Wohin bestellte Varus seine Vexillationen und wie funktionierte das?

Sollte man meinen. Dennoch gibt es in der Militärgeschichte Beispiele für erfolgreiche Überraschungsangriffe auf feindliche Lager. Z.B. griff in der Endphase des 2. Punischen Krieges Scipio nachts ein Lager der Numidier unter Syphax an und fügte ihnen schwere Verluste zu. Oder der erfolgreiche Angriff von Spartacus auf das Lager des Praetors Glaber. Wenn die Überraschung gelingt, ist es offenbar möglich, so viel Verwirrung zu stiften, dass keine vernünftige Verteidigung mehr aufgebaut werden kann.
Ja, aber im "Varusfall" kann ich mir das nicht vorstellen. Dann müßten die Germanen mit ihrer relativ schwachen Bewaffnung und als organisatorisch eher ungeübte Kämpfer ein 3-Legionenlager mit Aussicht auf Erfolg hätten angreifen können.
 
In der Darstellung bei Cassius Dio ist Arminius ja gewissermaßen mit Varus verabredet, er holt Truppen, angeblich, um die Varus zuzuführen.
Weil Varus unterwegs war, um einen Aufstand niederzuschlagen.
Wozu sonst sollte er marschieren? Und vor allem: Wozu sonst sollte der Hilfstruppen von Arminius benötigen? Sicher nicht für einen Routinemarsch ins Winterlager.
Dass Arminius Varus verriet, ist Allgemeingut, das alle Quellen teilen, kein Sondergut, das sich allein bei Cassius Dio 200 Jahre später findet.
Richtig, aber wie dieser Verrat aussah bzw. in welchen konkreten Handlungen er sich manifestierte, bleibt in den einzelnen Quellen dunkel oder widersprüchlich. Dass Arminius Varus zunächst führte und begleitete und dann verließ, um Verstärkung zu holen, ist auch nur "Sondergut" von Cassius Dio.
Wenn es dann heißt, "Wir marschieren gegen einen Aufstand.", obwohl dieser Aufstand nur fingiert war, werden die in ihrer Erinnerung natürlich davon berichten, dass sie auf dem Weg zu diesem Aufstand in einen Hinterhalt gerieten und die vermeintlichen Verbündeten sich als die größten Feinde erwiesen, nicht, dass der Aufstand fingiert war. Und so landet das dann in den Senatsakten und schließlich bei Cassius Dio, der das nicht hinterfragt, sondern so der Nachwelt überliefert.

Ich weiß, dass das keine Beweisführung ist, aber ich denke schon, dass das plausibel ist.
Die Römer werden doch wohl - unabhängig von Varus und seinen Überlebenden - mitbekommen haben, wer sich erhoben hatte und wer nicht.

Also: Die Varusschlacht wurde geschlagen, das Heer großteils vernichtet. Die wenigen Überlebenden berichten, man sei auf dem Marsch gewesen, um den Aufstand der Stämme X und Y niederzuschlagen.
Für Tiberius oder später Germanicus war doch von eminentem Interesse, wer von den Germanen sich erhoben hatte und wer loyal geblieben war. Ihnen soll es nicht möglich gewesen sein, herauszufinden, ob sich X und Y tatsächlich erhoben hatten oder friedlich geblieben waren?
 
Velleius' und Tacitus' Berichte passen gut zu einer Marschschlacht, wenn man sie durch die Marschschlacht-Brille liest.
Aber was geben sie bei unbefangener Betrachtung her?

Velleius schreibt von Wäldern und Sümpfen und einem Hinterhalt. Sofern man die Wälder und Sümpfe nicht ohnehin als literarischen Topos abtut, bedeutet das noch nicht zwingend eine (mehrtägige) Marschschlacht.
Richtig. Aber wie kamen die Römer in das unwegsame Gelände?



Was Tacitus' zwei Lager betrifft: Dass das eine im anderen gestanden habe, halte ich auch eher für Unfug. Aber ich habe schon mehrmals angedeutet, dass ein Teil der Römer aus dem ersten ausgebrochen sein könnte und versucht haben könnte, sich in einiger Entfernung neu zu verschanzen.
Ansonsten kann ich Tacitus' Schilderung nicht zwingend entnehmen, dass sich das begangene Schlachtfeld über mehrere Tagesstrecken erstreckte, wie das bei der Marschschlacht der Fall gewesen sein muss.

