Wussten die Deutschen was (!) sie 1929-1933 wählten?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von qwe1, 1. Juni 2011.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Wo bitte wurde hier die Nazikeule geschwungen und wem wird hier ein Strick gedreht? Und wo @Repo, wurdest du als "Neo" bezeichnet? Es wurde dir hier nur zu verstehen gegeben, dass die Bezeichnung "Gasmann" ohne einen entsprechenden Verweis im Zusammenhang mit einer Holocaust-Diskussion sehr zynisch klingt.
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Ich rege mich lediglich über den unterstellten Neo auf.
    Wenn ich mich darüber nicht aufregen soll, über was dann?????????????

    Im übrigen hast Du Recht.


    Aber, anscheinend habe ich den Begriff ja schon hin und wieder verwendet, was ich auf Ehre und Gewissen vergessen hatte, warum bitte, warum hat das noch nie jemanden gestört.
    Warum hat mir Ursi gestern keine PN geschickt, als es ihr aufgestoßen ist..
    "Repo da hast Du dich saublöd ausgedrückt.
    Du schreckst so neue User ab."
    Hätte ich das blöde Ding doch zurecht gerückt.

    Warum nur?????


    Jetzt habe ich ein Problem. Aber ein ganz anderes.


    Ach so, eins noch.
    Grass lässt seinen Helden sagen, wie begeistert alle über den Hitler waren, dass er der .....mann war, merkten sie erst später. (aus dem Gedächtnis)
    vermutlich ist es mir deshalb hier in dieser Diskussion eingefallen.
    Einen Witz machen, es witzig finden, dies versucht man mir lediglich unterzuschieben.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Siehe oben!
    Nach dem Hinweis auf Grass!
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Warum ich dir keine PN gesendet habe? Ich sass 8 Stunden an einer Semesterarbeit. Hatte keinen grossen Nerv mehr hier zu schreiben. Kopf war voll.
    Dann kam die Auflösung das es sich um ein Grasszitat handelte und dann war es eigentlich gut für mich. Als ich aber heute morgen, das ganze hier gelesen habe, ist es mir noch säuerlicher aufgestossen. Es gibt auch die Möglichkeit solches gerade zur rücken. In dem man eine Moderator fragt ob er da was ändern kann. Hast du auch nicht getan.
    Also nicht den Ball mir zuwerfen


    Aber immer schön weitermachen - für mich wird es immer unverständlicher.
     
  6. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Den unterstellten Neonazi habe ich in dem Thread bisher nicht wahrgenommen und da schließe ich mich Turgot an, ich habe dich bisher nie als solchen wahrgenommen. Deshalb vertiefe die Diskussion bitte nicht an dieser Stelle.

    Den Hitler so einfach beim Namen zu nennen, bereitet unserer Generation evtl. mehr Schwierigkeiten als den jüngeren. Das hat bestimmt Gründe, die man untersuchen könnte, das hat aber nichts mit diesem Thema zu tun.
    Deshalb mach bitte an dieser Stelle einen Strich drunter. :winke:
     
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  7. Arne

    Arne Premiummitglied

    Hat ja keiner. Es ist eines jemandem schnodrige, schlechte, despektierliche oder zynische Ausdrucksweise vorzuwerfen und etwas anderes jemanden politisch einzusortieren. So weit die Fakten.

