auch in dieser etwas moderateren Formulierung verblüfft mich die Diskrepanz zwischen recht professioneller militärischer Ausbildung der einzelnen Truppenarten (Legionäre, Reiterei, Belagerung/Maschinentruppen) im Gegensatz zur anscheinend oft laienhaften Chefetage - nach wie vermag ich mir nicht vorzustellen, dass und wie diese Mixtur langfristig erfolgreich sein konnte und dass den beteiligten Verantwortlichen das nicht aufgefallen war.
Das muss man sich wohl nach Epochen getrennt anschauen.
In den ersten Jahrhunderten der römischen Republik gab es kein Berufsheer, dafür aber fast jedes Jahr Kriege. Die meisten römischen Männer werden daher als Wehrpflichtige im Laufe ihres Lebens genügend eigene Kriegserfahrung erworben haben. Wenn manche von ihnen im fortgeschrittenen Alter die Praetur oder gar den Konsulat erreichten und eigene Kommandos erhielten, verfügten sie somit zwar über keine formale Ausbildung, aber vermutlich in der Regel über praktische Kriegserfahrung.
Außerdem kämpfte Rom in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens in Italien meist gegen ähnlich gelagerte Gegner. Die Latiner, Sabiner, Herniker, Aequer, Volsker, Etrusker und wie sie alle hießen, waren militärisch wohl ähnlich strukturiert.
Mit professionellen Heeren bekam Rom erst mit dem Ausgreifen nach Süditalien, insbesondere bei der Konfrontation mit Pyrrhos, und später im Kampf gegen die punischen Söldnerheere zu tun.
In der späten Republik kämpfte Rom immer öfter gegen Gegner mit professionellem Militär, und auch die eigenen Armeen wurden professioneller (indem Truppen oft jahrelang im Dienst gehalten wurden, statt Jahr für Jahr für ein paar Wochen oder maximal Monate neu aufgestellt zu werden), letztlich stieg es auf Berufsarmeen um. Damit entfiel aber, dass seine Heerführer geradezu zwangsläufig in ihrem bisherigen Leben selbst praktische Einsatzerfahrung erworben hatten.
Jetzt hatte man zwar professionelle, gut ausgebildete und ausgerüstete, Truppen, aber ob auch der Heerführer etwas taugte, wurde zunehmend zum Glücksspiel.
Rom expandierte zwar gerade in der späten Republik massiv, aber das war das Werk einer überschaubaren Zahl von Heerführern wie den beiden Scipiones Africani, Pompeius oder Caesar. Daneben gab es eine Vielzahl an Heerführern, die gegen Gegner wie Iugurtha, spanische und illyrische Stämme, Sertorius oder die Kimbern – also in der Regel nicht gerade Großmächte - wenig bis gar nichts ausrichteten, bis dann endlich jemand kam, der es „richtete“.
Man denke insbesondere auch an die jahrzehntelangen Kriege gegen die Ligurer vor allem in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. v. Chr.: Da zog fast Jahr für Jahr ein Konsul gegen sie, und es wurden auch reichlich Triumphe gefeiert, aber in Wahrheit offenkundig kaum etwas ausgerichtet.
Aufgefallen mag das Problem schon sein, aber es lag eben im Wesen der römischen Republik, dass die hochrangigen Magistrate zivile und militärische Funktionen vereinigten. Dass jemand, der kein reguläres Magistrat oder Promagistrat bekleidete, ein militärisches Kommando erhielt, war ein verfassungsrechtlicher Ausnahmefall und insofern auch politisch problematisch, zumal man ja auch politisch nicht unbedingt gute Erfahrungen damit machte, wenn ein Heerführer allzu lange im Dienst blieb und seine Truppen an sich band und anschließend nicht gewillt war, plötzlich wieder nur „einfacher“ Senator zu werden.