Wussten die Deutschen was (!) sie 1929-1933 wählten?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von qwe1, 1. Juni 2011.

  1. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Wenn man Kershaw zu Wort kommen lässt, Mythos Hitler von 2003, besonders Seite 283,
    bestätigt der, dass sich Hitler in der "Judenfrage" spätestens ab 1929 sehr zurückhielt, 1933-35 von ihm in der Beziehung überhaupt nichts kommt.
    Er also im Gegenteil "Mein Kampf" zumindest in der Beziehung in dem entscheidenden Zeitraum nicht bekräftigt!
    Das "Wissen der Deutschen" über den Gasmann in der Hinsicht schon sehr in Frage stellen muss.

    Wenn man zB die DNVP und ihr Parteiprogramm anschaut (ich finde zZ das Teil nicht,:motz: kommt aber noch) findet man dort Anfangs der 20er eine ausführliche Diskussion über die Haltung der Partei zum Judentum, eine "Auslöschung" wird diskutiert, dann aber als "absurd" abgetan.
    Und soweit geht der Hitler in "Mein Krampf" ja gar nicht.
    Auch dieser "Gedanke" ist offensichtlich nicht neu.
    Aber "absurd".


    Noch mal, wir reden hier vom Deutschen Ottonormalverbraucher als Wähler 1929-1933.
     
  2. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Ich halte das, mit Verlaub, für eine ziemlich abseitige Qualifizierung dessen, was 1941-1945 in Osteuropa geschehen ist.

    Meinst Du nicht, dass die Parallele zu 1918 bei Hitlers angedrohter "Katastrophe", nämlich bei der Vernichtung Rußlands als Staat und der Juden als Rasse endet?

    Mit "Gasmann" meint Du Hitler?

    PS: So weit ich sehe, bist Du der einzige hier im Forum, der das so ausdrückt. Findest Du das besonders witzig oder woran liegt das?
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2011
  3. excideuil

    excideuil unvergessen

    OT an
    Selbst wenn, konnte ich erleben, dass aus versprochener 2 % Mehrwertsteuererhöhung dann 3% wurden, auch wenn ich die andere Partei gewählt hätte.
    Was heißt, das Programm mag zwar schön klingen, was bei den dann folgenden Koalitionsverhandlungen herauskommt, steht auf einem anderen Blatt.
    OT aus

    Im Grunde ist es Tatsache, dass die breite Masse unpolitisch ist. Erlebe ich jeden Tag.
    M.A.n. ist es unseriös, mit dem heutigen Wissen Hitlers Buch nach Stellen zu durchforsten, um ein "wissen können oder müssen" zu konstatieren. Noch dazu wenn es ein heutiger studierter Historiker tut, der dann einem unstudierten arbeitslosen Fabrikarbeiter der damaligen Zeit mangelnden politischen Weitblick attestiert.

    Ein anderer Aspekt ist, dass diese Betrachtung des Buches eine negative Einstellung der damaligen Menschen zur Zukunft voraussetzt. Der Begriff Zukunft ist aber grundsätzlich positiv besetzt, sonst würde keine Frau Kinder bekommen. Wahlprogramme sind auch immer positiv belegt. Zu unterstellen, dass aus dem gesagten, die unvorstellbarsten Verbrechen resultieren werden, und dass die Menschen dies auch noch hätten wissen können oder müssen, halte ich daher für mehr als gewagt.

    Grüße
    excideuil
     
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  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    @Repo: Es ist nervig, wenn eine isolierte Äußerung zitiert wird, obwohl insgesamt eine wesentlich differenziertere Argumentation erfolgte und auch eine differenzierte Bewertung.

    @jschmidt: Kann mich Deiner Argumentation nur anschließen.
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Bezeichnung "Gasmann" für Hitler stammt von Günther Grass, aus "die Blechtrommel" er fand es wohl witzig.
    Ich halte die Benutzung einer Floskel die ein Nobelpreisträger kreierte, für zulässig. Die Kenntnis der Werke des Günther Grass habe ich allerdings vorausgesetzt.

