Historische Romane

Über Historische Romane schreibt das Internet Folgendes:
Historische Romane verbinden fiktive Geschichten mit realen historischen Ereignissen und Persönlichkeiten.

Beliebte Epochen und bekannte Autoren
    • Antike: Rom, Griechenland etc. (z. B. Robert Harris, Simon Scarrow, Costanza Casati)
    • Mittelalter: Burgen, Ritter, Handwerk und kirchliche Macht (z. B. Ken Follett, Noah Gordon, Bernard Cornwell, Umberto Eco, Rebecca Gablé, Iny Lorentz)
    • Neuzeit: Renaissance, Barock, 18. Jhd. und Französische Revolution, das 19. oder das 20. Jhd. und die Weltkriege (z. B. Ken Follett, Peter Prange, Volker Kutscher, Carmen Korn, Miriam Georg)

Empfohlene Bestseller

  • Meine Empfehlungen:
    • SPQR-Reihe: John Maddox Roberts; über den Politiker und Ermittler Decius Caecilius Metellus im antiken Rom (Bd. 2: Die Catilina-Verschwörung)
    • Reihe "Die Silberschweine": Lindsey Davis; über den Privatermittler Marcus Didius Falco im antiken Rom
    • Gisbert Haefs: Historische Romane verschiedener Epochen; aus der Antike besonders gut die Alexander-Reihe und die Karthago-Reihe
  • Allgemeine Empfehlungen:
    • Die Säulen der Erde von Ken Follett (Mittelalter-Klassiker über den Bau einer Kathedrale)
    • Der Medicus von Noah Gordon (Klassiker über einen jungen Europäer, der im Persien des 11. Jhd.s medizinischen Studien nachgeht)
    • Die Wanderhure-Reihe von Iny Lorentz (Spätmittelalter und historische Abenteuer)
    • Das Haus am Gänsemarkt von Petra Oelker (Historischer Roman zur Zeit Napoleons)
    • Der nasse Fisch von Volker Kutscher (Historische Kriminalromane im Berlin der 1920er-Jahre)












 
Ein Einschub vorab (demnach ein Vorschub?):
Ansonsten sind Historische Romane* ein rotes Tuch für mich. Es gibt viel Schund und wenige Schätze.
Ich denke, ob wir nun Historiker oder bloß begeisterte Laien sind, wir müssen einfach akzeptieren, dass das Interesse an geschichtlichen Themen in der breiten Masse nicht derart in die Tiefe reicht. Mit manchen Abweichungen in Historischen Romanen (und Historienfilmen) kann ich deshalb gut leben, solange ich erkenne, dass der Autor sein Thema zumindest durchdrungen hat und Änderungen aus einem schlüssigen Grund vornimmt.

Kompositcharaktere sind ein gängiges Beispiel. Auch manche Anachronismen, wie die heute allgegenwärtige Trope des zeituntypisch aufgeklärten Außenseiters, kann ich akzeptieren, wenn ich erkenne, dass der Autor seinen Stoff eingängiger und besser lesbar machen will.

Bestimmt ebenso oft, wie ich mir bei der Lektüre eines Sach- bzw. Fachbuchs zu historischen Themen gedacht habe: "Mann, besser als jeder Roman!", habe ich zu anderen Gelegenheiten auch gedacht: "Das könnte man unmöglich in Roman- oder Filmform bringen."

Und schließlich ist da noch der Unterhaltungswert. Romane wie "Tod und Teufel" von Frank Schätzing oder Filme wie "Königreich der Himmel" habe ich trotz vieler historischer Ungenauigkeiten genossen, weil sie in meinen Augen einfach unterhaltsam gemacht sind.

Kribbelig werde ich, wenn ich den Eindruck habe, dass der Autor mich manipulieren will, nur auf Verkäuflichkeit schielt und/oder seinen Stoff wider besseres Wissen ummodelt, um genretypischen Konventionen zu genügen. Beispielsweise habe ich mich über Ecos 'Der Name der Rose' mehr geärgert als über manchen Schundroman, weil es einem Autor mit offensichtlicher Sach- und Menschenkenntnis hätte gelingen müssen, weniger stereotype Charaktere zu erschaffen, zumal auf der Seite der Antagonisten.

Eco ist übrigens ein anschauliches Beispiel dafür, dass auch fundiertes Wissen über die Materie noch keinen guten Autor macht; seine weiteren historischen Romane sind mäandernd und schulmeisterlich. Die erste Hälfte von 'Baudolino' geht gerade noch. 'Das Foucaultsche Pendel' ist nicht mal als Satire auf Verschwörungstheorien erträglich lesbar.
Über Historische Romane schreibt das Internet Folgendes:
Historische Romane verbinden fiktive Geschichten mit realen historischen Ereignissen und Persönlichkeiten. […]
Ich will nicht gemein sein, aber brauchtest Du wirklich Google Gemini für die Definition des Historischen Romans? Oder für Buchempfehlungen?
Gisbert Haefs: Historische Romane verschiedener Epochen; aus der Antike besonders gut die Alexander-Reihe und die Karthago-Reihe
Haefs ist übrigens ein Geheimtyp für Unterhaltungsliteratur mit einem gewissen Anspruch.
Seine Antiken-Romane kenne ich nicht, aber seine 'Jakob Spengler'-Reihe, die im 16. Jahrhundert spielt, hat mir gefallen.
Die Säulen der Erde von Ken Follett (Mittelalter-Klassiker über den Bau einer Kathedrale)
Uff. Da geht es schon los.

