Wohin bestellte Varus seine Vexillationen und wie funktionierte das?

Ehrlich gesagt halte ich das nicht für müßig. Daß es am Juristischen vorbeigeht, halte für anmaßend gegenüber jemandem, der Jura studiert hat, wobei ich mich lediglich auf eine Art des Schuldvorwurfs bezogen habe.
Ich wollte niemandem seine fachliche und berufliche Kompetenz absprechen.
Einen passenden StrafTB wird es nur in der Militärgerichtsbarkeit gegeben haben. Fahrlässigkeit vor dem Feind wird es wohl als TB gegeben haben;Varus war Soldat.
War er eben nicht.
Soldaten waren seine Legionäre, aber nicht er.
Bei einem Statthalter waren zivile und militärische Funktionen vermengt. (Eine Trennung erfolgte erst in der Spätantike.)

Wenn man den Quellen folgt, wurde Varus in ein als befriedet geltendes Gebiet geschickt und agierte dort primär als ziviler Verwalter.
 
(...)Die Methode "Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn" ist aber dennoch kein Ersatz für eine professionelle militärische Befehlshaberstruktur - und die gab es nicht.

Selbst reiche Erfahrung war keine Garantie für Erfolg. Man denke etwa an Marcus Antonius, den seine Jahre unter Caesar und dann als Befehlshaber im Bürgerkrieg nicht davor bewahrten, seinen Partherfeldzug durch eigene Fehlentscheidungen völlig zu vergeigen.(...)
Ich bin erstaunt! Legionäre etc wären gut ausgebildet, diszipliniert - aber die Chefetage bestand nur aus Operettengenerälen? Verblüffend, dass diese Mixtur ein mehrere Jahrhunderte florierendes Weltreich mittels militärischer Expansion errichten konnten.
 
Ich bin erstaunt! Legionäre etc wären gut ausgebildet, diszipliniert - aber die Chefetage bestand nur aus Operettengenerälen? Verblüffend, dass diese Mixtur ein mehrere Jahrhunderte florierendes Weltreich mittels militärischer Expansion errichten konnten.
Das Rückgrat der römischen Legionen waren die Centuriones. Das waren die Profis, welche von Taktik nach langjähriger Berufsausbildung Ahnung hatten. Die Frage ist dann, in wie weit die Legaten von ihren Centuriones beraten wurden.
In späteren Zeiten haben wir ja auch Fürsten, die durch Geburt zur Führung von Truppen berufen waren. Ob die dann qualifizierter waren als römische Politiker müsste man sich auch mal ansehen.
Die Strategie eines römischen Exercitus musste schon von dem jeweiligen Statthalter oder Legaten bestimmt werden. Und hier gab es Begabte und halt auch Reinfälle. Wobei die römischen Kaiser ja auch Leute hatten, auf welche sich sich verlassen konnten. Man denke an Leute wie Agrippa und vielleicht bei Germanicus auch Caecina.
 
Ich bin erstaunt! Legionäre etc wären gut ausgebildet, diszipliniert - aber die Chefetage bestand nur aus Operettengenerälen? Verblüffend, dass diese Mixtur ein mehrere Jahrhunderte florierendes Weltreich mittels militärischer Expansion errichten konnten.
Das Rückgrat der römischen Legionen waren die Centuriones. Das waren die Profis, welche von Taktik nach langjähriger Berufsausbildung Ahnung hatten. Die Frage ist dann, in wie weit die Legaten von ihren Centuriones beraten wurden.
In der Republik war der Beginn einer politischen Karriere die Position als Militärtribun; auch, um Erfahrungen in militärischer Planung und Führung zu machen. KA, ob das noch galt, als Varus im passenden Alter war.

Zenturionen führten idR Zenturien und Kohorten. Die Posten, die die Führung größerer Formationen beinhalteten, waren fast unerreichbar; die behielten die Aristokraten ihresgleichen vor...
 
In der Republik war der Beginn einer politischen Karriere die Position als Militärtribun; auch, um Erfahrungen in militärischer Planung und Führung zu machen. KA, ob das noch galt, als Varus im passenden Alter war.

