nicht gefangen wurden), oder dass sie, nachdem sie gefangen worden waren, entkamen.
oder freigekauft wurden
 
Offensichtlich waren die Überlebenden der Varusschlacht ja in die acht Legionen des Germanicus integriert worden - wieso sonst waren sie dabei, wenn erst während des Feldzuges - so zumindest schildert es Tacitus - Germanicus den Wunsch hegte, das Schlachtfeld zu besuchen. Diese Soldaten sollen nun Germanicus gezeigt haben, wo die Adler geraubt wurden und wo die Legaten fielen, wo Varus sich selbst richtete. Offensichtlich sind sie also gefragt worden. Oder Tacitus lügt. Kann auch sein.


Dann müsste es dir doch vertraut sein, dass man Quellen hinterfragt und nicht einfach blindlings alles glaubt, was man aufgetischt bekommt.
Quellen würde ich das nicht nennen, eher Aussagen oder Ermittlungen bei Officialdelikten.

Als ich hier im September/Oktober 2024 zuerst aufschlug, habe ich die These vertreten, die Reste der 19. Legion(Metallfunde)seien in die neu formierten Legionen integriert worden.Ich habe nur ungläubiges bis wütendes als Antworten bekommen.

ELQuijote, wenn Du Dir mal die Mühe machst, das zu überprüfen?
 
Quellen würde ich das nicht nennen, eher Aussagen oder Ermittlungen bei Officialdelikten.

Als ich hier im September/Oktober 2024 zuerst aufschlug, habe ich die These vertreten, die Reste der 19. Legion(Metallfunde)seien in die neu formierten Legionen integriert worden.Ich habe nur ungläubiges bis wütendes als Antworten bekommen.

ELQuijote, wenn Du Dir mal die Mühe machst, das zu überprüfen?
ich weiß nicht genau, um welche Beiträge es sich handelt, ich nehme an, es ging um die Ergebnisse der metallurgischen Arbeit von Annika Lüttmann. Die lassen sich mit der Integration von einzelnen Überlebenden der Varusschlacht in die Legionen von Tiberius und später Germanicus nicht statistisch relativieren.
 
ich weiß nicht genau, um welche Beiträge es sich handelt, ich nehme an, es ging um die Ergebnisse der metallurgischen Arbeit von Annika Lüttmann. Die lassen sich mit der Integration von einzelnen Überlebenden der Varusschlacht in die Legionen von Tiberius und später Germanicus nicht statistisch relativieren.
Kann schon sein. Ich habe insoweit falsch gefolgert, es seien Soldaten der 19. Legion integriert worden. Aber das Überlebende integriert wurden, stimmte schon 2024
 
Kann schon sein. Ich habe insoweit falsch gefolgert, es seien Soldaten der 19. Legion integriert worden. Aber das Überlebende integriert wurden, stimmte schon 2024
Nun, ob sie integriert wurden, weiß ich nicht. Das wäre aber sowohl militärisch naheliegend als auch sinnvoll, wenn man Tacitus glaubt, dass Germanicus erst bei Ankunft bei den letzten der Brukterer der Wunsch überkam, das Varusschlachtfeld zu besuchen. Wenn das von vornherein das Ansinnen Germanicus' gewesen wäre (entgegen de Darstellung von Tacitus), dann könnte er auch Leute mitgenommen haben, die nicht mehr beim Militär waren. Wenn man aber Tacitus glaubt, dass Germanicus dieses Vorhaben erst während des fortgeschrittenen Feldzuges kam, dann müssen die entsprechenden Überlebenden schon im Heer gewesen sein. Also in die bestehenden Legionen integriert. Ob das 2024 bestritten wurde, wie du behauptest, weiß ich nicht.