Natürlich nicht, der stellt ja letztlich nur die Extreme einander gegenüber. Ein intaktes Lager und eines, was nicht einmal fertig gestellt werden konnte. Man könnte sogar annehmen, dass das ganze an einem einzigen Tag stattgefunden hätte. Ich bin der Meinung, dass, wenn man Tacitus nicht auf die Gegenüberstellung reduziert, was ich für durchaus legitim hielte, dass dann das erste Lager, sofern die Auffindung der Lager überhaupt historisch ist und keine literarische Raffinesse Tacitus', dass das erste Lager vor Beginn der offenen Feindseligkeiten anzusetzen sei. Es ist das Lager, das vor der Schlacht errichtet wurde.

(Ehe es zu Missverständnissen kommt: Ich will hier keinesfalls die Lagerschlachtthese vertreten.
Keine Sorge, das verstehe ich auch nicht so.


Ich halte es nur für etwas problematisch, Cassius' Schilderung grundsätzlich zu verwerfen, aber die nur bei ihm ausdrücklich belegte Marschschlacht herauszugreifen und Velleius und Tacitus so zu lesen, dass sie zur Marschschlacht passen.)
Da hast du einen Punkt, den ich durchaus als Schwäche meiner Position anerkenne und auch früher schon explizit anerkannt habe.
 
Ja, aber im "Varusfall" kann ich mir das nicht vorstellen. Dann müßten die Germanen mit ihrer relativ schwachen Bewaffnung und als organisatorisch eher ungeübte Kämpfer ein 3-Legionenlager mit Aussicht auf Erfolg hätten angreifen können.
Zumindest Florus zufolge gelang Spartacus - abgesehen vom Überraschungsangriff auf Glabers unbefestigtes Lager - gleich zweimal die Eroberung römischer Lager (von Varenius und Thoranus).

Im Fall von Varus lese ich Florus so, dass sich ein Teil der Germanen vermutlich bereits im Lager befand und sich plötzlich erhob, z.B. die Torwachen überwältigte.
 
Zumindest Florus zufolge gelang Spartacus - abgesehen vom Überraschungsangriff auf Glabers unbefestigtes Lager - gleich zweimal die Eroberung römischer Lager (von Varenius und Thoranus).

Im Fall von Varus lese ich Florus so, dass sich ein Teil der Germanen vermutlich bereits im Lager befand und sich plötzlich erhob, z.B. die Torwachen überwältigte.
Wenn die eigenen Leute schon im Lager sind, dann kann das klappen, aber mit Torwachen überwältigen wird das nur funktionieren wenn der Angreifer nahe genug an Lager ist.

Hatte Spartacus nicht viele sehr erfahrene Kämpfer bei sich??
 
Weil Varus unterwegs war, um einen Aufstand niederzuschlagen.
Wozu sonst sollte er marschieren? Und vor allem: Wozu sonst sollte der Hilfstruppen von Arminius benötigen?
Richtig. Das heißt aber nicht, dass dieser Aufstand auch wirklich existierte!

Sicher nicht für einen Routinemarsch ins Winterlager.
Der Marsch ins Winterlager steht ja auch in den Quellen nicht. Das ist ein Faktoid.


Richtig, aber wie dieser Verrat aussah bzw. in welchen konkreten Handlungen er sich manifestierte, bleibt in den einzelnen Quellen dunkel oder widersprüchlich. Dass Arminius Varus zunächst führte und begleitete und dann verließ, um Verstärkung zu holen, ist auch nur "Sondergut" von Cassius Dio.
Dass weiß ich. Ich beantworte ja nur die Fragen, die Bockstein stellt. Und Bockstein stellt Fragen, die im Wesentlichen auf der Darstellung von Cassius Dio beruhen. Ich verstehe, dass das ein wenig schizo wirkt, dass ich einerseits skeptisch gegenüber Cassius Dio bin (ich bin gegenüber allen Quellen skeptisch). Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich alles in Abrede stelle. Aber wer Cassius Dio liest, muss doch skeptisch werden, aber darüber haben wir uns schon oft genug gezofft, da kommen wir zwei nicht zusammen.