Zenturionen führten idR Zenturien und Kohorten. Die Posten, die die Führung größerer Formationen beinhalteten, waren fast unerreichbar; die behielten die Aristokraten ihresgleichen vor...
So ist es. Der Cursus Honorum begann nach der idealen Abfolge mit einer Position als Militärtribun. Der junge Tribun kam nicht von einer Militärakademie, sondern hatte sich wahrscheinlich zuvor mit Rhetorik und Recht beschäftigt. Die Position als Tribun bekam man dann durch familiäre Bindungen an einem Legaten oder durch Beziehungen innerhalb der "Upper Class". Wer beim Militär war, hat seine Erfahrungen mit Fahnenjunker/Fähnriche oder auch ROA gemacht. Letztere würde ich mit den Tribunen vergleichen. Der normal Sterbliche kommt nicht auf die Idee, ROA zu werden. Das sind dann Söhne von hohen Offizieren oder auch Politikerprösslinge. Ernst genommen wurden die zur meiner Zeit nicht, auch wenn die Schulterklappen bedeutsam aussahen. Ein Primus Pilus dürfte solch einen Tribun wohl eher skeptisch gesehen haben.
 
Ein Primus Pilus dürfte solch einen Tribun wohl eher skeptisch gesehen haben.
Weil der Primus Pilus dem Tribun sowohl an Alter wie an Dienstalter um Jahrzehnte voraus ist, ja. Und dennoch wird der Tribun an mehr Stabstreffen, Einsatzbesprechungen etc teilnehmen (als Zuhörer oder Adjutant) als selbst der ranghöchste Zenturio. Der hatte andere Aufgaben. Und über dem Zenturionat stand nur noch der praefectus castrorum als höchster Posten, der traditionell Männern aus dem Mannschaftsrang zugänglich war.

Learning by doing war überall in der römischen Armee angesagt, auch für Zenturionen gab es keine Schulen oder Akademien. Da spielt die Dienstzeit = Erfahrung natürlich eine große Rolle, und über die können Tribunen naturgemäß kaum verfügen. Es gab aber auch eine Arbeitsteilung in der römischen Armee, und in der war Organisation, Verwaltung und Führung großer Verbände nicht Aufgabe der Zenturionen. Die oblag den Magistraten, unterstützt von Tribunen und Hilfskräften.

Dabei dürften allerdings allgemeine Aufgaben der täglichen Verwaltung eine viel größere Rolle gespielt haben, als die Ausbildung genialer neuer Feldherren, zugegeben...
 
Ein Primus Pilus dürfte solch einen Tribun wohl eher skeptisch gesehen haben.
So wie die erfahrene Gesundheitspflegerin (aka "Krankenschwester") den frisch geschlüpften Arzt, der ihr vorgesetzt* ist.


*Formal gesehen sind medizinisches Personal und pflegerisches Personal zwei unabhängig voneinander operierende Zweige innerhalb der Organisation Krankenhaus, und der Arzt ist keiner Krankenschwester vorgesetzt, aber de facto bestimmt der Arzt, welche Medikamente gestellt werden oder wer als nächstes in den OP kommt etc.
 
Leider bin ich gerade wieder an den Ort, an dem ich keinen Zugriff auf meine Bibliothek habe. Habe ich das richtig in der Erinnerung, dass Velleius Paterculus keinen der Tribunen namentlich erwähnt, auch nicht die Legaten? Aber er erwähnt drei Centuriones namentlich - also 10 Prozent der Centuriones - wenn man die Auxiliareinheiten außen vor lässt.
Wenn ich mich da richtig erinnere, dürften die Centuriones so eine herausragende Bedeutung für die Truppen gehabt haben sein, dass diese in der Überlieferung erwähnt werden.
 
Leider bin ich gerade wieder an den Ort, an dem ich keinen Zugriff auf meine Bibliothek habe. Habe ich das richtig in der Erinnerung, dass Velleius Paterculus keinen der Tribunen namentlich erwähnt, auch nicht die Legaten? Aber er erwähnt drei Centuriones namentlich - also 10 Prozent der Centuriones - wenn man die Auxiliareinheiten außen vor lässt.
Wenn ich mich da richtig erinnere, dürften die Centuriones so eine herausragende Bedeutung für die Truppen gehabt haben sein, dass diese in der Überlieferung erwähnt werden.
Er erwähnt zwei Lagerprefekte und einen Legaten:

