Wohin bestellte Varus seine Vexillationen und wie funktionierte das?

Aus dem Thread "Tony Clunn" ergibt sich der Fund von Schleuderbleien.....eventuell balearischer Abkunft.
Heißt das, daß Varus eine gemischte Auxiliareinheit aus Bogenschützen und Bleischleuderern mitführte?
Heißt das auch, daß er mit Fernwaffeneinsatz rechnete?
Das muß im Prinzip gar nichts heißen, gehen wir mal davon aus, das kleinere Einheiten dieses Typs sinnvoll waren und damit dann alle/fast alle Legionen ausgestattet wurden.

Nur weil militärische standardisierte Einheiten verschiedene Waffengattungen beinhalteten, kann man nicht einfach daraus Rückschlüsse ziehen, womit der Befehlshaber rechnete oder nicht rechnete. Dies scheint eher möglich bei einer Ausstattung weit über Standard.
 
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Richtig. Es ist immer ungünstig, wenn eine Armee nur aus einer Waffengattung besteht. Wenn sich eine Armee aus schwerer Infanterie, Reitern und Fernwaffeneinheiten zusammensetzt, bedeutet das lediglich, auf Eventualitäten vorbereitet zu sein.
 
Heißt das auch, daß er mit Fernwaffeneinsatz rechnete?
Ganz sicher nicht. Musste er nicht, brauchte er nicht. Er plante keine Eroberung eines keltischen Oppidums oder einer rätischen Siedlung.

Schleuderblei ist hier wie Sicherheitsgurt oder Fallschirm: Benutzen will man's nicht, aber gut wenn man es dabei hat.
  • Die Schleuderbleie wurden vor Ort in den Legionsstandorten gegossen, denn dafür spricht auch die Stempelung vieler Schleuderbleie mit dem Namen der Legion.
  • Und vermutlich wurde auch auf den Feldzügen Blei als Rohmaterial mitgeschleppt, mit dem bei Bedarf Schleuderbleie nachgegossen werden konnten, mit dem aber auch Reparaturen an anderen Ausrüstungsteilen möglich waren.
  • Forschungsprojekte | Deutsches Bergbau-Museum Bochum
  • Und die Baleari kamen keineswegs ausschließlich von den Balearen.
 
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Da würde ich mal ganz ketzerisch kontern: Frag doch die Quellen...

Es gibt nur wenige Textzeilen zur Varusschlacht, und die geben wirklich nicht viel her.
Die Antwort liegt in der Archäologie. Nur von dort können wir weitere Erkenntnisse erwarten.

Was das Fußgängernavi des Varus anbetrifft:
  • Wenn die Zieleingabe "Xanten" war, "aber bitte nicht über die Lippe": Dann sagt das Navi "Am Nordrand der Berge, wie auch immer sie heißen, und südlich vom Sumpf"
  • War die Zieleingabe "Zu den Aufständischen, ganz weit weg", dann musst Du den Ausgangspunkt des Varus kennen, und das Ziel, das Cassius Dio uns sicherlich genannt hat, der ja sonst die Details so liebt. Ansonsten blinkt der Bildschirm bis Du etwas Gescheites eingibst.
  • Eine einzige Abgrenzung des Schlachtortes und des Zugverlaufs ergibt sich aus den Rachefeldzügen des Germanicus. Und die trafen zuerst die Chatten und Marser, dann Angrivarier, Cherusker, Ampsivarier und Brukterer.
  • Das Dumme ist nur, dass diese Stämme a) mobil waren und b) wir ihr Stammesgebiet nicht genau kennen. Wir wissen ja noch nicht einmal wo denn nun der obskure Angrivarierwall war.
  • Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass wir nicht wissen, wie viele Tage Varus unbehelligt unterwegs war. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob die Schlacht 3 oder 4 Tage dauerte.
  • Hätte es keinen Aufstand und keinen Hinterhalt gegeben, wäre Varus auch ganz unkompliziert nach Haltern oder Xanten zurückgekehrt. Die Topographie ist einfach und war auch bekannt, Ostwestfalen ist anderslautenden Gerüchten zum Trotz keine Wüste und kein Dschungel.
 
