Mit "den Menschen" gibt es nicht, meine ich, dass der Menschen nicht losgelöst von seinem Kontext der Produktionsbedingungen betrachtet werden sollte.
Naja, damit würdest du aber die Existenz oder den menschlichen Charakter von Jäger-Sammler-Gesellschaften, die die Güter, die ihre materielle Existenz sichern nicht im herkömmlichen Sinne produzier(t)en, tendenziell bestreiten.
Damit müsste man überspitzt behaupten: Der Mensch finge erst mit dem Neolithikum an.
Bspw. war Hegels, und Marx' Kritik an Kant, dass eine Universalmoral, die "den Menschen" anspricht irrig sei. Bspw hat der Kapitalist ein leichtes nicht zu stehlen, dem Armen fällt das schwer.
Ja, dass macht wenn man den Menschen weniger als Menschen, sondern als Teil einer bestimmten Millieugruppe oder Klasse betrachtet im Sinne von "das Sein bestimmt das Bewusstsein" durchaus Sinn.
Der Haken ist nur: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Klasse oder wie immer man das bezeichnen mag und die damit verbundenen verschiedenen Lebensumstände, die nach der materialistischen Vorstellung den Menschen und sein Bewusstsein (und sicherlich auch seine Möglichkeiten prägen, können aber nur so lange existieren, so lange die unterschiedlichen Gruppen/Klassen selbst existieren.
Wenn aber mit dem Kommunismus, wie bei Marx postuliert die klassenlose Gesellschaft in ihre Existenz tritt, können Klassenunterschiede von dem Moment an, nicht mehr konstituierend für das Bewusstsein oder die Möglichkeiten der einzelnen Menschen sein und spätestens dann, lässt sich der Mensch nur noch als abstraktes Mitglied der Spezies Mensch, das anthropologischen, nicht gruppenspezifischen Konstanten unterliegt verstehen, oder aber als keiner sozialen (im Sinne der Klassengesellschaft) Gruppe mehr zugehöriges, reines Individuum.
Zu dem Thema der Anhäufung in Urgesellschaften konnte ich bei Wilhelm Reich lesen, dass es zuerst eine Art Gemeinschaftseigentum gab, an Produktionsmitteln. ....
Es geht mir da gar nicht um die Details oder was wir heute über vorschriftliche also prähistorische Kulturen wissen. Daran kann man Marx und seine Theorie schwer messen, weil der unser heutiges Wissen darum nicht haben konnte.
Es geht mir auch nicht um die Frage, ob Urgesellschaften Privateigentum in kleinem Stil relativ früh kannten.
Mir geht es mehr um die Beobachtung, dass Marx sich viel mit dem spekulativen Abbau und der Abflachung sozialer und wirtschaftlicher Hierarchien beschäftigt hat, aber vergleichsweise wenig mit ihrer Entstehung.
Er nimmt mehr oder weniger à priori hin, dass es so etwas wie Klassengegensätze, die zu Klassenkämpfen führen halt irgendwie gibt.
Das ganze Entwicklungsmodell läuft immer nur in die eine Richtung auf Hierarchieabbau und Kommunismus hin, dabei musste Marx durchaus klar sein, dass die Menschheit nicht als Sklavenhaltergesellschaft römischen Ausmaßes (als mehr oder weniger Zustand mit den größtmöglichen Standes/Klassenunterschieden und Ausganspunkt seines Modells) angefangen haben kann.
Wenn es aber nicht so angefangen hat, musste die Menschheit da erst hinkommen und dafür müsste es Gründe/Triebfedern gegeben haben.
Wenn es ein allgemeines menschliches Bedürfniss nach Abbau von Herrschaftsverhältnissen und materiellem Ausgleich gäbe, wie konnte es dahin kommen, dass solche Unterschiede entstanden?
Es auf die Schiene zu bringen, dass von allgemeinen menschlichen Bedürfnissen nicht die Rede sein kann, weil der Mensch durch gruppen/klassenspezifische Bedürfnisse geprägt würde, hilft da auch nicht weiter.
Denn dagegen könnte man ja argumentieren, dass diese enorme Spreizung von Machtverhältnissen und wirtschaftlichen Unterschieden nicht über Nacht entstanden ist und gruppenspezifische Interessen auch bereits vorher existiert haben müssten, die wenn sie so wirkmächtig wären, wie Marx das annahm, die Entwicklung im Vorhinein hätten abfangen müssen.