    Das Geschehen ab 41 habe ich mit keinem Wort angesprochen, mir ging es darum, dass die Aussagen in "Mein Kampf" betreffend "Lebensraum im Osten" Stand 1925, erstens völlig hypothetisch und zweitens durchaus auf eine gewisse Zustimmung in entsprechenden Kreisen hoffen konnte.
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Es ist nervig.....

    Zustimmung.

    Nur, könntest Du mir bitte mitteilen, was die isolierte Äußerung sein soll?
    Kershaw?
     
  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nun ja, Grass ist ja nun nicht gerade unumstritten und auf der durchzuarbeitenden Schulbuchliste der hiesigen Gymnasien findet er sich auch nicht. Ich für mein Teil habe vor Ewigkeiten mit "Der Butt" begonnen und das Buch schnellstens weiterverschenkt, so grausig fand ich dieses Werk. Ich kann mich noch sehr gut an das Titelbild des Spiegel erinnern, wo eines seiner Werke zerrissen wurde. Grass würde ich also auch als normal gebildeter Mitteleuropäer nicht unbedingt vorrausetzten. Und Grass seine Bezeichnung "Gasmann" angesichts der Katastrophe namens Holocaust halte ich für schlicht für unangemessen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2011
  8. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Ja, genau so hatte ich's mir gedacht: Witzischkeit kennt keine Grenzen. da kringeln sich Stammtisch und Forum vor Lachen...

    Vielleicht lohnt es sich, die "Blechtrommel", ihren historischen Hintergrund und die Rezeptionsgeschichte ernsthafter zu diskutieren. [1]

    Was unser jetziges Thema betrifft, frage ich mich gleichwohl, was Du (nicht Grass!) mit der "Floskel" vom "Gasmann" mitteilen möchtest. Es sind ja viele Varianten möglich: Hitler als Gasmann verkleidet, Hitler als "wahrer" Gasmann, der Gasmann aus dem Volke als Mensch wie Du und ich usw. [2]


    [1] Da kann man gleich die "Hundejahre" dazunehmen mit den schönen Passagen über den Tierfreund Hitler - auch stellenweise recht witzisch.
    [2] Zu letzterem: Ein witziger Zufall auch, dass 1941 der Heinz-Rühmann-Film "Der Gasmann" in die Kino kam.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2011
  9. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    @Repo:
    Du hast eben einen Beitrag geschrieben und wieder gelöscht. Ich zitiere den deshalb nicht, sondern stelle fest: 1. Ich halte Dich für einen Humanisten und Demokraten. 2. Deine wiederholten "Gasmann"-Zitate hier im Forum sind - auch deshalb! - erklärungsbedürftig.

    Zu 2. Dein Hinweis, die Floskel sei witzig (gemeint), erklärt nichts, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Dein letztes Wort ist.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Was geht hier eigentlich ab?

    Wenn ich mich richtig erinnere, war das ein Spoerl-Roman.
    Dieser Gasmann hatte die Aufgabe Leuten die ihre Gasrechnung nicht bezahlen konnten, die Gaszufuhr abzustellen.
    Er aber, der Mann im Roman, bezahlte diesen Leuten asu seiner Tasche die Rechnung. Um sie nicht noch weiter in die Bredouille zu bringen.

    Irgendwo hört es doch wirklich auf.
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Dein Beitrag habe ich gelöscht, weil ich Dir eine PN schickte, deren Beantwortung ich abwarten werde.

    Eine Floskel, geprägt von einem späteren! Nobelpreisträger, halte ich für zitierfähig.

    Ich habe sie einmal verwendet. Nicht wiederholt.
    Warum diese Behauptung?
     
  12. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

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  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich habe gestern auch mit befremden dieses Wort "Gasmann" im zusammenhang mit Hitler gelesen. Ich muss auch gestehen, ich habe den Roman "Blechtrommel" nicht gelesen noch habe ich ihn im TV gesehen. Somit ist mir dieses Zitat aus dem Roman nicht geläufig.