At e praefectis castrorum duobus quam clarum exemplum L. Eggius, tam turpe Ceionus prodidit, qui, cum longe maximam partem absumpsisset acies, auctor deditionis supplicio quam proelio mori maluit. At Vala Numonius, lagatus Vari, cetera quietus ac probus, diri auctor exempli, spoliatum equite peditem relinquens fuga cum alis Rhenum petere ingressus est.​
 
Er erwähnt zwei Lagerprefekte und einen Legaten:

At e praefectis castrorum duobus quam clarum exemplum L. Eggius, tam turpe Ceionus prodidit, qui, cum longe maximam partem absumpsisset acies, auctor deditionis supplicio quam proelio mori maluit. At Vala Numonius, lagatus Vari, cetera quietus ac probus, diri auctor exempli, spoliatum equite peditem relinquens fuga cum alis Rhenum petere ingressus est.
Ach klar, den Vala. Für mich ist Vala der Reiterführer. Ich bringe ihn nicht mit einer der Legionen in Verbindung. Er ist auch der einzige Legat der Varustruppen, der uns durch einen Gegenstempel überliefert ist. Dadurch hat er für mich eine hervorgehobene Position. @Sepiola hatte mich bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Vala ein Legat war. Das hatte ich schon wieder vergessen. Danke @El Quijote für den Hinweis. :)
 
So ist es. Der Cursus Honorum begann nach der idealen Abfolge mit einer Position als Militärtribun. Der junge Tribun kam nicht von einer Militärakademie, sondern hatte sich wahrscheinlich zuvor mit Rhetorik und Recht beschäftigt. Die Position als Tribun bekam man dann durch familiäre Bindungen an einem Legaten oder durch Beziehungen innerhalb der "Upper Class".
Bezeichnend für den Wert des Militärtribunats ist der Fall Suetonius (ja, der Biographien-Autor): Sein Freund Plinius jr. nutzte seine Beziehungen, um ihm einen Posten als Militärtribun zu verschaffen. Suetonius war davon aber gar nicht begeistert und wollte keinesfalls Tribun werden. Plinius schaffte es noch, dass jemand anderer zum Tribunen bestellt wurde.
Das zeigt doch wohl hinlänglich den Wert des Militärtribunats: Qualifikation spielte zu dieser Zeit anscheinend keine Rolle, nur Beziehungen. (Offenbar gab es schon gar nicht so etwas wie einen Eignungstest - egal ob zur physischen oder zur charakterlichen Eignung oder zum militärischen Vorwissen -, sonst hätte Plinius seinem Freund die Stelle anscheinend nicht hinter dessen Rücken verschaffen können.) Hätte Suetonius seine Stelle angetreten, wäre er wohl kaum ein Vorzeige-Militär gewesen.
Learning by doing war überall in der römischen Armee angesagt, auch für Zenturionen gab es keine Schulen oder Akademien. Da spielt die Dienstzeit = Erfahrung natürlich eine große Rolle, und über die können Tribunen naturgemäß kaum verfügen. Es gab aber auch eine Arbeitsteilung in der römischen Armee, und in der war Organisation, Verwaltung und Führung großer Verbände nicht Aufgabe der Zenturionen. Die oblag den Magistraten, unterstützt von Tribunen und Hilfskräften.
Im schlimmsten Fall hatte ein römischer Befehlshaber als Qualifikation gerade einmal ein Jahr Militärtribunat aufzuweisen. Wenn er Glück (oder Pech, je nach Sichtweise) hatte, hatte er dieses Militärtribunat irgendwo im tiefsten Frieden verbracht, also vermutlich so gut wie nichts gelernt. Dann begann er seine Ämterlaufbahn und wurde nach Stationen als Quaestor und Volkstribun oder Aedil Praetor. Als Praetor oder Propraetor erhielt er dann möglicherweise ein militärisches Kommando, oder später als Konsul oder Prokonsul. (In der Kaiserzeit nicht mehr als amtierender Praetor oder Konsul, stattdessen wurde er vielleicht vom Kaiser zum Legaten bestellt.)
Ich bin erstaunt! Legionäre etc wären gut ausgebildet, diszipliniert - aber die Chefetage bestand nur aus Operettengenerälen? Verblüffend, dass diese Mixtur ein mehrere Jahrhunderte florierendes Weltreich mittels militärischer Expansion errichten konnten.
So hart wollte ich das nicht formulieren. Natürlich gab es fähige Feldherren, aber das waren eher Glücksfälle, nicht konsequente Folgen des Systems. Notfalls musste ein Krieg so lange geführt werden, bis endlich der Richtige ans Ruder kam.