Wie konnte aus einem Primus inter pares erst ein regionaler Häuptling, dann irgendwann ein König und wenn es hoch kam, am Ende ein lebendiger Gott werden, während auf der andren Seite gleichberechtigte (oder jedenfalls Personen mit ähnlichen Rechten), erst zu Untertanen, dann zu Sklaven oder Leibeigenen herabsinken konnten?
Solche Entwicklungen (mit Ausnahme jetzt des lebendigen Gottes, was dann zummindest in Europa eher ein antikes Ding ist), kann man ja etwa bei der frühmittelalterlichen Herrschaftsbildung von der Stammesgesellschaft, über das Heerkönigtum, zum Feudalwesen feststellen.
Warum griffen hier keine Klasseninteressen, die die Ausbildung der Hierarchien verhindert haben?
Die Frage ist, wie ich das sehe unbeantwortet, wäre für die Diskussion ob Kommunismus, wenn er auf einem bedürfnisgetriebenen Modell aufgebaut wäre überhaupt theoretisch stabil sein könnte, mMn aber durchaus von Belang.
Im Kapitalismus ist ja der Punkt, dass dieser seiner eigenen Logik folgend, die Waren immer mehr verbilligt durch steigende Produktivkraft. Wird durch geringere notwendige Arbeitszeit auch der Wert der Ware verringert, muss der Kapitalist gleichzeitig mehr Waren verkaufen, um bei geringerem Warenpreis die gleichen Einnahmen zu erzielen. Das immer mehr produziert wird, wird also aus der Logik, und Notwendigkeit Gewinne zu machen geschlossen, nicht aus dem menschlichen Bedürfnis. Denn wenn nicht genügend verkauft wird, macht das Geschäft Verlust etc., oder riskiert, dass ein anderer Kapitalist seine Produktivkraft steigert, die Waren billiger anbietet, damit den Markt erobert. Also fühlt sich der Kapitalist immer genötigt in der Konkurrenz zu anderen. Es wird also davon ausgegangen, dass nur für das Kapital produziert wird.
Wenn es nur um Erhaltung des eigenen Besitzstandes ginge, wäre doch das Logischte wenn sich alle vermögenden Personen darauf einigten keinen Kapitalismus zu betreiben, damit ohne Aufwand jeder das behalten kann, was er hat?
Wenn man annimmt, dass es nur um Vermögensakkumulation und Besitzstandswahrung ginge, wozu musste der Schatzbildner dann Kapitalist werden und warum hat er sich nicht mit dem Begnügt, was er war?
Vielleicht bietet das Darstein als Kapitalist im marx'schen Sinne ja noch andere Vorzüge, die jenseits des materiellen Profites liegen?
- Persönliches Interesse an Innovation
- Persönlicher Wunsch an Gestaltung der eigenen Umwelt und Gesellschaft
- Macht und Kontrolle über eine zunehmend wachsende Zahl an Beschäftigten
Z.B.
Was du in dem Zitat beschreibst, zielt ja mehr oder weniger auf einen bereits bestehenden, konsolidierten Kapitalismus ab.
Aber der musste erstmal entstehen und das dauerte Zeit.
Im ersten halben Jahrhundert der Industrialisierung (so etwa 1780-1820er Jahre), als dass alles noch im Entstehen war, lief dabei vieles schief und das ganze war ein Hochrisikogeschäft, was viele die sich als Kapitalisten im marxschen Sinne versuchten ruinierte, weil die Technik noch nicht so funktionierte, Transportwege fehlten, eingespielte, integrierte Märkte nicht in der Form vorhanden waren, etc.
Jetzt wäre die Frage zu stellen, wenn es nur in rein wirtschaftlicher Logik um Gewinn, Wohlstandsanhäufung und Besitzstandswahrung gegangen wäre, warum haben die Leute mit dem unfug überhaupt angefangen?
Ein paar dutzend Hektar Ackerland, klassische Manufakturbetriebe o.ä. wären um 1780 oder 1800 die wesentlich sichereren und kurzfristig rentableren Geldanlagen gewesen.
Vielleicht war die entscheidende Triebfeder dafür zu versuchen Industrie in ihren Anfängen aufzubauen dann doch weniger Besitzstandswahrung, als das immaterielle Bedürfnis irgendwas zu verbessern und die Gesellschaft vorran zu bringen.