Edit: Ich finde da nur einen Beitrag von dir vom Februar 2025 und die Replik von Pardela_Cenicienta vom selben Tag, die sich nicht auf die Überlebenden bezieht, sondern auf die Schlussfolgerungen bzgl. der Ergebnisse der Arbeit von Annika Lüttmann. Wut lese ich da auch nicht raus:

Nochmal eine Remininiszenz zu meinem Beitrag vom 10.November:
Metall von der 19. Legion in Kalkriese bedeutet nur, daß dort Metall gefunden wurde, das ausschließlich der 19. Legion zuzuordnen ist.

Denkbar ist, daß nach Varus die Reste der 19. Legion zur personellen Auffüllung anderer Legionen verwendet wurden(einschließlich ihrer metallenen Ausrüstung). Damit folgere ich, daß unter dem Personal einer anderen Legion Überlebende der 19. Legion waren, und damit ihre metallene Ausrüstung.Auf der stand allerdings nicht:Metallurgietest bestanden.

Welche Reste der 19. Legion meinst Du denn?
Und was, glaubst Du, hatten die noch von ihrer Ausrüstung dabei, nach minimal 165 km Fussmarsch (römischen Marschkompass, wasserfeste Karte und Varus-Fussgänger-Navi vorausgesetzt), und einigen Fluss- und Sumpfquerungen, unterstützt von den bekannt gastfreundlichen Westfalen, äh, Cheruskern, Chatten, Sugambrern?

Oder meinst Du die in Xanten verbliebene Restbesatzung und deren blankpolierte Rüstung, die sich kurz vor der Berentung zu einer Besichtigung des Schlachtfeldes überreden ließen?

Argumentative Strohhalme entziehen sich dem metallurgischen Nachweis.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nun, ob sie integriert wurden, weiß ich nicht. Das wäre aber sowohl militärisch naheliegend als auch sinnvoll, wenn man Tacitus glaubt, dass Germanicus erst bei Ankunft bei den letzten der Brukterer der Wunsch überkam, das Varusschlachtfeld zu besuchen. Wenn das von vornherein das Ansinnen Germanicus' gewesen wäre (entgegen de Darstellung von Tacitus), dann könnte er auch Leute mitgenommen haben, die nicht mehr beim Militär waren. Wenn man aber Tacitus glaubt, dass Germanicus dieses Vorhaben erst während des fortgeschrittenen Feldzuges kam, dann müssen die entsprechenden Überlebenden schon im Heer gewesen sein. Also in die bestehenden Legionen integriert. Ob das 2024 bestritten wurde, wie du behauptest, weiß ich nicht.

Edit: Ich finde da nur einen Beitrag von dir vom Februar 2025 und die Replik von Pardela_Cenicienta vom selben Tag, die sich nicht auf die Überlebenden bezieht, sondern auf die Schlussfolgerungen bzgl. der Ergebnisse der Arbeit von Annika Lüttmann. Wut lese ich da auch nicht raus:
@El Quijote
Offensichtlich waren die Überlebenden der Varusschlacht ja in die acht Legionen des Germanicus integriert worden - wieso sonst waren sie dabei, wenn erst während des Feldzuges - so zumindest schildert es Tacitus - Germanicus den Wunsch hegte, das Schlachtfeld zu besuchen. Diese Soldaten sollen nun Germanicus gezeigt haben, wo die Adler geraubt wurden und wo die Legaten fielen, wo Varus sich selbst richtete. Offensichtlich sind sie also gefragt worden. Oder Tacitus lügt. Kann auch sein.

-Nun, ob sie integriert wurden, weiß ich nicht.......offensichtlich waren die Überlebenden der Varusschlacht-

Wer ist hier der Beckmesser? Was gilt jetzt:Nun...oder offensichtlich?