Die Römer werden doch wohl - unabhängig von Varus und seinen Überlebenden - mitbekommen haben, wer sich erhoben hatte und wer nicht.
Werden sie?
Kennste einen, kennste alle! Oder?
War im August/September 9 erhoben, wer nach der clades Variana ein paar Monate später 10 erhoben war?


Also: Die Varusschlacht wurde geschlagen, das Heer großteils vernichtet. Die wenigen Überlebenden berichten, man sei auf dem Marsch gewesen, um den Aufstand der Stämme X und Y niederzuschlagen.
Für Tiberius oder später Germanicus war doch von eminentem Interesse, wer von den Germanen sich erhoben hatte und wer loyal geblieben war. Ihnen soll es nicht möglich gewesen sein, herauszufinden, ob sich X und Y tatsächlich erhoben hatten oder friedlich geblieben waren?
Selbst Segestes, mit römischen Helmen im Keller, tischt Germanicus die Geschichte von illa nox auf, in der er, der stets romtreue, Varus den Verrat seines Schwiegersohnes (da wohl noch nicht) hinterbracht habe.
Tacitus beschreibt ja auch - wenn auch nur sehr kurz - dass einige Germanen, kaum dass dieser an den Grenzen zu ihrem Gebiet auftauchte, zu Germanicus gekommen seien und er sie in die Koalition wieder aufnahm: Chauci cum auxilia pollicerentur, in commilitium adsciti sunt.
 
Gegen die Vorstellung, Kalkriese sei ein notdürftiges zweites Lager nach einem Ausbruch aus einem überfallenen Lager gewesen, hätte ich einige, z.T. gewichtige Einwände:
  • Maultiergespann: bei einem Ausbruchsversuch nimmt man kein Maultiergespann mit, sondern nur ein leichtbepacktes Maultier. Wenn überhaupt. Außerdem: Wieviel Zeit braucht man zum Anlegen des Geschirrs und zum Packen des Karrens?
  • Schild: Wer den Schild ergreift, hat auch das andere Material komplett. Es sind relativ viele Schildbeschläge gefunden worden.
  • Waage: 1899 fand sich in der Niewedder Senke der Dreifachhaken einer römischen Waage. "Ich nehme die Waage. Wer schleppt die Gewichte?"
  • Situlae: auf der Flucht? "Und wer nimmt die Eimerchen?"
  • Augurenstäbchen? "Jungs, denkt an die 10 Litulae!"

Im Fall von Varus lese ich Florus so, dass sich ein Teil der Germanen vermutlich bereits im Lager befand und sich plötzlich erhob, z.B. die Torwachen überwältigte.
Dieses Argument von @Ravenik bzw. @Florus (lange mehr keinen Beitrag von ihm gelesen) muss man dennoch immer bedenken.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, schon. Aber das war kein Spott über @Ravenik.

Was mir hier gefällt ist dass verschiedene Modellsituationen oder Erklärungsmuster diskutiert werden, die wir anhand der archäologischen Funde unterstützen oder widerlegen können.

Wichtig ist, dass @El Quijote, @Sepiola oder @Ravenik immer wieder Faktoide als solche benennen, z.B.
  • Sommerlager?
  • Überfall bei der Rückkehr in das Winterquartier?
Was mich in den letzten Jahren überrascht hat, war dass wir römische Funde in germanischen Siedlungen haben, die nicht auf Beutegut sondern auf Handel oder wirtschaftliche Zusammenarbeit zurückzuführen sind.
 
Was mich in den letzten Jahren überrascht hat, war dass wir römische Funde in germanischen Siedlungen haben, die nicht auf Beutegut sondern auf Handel oder wirtschaftliche Zusammenarbeit zurückzuführen sind.
Das steht aber durchaus im Einklang mit den Quellen. die eben ein heterogenes Verhalten der Germanen spiegeln. Da gibt es immer romfreundliche Fraktionen und romfeindliche. Selbst ein Stamm bildet da keine politische Einheit. Zudem muss der Handel ja nicht immer direkt verlaufen.
 