Follett schreibt passable Thriller, aber seine Historienromane sind schwach. Ich gestehe, ich habe auch Vorbehalte gegen ihn als Autor. Der Mann hat das KI-Geschäftsmodell ein Vierteljahrhundert vorweggenommen, er betreibt wie James Patterson eher eine Romanfabrik. Follett schreibt keine Romane, er entwickelt nur Ideen und entwirft die Schlüsselszenen, die Lücken lässt er sich dann von Mitarbeitern füllen.
Die Wanderhure-Reihe von Iny Lorentz (Spätmittelalter und historische Abenteuer)
Mit solchen Empfehlungen wirst Du hier wenig Anklang finden. Iny Lorentz ist Schund vor historischer Kulisse, schlecht recherchiert, anachronistisch, derivativ und absolut trivial.
 
  • Mittelalter: Burgen, Ritter, Handwerk und kirchliche Macht (z. B. Ken Follett, Noah Gordon, Bernard Cornwell, Umberto Eco, Rebecca Gablé, Iny Lorentz)
Bei der Reihung nennst du großartige Autoren neben absoluter Schundliteratur!

  • Gisbert Haefs: Historische Romane verschiedener Epochen; aus der Antike besonders gut die Alexander-Reihe und die Karthago-Reihe
Wieso Alexander-Reihe oder Karthago-Reihe? Das sind doch zwei Einzelromane? Die habe ich als Jugendlicher mit Begeisterung gelesen, ob sich sie heute auch noch mit Begeisterung läse, weiß ich nicht.


  • Allgemeine Empfehlungen:

    • Der Medicus von Noah Gordon (Klassiker über einen jungen Europäer, der im Persien des 11. Jhd.s medizinischen Studien nachgeht)
Ich weiß, ein Bestseller. Eines der wenige Bücher die ich nach wenigen Seiten aufgegeben habe zu lesen, weil schon der Anfang mich aufgrund historischer Fehler extrem gestört hat, dass meine Lust weiterzulesen extrem gebremst wurde. Ich hatte das Buch Ewigkeiten im Schrank stehen, habe es dann daraus genommen, nachdem ich die Verfilmung gesehen habe, mehr aus Neugierde, wie nahe de Verfilmung wohl am Buch lag. Die Verfilmung war letztlich eine sehr grobe Mischung von historischen Ereignissen um Ibn Sina mit der islamischen Revolution von 1979. Ob das auf das Buch auch zutrifft, vermag ich, da ich den Blödsinn nach wenigen Seiten schon zu quälend fand, natürlich nicht zu sage. Aber als "allgemeine Empfehlung": NÖ!!!


    • Die Wanderhure-Reihe von Iny Lorentz (Spätmittelalter und historische Abenteuer)
Dem Autorenehepaar mit dem Pseudonym Iny Lorentz kan ich auch so überhaupt gar nichts abgewinnen. Eher ein Beispiel für Schund, als eine Leseempfehlung.
 
Ich denke, ob wir nun Historiker oder bloß begeisterte Laien sind, wir müssen einfach akzeptieren, dass das Interesse an geschichtlichen Themen in der breiten Masse nicht derart in die Tiefe reicht. Mit manchen Abweichungen in Historischen Romanen (und Historienfilmen) kann ich deshalb gut leben, solange ich erkenne, dass der Autor sein Thema zumindest durchdrungen hat und Änderungen aus einem schlüssigen Grund vornimmt.
Naja, es gibt halt gut recherchierte Historische Romane. Die Masse ist aber wirklich schlecht. Dass ein Historischer Roman nicht den Gesetzen der historischen Forschung, sondern denen des Romans folgt, eine Erzählung braucht, ist vollkommen klar und beanstande ich nicht. Aber das Bild, das ein Großteil der Historischen Romane zeichnet, ist so unhistorisch wie nur eben was.
 
[...] Dass ein Historischer Roman nicht den Gesetzen der historischen Forschung, sondern denen des Romans folgt, eine Erzählung braucht, ist vollkommen klar und beanstande ich nicht. [...]

Natürlich habe ich auch eine größere Zahl von Bücher dieses Genres. (Das allererste war, soweit erinnerlich, der »Kampf um Rom«, dann kamen »Tsushima«, »Heimat am Don« u.v.a.)