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Ich denke, der Großraum in dem sich die Varus-Unternehmung bewegte wird den Römern einigermaßen bekannt gewesen sein, durch
vorausgegangene militärische und evtl. auch diplomatische Unternehmungen. Darüber hinaus können Handelskontakte zu räumlicher Kenntnis beigetragen haben.
Varus war ja nicht allein unterwegs, hatte wahrscheinlich Profis (Exploratores) am Start, gegebenenfalls zählten Händler zum Tross, auch ortskundige Einheimische können nach Arminius und Segimers Abgang bei Varus verblieben sein, ob in die anstehende Aktion eingeweiht oder nicht.
 
Arminius zu Varus: "Hier, das ist mein Kumpel Schlitzohrich, dem kannst du uneingeschränkt vertrauen, den lasse ich euch da, der wird euch den günstigsten Weg weisen."

Ob mit oder ohne vorbereitetem Wall und/oder anderweitig vorbereitetem für Störaktionen wie bspw. angesägten Bäumen, wenn ich jemand effektiv in die Falle führen will liegt dergleichen nicht unbedingt fern.
 
Lukullus #487:
.......wenn ich jemand effektiv in die Falle führen will liegt dergleichen nicht unbedingt fern.


Ein Auszug meines Beitrages #276

Bekannte Schwierigkeiten sind: Intentionen der Authoren selbs t, Übertreibungen und Sachverhalte, die bei anderen Quellen nichtvorkommen, Übersetzungsfehler, die für den jeweiligen Author zur Verfügung stehenden sonstigen Quellen(Dio 200 Jahre , Tacitus 100 Jahre später, Velleius Zeitzeuge)

Dio 56, 19 (3)…da empörten sich nach geheimer Absprache zuers t gewisse weiter entfernt lebende(Germanen).
Hier beginnt die Vorspiegelung von Sicherheitund die Absicht, Varus zur Beseitigung des
Aufstandes zu einem Marsch dort hin zu verleiten. Der Aufstand ist tatsächlich vorhanden, denn was ist die sog. Varusschlacht sonst. Vielmehr wird der Begriff „entfernt“benutzt, um Varus vorzuspiegeln, der M arsch würde bis dorthin sicher sein.

Die Gedankenführung dürfte ähnlich sein.

Ich denke, der Großraum in dem sich die Varus-Unternehmung bewegte wird den Römern einigermaßen bekannt gewesen sein, durch
vorausgegangene militärische und evtl. auch diplomatische Unternehmungen. Darüber hinaus können Handelskontakte zu räumlicher Kenntnis beigetragen haben.
Varus war ja nicht allein unterwegs, hatte wahrscheinlich Profis (Exploratores) am Start, gegebenenfalls zählten Händler zum Tross, auch ortskundige Einheimische können nach Arminius und Segimers Abgang bei Varus verblieben sein, ob in die anstehende Aktion eingeweiht oder nicht.
Kann mir jemand eines verdeutlichen, wenn niemand das Ziel kannte:?
Was ist dann von exploratores,Händler,ortskundige Einheimische zu erwarten,-oder von Eingeweihten. ? Die Lage des Hinterhaltes, der nächste Bach,die Heerstraße bei Kalkriese?

Selbst bei Kenntnis eines Großraumes: steht dann bereits die Örtlichkeit des Aufstandes/des Hinterhaltes fest???

Tutmirleid, der Logik kann ich nicht folgen
 
Da würde ich mal ganz ketzerisch kontern: Frag doch die Quellen...

Es gibt nur wenige Textzeilen zur Varusschlacht, und die geben wirklich nicht viel her.
Die Antwort liegt in der Archäologie. Nur von dort können wir weitere Erkenntnisse erwarten.