Nun, ich bin in einer dicht besiedelten aber bis auf die Latènezeit fundarmen Region aufgewachsen, die archäologisch gut erschlossen ist.

Hier geht es um Regionen am Hellweg, an der oberen Lippe, im Sintfeld, im Weserbergland, im Wiehengebirge, in Südniedersachsen, die mir fremd sind: Fly-over country.
Landschaftlich und geologisch ganz anders, und im LIDAR oder in Luftbildaufnahmen sehe ich immer wieder Strukturen die nicht abgeklärt sind.

  • Was haben die Römer hier gemacht, was haben sie hier gesucht?
  • Was waren die Wirtschaftsstrukturen der Einheimischen?
  • Wie waren die Stämme strukturiert?
  • Wer profitierte von den Römern, wer revoltierte?
  • Wie waren die Verkehrswege?
  • Wie wurden die Flüsse genutzt?
  • Wie wurden die ja doch beträchtlichen Vorräte transportiert?
  • Was waren die wirtschaftlichen Veränderungen?
  • Gab es einen Wissenstransfer?
  • Gab es auch nach 16 n. Chr. noch wirtschaftliche Interessen und Kontakte?
 
Zuletzt bearbeitet:
Für Tiberius oder später Germanicus war doch von eminentem Interesse, wer von den Germanen sich erhoben hatte und wer loyal geblieben war. Ihnen soll es nicht möglich gewesen sein, herauszufinden, ob sich X und Y tatsächlich erhoben hatten oder friedlich geblieben waren?
Wenn man annimmt, dass die germanischen Stämme nicht immer einhellig handelten, dass sich manche Germanen nicht an Absprachen gebunden fühlten, die andere (Stammesführer) geschlossen hatten: Ich kann mir vorstellen, dass das nicht so leicht war. Besonders wenn man berücksichtigt, dass die Römer nach Arminius Verrat wohl etwas verunsichert waren, welchen Germanen sie trauen konnten und welchen nicht.

Wenn X und Y Stämme waren, haben sich vielleicht manche Sippen oä Untergrupen an dem Aufstand beteiligt, manche nicht. Selbst in den einzelnen Sippen mag es über dies zum Bruch gekommen sein (wie ja vermutlich auch in Arminius Familie...), und manche nahmen an dem Aufstand teil, andere nicht. Wie gut war das Informationsnetz der Römer, um über diese Fraktionierungen bescheid zu wissen, im Zweifelsfall bis auf die Ebene von (wichtigen) Individuen?

Ihr kennt die Quellen sicher besser als ich, aber sprechen die Feldzüge des Germanicus ein paar Jahre später dafür, dass die Römer gut darüber informiert waren, auf welche Germanen sich man evtl noch verlassen kann, und auf welche nicht? Mir sieht es eher danach aus, dass die nach den gemachten Erfahrungen nicht mehr groß differenzierten...
 
Wenn man annimmt, dass die germanischen Stämme nicht immer einhellig handelten, dass sich manche Germanen nicht an Absprachen gebunden fühlten, die andere (Stammesführer) geschlossen hatten: Ich kann mir vorstellen, dass das nicht so leicht war. Besonders wenn man berücksichtigt, dass die Römer nach Arminius Verrat wohl etwas verunsichert waren, welchen Germanen sie trauen konnten und welchen nicht.

Wenn X und Y Stämme waren, haben sich vielleicht manche Sippen oä Untergrupen an dem Aufstand beteiligt, manche nicht. Selbst in den einzelnen Sippen mag es über dies zum Bruch gekommen sein (wie ja vermutlich auch in Arminius Familie...), und manche nahmen an dem Aufstand teil, andere nicht. Wie gut war das Informationsnetz der Römer, um über diese Fraktionierungen bescheid zu wissen, im Zweifelsfall bis auf die Ebene von (wichtigen) Individuen?