Woran ich insbesondere interessiert bin, sozusagen als Lesehilfe, wären Antworten auf die Frage: Worin genau liegt der Unterschied zwischen »Schatz« und »Schund«? Oder: Was erwarten wir von einem »geschätzten« historischen Roman? Soll der möglichst nahe an der »historischen Wahrheit« bleiben, wer immer diese für sich reklamiert hat? Ist auch eine »historische Phantastik« lesbar? Sollte ein historischer Roman nur von Leuten geschrieben werden, die mindestens ein abgebrochenes Geschichtsstudium vorweisen können? usw. Hängen »historische Wahrheit« und schriftstellerische Intelligenz/Eleganz irgendwie zusammen?

PS: Drei Kilometer weiter wohnt Willkommen - Deana Zinßmeister , die mit ihren Büchern sehr erfolgreich ist. Werde die mal interviewen.
 
Woran ich insbesondere interessiert bin, sozusagen als Lesehilfe, wären Antworten auf die Frage: Worin genau liegt der Unterschied zwischen »Schatz« und »Schund«?
Das würde mich auch interessieren.
Soll der möglichst nahe an der »historischen Wahrheit« bleiben, wer immer diese für sich reklamiert hat?
Es stellt sich jedenfalls die Frage, wozu überhaupt einen Historienroman schreiben, wenn er von der tatsächlichen Geschichte abweicht?
Sollte ein historischer Roman nur von Leuten geschrieben werden, die mindestens ein abgebrochenes Geschichtsstudium vorweisen können?
Das ist ein bisschen hinterhältig, oder? ;)
Hängen »historische Wahrheit« und schriftstellerische Intelligenz/Eleganz irgendwie zusammen?
Meine Auffassung: nicht notwendigerweise, doch oft.

Wieder das Beispiel Umberto Eco: Der Mann war Literaturhistoriker und Philologe, spezialisiert auf das Mittelalter, immens gebildet und mit profunder Menschenkenntnis. Beste Voraussetzungen für einen wirklichkeitsgetreuen Roman vor dem Hintergrund des Armutsstreits.

Und was kam dabei heraus? Ein Roman mit sehr viel Fett auf den Rippen und holzschnittartigen Bösewichten. Eco traute seinen Lesern zu, komplexe philosophische Konzepte zu durchdringen, glaubte aber offenbar, komplexe Charaktere würden sie überfordern.

Umgekehrt würde auch ein Mehr an Faktentreue aus der 'Wanderhure' niemals einen guten Roman machen.
 
Welche Bücher sind die "wenigen Schätze", die Du erwähnt hast?
der Frage schließe ich mich an.
Bei der Reihung nennst du großartige Autoren neben absoluter Schundliteratur!
letztere überwiegt eindeutig in der Reihung, was dort erstere betrifft: bestenfalls Harris (wegen Pompeji, was wirklich originell erzählt ist und sachlich-historisch gut recherchiert) und Eco (wobei sein "Kutten-Tatort" weniger als historischer Roman, denn als literarisch-technisches Vexierspiel aufzufassen ist: Wittgensteinparaphrasen im Mittelalter ;))
Aber das Bild, das ein Großteil der Historischen Romane zeichnet, ist so unhistorisch wie nur eben was.
(vorab: prinzipiell stimme ich dir zu, also bitte das, was gleich folgt nicht als bockig-besserwisserische Widerworte auffassen!) wobei gerade hier das "historisch korrekte" auch völlig in den Hintergrund treten, ja irrelevant werden kann, wenn sich die literarische Intention eines gekonnt erzählten Textes gar nicht erst mit den Details ihrer verwendeten historischen Kulisse, sondern mit deren kultur- & geisteshistorischen Implikationen und deren tradierten Wahrnehmungen befasst. Ein Musterbeispiel und zugleich literarisches Meisterwerk ist die Erzählung Le Procurateur de Judée aus dem Jahr 1892 von Anatole France: da ist es wumpe, ob die Sänfte historisch korrekt beschrieben ist.

Ich hänge eine kleine Gemeinheit an: wer Wanderhuren & Co. schätzt, wird von France, Brecht (Caesar), Zamjatin (Priskos & Attila) heillos überfordert und enttäuscht sein...
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich ziehe die Unterhaltungsliteratur der Hochliteratur ganz eindeutig vor, wenn es um historische Themen geht. Denke ich z.B. an Sienkiewicz' 'Quo Vadis' oder die historischen Romane von Stefan Zweig—sprachlich brillant, gar keine Frage, auf ihre Weise äußerst lesenswert, aber für meinen Geschmack muss die Epoche in einem Historienroman gewissermaßen als eigenständige Figur aufscheinen. Anspruchsvollere Werke haben für mich oft das Manko, dass ihre Perspektive allzu innerlich ist, allzu losgelöst von dem geschichtlichen Rahmen, in den sie eingebettet sind.

Natürlich ist der Gegenstand jeder guten Erzählung unterm Strich, wie der Mensch mit dem umgeht, was das Leben ihm beschert, und wie sich die menschlichen Leidenschaften auswirken. Und schon durch kognitive Verzerrung werden wir historische Persönlichkeiten (oder literarische Figuren, die ihnen nachempfunden sind) immer auf Archetypen eindampfen; jede Zeit hat ihren Caesar.