Was das Fußgängernavi des Varus anbetrifft:
  • Wenn die Zieleingabe "Xanten" war, "aber bitte nicht über die Lippe": Dann sagt das Navi "Am Nordrand der Berge, wie auch immer sie heißen, und südlich vom Sumpf"
  • War die Zieleingabe "Zu den Aufständischen, ganz weit weg", dann musst Du den Ausgangspunkt des Varus kennen, und das Ziel, das Cassius Dio uns sicherlich genannt hat, der ja sonst die Details so liebt. Ansonsten blinkt der Bildschirm bis Du etwas Gescheites eingibst.
  • Eine einzige Abgrenzung des Schlachtortes und des Zugverlaufs ergibt sich aus den Rachefeldzügen des Germanicus. Und die trafen zuerst die Chatten und Marser, dann Angrivarier, Cherusker, Ampsivarier und Brukterer.
  • Das Dumme ist nur, dass diese Stämme a) mobil waren und b) wir ihr Stammesgebiet nicht genau kennen. Wir wissen ja noch nicht einmal wo denn nun der obskure Angrivarierwall war.
  • Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass wir nicht wissen, wie viele Tage Varus unbehelligt unterwegs war. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob die Schlacht 3 oder 4 Tage dauerte.
  • Hätte es keinen Aufstand und keinen Hinterhalt gegeben, wäre Varus auch ganz unkompliziert nach Haltern oder Xanten zurückgekehrt. Die Topographie ist einfach und war auch bekannt, Ostwestfalen ist anderslautenden Gerüchten zum Trotz keine Wüste und kein Dschungel.
@Pardela_cenicienta ,
kannst Du bitte auf meine Frage eingehen?

"zu den Aufständischen ganz weit weg".....ich frage mich, wer denn seinen Ausgangspunkt kennen mußte, um weit entfernt beurteilen zu können?
Richtig, das mußte Varus.Aber ich doch nicht.
 
Varus wusste wo er morgens seinen Kaffee getrunken hatte. Wir aber nicht.

Auf den Punkt gebracht: Die Althistoriker können die Quellen quetschen und auspressen wie sie wollen, aber die Zitrone ist platt.

Anders ausgedrückt: Varus kann sich in einem riesigen Areal aufgehalten haben.

Seit Peter Kehnes Kritik von 2009 ist sehr viel Wasser die Lippe hinab geflossen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Für die Beurteilung seiner Lage war nur wichtig, daß Varus das wußte. Was hat das mit Althistorikern zu tun?
Alles. Denn wenn zu dieser Frage in den schriftlichen Quellen nichts steht, können die Althistoriker diese Frage nicht beantworten.

Wir aber können nur mutmaßen:
  • Der Ort des Varus genannten Aufstandes wird weit genug entfernt gewesen sein, um Varus auf dem ersten Wegstück in Sicherheit zu wiegen
  • und nah genug, um den Umweg für machbar gehalten zu haben.
  • Die Niederschlagung des Aufstands erschien dringlich, unaufschiebbar,
  • aber machbar, trotz fehlender Vorbereitung, späterer Jahreszeit und vermutlich begrenzten Vorräten
 
@Pardela_cenicienta ........alles ok; um es nochmal ganz deutlich zu sagen: Meine Fragen beruhen darauf, daß Quellen darüber nichts sagen, oder so gut wie nichts. Es ist reine Mutmaßung, hat aber konkrete Hintergründe.

Wenn ich darstelle, wie Varus gedacht haben mag, ist das kein Zauberwerk, sondern nachvollziehbar auch für uns heute.Nur eben mit dem Hinweis versehen, daß darüber nichts in den Quellen steht.

Beginnen wir damit, daß Varus die Information erhält, daß weit entfernt Germanen einen Aufstand proben. Er wird sich fragen, wer das ist und wie weit entfernt. Daß er aufbricht, ist die Konsequenz dieser Info, und auch, daß er dieser Info glaubt(trotz Segestes).
Er bricht vom Ort X auf.
Ich meine, daß ich nicht wissen muß, welcher Ort das ist; wichtig ist nur, daß Varus als Handelnder von X aufbricht und eine gedankliche Vorstellung von "weit entfernt" hat. Da diese gedankliche Vorstellung auf Arminius/Segimer beruht, hat sowohl Lukullus als auch ich dargelegt, daß in Varus durch "weit" eine Vorstellung von Sicherheit erzeugt wird ("Wir haben noch Zeit genug").