    Allerdings hast du recht, daß manche Leute, die beim Sprechen den viruellen kleinen Finger abspreitzen, dies gern in einen Pott werfen und sich echauffieren, wenn man schwatzt, wie einem der Schnabel gewachsen ist.
    Ich kenne das selbst zur Genüge ;)
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die planung und konzeption wie "das Judenproblem" zu lösen sei war 1933 sicher noch recht vage, und es gab ja auch viele Juden, die einfach nicht glauben konnten oder glauben wollten, was sich schließlich ereignete. Was Hitler ankündigte und was dann geschah, war zweierlei, und anfangs schien das, was geschah, relativ unblutig zu dem, was die Nazis angekündigt und angedroht hatten. Hitler sprach von einer blutigen Revolution, es wurde dann aber "nur die SA und ein ehemaliger Reichskanzler und seine Frau ermordet. Es gab dann auch schon mal eine verwechslung und es wurde ein Musiker Willy Schmidt nur wegen seiner Namensähnlichkeit mit einem SA- Häuptling willi schmitt alias schweinebacke ermordet.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich erinnere mich ehrlich gesagt an das gasmannzitat aus der Verfilmung der blechtrommel und zwar ist das die Szene, als sich der Spielzeughändler Marcus, der Oskar Matzerath die wundervollen rot weiß lackierten Blechtrommeln schenkte, das Leben nimmt. Dass er zum Katholizismus konvertierte, interessiert keinen und bei Agnes Matzeraths Begräbnis ist er nur als Zaungast geduldet, nachdem er ihr noch geraten hat, nichts mit dem Postbeamten Jan Bronski anzufangen. Dessen Tod verschuldet Oskar unwillentlich, denn auf der Post soll ihm einer die Trommel reparieren, während gerade die Deutschen einmarschieren und um die Post gekämpft wird.
     
  10. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Nun, das führt zur bekannten Kontroverse zwischen "Intentionalisten" und "Funktionalisten" - vielleicht ein Aspekt, der noch näher betrachtet werden sollte.

    Ein bißchen genauer geht es hier zu:
    Liste der im Zuge des Röhm-Putsches getöteten Personen ? Wikipedia
     
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  11. Haldor

    Haldor Neues Mitglied

    Zu "Wer 'Mein Kampf' gelesen hatte": Das ist ein beliebtes Argument, um die Verantwortlichkeit der Deutschen hervorzuheben. Es wurde auch von den Siegern den Deutschen immer wieder vorgehalten und war und ist nur schwer zu entkräften. M.E. vergisst man, dass 'Mein Kampf' erst dann in gewaltiger Auflagenzahl den Deutschen vorlag (jedes Hochzeitspaar bekam ja das Buch überreicht), als Hitler schon fest "im Sattel saß", also Diktator war. Von da ab konnte einem die Kenntnis des Inhalts von "Mein Kampf" nichts mehr nützen (in dem Sinne etwa, dass man Hitler ablehnte). Wer Hitler jetzt noch entgegentreten wollte, wanderte ins KZ bzw. wurde "auf der Flucht erschossen". Vor der Machtergreifung lag es den Deutschen nur in geringer Stückzahl vor, ja, ich vermute, seine Existenz war den meisten Deutschen gar nicht bekannt. [„Die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder (der NSDAP) stieg von 72117 Ende 1925 auf 1 414 975 Ende 1932. In dieser Zeit wurden von H.’s Buch „Mein Kampf“ 287000 Exemplare verkauft“ (s. Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte, 1965, S. 186)]. Das ist, bei einem 80-Millionen-Volk, eine sehr geringe Zahl, nur Parteimitglieder, evtl. auch einige Hitler-Gegner, haben vielleicht das Buch gekauft; ob sie’s dann auch gelesen haben, ist äußerst fraglich. Die Masse der Deutschen – wie gesagt – haben von dem Buch vor der Machtergreifung (m.E.) gar nichts gewusst. Außerdem, bei den ungeheuren wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Deutschen - wer hätte sich auch schon diesen Polit-Schinken, falls man von ihm doch gehört haben sollte, angeschafft? - Natürlich können sich die Deutschen mit der Unkenntnis dieses Buches (vor der Machtergreifung) nicht herausreden. Sie haben nun mal diesen Hitler gewählt – mehrheitlich – und der hat dann später diese Untaten begangen. Doch im Interesse der Wahrheitsfindung sollte man diese Verantwortlichkeit der Deutschen – gerade was das Buch „Mein Kampf“ betrifft – etwas differenzierter betrachten.
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Das kannst du alles in diesem Thread nachlesen.