Aber selbst bei den von mir sehr geschätzten Historienromanen Marguerite Yourcenars habe ich mich mitunter dabei ertappt, wie ich bspw. dachte: War ich jetzt wirklich gerade im Mittelalter? Hätte man diese Handlung, diese Figuren nicht auch in jede andere Epoche verfrachten können?
 
Es stellt sich jedenfalls die Frage, wozu überhaupt einen Historienroman schreiben, wenn er von der tatsächlichen Geschichte abweicht?
Weil Adaptionen immer Anpassungen an das jeweilige Medium erfordern, und ein Historischer Roman* letztlich auch nichts anderes ist. Die Belletristik hat ihre eigenen Gesetze (naja, unverbindlichen Richtlinien...). Ignoriert man die, ist die Gefahr groß, dass es vielleicht ein historisch akkurater, aber ansonsten miserabler Roman wird, und der Welt wäre mit einem weiteren Sachbuch vielleicht besser gedient. ;)

Natürlich ist es nicht Sinn der Sache, die Geschichte umzuschreiben, aber Abweichungen in Details sind mE eine andere Sache, und können sinnvoll sein. Wichtig ist mir persönlich, dass ich den Eindruck habe, das Buch fängt irgendwie den Geist der Zeit ein, in der es spielt; zeigt mir, inwiefern das Leben und Denken der Menschen von meiner heutigen Realität abweicht, und spezifisch für diese Zeit, für diese Gesellschaft ist. Dann verzeih ich auch ein leichtes "streamlinen" der realen Geschichte, um sie an die fiktive Story anzupassen, die der Autor erzählen will. Allerdings schätz ich dann ein Vor- oder Nachwort, wo dargelegt wird, wo bewusst von der realen Geschichte abgewichen wurde.

Dabei ist klar, dass das am Ende zu guten Teilen eine Illusion ist: Weder der Autor noch ich können wirklich wissen, wie es ist, vor 100, 500, 2000 Jahren gelebt zu haben, auch bei wirklich guten Historischen Romanen. Aber den gleichen Einwand kann man immer bringen, wenn versucht wird, Geschichte "lebendig" zu machen. Sobald es über dürre Fakten hinausgeht, kommen Imagination, Phantasie und Biase ins Spiel.

Eine Frage, die man (sich selber) in dem Zusammenhang stellen kann: Inwieweit legt man an Historische Romane die gleiche Messlatte an wie an unhistorische? James Bond... gut, ist inzwischen historisch... Es war zumindest keine akkurate Beschreibung des Geheimdienstwesens während des Kalten Krieges, auch als es nagelneu war. Macht es das zu "Schund"? Ist ein Historischer Roman schlecht, wenn er eine geschichtliche Epoche genau so verfälscht darstellt, wie die Bond-Romane ihre Zeit bzw ihr Metier verfälscht darstellten? Oder ist das halt ein Abenteuerroman, bei dem es darauf nicht ankommt? Wie steht man überhaupt zu solchen Romanen, die, sagen wir mal, gewollt nicht die Realität (welcher Zeit auch immer) abbilden wollen, sondern eine aufregendere Variante davon, zumindest für die Protagonisten? Muss wohl jeder für sich beantworten.

Etwas, was sehr viele Historische Romane (und Filme) zeigen, ist der "Forest Gump"-Effect. Weil man viele reale geschichtliche Ereignisse, Personen etc in der Geschichte haben will, ist der oder einer der Protagonisten halt zugegen, was insgesamt zu einem völlig unrealistischen Ergebnis führt. Eben wie Forest Gump im Film rein zufällig bei so ziemlich allen großen historischen Momenten während seiner fiktiven Lebenszeit zugegen war. Wieder: Ob bzw ab wann das einen stört, ist eine Geschmacksfrage, da gibt es sicher unterschiedliche Toleranzgrenzen.

* Gibt es eine bessere Möglichkeit, um zwischen historisch und Historisch zu unterscheiden? Muss Literaturissenschaftler, die mit so was öfters umgehen, doch zur Verzweiflung treiben, den Unterschied nur an einem Großbuchstaben festzumachen.
 
Forrest Gump oder der schwedische 100jährige Fensterflüchtling (sehr lesenswert, wie auch einige, aber nicht alle Folgeromane des Verfassers) überzeichnen aber so, dass jedem durchschnittlich intelligenten Leser - also sogar uns - klar ist, dass das nicht real ist.
 