Jetzt stelle ich mir die Frage, woher Varus den Weg kannte. Erstmal durch Arminius/Segimer, denn die begleiteten ihn eine Weile(die verflossene Zeit ist unbekannt, ebenfalls die Wegstrecke).
Als die beiden ihn verlassen, marschiert er weiter....und das bis zu seinem Untergang.(die näheren Umstände sind unbekannt).
Die Frage stelle ich deshalb, weil Varus irgendwie zu seinem Waterloo-ort gekommen sein muß.
Diejenigen, die ihm das verraten haben:wissen denn die, wo der Aufstand stattfand?

Die weiteren Abläufe sind unbekannt. Wann das erste Lager errichtet wurde, wieviel Zeit seit Aufbruch verging, ob der erste Tag ohne Zwischenfälle verlief. Selbst wenn Tacitus und Dio hinsichtlich der Lager deckungsgleich sein könnten, sind die Zeitabläufe fast unbekannt. Einen örtlichen Hinweis gibt es: Dio 61,1:Es gibt eine Ebene zwischen dem 3Legionenlager und dem halbzerstörten Lager.

Unabhängig davon stimmt, was Pardela sagt:auf die Archäologie hoffen.

Ich möchte nur nicht, daß gesagt wird:Bockstein ist so alt, der war damals noch dabei
 
Zuletzt bearbeitet:
Ganz sicher nicht. Musste er nicht, brauchte er nicht. Er plante keine Eroberung eines keltischen Oppidums oder einer rätischen Siedlung.

Schleuderblei ist hier wie Sicherheitsgurt oder Fallschirm: Benutzen will man's nicht, aber gut wenn man es dabei hat.
Damit bin ich nicht einverstanden. Solche Waffen dienen auch dazu, schon vor dem Treffen der Schlachtreihen einzelne Gegner zu verletzen, auszuschalten, in Terror zu versetzen und die gegnerischen Schlachtreihen ggf. aufzureißen.

Kann jemand erklären, woher Varus den Weg wußte, nachdem Segimer und Arminius ihn verlassen haben?
Immer vorausgesetzt, dass das, was Cassius Dio uns überliefert überhaupt der Wahrheit entspricht!
Ich habe dir doch schon mal ein mögliches Szenario kartiert: Arminius erzählt Varus, die Chauken greifen die Friesen an. Varus muss reagieren, die Friesen sind treue Tributezahler. Varus ist auf den Weg gesetzt, er muss nur noch dorthin marschieren. Wo die Chauken und Friesen ihre Siedlungsgebiete haben weiß er. Er kennt den Weg, vielleicht nicht im Detail. aber Norden, Süden, Osten, Westen können die Römer auch der Germania auseinanderhalten.

Alles. Denn wenn zu dieser Frage in den schriftlichen Quellen nichts steht, können die Althistoriker diese Frage nicht beantworten.

Wir aber können nur mutmaßen:
  • Der Ort des Varus genannten Aufstandes wird weit genug entfernt gewesen sein, um Varus auf dem ersten Wegstück in Sicherheit zu wiegen
  • und nah genug, um den Umweg für machbar gehalten zu haben.
Wieso Umweg?!?


Natürlich weiß ich, wie du auf den Umweg kommst, weil sich irgendwann mal im 19. Jhdt. die Vorstellung in die Köpfe eingeschlichen hat, Varus sei auf dem Marsch in die Winterlager gewesen, aber davon ist in den Quelle nirgends die Rede. Das ist ein Faktoid.

Meine Fragen beruhen darauf, daß Quellen darüber nichts sagen, oder so gut wie nichts.
Und da liegt die Crux bei deinen Fragen, da war die Metapher mit der ausgepressten Zitrone ganz gut. Da kannst dich auf den Kopf stellen, da ist kein Saft mehr drin!