    Eine bitte noch, kannst du die nächsten Beiträge in normaler Schrift schreiben. Es ist viel lesefreundlicher und man muss nicht die Lupe nehmen um deine Beiträge zu lesen. Danke :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. August 2011
  13. rrttdd

    rrttdd Mitglied

    Ich finde es ist schwierig, sich heute in die Zeit Anfang der 30er Jahre reinzuversetzen.

    -zu dem Wissen, was ein Politiker bringt, finde ich es heute auch noch schwer. Das Bild wird meist über Medien vermittelt, damals wie heute. Man sieht es an der gehypten Lichtgestalt Guttenberg, deren Bundeswehrreformerfolge nunja eher weniger durchschlagend gewesen sein sollen.

    -Auch Gerhart Schröder wurde Ende der 90er von Bild, BamS und Glotze gehypt, die Leute sehnten sich nach linker Politik nach 16 Jahren Kohl - und bekamen den Genossen der Bosse aka Gas Gerd...

    Auch heute verfassen Politiker sogar oft mehrere Bücher, aber lange nicht jeder liest sie...

    Ich schätze, dass es damals in den Grundzügen auch schon so war. Ich sag nur Hugenberg.
     
  14. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    "Mein Kampf" hin oder her - dieser Mann hat doch auch Reden gehalten, Auftritte gehabt. Und vor allem: Auch seine Schergen haben ja auf der Strasse deutlich gezeigt, "woher der Wind weht" bzw. wehen wuerde.

    Ich denke schon, dass man sich wenigstens ungefæhr ausmalen konnte, dass man es hier nicht mit einer demokratischen Partei zu tun hatte.



    Aber selbst wenn man das noch abtun møchte, indem man (sich) sagte:

    - "wo gehobelt wird, fallen Spæne"
    - "so schlimm wird's nicht werden"
    - "die anderen sind auch nicht besser"
    usw. usw.

    Die Eigenverantwortung kann man niemandem abnehmen. Und es war eben nicht nur Hitler, der die Juden ermordet hat und einen Weltkrieg vom Zaun brach, sondern eine Heerschar von Leuten, die begeistert mitmachten, von willigen Helfern und Helfershelfern.
    Es gab nicht nur den Vater, der zur Wehrmacht musste, weil's halt damals so Pflicht war: Es gab Denunzianten, Mørder, Lumpen, Verbrecher...Menschen, die das System vielleicht nicht nur unterstuetzt haben, sondern sogar Motor waren.

    Ob nun "Mein Kampf" gelesen wurde oder nicht, auch damals schon konnte man sicher erkennen, was falsch und richtig war.

    Gruss, muheijo
     
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  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das alles ändert ja nichts daran, dass MK nicht die einzige Publikation der Nazis war, Völkischer Beobachter und Stürmer war für jedermann zu lesen, zudem die Meinung der bürgerlichen Presse - die vielfach in den Händen Hugenbergs war - und der proletarischen Presse zu den Nazis und ihren Bekundungen. Gerade den Menschen in den Großstädten aber auch auf den Dörfern konnte nicht entgehen, was die Nazis auf der Straße veranstalteten: Straßenkämpfe und Saalschlachten. Nicht zuletzt war Hitler Wahlkämpfer, der vieles von dem, was er geschrieben hatte in ähnlicher Form auch in seinen Wahlkampfreden von sich gab.
     
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  16. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Hitler selbst siehst sich ja als großer Redner. Und auch bei den Zeitgenossen kann man diese Einschätzung lesen.

    Ich hatte vor Jahren mal Gelegenheit in den USA 2-3 seiner Wahl-Reden aus den beginnenden 30ern von CD/DVD anzuhören.
    Es ist vollkommen unverständlich wie damit eine Wirkung erreicht worden sein soll.
    Selbst wenn man versucht verschiedene Faktoren einzurechnen, das Wissen was daraus geworden ist, die fehlende Masse usw. usf.

    es ist das ekelhafte Gegeifere eines Verrückten.