Forrest Gump oder der schwedische 100jährige Fensterflüchtling (sehr lesenswert, wie auch einige, aber nicht alle Folgeromane des Verfassers) überzeichnen aber so, dass jedem durchschnittlich intelligenten Leser - also sogar uns - klar ist, dass das nicht real ist.
Oh, dem Film (das Buch kenn ich gar nicht) kreide ich das auch nicht an. Da ist es ja eigentlich der Punkt der Geschichte. Ich benutz nur den Namen, weil sofort jeder weiß, was gemeint ist. Generell muss es schon sehr an den Haaren herbei gezogen sein, damit es mir wirklich auffällt, aber ich weiß, dass andere da eine andere Toleranzgrenze haben. Ist auch Film, nicht Buch, aber die Serie Rome hatte das ganz massiv (hat es sogar als Plotpunkt genutzt...). Mir war der Punkt egal, aber er wurde ziemlich massiv kritisiert (neben anderen Dingen), wenn ich das richtig erinnere.



Follett schreibt passable Thriller, aber seine Historienromane sind schwach.
"Die Säulen der Erde" fand ich klasse. Hab das (auf Anraten meines Vaters) mit einem Buch über Kathedralenbau daneben zum Nachschlagen gelesen, und tatsächlich was gelernt. Ich hab auch noch zwei weitere seiner "Kingsbridge"-Bücher gelesen, und völlig ab von Historienkram: Es wiederholt sich. Die Jahrhunderte ändern sich, die Motive nicht... Aber das ist kein Problem von Historischen Romanen, sondern von Roman-Reihen generell.

Beispielsweise habe ich mich über Ecos 'Der Name der Rose' mehr geärgert als über manchen Schundroman, weil es einem Autor mit offensichtlicher Sach- und Menschenkenntnis hätte gelingen müssen, weniger stereotype Charaktere zu erschaffen, zumal auf der Seite der Antagonisten.
Neugier: Ist da va Bernard Gui das Problem, oder auch andere?
 
Wieso Alexander-Reihe oder Karthago-Reihe? Das sind doch zwei Einzelromane? Die habe ich als Jugendlicher mit Begeisterung gelesen, ob sich sie heute auch noch mit Begeisterung läse, weiß ich nicht.
Um Alexander geht es in „Alexander“ und der Fortsetzung „Alexander in Asien“. Ich habe beide gelesen, kann sie aber nur bedingt empfehlen. Sie sind an sich gut geschrieben, allerdings mit einiger Esoterik angereichert (oder besser gesagt: verschandelt). Haefs baute gar Elemente des Alexander-Romans (also der auf Pseudo-Kallisthenes zurückgehenden weitgehend fiktiven antiken und mittelalterlichen Romane über Alexander) ein.
Geschmackssache ist außerdem, dass es in den beiden Romanen nicht wirklich um Alexander geht, sondern um teils reale (Kallisthenes), teils fiktive Personen aus seinem Umfeld.
 
Anspruchsvollere Werke haben für mich oft das Manko, dass ihre Perspektive allzu innerlich ist, allzu losgelöst von dem geschichtlichen Rahmen, in den sie eingebettet sind.
vielleicht revidierst du dieses Geschmacksurteil bei ein paar ausgewählten "anspruchsvolleren" Werken? Meine Empfehlung wäre: Zamjatin "Geißes Gottes", Brecht "die Geschäfte des Herrn Julius Caesar", Prus "Faraon" (auch wenn dieser eigentlich ein Schlüsselroman ist), Graves "Ich, Claudius", Andrzejewski "Finsternis bedeckt die Erde" - freilich muss man berücksichtigen, wie der Kenntnisstand zur jeweiligen Entstehungszeit war, d.h. es wäre unfair, Zamjatin vorzuwerfen nicht Demandts Spätantike gelesen zu haben ;)
Irgendwie auf der Grenze zwischen anspruchsvoll/literarisch und Unterhaltung balanciert Harris "Pompeji", ich fand den Roman klasse, weil seine heimliche Hauptfigur die Wasserleitung ist.
In Sachen Unterhaltung sind die Uthred-Romane von Cornwell ganz ok, wenn auch etwas weitschweifig und nicht ganz frei von "heutigen" Vorstellungen, aber auf jeden Fall gut als Urlaubslektüre. Harris Cicero-Romane waren nicht so mein Fall (langatmig) und Haefs fand ich schlicht langweilig (da war mir egal, ob das gut oder nicht recherchiert ist, ich habs beiseite gelegt). Wanderhure, Medicus etc. wären auch ihre vielen Recherchemängel erzählerisch indiskutabel.
 