Ihr kennt die Quellen sicher besser als ich, aber sprechen die Feldzüge des Germanicus ein paar Jahre später dafür, dass die Römer gut darüber informiert waren, auf welche Germanen sich man evtl noch verlassen kann, und auf welche nicht? Mir sieht es eher danach aus, dass die nach den gemachten Erfahrungen nicht mehr groß differenzierten...
Tacitus berichtet, dass Germanen aus Germanicus' Herr am Angrivarierwall den blutverschmierten Arminius erkannt hätten und entkommen ließen. Dramatisierung von Tacitus? Verdacht aus Germanicus' Stab? Tatsächliches Geschehen?
 
Jede der drei Lesarten ist glaubhaft:
  • vor allem für Tacitus selbst,
  • für das römische Militär,
  • für andere Autoren, deren Schriften ihm vermutlich als Quellle dienten,
  • und für die Zielgruppe des Tacitus, eine gebildete und informierte römische Leserschaft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Fest steht für mich, der Aufstand wird durch die Angriffe sichtbar.

Also:Ob ein Aufstand ja, das „Wie“ stellt die Angriffe dar

Beginn Dio

„weit entfernt“ ist als Beruhigung zu verstehe n, soll Sorglosigkeit hervorrufen, interessiert als Entfernungangabe aber nicht.

Die folgene Tagesreihe kann Diskussionsgrundlage sein

Tag 1

Die Zugrichtung geben Arminius und Segimer vor, als sie sich entfernen, habe ich die Frage nach der Richtung gestellt. Das halte ich jetzt für falsch. Die Richtung spielt keine Rolle, denn bei der nächstenTextangabe befindet sich Varus in schwer passierbaren Waldgegend.

Er wird nicht sofort angegriffen (Dio, 20,1). Die Germanen warten ab, da sie sehen, daß die Römer Proble haben, voranzukommen.Dann greifen sie an, die Römererleiden erhebliche Verluste.
Jetzt schlagen sie das 3Legionenlager auf.

Tag 2

Die Römer lassen alles, das nicht unbedingt erforderlich war, zurück.Sie ziehen in besserer Ordnung weiter und erreichen offenes Gelände, auch jetzt Verluste.
Lager:Fehlanzeige

Tag 3 –Zuordnung problematisch

Danach geraten sie wieder in Waldgebiete und kämpfen.Aber die Enge des Gebietes verhindert die Entfaltung der römischen Armee. Es regnet nicht.
Lager:Fehlanzeige

Tag 4
Strömender Regen macht Waffen unbrauchbar, Varus und andere Offiziere plumpsen in ihre Schwerter, die Schlacht ist vorbei.

Tacitus

Das erste Lager des Varus erwies sich dem weiten Umfang und den Ausmaßen des Hauptquartiersnach als das Werk dreier Legionen;dann erkannte man an demhalbzerstörten Wall und dem flachen Graben(dieStelle), an der sich die bereits dezimierten Reste niedergelassen hatten. Auf der Ebene dazwischenlagen die bleichenden Gebeine….

Die Textstelle „dann“ ist etwas merkwürdig; es wird insinuiert, der halbzerstörte Wall

a) läge innerhalb des Lagers

b)wäre der Lagerwall des ersten Lagers.

Das kann wiederum nicht stimmen:“ auf der Ebene dazwischen bedeutet mindestensdaß zwischen dem kompletten Lager 1 und dem halbzerstörten Wall eine Ebene liegt .

Kann es sein, daß dies dem Tag 2 des Dio entsprichtund und Ebene

und offenes Gelände gleichbedeutend sind?
 