Beginnen wir damit, daß Varus die Information erhält, daß weit entfernt Germanen einen Aufstand proben. Er wird sich fragen, wer das ist und wie weit entfernt. Daß er aufbricht, ist die Konsequenz dieser Info, und auch, daß er dieser Info glaubt(trotz Segestes).
Du nimmst hier die Widersprüche in den Quellen weg IGNORIEREND eine Information, die NUR bei Cassius Dio vorkommt und vermischt sie mit einer Information die Cassius Dio gegenüber den älteren Quellen umschreibt!
Zudem ist Segestes gegenüber Germanicus die EINZIGE Quelle, auf die alle anderen Quellen zurückgehen, dass Segetes Varus gewarnt habe. DAGEGEN spricht, dass Germanicus bei Segestes Beute aus der Varusschlacht fand und dass der angeblich "hochgeehrte" Segestes absichtlich aus Gallien eingeflogen wurde, um dem Triumph über seine GELIEBTEN Verwandten beizuwohnen. Da im Triumphzug vorgeführte Gefangene im Nachgang erdrosselt wurden, dürfte Segestes Sohn Segimund eben dieses Schicksal ereilt haben.
Cassius Dio Bericht, der weder Ross noch Reiter nennt, ist da doch sehr fragwürdig. WENN der Bericht aber tatsächlich stimmt, wird Varus nicht die Information erhalten haben: "Ach ja, da treiben irgendwo ein paar Leute ihr Unwesen...", sondern genau WER und WO da angeblich sein Unwesen trieb!
 
Vieles von dem was wir tun berührt Grundsätzliches, die Art wie wir die Welt sehen.

Die Varusschlacht ist ein Aufeinandertreffen dieser Sichtweisen, und das sowohl bei uns als auch bei den damaligen Akteuren.

Bevor die Römer kamen, gab es eine Wirtschaftskrise.

Der latènezeitlche Wirtschaftsboom hatte einerseits zu einem breiteren Wohlstand, andererseits zu einem gewissen Machtverlust der Fürsten geführt. Der Prunk der Hallstadtzeit war lange schon vorbei.
Monopole auf
  • Sklavenhandel wie in Manching,
  • Kontrolle der Fernhandelswege wie z.B. bei der Heuneburg,
  • Eisenproduktion wie in Böhmen, im rheinischen Schiefergebirge oder im Noricum
  • Exklusive Absatzmärkte in Gallien oder in Norditalien
  • Salzgewinnung wie in Bad Nauheim
- das alles gab es nicht mehr. Stattdessen Bevölkerungswachstum und innergermanische Konflikte. Eisenzeit in Germanien.

Und jetzt waren die Römer da, hatten germanische Stämme besiegt und hatten klare wirtschaftliche Interessen:
  • Provinzialisierung der Germania
  • Sicherung der politischen wie der wirtschaftlichen Machtposition des Kaiserhauses
  • Steuereinnahmen
  • Ausbeutung der Bodenschätze, wie Blei, Kupfer und Eisenerz, auch Salz
  • Perspektivisch Nutzung der reichen Agrarlandschaften Germaniens
  • Kontrolle des Ostseehandels, Ausbau der binnenländischen Schiffahrtswege vom Mittelmeer zur Nordsee
  • Gewinnung von Soldaten in römischen Diensten.
Und derjenige, der das Ganze mit organisieren sollte, war Varus. Angehöriger des Kaiserhauses, Vertrauter des Augustus.

Dieser Mann hatte ein Relief des römischen Mitteleuropas im Kopf.
Und er wird, wie Tiberius, die Landschaften der Germania gekannt haben, aus seinen alltäglichen Entscheidungen und den großen Plänen.

Das Gleiche trifft aber für seine Gegner zu: In der Figur des Arminius, in der Flächigkeit der Aktionrnund in der Mobilität der germanischen Heeresverbände sehen wir auch ein enormes Raumverständnis.

Jemand wie Varus verläuft sich nicht im germanischen Wald, ist nicht bequem und gesättigt, sondern erfahren.

Und der spätere Sieg der Germanen erklärt sich auch dadurch, dass sie zu denken gelernt hatten wie die Römer, römisch militärisch geschult waren.
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Schleuderbleie:
Damit bin ich nicht einverstanden. Solche Waffen dienen auch dazu, schon vor dem Treffen der Schlachtreihen einzelne Gegner zu verletzen, auszuschalten, in Terror zu versetzen und die gegnerischen Schlachtreihen ggf. aufzureißen.
Ja, ganz unbestritten. Schleuderbleie sind eine tödliche Fernwaffe. Aber Varus war nicht auf dem Alpenfeldzug, Germanien war bereits erobert.

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Umweg: Der Weg zum Aufstand, wenn die Geschichte denn stimmt, wird nicht auf einer bequemen und lange vorher geplanten Route gewesen sein, unabhängig davon, ob Varus in die Winterquartiere wollte oder nicht. Deshalb "Umweg", nicht unbedingt "Umweg auf dem Weg in das Winterquartier".