Weil Adaptionen immer Anpassungen an das jeweilige Medium erfordern, und ein Historischer Roman* letztlich auch nichts anderes ist. Die Belletristik hat ihre eigenen Gesetze (naja, unverbindlichen Richtlinien...). Ignoriert man die, ist die Gefahr groß, dass es vielleicht ein historisch akkurater, aber ansonsten miserabler Roman wird, und der Welt wäre mit einem weiteren Sachbuch vielleicht besser gedient. ;)

Natürlich ist es nicht Sinn der Sache, die Geschichte umzuschreiben, aber Abweichungen in Details sind mE eine andere Sache, und können sinnvoll sein.
:oops: Diesen Einwand habe ich durch meine schwammige Ausdrucksweise provoziert … Weiter oben hatte ich ja selbst geschrieben, dass ich Abweichungen im Detail akzeptiere.
Teils begrüße ich sie sogar ausdrücklich. Kompositcharaktere bspw. können überaus sinnvoll sein, ich danke jedem Autor, der aus drei historischen Heinrichen mit ähnlicher Zielsetzung einen einzigen formt.
Wichtig ist mir persönlich, dass ich den Eindruck habe, das Buch fängt irgendwie den Geist der Zeit ein, in der es spielt; zeigt mir, inwiefern das Leben und Denken der Menschen von meiner heutigen Realität abweicht, und spezifisch für diese Zeit, für diese Gesellschaft ist. Dann verzeih ich auch ein leichtes "streamlinen" der realen Geschichte, um sie an die fiktive Story anzupassen, die der Autor erzählen will. Allerdings schätz ich dann ein Vor- oder Nachwort, wo dargelegt wird, wo bewusst von der realen Geschichte abgewichen wurde.
Volle Zustimmung.
Dabei ist klar, dass das am Ende zu guten Teilen eine Illusion ist: Weder der Autor noch ich können wirklich wissen, wie es ist, vor 100, 500, 2000 Jahren gelebt zu haben, auch bei wirklich guten Historischen Romanen. Aber den gleichen Einwand kann man immer bringen, wenn versucht wird, Geschichte "lebendig" zu machen. Sobald es über dürre Fakten hinausgeht, kommen Imagination, Phantasie und Biase ins Spiel.
Das ist natürlich absolut richtig und zu akzeptieren—solange es nicht in ein "You weren't there!" à la Ridley Scott ausartet.
Eine Frage, die man (sich selber) in dem Zusammenhang stellen kann: Inwieweit legt man an Historische Romane die gleiche Messlatte an wie an unhistorische? James Bond... gut, ist inzwischen historisch... Es war zumindest keine akkurate Beschreibung des Geheimdienstwesens während des Kalten Krieges, auch als es nagelneu war. Macht es das zu "Schund"? Ist ein Historischer Roman schlecht, wenn er eine geschichtliche Epoche genau so verfälscht darstellt, wie die Bond-Romane ihre Zeit bzw ihr Metier verfälscht darstellten? Oder ist das halt ein Abenteuerroman, bei dem es darauf nicht ankommt? Wie steht man überhaupt zu solchen Romanen, die, sagen wir mal, gewollt nicht die Realität (welcher Zeit auch immer) abbilden wollen, sondern eine aufregendere Variante davon, zumindest für die Protagonisten? Muss wohl jeder für sich beantworten.
Gute Frage, gutes Argument. Es kommt vielleicht auch auf die Originalität an. Auch eine Verzerrung kann reizvoll sein, wenn sie originell ist.

Ein Beispiel aus meinem "Fachbereich" wären die Romane 'Tod und Teufel' und 'Helden' von Frank Schätzing. Ersterer ist eher ein Krimi und nimmt sich etliche Freiheiten, aber ich empfand das Buch als gut geschrieben, flüssig zu lesen, amüsant und charmant. Ein "Frühwerk" Schätzings eben. Die nach 25 Jahren erschienene Fortsetzung ist ein typisches Schätzing-Spätwerk, mäandernd, klischeebeladen und ein eklatanter Verstoß gegen den Grundsatz "show, don't tell". Der Mann ist jetzt offenbar zu berühmt und zu wirtschaftlich erfolgreich, als dass sein Lektorat sich noch trauen würde, ihn mal zu fragen: Du, Frank, kann man das nicht weglassen?
Etwas, was sehr viele Historische Romane (und Filme) zeigen, ist der "Forest Gump"-Effect. Weil man viele reale geschichtliche Ereignisse, Personen etc in der Geschichte haben will, ist der oder einer der Protagonisten halt zugegen, was insgesamt zu einem völlig unrealistischen Ergebnis führt. Eben wie Forest Gump im Film rein zufällig bei so ziemlich allen großen historischen Momenten während seiner fiktiven Lebenszeit zugegen war. Wieder: Ob bzw ab wann das einen stört, ist eine Geschmacksfrage, da gibt es sicher unterschiedliche Toleranzgrenzen.
Bei manchen Autoren vermute ich, dass sie von ihrer Begeisterung mitgerissen werden, oder mühselige Recherche nicht vergebens sein lassen wollen. Wieder das Beispiel: Schätzing. Aber auch Umberto Ecos Romane haben viel Übergewicht.
* Gibt es eine bessere Möglichkeit, um zwischen historisch und Historisch zu unterscheiden? Muss Literaturissenschaftler, die mit so was öfters umgehen, doch zur Verzweiflung treiben, den Unterschied nur an einem Großbuchstaben festzumachen.
@El Quijote's Hinweis beherzigend, schreibe ich jetzt "Historienroman".
Neugier: Ist da va Bernard Gui das Problem, oder auch andere?
Bernard Gui, Jorge von Burgos, aber auch die wenigen ambivalenten Charaktere wie Abbo. Missverstehe mich nicht, es ist legitim, wenn der Autor Position beziehen will, und hier umso mehr, als Eco das Buch auch als Schlüsselroman angelegt hat. Ich finde es nur einfach albern, wie der Mann dem Leser die theologischen Streitfragen im Zentrum des Romans in aller Komplexizität zumutet, nur um sich dann darauf zu beschränken, die jeweilige Gegenmeinung als Domäne der Korrupten, Bösen und Feigen darzustellen. Das ist ein kleinlicher Ausweg.
 