Und was ist jetzt der argumentative Strohhalm?Eine bemerkenswerte Arroganz
2024...sorry...Altersirrtum
 
Wir wissen nun mal nicht, ob Tacitus uns die Wahrheit erzählt, insofern sind die Schlussfolgerungen nur unter Vorbehalten zu ziehen. Es kann ja sein, dass Tacitus hier die Überlebenden einfach braucht, damit er die Geschichte so dramatisch-klimakterisch erzählen kann, wie er sie erzählt, die Schlachtfeldbegehung an sich wäre ja sonst langweilig und als Aufreger allenfalls der kurze emotionale Moment, wo die Legionäre die bleichenden Knochen ihrer Kameraden entdecken und schließlich bestatten. Durch die Überlebenden kommt der erst zur Klimax.

Dass du den argumentativen Strohhalm als arrogant empfindest, ist zunächst einmal ein Empfängerproblem. Ich sehe da keine Arroganz seitens des Mitdiskutanten, sondern eine scharfe aber methodisch korrekte Zurückweisung.
 
eine methodisch korrekte, aber falsche Zurechtweisung kenne ich unter Erwachsenen eigentlich nicht, Umgangsformen schon.
Mittlerweile empfinde ich hier ein Senderproblem, denn mit albernen und falschen Zurechtweisungen zu arbeiten, und das in einem Geschichtsforum, ist sehr eigentümlich, wie Deine Argumentation im übrigen auch.

Das ein Moderator so einseitig argumentiert;Du hast Deine Gründe.

Nur noch ein Hinweis zur Zrechtweisung: Anfang 2025 gab es schon die Textstelle von Tacitus(Überlebende). Ohne eine Mindestanstandsform wurde ich hier dumes Zeug zum Besten gegeben und verulkt, und das ohne die geringste Sachkenntnis.
 
Als ich hier im September/Oktober 2024 zuerst aufschlug, habe ich die These vertreten, die Reste der 19. Legion(Metallfunde)seien in die neu formierten Legionen integriert worden.Ich habe nur ungläubiges bis wütendes als Antworten bekommen.
Habe ich mir gerade angeschaut und ich kann deinen Eindruck nicht!!! nachvollziehen. Es gab keine Häme, keinen Spott und keine "ungläubige bis wütende Antworten". Das stimmt so einfach nicht. Es wurde argumentativ geantwortet, teilweise recht "herbe" aber sicherlich im Rahmen der Netiquette.
 
Tacitus wird wissen, warum er von einem Dreilegionenlager schrieb - ob dessen Auffinden nun historisch ist oder nur der Gegenüberstellung dient.
Germanicus ließ getrennt marschieren. Caecina mit vier Legionen, er selbst mit vier Legionen und die Reiterei. Dann gemeinsam mit acht Legionen. Im Jahr darauf hat man auf die Aufteilung verzichtet und ist zur Emsmündung gefahren und von dortaus gemeinsam, mit acht Legionen gen Minden/Rinteln marschiert. Also warum sollte Varus mit drei Legionen getrennt marschiert sein?
Bequemerweise zitiere ich eine Aussage von Bettina Tremmel*, der in einem Online-Artikel der WELT zu finden ist:

WELT schrieb:
Haltern bot sich als Standort für einen Stützpunkt an. „Eine römische Armee, die am Westufer des Rheins bei Xanten zusammengezogen war, brauchte etwa ein bis zwei Tage, um den Fluss zu überqueren. Nach zwei Tagesmärschen von je 20 Kilometern erreichten sie Haltern“, rechnet Bettina Tremmel, Referentin für das Römerlager in Haltern der LWL-Archäologie, vor.
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Wenn ein Drei-Legionen-Heer unter Varus marschiert ist, dann können die nur gemeinsam die ganze Zeit marschiert sein, wenn sie am selben Ort aufgebrochen sind.
Wenn aber zwei Legionen links des Rheins ( = Vetera ) stationiert waren und eine rechtsrheinisch ( = Haltern ) dann ist die Aussage falsch, dass sie in 9 uZ niemals getrennt marschiert wären. Frau Tremmel setzt mindestens drei Tage oder auch vier Tage an, welche für eine Vereinigung zwingend sind. Für eine Kampagne, welche Truppen bis zur Weser führte, sind da eher vier Tage realistisch.