Fest steht für mich, der Aufstand wird durch die Angriffe sichtbar.
von welchem Aufstand sprichst du bzw. was genau meinst du damit? Ich frage das, weil du dich gleich anschließend auf Dio beziehst, und in dessen Darstellung gibt es zunächst
(1.) einen fingierten Aufstand (damit Varus sich auf den Weg macht), dann werden zwischenzeitlich
(2.) die Vexillationen niedergemacht und dann kommt es
(3.) zum Angriff auf die unvorbereiteten (sich in Sicherheit glaubenden) Varustruppen.
Oder verwendest du "Aufstand" sozusagen für das Gesamtpaket, wie Dio es erzählt?
Für Varus (der laut Dio geschickt ausgetrickst und in eine ungünstige Position manövriert worden war) wird das erst mit den einsetzenden Angriffen sichtbar (Dio 20, 1-5) - für dich beim lesen von Dios Version wird der Aufstand doch schon vor den Angriffen sichtbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
Er wird nicht sofort angegriffen (Dio, 20,1). Die Germanen warten ab, da sie sehen, daß die Römer Proble haben, voranzukommen.Dann greifen sie an, die Römererleiden erhebliche Verluste.
Jetzt schlagen sie das 3Legionenlager auf.
Im Prinzip sind alle Lager der Varusschlacht "Drei-Legionen- Lager", nur dass die Legionen im Verlauf immer kleiner werden. Es sei denn, man nähme an, dass zuerst z.B. die 18 Legion (hier könnte auch 17. oder 19. stehen) vernichtet worden sei, dann hätte man es irgendwann mit einem Zwei-Legionen-Lager zu tun.
Ernsthaft: du versuchst hier wieder die zwei Texte von Tacitus und Cassis Dio miteinander harmonisiert übereinander zu legen und übersiehst dabei, dass Tacitus mit Gegensatzpaaren arbeitet. Wenn das Auffinden eines Drei-Legionen-Lagers, wie bei Tacitus beschrieben, überhaupt der historischen Realität des Germanicus-Erlebnisses entspricht, muss man das vor Beginn der Schlacht ansetzen.

Tacitus

Das erste Lager des Varus erwies sich dem weiten Umfang und den Ausmaßen des Hauptquartiersnach als das Werk dreier Legionen;dann erkannte man an dem halbzerstörten Wall und dem flachen Graben (dieStelle), an der sich die bereits dezimierten Reste niedergelassen hatten. Auf der Ebene dazwischen lagen die bleichenden Gebeine….

Die Textstelle „dann“ ist etwas merkwürdig; es wird insinuiert, der halbzerstörte Wall

a) läge innerhalb des Lagers

b)wäre der Lagerwall des ersten Lagers.
Nein, es handelt sich um zwei verschiedene Lager, das ist ja die Opposition zwischen dem ordentlichen, intakten Dreilegionenlager und dem Lager vom Ende der Schlacht, das nicht einmal fertig gebaut war, wo "die Reste" niedergemacht würden.

Ein dazwischen steht im lateinischen Text nicht.

Das kann wiederum nicht stimmen:“ auf der Ebene dazwischen bedeutet mindestensdaß zwischen dem kompletten Lager 1 und dem halbzerstörten Wall eine Ebene liegt .
Das Problem liegt nicht bei Tacitus (der freilich stark rafft), sondern darin, dass du Wesentliches überliest (nämlich, dass es sich um eine Opposition von zwei Lagern handelt, das eine perfekt, das andere unfertig) und dich auf eine interpretierende Übersetzung verlässt, die ein dazwischen in den Text mogelt, das im lateinischen Text nicht steht.

Kann es sein, daß dies dem Tag 2 des Dio entsprichtund und Ebene

und offenes Gelände gleichbedeutend sind?
Nein, siehe oben.
 
Ein dazwischen steht im lateinischen Text nicht.
[...]
und dich auf eine interpretierende Übersetzung verlässt, die ein dazwischen in den Text mogelt, das im lateinischen Text nicht steht.
Beim noch mal drüber Nachdenken und -lesen, handelt es sich nicht um ein interpretierend hineingemogeltes dazwischen, sondern um einen Übersetzungsfehler!
Medio campi albentia ossa.... Es geht hier um das Entsetzen der Römer, die das Schlachtfeld betraten und die endgültige Niederlage Varus' vor Augen geführt bekamen. Mitten auf dem Feld (nicht auf der Ebene dazwischen) lagen die bleichenden Gebeine [gerade so] wie sie Widerstand geleistet hatten oder zu entkommen suchten.
Das medio campi bezieht sich auf die Lage der Knochen, unbestattet in der Sonne bleichend, wie die Soldaten gefallen waren, nicht auf die Lage des Schlachtfeldes.
Ergo: Fehlübersetzung
 
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