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Ergänzend zu Stradivari:Und woran glaubten wohl die Erbauer von Stonehenge?
Es ist schwierig, ausschließlich aufgrund materieller Hinterlassenschaften auf menschliche Vorstellungen zu schließen, zumal Stonehenge über mehr als ein Jahrtausend genutzt und immer wieder verändert worden ist. Müssten wir aus einer barockisierten gotischen Kirche allein aufgrund ihrer äußeren Gestalt und Ausschmückung auf die Glaubensvorstellungen ihrer Erbauer schließen, würden wir vielleicht auch weit in die Irre gehen.
Ich gebe euch grundsätzlich Recht.Ergänzend zu Stradivari:
Diese Frage ist ohne schriftliche Aufzeichnungen, denen sich Glaubensinhalte entnehmen lassen, nicht seriös beantwortbar.
Aber warum liegt da etwas abstraktes wie Wiedergeburt nahe, warum nicht quasi etwas schlichter und bodenständiger Gedeihen/Fruchtbarkeit?Da Stonehenge im Kontext weiterer Megalithbauten steht, und bei Megalithgräbern wir i.d.R. eine Öffnung in Richtung des Sonnenaufganges haben, liegt die Vorstellung eines Glaubens oder einer Hoffnung auf Wiedergeburt nahe.
Ich rekurrierte ja auf die Megalithgräber und andere Betsattungskulturen, bei denen Graböffnung/Blickrichtung des Bestatteten der Sonnenaufgang ist.Aber warum liegt da etwas abstraktes wie Wiedergeburt nahe, warum nicht quasi etwas schlichter und bodenständiger Gedeihen/Fruchtbarkeit?
Nehmen wir mal was einfaches – die Hockerbestattung. Ist die Körperhaltung eine Schlafposition oder eine embryonale Position? Also Schlaf oder Wiedergeburt? Schläft der Verstorbene nur ewig, oder wird er wiedergeboren? Der Hämatit/Ocker mit dem er bedeckt wurde? Wegen der einfachen Verfügbarkeit oder als Symbol für Blut?Aber warum liegt da etwas abstraktes wie Wiedergeburt nahe, warum nicht quasi etwas schlichter und bodenständiger Gedeihen/Fruchtbarkeit?
??Im PPN
Pre-Pottery-Neolitic und selbstverständlich in der Levante, wo sonst? Mea culpa ...... habe eine Hang zu Abkürzungen.??
Bei PKN (Präkeramisches Neolithikum - aber in Europa?!) hätte ich nicht gefragt
Der wildbeuterische Jäger kann auch selber zum Opfer werden. Daher sind animistische Vorstellungen, die an die Gleichheit der bewegten Lebewesen und vielleicht auch der Bäume und Felsen glauben, weswegen sich der Jäger bei der Beute bedankt oder entschuldigt oder beim Baum den er fällt, hier recht wahrscheinlich.Bei wildbeuterisch lebende Jäger und Sammler denke ich mir das es eher glaubensmässig Richtung Fauna und bodenständig geht und bei Neolithiker eher Richtung Himmel. Also eine Verbindung des Lebens und Tod der Lebenswesen vs. dem Lauf der Jahreszeiten durch die Himmelsobjekte. Aber Ahnenverehrung ist bei den Wildbeuter und Zeit in einem anderen Maßstab auch dabei ist. Beim Bauer, der auf sein Land mit Feldern und seinem Haus angewiesen ist, kann man ja auch vermuten das er über seine Ahnen mit dem Boden verbunden war. Wir gehören hierher, wir haben das Land urbar gemacht, unsere Vorfahren nähren den Boden. Aber was ist mit der pastoralen z.B. La-Hoguette Kultur?
Die Naturwissenschaft kann sagen ob der Hocker seine Haltung vor, während oder wahrscheinlich nach dem lösen der Leichenstarre erhalten hat, aber bei dem Warum bleibt es bei der Interpretation.
Wie hat es Reinecke so schön mit dem Kölner Dom gesagt? Man kann daraus nicht den katholische Katechismus ableiten. Nicholas J. Conrad sagte – mit einem Kruzifixe kann man das Christentum nicht erkennen, mit mehrere wird es interessant. Genauso ist es mit dem Löwenmensch, weitere Löwenköpfchen in der selben Gegend, bis zu den Löwen der Grotte Chauvet.