    Dem Nachgeborenen völlig unbegreiflich.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da ist halt die Frage, wie viel von unserem Wissen und der Gnade des Spätgeborenseins da mit hinein spielt. Ich verstehe die Wirkung H.s auf sein Publikum auch nicht.
    Was H. allerdings machte und worin er sich von seinen Konkurrenten unterschied, das war die Nutzung aller technischen Mittel im Wahlkampf: Flugzeug, Radio etc. Man darf wohl sagen, H. war in den Spätjahren der Weimarer Republik der präsenteste der wahlkämpfenden Politiker, der die meisten Kilometer machte. Und das ist bis heute so: Die Menschen erwarten von den Politikern Nähe. Nehmen wir das Muldehochwasser 2002. Vor 2002 war die Mulde ein eher regional bekannter Fluss, im Sommer 2002 beherrschte sie die Medien. Und es war Wahlkampf. Kanzler und Wahlkämpfer Schröder ließ sich vor Ort sehen, Wahlkämpfer und Herausforderer Stoiber nicht. Erst einige Tage später, nachdem die Öffentlichkeit schon deswegen über ihn hergefallen war. Beide konnten eigentlich nichts tun, als dumm aus der Wäsche gucken und ein paar mehr oder weniger kluge Sprüche ablassen - und doch wurde die Anwesenheit von ihnen erwartet bzw. die Abwesenheit ihnen angekreidet. Bei Obama war es im vergangenen Jahr dasselbe, seine Abwesenheit beim Ölunglück wurde ihm angekreidet. Aber was hätte er am Golf von México tun sollen? Das Leck mit seinen Händen stopfen? (Nein, das sind keine politischen Statements, es sind Beispiele dafür, dass es den Menschen wichtig ist, dass die Politiker zumindest medial präsent sind.)
     
  18. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    "Wir Nationalsozialisten werden dann den Staat auf legalem Wege erobert haben und ihm das Gepräge einer nationalen Gemeinschaft geben ... Wenn es aber dann soweit ist, dann: Wehe unseren Feinden!"

    Diese Worte Hitlers in immer ähnlichen Wendungen konnte man auf jeder Wahlveranstaltung zwischen 1930 und 1933 hören. Die Nationalsozialisten hatten von vornherein darauf verzichtet, ihre wahren Ziele und Absichten auch nur im geringsten zu verbergen oder abtzschwächen. Nichts von alledem, was kommen sollte, war verschwiegen worden, aber diese Wahrheit wurde so klar und mit brutaler Nacktheit ausgesprochen, dass man sie gerade deshalb nicht glaubte, nicht einmal unter den am schwersten Betroffenen, den Juden, als die Henker schon Hand angelegt hatten.

    Die beste und treffendste Deutung der politischen Psychologie des deutschen Bürgertums in der Weimarer Zeit gibt Max Frisch in seinem Schauspiel Biedermann und die Brandstifter: "Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand."
     
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  19. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Bleiben wir doch historisch.
    Conny Adenauer der so ums verrecken die Mauer nicht sehen wollte. (naja, die nächste Wahl hat er doch gewonnen)
    dagegen Kennedy und viel später Raegan mit ihren Berliner Reden.
     
  20. excideuil

    excideuil unvergessen

    Einspruch! Wenn auch OT.

    Ob nun Hitler zitierte Worte gebraucht hat oder ob heute solche Begriffe wie "Schurkenstaaten" oder "Achse des Bösen" fallen zeigt deutlich, dass die Rhethorik sich nicht wirklich unterscheidet. Wer bitte sollte/soll da gut, böse, Recht und Unrecht trennen können?

    OT aus.

    Grüße
    excideuil
     

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