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Noch etwas anderes: Wenn beim Triumph des Germanicus die bestraften Stämme bis an die Elbe genannt werden, kann sich Varus genau so gut in all diesen Regionen aufgehalten haben. Wir wissen es nicht, dürfen es aber auch nicht ausschließen.
 
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Vieles von dem was wir tun berührt Grundsätzliches, die Art wie wir die Welt sehen.

Die Varusschlacht ist ein Aufeinandertreffen dieser Sichtweisen, und das sowohl bei uns als auch bei den damaligen Akteuren.

Bevor die Römer kamen, gab es eine Wirtschaftskrise.

Der latènezeitlche Wirtschaftsboom hatte einerseits zu einem breiteren Wohlstand, andererseits zu einem gewissen Machtverlust der Fürsten geführt. Der Prunk der Hallstadtzeit war lange schon vorbei.
Monopole auf
  • Sklavenhandel wie in Manching,
  • Kontrolle der Fernhandelswege wie z.B. bei der Heuneburg,
  • Eisenproduktion wie in Böhmen, im rheinischen Schiefergebirge oder im Noricum
  • Exklusive Absatzmärkte in Gallien oder in Norditalien
  • Salzgewinnung wie in Bad Nauheim
- das alles gab es nicht mehr. Stattdessen Bevölkerungswachstum und innergermanische Konflikte. Eisenzeit in Germanien.

Und jetzt waren die Römer da, hatten germanische Stämme besiegt und hatten klare wirtschaftliche Interessen:
  • Provinzialisierung der Germania
  • Steuereinnahmen
  • Ausbeutung der Bodenschätze, wie Blei, Kupfer und Eisenerz, auch Salz
  • Perspektivisch Nutzung der reichen Agrarlandschaften Germaniens
  • Kontrolle des Ostseehandels, Ausbau der binnenländischen Schiffahrtswege vom Mittelmeer zur Nordsee
  • Gewinnung von Soldaten in römischen Diensten.
Und derjenige, der das Ganze mit organisieren sollte, war Varus. Angehöriger des Kaiserhauses, Vertrauter des Augustus.

Dieser Mann hatte ein Relief des römischen Mitteleuropas im Kopf.
Und er wird, wie Tiberius, die Landschaften der Germania gekannt haben, aus seinen alltäglichen Entscheidungen und den großen Plänen.

Das Gleiche trifft aber für seine Gegner zu: In der Figur des Arminius, in der Flächigkeit der Aktionrnund in der Mobilität der germanischen Heeresverbände sehen wir auch ein enormes Raumverständnis.

Jemand wie Varus verläuft sich nicht im germanischen Wald, ist nicht bequem und gesättigt, sondern erfahren.
Daß ich, was Varus betrifft, eine ambivalente Haltung einnehme, ist bekannt. Mit Bashing hat es nichts zu tun(Velleius).
Mit den wirtschaftlichen Interessen stimme ich zu, auch, daß Varus dies übernehmen sollte;aber nicht nur.

Mitteleuropa im Kopf:stimme ich zu, weil ich glaube, daß Varus die Lage in den römischen Provinzen kannte(spekulativ, aber plausibel).Tiberius dürfte ihm in diesem Punkt weit überlegen gewesen sein.

Verlaufen im Wald, natürlich nicht, aber vollauf informiert auch nicht.
 
Du nimmst hier die Widersprüche in den Quellen weg IGNORIEREND eine Information, die NUR bei Cassius Dio vorkommt und vermischt sie mit einer Information die Cassius Dio gegenüber den älteren Quellen umschreibt!
Zudem ist Segestes gegenüber Germanicus die EINZIGE Quelle, auf die alle anderen Quellen zurückgehen, dass Segetes Varus gewarnt habe. DAGEGEN spricht, dass Germanicus bei Segestes Beute aus der Varusschlacht fand und dass der angeblich "hochgeehrte" Segestes absichtlich aus Gallien eingeflogen wurde, um dem Triumph über seine GELIEBTEN Verwandten beizuwohnen. Da im Triumphzug vorgeführte Gefangene im Nachgang erdrosselt wurden, dürfte Segestes Sohn Segimund eben dieses Schicksal ereilt haben.
Cassius Dio Bericht, der weder Ross noch Reiter nennt, ist da doch sehr fragwürdig. WENN der Bericht aber tatsächlich stimmt, wird Varus nicht die Information erhalten haben: "Ach ja, da treiben irgendwo ein paar Leute ihr Unwesen...", sondern genau WER und WO da angeblich sein Unwesen trieb!
Die crux mit der Metapher habe ich nie bezweifelt, das ist ausgepresst.