Das ist ein Argument, ja. Andererseits gibt es auch die gegenteilige Tradition, etwa in Ägypten. Dort wurden Menschen traditionell mit dem Blick nach Westen bestattet. In Nubien gab es nach den "dunklen Jahrhunderten" (vielleicht um 2500 v. Chr. oder etwas später) sogar eine Veränderung, die möglicherweise mit engeren Kontakten nach Ägypten zu tun haben könnte. Die übliche Blickrichtung bei Bestattungen war zuvor der Norden gewesen, nun übernahm man offenbar die Ost-West-Ausrichtung.Ich gebe euch grundsätzlich Recht.
Wir können aber bei Stonehenge zumindest mit Sicherheit sagen, dass es auf den Sonnenaufgangspunkt am Mittsommer- bzw. den Sonnenuntergangspunkt am Mittwintertag ausgerichtet ist. Damit wissen wir noch nicht wirklich etwas über die Glaubensvorstellungen, können aber auf dieser Basis mit größter Wahrscheinlichkeit sagen, dass der Verlauf des Sonnenjahres eine sehr große Role spielte. Da Stonehenge im Kontext weiterer Megalithbauten steht, und bei Megalithgräbern wir i.d.R. eine Öffnung in Richtung des Sonnenaufganges haben, liegt die Vorstellung eines Glaubens oder einer Hoffnung auf Wiedergeburt nahe. Die Ausrichtung von Graböffnungen oder Blickrichtungen bestatteter Toter auf den Sonnenaufgang (der natürlich jeden Tag woanders liegt, aber grob im Osten) kommt aufällig oft in vormodernen Kulturen und global vor, so dass hier von einer anthropologischen Konstante auszugehen ist. Naja gut, der Begriff anthropologische Konstante ist vielleicht zu stark gewählt, ich würde ihn etwas abgeschwächt verstehen wollen, aber die Richtung würde ich grundsätzlich gehen.
Im "Poimandres", der ersten Schrift des Corpus Hermeticum (also ägyptisch, daher zitiere ich das), wird am Schluss der theologischen Unterweisung die untergehende Sonne angebetet:Das ist ein Argument, ja. Andererseits gibt es auch die gegenteilige Tradition, etwa in Ägypten. Dort wurden Menschen traditionell mit dem Blick nach Westen bestattet.
Als es aber spät geworden war und die Sonne mit ihrem Licht ganz unterzugehen begann, forderte ich sie [die Leute] auf, Gott zu danken, und nachdem sie den Dank abgestattet hatten, wandte sich jeder zu seiner eigenen Lagerstätte.
Zugegebenerweise nicht aus der Steinzeit, sondern eher leicht nachchristlich, aber auf altbackenen Vorstellungen beruhend. Aber man ist hier an der Sonne orientiert: am Abend betet man gen Westen, am Morgen gen Osten. M.a.W.: man folgt dem Lauf der Sonne.Als sie aber nach Verlassen des Heiligtums begannen, zu Gott zu beten, ihren Blick gen Westen gewandt- denn wenn jemand bei Sonnenuntergang zu Gott beten will, muß er sich dorthin wenden, wie auch bei Sonnenaufgang nach Osten ...
Auch hier stellt sich mir aber die Frage, ob das nicht einfach ein Rückschluss aus heute bekannten Glaubensvorstellungen ist.Da Stonehenge im Kontext weiterer Megalithbauten steht, und bei Megalithgräbern wir i.d.R. eine Öffnung in Richtung des Sonnenaufganges haben, liegt die Vorstellung eines Glaubens oder einer Hoffnung auf Wiedergeburt nahe.
Klar. Wir haben einen Befund, für diesen Befund suchen wir eine Erklärung. Da wir keine schriftlichen Zeugnisse haben, können wir sie nicht belegen, nur ihre Plausibilität einschätzen. Wenn du einen anderen Vorschlag in den Ring werfen willst, tu das gerne.Auch hier stellt sich mir aber die Frage, ob das nicht einfach ein Rückschluss aus heute bekannten Glaubensvorstellungen ist.
"...liegt die Vorstellung nahe..." - das ist ein Interpretationsangebot, kein "so isses, Basta!"Wie ich in diesem Forum schon öfters geschrieben habe, bin ich bereit zu akzeptieren, dass ich etwas nicht weiß. (Lieber als Wissenslücken mit unbelegbaren Vermutungen zu füllen, die dann, wenn sie lange genug wiederholt werden, irgendwann zu Faktoiden werden.)
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