Wichtig ist mir persönlich, dass ich den Eindruck habe, das Buch fängt irgendwie den Geist der Zeit ein, in der es spielt; zeigt mir, inwiefern das Leben und Denken der Menschen von meiner heutigen Realität abweicht, und spezifisch für diese Zeit, für diese Gesellschaft ist.
@Reinecke müsste dir da nicht, obwohl es kein Historischer Roman ist, aber dennoch quasi als ein solcher gelesen werden kann, ganz besonders Fontanes Effie Briest gefallen? Wenn überhaupt ein belletristisches Opus die dort erzählte Zeit samt Kolorit einfängt, dann dieser Roman, und das obendrein mit perfekten Proportionen und einer Sprache, wie sie in solcher Qualität nur sehr selten zu finden ist. (nicht dass ich missverstanden werde: ich halte Fontanes Roman für ein Meisterwerk, ja ein sprachkünstlerisches Wunder geradezu, und finde dennoch, dass man ihn auch als kultur- & sozialhistorische Regional"quelle" gleichsam, irgendwie auch als "Historischen Roman" lesen kann)
 
Wichtig ist mir persönlich, dass ich den Eindruck habe, das Buch fängt irgendwie den Geist der Zeit ein, in der es spielt; zeigt mir, inwiefern das Leben und Denken der Menschen von meiner heutigen Realität abweicht, und spezifisch für diese Zeit, für diese Gesellschaft ist.
Kann ich nur bestätigen, und füge gleich einen meiner Favoriten an: Wolf von Niebelschütz, »Die Kinder der Finsternis«, bereits 1959 erschienen, vergessen, 1990 neu aufgelegt (siehe auch Romane mit Geschichtsbezug, die man lesen sollte ).
 
Ein Beispiel aus meinem "Fachbereich" wären die Romane 'Tod und Teufel' und 'Helden' von Frank Schätzing. Ersterer ist eher ein Krimi und nimmt sich etliche Freiheiten, aber ich empfand das Buch als gut geschrieben, flüssig zu lesen, amüsant und charmant.
Witzig, dass ist für mich ein Negativbeispiel für einen Hisorischen Roman par excellence. Nicht, dass er nicht unerhaltsam oder gut geschrieben war, aber ich hab selten so wenig das Gefühl gehabt, dass eine Geschichte in einer anderen Zeit spielt, wie bei dieser; kann gar nicht mehr sagen, woran ich das festgemacht habe, an tatsächlichen "Fehlern" lag es gar nicht, glaub ich. Aber irgendwie sind mir die handelnden Charaktere eher wie moderne Menschen im LARP-Kostüm vorgekommen. Ähnlich, wen auch nicht ganz so schlimm, empfand ich den Medicus, besonders den ersten Abschnitt in England (wohl weil ich da eine genauere Vorstellung von hab als von Isfahan). Das hätt meiner Wahrnehmung nach auch zur Zeit Cromwells spielen können, und es hätte sich nichts geändert. Wie gesagt, ist eher "gefühlt" als knallhart analysiert.

Bernard Gui, Jorge von Burgos, aber auch die wenigen ambivalenten Charaktere wie Abbo. Missverstehe mich nicht, es ist legitim, wenn der Autor Position beziehen will, und hier umso mehr, als Eco das Buch auch als Schlüsselroman angelegt hat. Ich finde es nur einfach albern, wie der Mann dem Leser die theologischen Streitfragen im Zentrum des Romans in aller Komplexizität zumutet, nur um sich dann darauf zu beschränken, die jeweilige Gegenmeinung als Domäne der Korrupten, Bösen und Feigen darzustellen. Das ist ein kleinlicher Ausweg.
Seh ich nicht so, bzw nur in der Person des Bernard Gui. Der ist als hexenjagender Inquisitor tatsächlich eine ziemliche Karikatur, obwohl es für die Geschichte nicht notwendig war. Abbo ist einfach... menschlich, und Jorge seh ich als Extremist, aber nicht als Karikatur, und auch nicht korrupt oder feige, sondern das genaue Gegenteil. Er steht mE für Autoritätshörigkeit und Dogma, im Gegensatz zu eigenem, auch Auoritäten hinterfrangendem Denken. Hier ist mir eher dessen Repräsentationsfigur William von Baskerville eine Spur zu aufgeklärt. Naja, aber da mag tatsächlich damit zusammenhängen, dass ich auch positional denke... ;)