    Und da liegt eben das Probelm. Wenn man Zitate verwendet, sei es auch nur ein Wort, das in einem solchen Zusammenhang steht, muss man es kennzeichnen. Denn man darf nicht davon ausgehen, dass jeder dieses Roman gelesen hat. Denn wenn man es so stehen lässt, dann ist es einfach nur zynisch und unangebracht.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich bekenne mich schuldig.
    Ich habe den Begriff Gasmann für Hitler 5 mal benutzt.
    Und die Tatsache vergessen. Verdrängt?
    (Ein weiterer Hinweis auf die Schwere der Schuld! Herr Staatsanwalt?)

    Einmal 2009, 3mal 2008 und einmal 2006.
    Es hat sich nie jemand daran gestört!

    Es tut mir Leid, dass diese Auseinandersetzung hier weitergeführt wird, jschmid hat sich geweigert dies in PN zu machen.

    NS: Die Floskel "Herr Staatsanwalt?" mitsamt Fragezeichen stammt von Kurt Tucholsky,
    man wird ihn auch nicht kennen. Aber man kann ja googeln.
    Auch so ein Neo....

    Es stinkt mir, es stinkt mir gewaltig
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Repo es ist wirklich mühsam. Hier geht es nicht um Schuld noch sind wir vor Gericht. Es geht doch darum, das man bevor man was schreibt sich überlegen sollte was man schreibt. Vor allem dann wenn es um so heikle Themem wie den Holocaust geht. Wir sind hier nicht unter uns, es lesen auch Gäste mit und wie kommt das wohl an, wenn wir das unkommentiert stehen lassen?

    Ich würde mich, wenn ich als Gast in dieses Forum komme und die Mitglieder nicht kenne, wundern das in einem Geschichtsforum Hitler so bezeichnet wird. Und evt. nie mehr kommen.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied


    OK ursi.
    So kann man das sehen. So akzeptiere ich das.

    Ich habe diesen Begriff allerdings auch schon von anderen im Zusammenhang mit Hitler gehört und gelesen.
    Das mag ein Generationenproblem sein.
    Habe ich zu kurz gedacht.
    OK, tut mir Leid.


    Aber was hier weiter versucht wird, nachdem der Wortschöpfer genannt war, erzürnt mich sehr.

    Und ich kann keine redlichen Gründe hinter diesem Tun erkennen.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Mühsam oder nicht.
    Lass dich doch einen Neo nennen.

    Wegen einem, von einem Nobelpreisträger geprägten Begriff.
     
  18. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    @Repo

    Jeder der dich kennt, weiß ganz gewiss, das du ein überzeugter Demokrat bist. Und das du ein respecktiertes Mitglied bist, das wird schon aus deinem Renomee deutlich.

    Es wäre doch sicher glücklicher gewesen, wenn du das blöde Grass Zitat "Gasmann" in Anführungszeichen gesetzt und mit Zitathinweis gebracht hättest. So wäre erst kein Missverständnis entstanden.

    Also, rege dich doch bitte nicht auf.:winke:
     
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  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Alles, was die Jahre 1933-1945 betrifft, gilt in Deutschland zu Recht als besonders sensibel. Da wird einem aus einer verunglückten Formulierung rasch ein Strick gedreht und die Nazi-Keule geschwungen.
    Der Fall Jenninger
     
  20. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Ich suche, schon ein wenig verzweifelnd, die Gründe hinter DEINEM Tun. :grübel:

    Ralf Rothmann, Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, berichtete in seiner Antrittsrede 1992 von einem Erlebnis in der Eisenbahn [1]: Eine Gruppe junger, später betrunkener Leute intonierte zur Erkennungsmelodie von "Flipper" die Verse: "Wir wollen Hitler, Hitler, den Freund aller Juden, jeder kennt ihn, den Gasmann aus Wien."

    Das kann nicht die Art von Witz sein, die Grass verwendet, und auch nicht die Art von Witz, die Du gut findest. Also wäre ich Dir sehr verbunden, wenn Du - Verdrängung hin, Verdrängung her - recht deutlich machen würdest, was Du eigentlich mit dem Zitat gemeint hast. - Das hat Jenninger, der eben hier auftaucht, ja auch getan.


    [1] Zeltreden - Google Books
     

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