Woran glaubten die Menschen in der Steinzeit?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von Cordfire, 21. August 2021.

  1. Cordfire

    Cordfire Neues Mitglied

    Hi. Ich beschäftige mich ein wenig mit der Steinzeit. Woran glauben die Menschen damals? Was gab es für Rituale? Ist da was bekannt?

    Cordfire
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Deine Frage ist in mehrfacher Hinsicht prolematisch.

    1.) Homo Sapiens Sapiens und andere Menschen
    Über die kognitiven Fähigkeiten anderer Menschen als des HSS wird unter Paläontolgen heftig gestritten. Es ist nicht bekannt, ab wann die Menschen "glaubten", denn dazu bedarf es kognitiver Fähigkeiten. Konnte "Lucy" an etwas glauben?
    Bis vor wenigen Jahrzehnten stritt man noch, wie ähnlich uns der Neandertaler (HSN) war, heute geht man davon aus, dass der Neandertaler uns nicht s unähnlich war. Offensichtlich ausreichend verwandt mit uns, dass es zu Paarungen zwischen HSS und HSN kam, die sich in unserem Erbgut noch wiederfinden. Es ist davon auszugehen, dass der gemeinsame Vorfahr von HSS und HSN wohl schon hinreichend kognitive Fähigkeiten hatte, zu glauben.

    2.) Der HSS, die Steinzeit und unser historisches Gedächtnis
    Den HSS gibt es seit 200.000 Jahren. Seit Jesus Christus sind 2.000 Jahre vergangen. Der Vater der Geschichtsschreibung (Herodot) lebte vor ca. 2.500 Jahren. Unser historisches Gedächtnis beträgt also gewissermaßen 1 % der Menschheitsgeschichte. Bzw., eigentlich ein wenig mehr. Wir können wohl regional bis um 7000 Jahre zurück gehen, was schriftliche Quellen anbelangt. So weit reicht unser historisches Gedächtnis. Und dann gibt es noch die Archäologie.

    Die Steinzeit reicht also in die Zeit von vor 200.000 Jahren bis ungefähr 3.500 v. Chr. (Bronzezeit). Also: 2 % unserer Geschichte sind nicht der Steinzeit zu verorten, 98 % unserer Geschichte liegen in der Steinzeit, die wir in Paläolithikum, Mesolithikum, Neolithikum und Chalcolithikum unterteilen (und es gibt noch feinere Unterteilungen), also Alt-, Mittel-, Jung- und Kupfersteinzeit.
    Die Mittelsteinzeit ist durch die letzte große Eiszeit gekennzeichnet, die zu einem technologischen Fortschritt geführt hat (Magdalenién) aber nicht zu einer grundsätzlichenn Abkehr vom Jäger- und Sammlerleben.
    Das Neolithikum (Beginn etwa vor 12.000 Jahren) bringt einen grundsätzlichen Wandel: Ackerbau und Viehzucht, verstärkte Sesshaftigkeit zumindest eines Teils der Gemeinschaften.

    Das ist bis hierher noch sehr euro- und mediterranzentristisch gewesen: Das Magdalenién war eine Kultur, die von den Pyrenäen ausstrahlte, die Neolithisierung begann im Nahen Osten (Fruchtbarer Halbmond) und wanderte von dort über die Welt.

    Aber es waren eben auch Teile der Welt davon abgekoppelt, etwa die Amerikas, wo es eine eigene Entwicklung gab - daher greifen auch die Begriffe Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit hier nicht in unserem Sinne.
    Außerdem gibt es gewisse Zeitverzögerungen von mehreren Jahrhunderten, bis eine Technologie von Ort X bis zu Ort Y gekommen ist.

    3.) Die Antwort auf deine Frage
    Bisher habe ich deine Frage noch gar nicht beantwortet. Was glaubten die Menschen der Steinzeit? Sinn der ganzen Übung bisher war im Prinzip, dir vor Augen zu führen, dass sich die Frage - wenn überhaupt - nur punktuell und dann auch nur spekulativ aufgrund archäologischer Funde und deren Interpretationen beantworten lässt.

    Man kann wohl davon ausgehen, dass der Wandel von einer Jäger- und Sammler-Kultur zu einer sesshaften Kultur von Viehzüchtern und Ackerbauern auch einen Wandel von Glaubensvorstellungen ausgelöst hat. So kann man sich vorstellen, dass die Jäger und Sammmler eher Animisten waren, also an die Beseeltheit von Landmarken und Tieren glaubten, wohingegen Ackerbauern wahrscheinlich Fruchtbarkeitsgöttern (Ceres, Diana) und Naturgewalten (Poseidon/Neptun, Hephaistos/Vulcanus, Helios/Sol) huldigten. Spuren von beidem finden wir in den antiken Religionen wieder, ohne die Schichten im Einzelnen immer trennen zu können.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um es noch mal anders auszudrücken: Man kann wohl anhand der archäologischen Hinterlassenschaften ahnen, dass vor 17.000 Jahren rund um die Pyrenäen die Menschen sehr ähnliche Glaubensvorstellungen hatten. Aber hatten sie dieselben Vorstellungen wie ein Zeitgenosse, der an der israelisch-libanesisch-syrischen Küste siedelte? Oder wie jemand, der vor 14.000 Jahren in den Ural vorstieß?
     
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