Welche Info sollte Varus denn erhalten haben? Meinst Du, wenn ihm genau gesagt wurde, wer dort Aufstände probt, würde die Aussage "weit entfernt" dazu passen?Allerdings, sollte er diese speziellen Infos erhalten haben, hätte er wohl gewußt, wie er dahinkommt.

Die Sache Segestes, jener Nacht...etc ist mir bekannt, auch diese Gegensätzlichkeit. Hat ihm nicht genutzt, außer das er in Gallien überlebte.
 
Welche Info sollte Varus denn erhalten haben? Meinst Du, wenn ihm genau gesagt wurde, wer dort Aufstände probt, würde die Aussage "weit entfernt" dazu passen?Allerdings, sollte er diese speziellen Infos erhalten haben, hätte er wohl gewußt, wie er dahinkommt.

Ich dachte, du hättest es mittlerweile verstanden:
Es gibt den echten Hinterhalt der Arminius-Koalition, der aber noch nicht offen ausgeführt wird. Noch tut Arminius freundlich. Und dann gibt es den angeblichen Aufstand, der Varus von Arminius hinterbracht wird, zu dem Varus durch zunächst angeblich freundliches Gebiet ziehen soll. Der Hinterhalt - von dem Varus nichts weiß - ist echt, der weit entfernte Aufstand ist fingiert, um Varus auf den Marsch zu kriegen. Dies immer unter der Voraussetzung, dass das, was Cassius Dio uns berichtet, kein Phantasiegemälde ist.
 
Wo die Chauken und Friesen ihre Siedlungsgebiete haben weiß er. Er kennt den Weg, vielleicht nicht im Detail. aber Norden, Süden, Osten, Westen können die Römer auch der Germania auseinanderhalten.

Verlaufen im Wald, natürlich nicht, aber vollauf informiert auch nicht.

Kein Feldherr, der irgendeinen Zugriff auf detailliertere Informationen hat, wird sich mit dem Wissen um den ungefähren Weg zufriedengeben. Es müssen Flüsse und Moorebenen durchquert werden, und wenn man nicht die für die Überquerung jeweils optimalen Punkte auf Anhieb findet, kann viel Zeit verloren gehen.

Varus wird sich nach ortskundigen Führern erkundigt haben.
 
Es gibt den echten Hinterhalt der Arminius-Koalition, der aber noch nicht offen ausgeführt wird. Noch tut Arminius freundlich. Und dann gibt es den angeblichen Aufstand, der Varus von Arminius hinterbracht wird, zu dem Varus durch zunächst angeblich freundliches Gebiet ziehen soll. Der Hinterhalt - von dem Varus nichts weiß - ist echt, der weit entfernte Aufstand ist fingiert, um Varus auf den Marsch zu kriegen. Dies immer unter der Voraussetzung, dass das, was Cassius Dio uns berichtet, kein Phantasiegemälde ist.
Wieso fingiert? Cassius (wenn man ihm glaubt) schildert es schon so, als erhoben sich die Entfernten wirklich, wenn auch in Absprache mit Arminius.
 
Welche Info sollte Varus denn erhalten haben?
Na, die Info, dass die Chauken die Friesen angegriffen haben. (Beispiel!)
Oder die Ampsivarier. (anderes Beispiel!)
Oder die Chauken gemeinsam mit den Ampsivariern. Oder wer auch immer.

Welche Info es genau war, verrät Dios Text nicht, er wird es auch unter Androhung der Folter nicht verraten, und ich kann es Dir ebensowenig verraten wie @Pardela_cenicienta oder @El Quijote oder sonst jemand hier.
 
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