müsste dir da nicht, obwohl es kein Historischer Roman ist, aber dennoch quasi als ein solcher gelesen werden kann, ganz besonders Fontanes Effie Briest gefallen?
Erstes Problem: Ganz, ganz schlimmer "Musst ich in der Schule lesen"-Bias, sry. Obwohl genau genommen "Hätte ich in der Schule lesen sollen, aber..." korrekt wäre... Zweites Problem: Ich bin zur sehr Kind des späten 20. Jh.; viele historische Romane haben einen derart ungewohnten Schreibstil, dass es keine leichte Entspannung ist, sondern... Arbeit ist zu viel gesagt, aber was in die Richtung. Und Romane lese ich nunmal hauptsächlich, um zu entspannen. Sonst greif ich eher zu einem Sachbuch als zur Belletristik. Ist leider ähnlich mit Englisch. Im Grunde kann ich es fließend, englische Filme: Kein Problem, aber längere Texte auf Englisch lesen tu ich einfach zu selten, daher ist es anstrengender, und ich greif wenn vorhanden lieber zur deutschen Übersetzung; was das Problem natürlich nicht behebt...

In Sachen Unterhaltung sind die Uthred-Romane von Cornwell ganz ok, wenn auch etwas weitschweifig und nicht ganz frei von "heutigen" Vorstellungen, aber auf jeden Fall gut als Urlaubslektüre.
Die Reihe hat mE nach einer Weile das gleiche Problem wie die Bücher von Ken Follett: Sie fangen irgendwann massiv an, sich zu wiederholen. Davon ab fand ich, sie haben einen gut in diese andere Zeit versetzt (soweit ich das beurteilen kann). Das einzige, was mir spontan zu heutigen Vorstellungen einfällt: Die Haupt-Protagonist selber (obwohl ja nun nicht mit allzu vielen Skrupeln behaftet) schreckt genau vor den Verbrechen zurück, die ihn in den Augen moderner Leser endgültig zum Unsympathen stempeln würden. Kann ich aber verstehen, warum Cornwell das so handhabt. Was ist dir da aufgefallen?

Ich hänge eine kleine Gemeinheit an: wer Wanderhuren & Co. schätzt, wird von France, Brecht (Caesar), Zamjatin (Priskos & Attila) heillos überfordert und enttäuscht sein...
Halt ich für unwahr. Wer sonst nur... schätzt, vielleicht. Ansonsten können auch die größten Geister hin und wieder am albernsten Schrott Gefallen finden. Twilight-Saga, Dschungelcamp, Transformer-Filme: Du wirst zu jedem Beispiel studierte Fans finden, die dir im Prinzip eine wissenschaftliche These schreiben könnten, warum ihre guilty pleasures, wie das auf Neuhochdeutsch heißt, eigentlich kulturelle Barbarei sind... ;)
 
Woran ich insbesondere interessiert bin, sozusagen als Lesehilfe, wären Antworten auf die Frage: Worin genau liegt der Unterschied zwischen »Schatz« und »Schund«? Oder: Was erwarten wir von einem »geschätzten« historischen Roman?
der Frage schließe ich mich an
*Bump* :P
Witzig, dass ist für mich ein Negativbeispiel für einen Hisorischen Roman par excellence.
Welcher Band, 'Tod und Teufel' oder 'Helden'? Oder beide?
Erstes Problem: Ganz, ganz schlimmer "Musst ich in der Schule lesen"-Bias, sry.
Keine Sorge, ich bin auch ein Millenial, und mir ging es genauso. Manches kann man vielleicht auch erst später im Leben schätzen lernen.

Ohnehin kann Kunstgenuss nicht verordnet werden.
[…] viele historische Romane haben einen derart ungewohnten Schreibstil, dass es keine leichte Entspannung ist, sondern... Arbeit ist zu viel gesagt, aber was in die Richtung. Und Romane lese ich nunmal hauptsächlich, um zu entspannen.
Mir erschwert etwas anderes den Zugang zu den Klassikern. Wer weiß, vielleicht habe ich ein zu negatives Menschenbild, oder wurde zu patriarchalisch sozialisiert, aber mein Interesse an literarischen Charakterstudien ist einfach zu gering. Alles Menschliche lässt sich auf Grundsätzliches reduzieren, auf Motive wie Liebe, Hass und so weiter, deswegen interessiere ich mich eher für den Ausgangspunkt als das Reduktionsprodukt (hoffentlich wird klar, was ich damit sagen möchte).

Außerdem kann auch schriftstellerische Brillanz, die jedes Wort mit Apothekersorgfalt wählt und wiegt, mich nicht für das Mundane begeistern. Ich habe genug damit zu tun, mein eigenes Hirn dazu zu bringen, beizeiten die Klappe zu halten, als dass ich dem ungefilterten Gedankenstrom Leopold Blooms einen ganzen Tag lang folgen könnte.
 
Zurück
Oben