Das Stöckchen über das man da springen muss, ist nun wirklich sehr sehr niedrig. Liegt eigentlich schon auf dem Boden.

Wobei Frau Tremmel im selben Zeitungsartikel darüber informiert, dass Haltern aufgrund der Ausbau von zivilen Gebäuden in seiner Endphase gar kein Platz mehr für eine komplette Legion innerhalb seiner Umwallung bot. Diese zivilen Gebäuden sind meines Erachtens VOR dem Varus-Ereignis errichtet worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tiberius oder Germanicus noch Tempel oder administrative Baulichkeiten in Haltern errichtet hätten. Dann stellt sich aber die Frage, wo die in Haltern nicht mehr unterzubringende Teile der LEG XVIIII eigentlich im Winterlager gelegen haben? Die Begebenheit mit Asprenas, dass er sich an dem Eigentum der getöteten Legionäre vergriffen hätte, könnte darauf hindeuten, dass auch die LEG XVIIII zum Teilen linksrheinisch stationiert war. Und dann wäre wohl Köln der heiße Kandidat, denn dort wird Asprenas wohl am ehesten 9 uZ aufgetaucht sein.

Römer in Germanien: Dies könnte die Festung sein, die „von riesigen Massen Germanen belagert wurde“ - WELT
 
Wenn ein Drei-Legionen-Heer unter Varus marschiert ist, dann können die nur gemeinsam die ganze Zeit marschiert sein, wenn sie am selben Ort aufgebrochen sind.
Wenn aber zwei Legionen links des Rheins ( = Vetera ) stationiert waren und eine rechtsrheinisch ( = Haltern ) dann ist die Aussage falsch, dass sie in 9 uZ niemals getrennt marschiert wären.
Wer spricht denn von "niemals"?
Es geht doch um die Schlacht. Also die letzten Tage, vom Aufbruch - meinetwegen an der Weser, wenn wir Cassius Dio folgen - bis zum Untergang. Nicht um irgendwas was 4, 5, 6 Monate früher war.
 
Das ist eben ein Faktoid. Es steht nirgends in den Quellen, dass Varus auf dem Weg in die Winterlager war, als er überfallen wurde. Velleis gibt uns nur die Info, dass ....pro tribunali ordine trahebat aestiva (Varus verschleppte mit Richtertätigkeiten den Sommer). Ein an sich unsinniger Vorwurf, dass Varus seinen Aufgaben nachgekommen ist, der uns aber immerhin eine zeitliche Einordnung gibt, nämlich, dass die Varusschlacht in der fortgeschrittenene zweiten Jahreshälfte stattfand.

Ich kann dir sagen, woher das mit den Winterlagern kommt: Laut Velleius soll der aus Rom herbeigeeilte Tiberius als Reaktion auf die Varusschlacht den Rhein überquert haben und dann zurück in die Winterlager gegangen sein. Und zuvor: L. Asprenati testimonium, qui legatus sub avunculo suo Varo militans gnava virilique opera duarum legionum, quibus praeerat, exercitum immunem tanta calamitate servavit matureque ad inferiora hiberna descendendo vacillantium etiam cis Rhenum sitarum gentium animos confirmavit. Lucius Asprenas, der las Legat unter seinem Onkel diente, kam (von Obergermanien) den Rhein hinab und sicherte die unter(germanisch)en Winterlager.

Daher kommen die Winterlager, aber dass Varus auf dem Weg in die Winterlager gewesen sei, kann man in den Quellen vergeblich suchen. Trotzdem hat sich diese Vorstellung so fest in den Köpfen verankert, dass das meist widerspruchslos hingenommen wird.
Danke, dass ist überzeugend aus den Quellen heraus gearbeitet. Paterculus schreibt, er hat den Sommer verdattelt. Bei der Kampagne 9 uZ war man also bei der Cena von Varus mit Arminius und Segimer oder Segestes also über den Sommer hinaus. Dann ist es nun zwingend, dass die Legionen nun die Kampagne zu Ende bringen müssen.