Immerhin wurden in der Republik Feldzüge meist von den gewählten Magistraten geführt, und diese wurden nicht unbedingt wegen ihrer militärischen Befähigung gewählt.
Nicht vergessen sollte man, dass in der Republik die Statthalterposten und Kommandos zeitweise sogar verlost (!) wurden. Da wurden also z.B. vom Volk ein paar Praetoren gewählt, dann wurden entspechend viele Aufgaben (Statthalterschaften oder auch direkt militärische Kommandos) definiert und dann gelost, wer was bekam. Also auch wenn ein Krieg anstand und jemand mit Erfahrung und Kompetenz gewählt wurde, bedeutete das noch lange nicht, dass er das Kommando bekam. Selbst wenn nicht gelost wurde, wurden militärische Aufgaben nicht unbedingt nach Qualifikation übertragen, sondern nach politischen Erwägungen.

Nur wenn wirklich Feuer am Dach war, wurde fallweise jemand gezielt mit einem Kommando ausgestattet, sogar ohne gewählt zu sein, früher im Rahmen der Dictatur, später in Einzelfällen indem er ein promagistratisches Kommando erhielt.
 
Zuletzt bearbeitet:
So hart wollte ich das nicht formulieren. Natürlich gab es fähige Feldherren, aber das waren eher Glücksfälle, nicht konsequente Folgen des Systems. Notfalls musste ein Krieg so lange geführt werden, bis endlich der Richtige ans Ruder kam.
auch in dieser etwas moderateren Formulierung verblüfft mich die Diskrepanz zwischen recht professioneller militärischer Ausbildung der einzelnen Truppenarten (Legionäre, Reiterei, Belagerung/Maschinentruppen) im Gegensatz zur anscheinend oft laienhaften Chefetage - nach wie vermag ich mir nicht vorzustellen, dass und wie diese Mixtur langfristig erfolgreich sein konnte und dass den beteiligten Verantwortlichen das nicht aufgefallen war.
 
Notfalls musste ein Krieg so lange geführt werden, bis endlich der Richtige ans Ruder kam.
Das kann auch Armeen passieren, die ihre Offiziere an Militärakademien ausbilden; frag mal Lincoln... ;)

Immerhin wurden in der Republik Feldzüge meist von den gewählten Magistraten geführt, und diese wurden nicht unbedingt wegen ihrer militärischen Befähigung gewählt.
Ja, das, was die Römer von dem unterschied, was hier in den letzten Jahrhunderten gelaufen ist, ist die fehlende Trennung zwischen ziviler Verwaltung und Militär. Es gab zwar Magistrate mit und ohne militärischem Imperium, aber die wurden aus dem gleichen Pool geschöpft. Dennoch (oder genau deswegen) waren Magistrate in der Regel nicht ohne militärische Erfahrung.
 
auch in dieser etwas moderateren Formulierung verblüfft mich die Diskrepanz zwischen recht professioneller militärischer Ausbildung der einzelnen Truppenarten (Legionäre, Reiterei, Belagerung/Maschinentruppen) im Gegensatz zur anscheinend oft laienhaften Chefetage - nach wie vermag ich mir nicht vorzustellen, dass und wie diese Mixtur langfristig erfolgreich sein konnte und dass den beteiligten Verantwortlichen das nicht aufgefallen war.
Das muss man sich wohl nach Epochen getrennt anschauen.

In den ersten Jahrhunderten der römischen Republik gab es kein Berufsheer, dafür aber fast jedes Jahr Kriege. Die meisten römischen Männer werden daher als Wehrpflichtige im Laufe ihres Lebens genügend eigene Kriegserfahrung erworben haben. Wenn manche von ihnen im fortgeschrittenen Alter die Praetur oder gar den Konsulat erreichten und eigene Kommandos erhielten, verfügten sie somit zwar über keine formale Ausbildung, aber vermutlich in der Regel über praktische Kriegserfahrung.
Außerdem kämpfte Rom in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens in Italien meist gegen ähnlich gelagerte Gegner. Die Latiner, Sabiner, Herniker, Aequer, Volsker, Etrusker und wie sie alle hießen, waren militärisch wohl ähnlich strukturiert.
Mit professionellen Heeren bekam Rom erst mit dem Ausgreifen nach Süditalien, insbesondere bei der Konfrontation mit Pyrrhos, und später im Kampf gegen die punischen Söldnerheere zu tun.

