Klar. Weil du in deinen Bemühungen Punk herunterzuziehen einen Rundumschlag gegen alle populäre Musik gebracht hast und allen diesen Künstlern pauschal fehlende harmonische und technische Fertigkeiten unterstellt hast.
Auch das ist, wenn man nachliest, schlichtweg unwahr!
Der Grad an formaler sowie harmonischer Komplexität lässt nämlich keinen automatischen Schluß auf die Qualität zu, d.h. hochkompliziert ist nicht eo ipso superkünstlerisch (falls dazu ein Beweis benötigt wird: zahllose Musikstudenten plagen sich mit hochkomplexen mehrstimmigen und harmonischen Aufgaben, aber die Lösungen sind keine Kunststücke)
Unterschiedliche künstlerische Genres haben meist unterschiedliche Adressaten und bedienen unterschiedliche Interessen. Ganz allgemein gesagt ist musikalische Komplexität kein zentrales Anliegen der Unterhaltungsmusik (diesen Begriff wertneutral im weitesten Sinne auffassen) - aber Wiedererkennbarkeit, und das so deutlich wie nur möglich: und hierzu zählt übrigens auch die typische [sic, daran ändern Ausnahmen nichts] Personenbezogenheit, sie bedient gleichsam vorbildhaft die Identifikation, ist also Teil der stilistischen Wiedererkennbarkeit. Ein wenig problematisch wird diese Personenbezogenheit allerdings, wenn man bedenkt, dass damit eigentlich das Musikstück an den Interpreten gebunden wird, sich also zunächst weiterer Interpretation verschließt. (und bevor der letzte Satz zu Verärgerung führt: das gilt für viele Musiksorten!)
Ansonsten rein musikalisch:
überall lässt sich die Spreu vom Weizen trennen. Und so gibt es sehr wohl fantastisch gearbeitet Punkmusik mit sehr bewusster musikalischer Konstruktion, und das mit den Mitteln prägnanter Thematik, Rhythmik, Klangfarbe (seltener, aber vorhanden auch der Einsatz von Dissonanzen) bei gekonnter Reduktion (hier kann man einen Berührungsmoment zum Minimalismus erkennen - es ist kein Wunder, dass die Musik von Glass oder Reich teilweise derselben Zeit entstammt)
--- das allerdings würde hier zu weit von Punkgeschichte wegführen...
Ich hoffe, jetzt ist endlich klar geworden, dass eine Deskription der musikal. Mittel nicht automatisch ein Werturteil beinhaltet.
@Köbis,
ist angekommen, ist angenommen - ebenso bitte ich um Verzeihung für die eine oder andere schärfere Formulierung.