Eigentlich kann man die dicke Mohrrübe bildlich sehen, die Arminius dem Varus vor die Nase hielt. Ein lokaler Aufstand, die Truppen hatten im Sommer marschiert, ein Lager errichtet, marschiert, ein Lager errichtet, marschiert, ein Lager errichtet und so fort (Sepiola-Vorschlag) oder halt ein Sommerlager errichtet und sich mit Straßenbau und Polizeiaufgaben (mein Vorschlag) beschäftigt. Zum Abschluß der Kampagne bot sich nun die Möglichkeit, die Truppen gegen lokale Aufständische nochmals in ein Gefecht zu bringen, danach Beute zu machen und 1.000 oder mehr Menschen zu versklaven und nach Erreichen des Rheins zu verkaufen.

Der Historiker sträubt sich dagegen, dass man auf dem Rückweg in die Winterlagern war, weil es nicht explizit in den Quellen steht. Aber der Verstand sagt schon, das muss wohl so gewesen sein.
 
mit einer kleinen Einschränkung:Aus ganz Germanien wurde wohl nicht rekrutiert
Die Forschung gibt uns immer wieder neue Überraschungen. Bei meinem in #633 verlinkten Presseartikel wird auf Funde in Haltern verwiesen. Konkret handelt es sich um Skelette:

WELT schrieb:
Vertreter der Aliso-These führen noch ein anderes Indiz an. Aus einer Arbeitsgrube im Töpfereibezirk kamen die Skelette von 24 Menschen ans Licht. Bei den Toten handelte es sich überwiegend um Männer zwischen 20 und 50 Jahren. Strontiumisotopenanalysen zeigten, dass sechs der Männer (und ein Hund) aus der näheren Umgebung stammten, vier jedoch eindeutig nicht lokalen Ursprungs waren, sondern möglicherweise aus Süddeutschland und Böhmen stammten, also aus Gebieten jenseits der Reichsgrenzen. Das lässt den Schluss zu, dass es Römer waren, die in der Grube getötete Feinde entsorgten und also mit dem Leben davonkamen.
Tote aus Süddeutschland und Böhmen! Das muss man erst mal einordnen. Im Süddeutschland gab es die berühmte Helvetiereinöde. Da war nicht viel los mit germanischer Bevölkerung. Es gab sie, aber in überschaubarer Zahl und auch nicht als geschlossener Stammesverband, sondern eher verstreut. Böhmen dagegen bedeutet Markomannen. Demnach wären bei Arminius und seinen Truppen auch Markomannen gewesen. Was machen Markomannen am Rhein? Ganz offensichtlich für Arminius kämpfen. Sehr verwirrend.
 
Quellen würde ich das nicht nennen, eher Aussagen oder Ermittlungen bei Officialdelikten.

Als ich hier im September/Oktober 2024 zuerst aufschlug, habe ich die These vertreten, die Reste der 19. Legion(Metallfunde)seien in die neu formierten Legionen integriert worden.Ich habe nur ungläubiges bis wütendes als Antworten bekommen.

ELQuijote, wenn Du Dir mal die Mühe machst, das zu überprüfen?
Die Frage ist halt, von welcher Anzahl an Überlebenden wir da reden. Mir scheint eher, dass das eine überschaubare kleine Schar war. Lass es mal 30 Personen gewesen sein. Wenn ich die in eine 5.500 Mann starke Legion eingliedere, ist das voin der Schlagkraft zu vernachlässigen. Jedoch ist es natürlich hilfreich Leute mitzunehmen, welche aus eigener Anschauung die zu erobernden Gegenden kennen.
 
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