In der späten Republik kämpfte Rom immer öfter gegen Gegner mit professionellem Militär, und auch die eigenen Armeen wurden professioneller (indem Truppen oft jahrelang im Dienst gehalten wurden, statt Jahr für Jahr für ein paar Wochen oder maximal Monate neu aufgestellt zu werden), letztlich stieg es auf Berufsarmeen um. Damit entfiel aber, dass seine Heerführer geradezu zwangsläufig in ihrem bisherigen Leben selbst praktische Einsatzerfahrung erworben hatten.
Jetzt hatte man zwar professionelle, gut ausgebildete und ausgerüstete, Truppen, aber ob auch der Heerführer etwas taugte, wurde zunehmend zum Glücksspiel.

Rom expandierte zwar gerade in der späten Republik massiv, aber das war das Werk einer überschaubaren Zahl von Heerführern wie den beiden Scipiones Africani, Pompeius oder Caesar. Daneben gab es eine Vielzahl an Heerführern, die gegen Gegner wie Iugurtha, spanische und illyrische Stämme, Sertorius oder die Kimbern – also in der Regel nicht gerade Großmächte - wenig bis gar nichts ausrichteten, bis dann endlich jemand kam, der es „richtete“.
Man denke insbesondere auch an die jahrzehntelangen Kriege gegen die Ligurer vor allem in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. v. Chr.: Da zog fast Jahr für Jahr ein Konsul gegen sie, und es wurden auch reichlich Triumphe gefeiert, aber in Wahrheit offenkundig kaum etwas ausgerichtet.

Aufgefallen mag das Problem schon sein, aber es lag eben im Wesen der römischen Republik, dass die hochrangigen Magistrate zivile und militärische Funktionen vereinigten. Dass jemand, der kein reguläres Magistrat oder Promagistrat bekleidete, ein militärisches Kommando erhielt, war ein verfassungsrechtlicher Ausnahmefall und insofern auch politisch problematisch, zumal man ja auch politisch nicht unbedingt gute Erfahrungen damit machte, wenn ein Heerführer allzu lange im Dienst blieb und seine Truppen an sich band und anschließend nicht gewillt war, plötzlich wieder nur „einfacher“ Senator zu werden.
 
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Es soll versucht werden, eine Abfolge der Ereignisse aus meiner Sicht zu zeigen.

Bekannte Schwierigkeiten sind: Intentionen der Authoren selbs t, Übertreibungen und Sachverhalte, die bei anderen Quellen nichtvorkommen, Übersetzungsfehler, die für den jeweiligen Author zur Verfügung stehenden sonstigen Quellen(Dio 200 Jahre , Tacitus 100 Jahre später, Velleius Zeitzeuge)

Dio 56, 19 (3)…da empörten sich nach geheimer Absprache zuers t gewisse weiter entfernt lebende(Germanen).
Hier beginnt die Vorspiegelung von Sicherheitund die Absicht, Varus zur Beseitigung des
Aufstandes zu einem Marsch dort hin zu verleiten. Der Aufstand ist tatsächlich vorhanden, denn was ist die sog. Varusschlacht sonst. Vielmehr wird der Begriff „entfernt“benutzt, um Varus vorzuspiegeln, der M arsch würde bis dorthin sicher sein.

Arminius und Segimer werden als Begleiter des Varus genannt; Varus glaubt, sicher zu sein; einige seiner Begleiter, die mißtrauisch waren und ihn warnten, wurden mit dem Vorwurf der grundlosen Erregung und der Verleumdung gegenüberjenen Männern(vermutlich sind Arminius und Segimer gemeint) konfrontiert.

Zu Segestes, Arminius, Segimer:
Tacitus spricht in Tac Ann 55,1 von einem letzten Mahl;wer daran teilnahm, war Segestes und , Varus;wer sonst, ist nicht zu entnehmen . Es wird erwähnt, daß Segeste smehrfach warnte.

Beim Aufbruch des Varus sind Arminius und Segimer noch dabei

Dio, 19,4,5…Und genau dies geschah:;sie (Arminius und Segimer)begleiteten ihn auf dem Marsch, und als sie dann entlassen worden waren, um die Hilfstruppen(warum mobilisieren?die Auxiliare sind doch Teil des Heeres.Oder sind Hilfstruppen bestehend aus Cheruskern gemeint?

zu mobilisieren und schleunigst
(war um schleunigst?Bedeutet dies, daß Varus sich dem Aufstandsgebiet nähert)

zur Unterstützung heranzuführen,übernahmen sie die schon irgendwo in Bereitschaft stehenden Streitkräfte(zweifelsfrei:welche)?ließen die jeweils in ihrem Heimatgebiet stationierten römischen Soldaten, die sie früher von Varus angefordert hatten, niedermachen und griffen dann Varus selbst an, der sich mittlerweile schon(es dürfte seit Aufbruch einige Zeit vergangensein,die in nicht schwer passierbaren Waldgegenden zurückgelegt wurde) in schwer passierbaren Waldgegenden befand(das unterstützt „schleunigst“). Dort erschienen die vermeintlichen Untertanen plötzlich als Feinde und richteten furchtbares Unheil an.

Die Textstelle ist etwas unklar, was die von Varus zur Verfügung überlassenen Vexillationen betrifft.Wurden sie erst getötet, als Varus sich dem Aufstandsgebiet näherte?

Dio 56,20 (1) 3…Noch dazu wurde die Kolonne durch heftigen Regen und Sturmwind weiter auseinandergezogen; der Boden war an den Wurzeln und Enden der Bäume ziemlich schlüpfrig geworden, sodaß sie(die römischen Soldaten) immer wieder ausglitten; vom Sturm zerborstene Baumkronen stürzten auf sie nieder und brachten sie in Verwirrung.

Das Unwetter hat Dio exclusiv.

Es betrifft mit seinen Folgen beide Parteien.

Eine dramatische Ausgestaltung.

Dio 56,20 (1) 5….da die Römer nicht in einer einigermaßen geordneten Formation vorrückten, sondern die Kolonne mir Wagen und Unbewaffneten bunt gemischt war, konnten sie nicht ohne weiteres dicht aufschließen , und ihre einzelnen Abteilungen waren jeweils zahlenmäßig schwächer als dieANGREIFENDEN Feinde, so erlitten sie erhebliche Verluste, ohne den Barbaren etwas anhaben zu können.

Dies bedeutet, daß die Germanen einen genauen Überblick über die Zugfolge k gehabt haben müssen, um ihre Kräfte massiert und punktuell einzusetzen; das bedeutet aber auch, daß der Zug nicht gleichzeitig in voller Länge attackiert wurde. (Es hätte über 20 km hinweg die Personaldecke überdehnt)

Zahlenmäßig schwächer bedeutet auch, daß die Germanen in jedem Fall zahlenmäßig überlegen waren(ohne Zahlen zu kennen)

Dio 21(1)1…..Daher schlugen sie dort ihr Lager auf……..nachdem sie dann zahlreiche Wagen und sonstige Gegenstände, die nicht unbedingt erforderlich waren, verbrannt oder zurückgelassen hatten…….

Hier ist mir die zeitliche Einordnung nicht klar. War die Aufgabe des nicht notwenigen Trosses zeitlich nach der Errichtung des ersten vollständigen, für 3 Legionen gedachte Lager?

Aus dem Text ergibt sich, daß unbedingt notwendige Trossbestandteile weiter mitgeführt wurden.
 
Was unter unbedingt notwendigen Trossbestandteilen angenommen werden kann wird unklar bleiben - es sei denn die Archäologie beschert uns ein Füllhorn an neuen Fundstellen welche eine Einigermaßen-Rekonstruktion der Ereignisse ermöglicht.

Wir wissen nicht wer zu welchem Zeitpunkt das Ausmaß der sich anbahnenden Katastrophe erfasste.
Wir wissen nicht wer alles was zu sagen hatte, und wer wann und wo etwas entschied. Bei 3 Legionen sind neben Varus 6 weitere Akteure senatorischen Ranges zu erwarten.
Sich von etwas zu trennen fällt manchen schwer, selbst in offensichtlichen Notlagen.
Es lässt sich vermuten, dass der Tross von Beginn der Unternehmung an (Errichtung von Verwaltungsstrukturen in einer als befriedet geltenden Provinz) in puncto Dies&Das bis hin zu Nippes und Killefit umfangreicher war als ein solcher für einen Kriegszug.
 
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