Belatucadros

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Haetius, 7. April 2010.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das stellt ja auch niemand in Abrede.

    Eben. Und gerade deshalb reicht es eben nicht aus, Hypothesen in den Raum zu werfen und diese Hypothesen als Fakten darzustellen! Nur weil zwei Worte ähnlich klingen, z.B. aufgrund einer ähnlichen Konsonantenfolge, gehen sie noch lange nicht auf dasselbe Etymon zurück. Das reicht für eine Beweisführung nicht aus. Man muss neben der phonetischen Ähnlichkeit eben auch noch die gleiche Bedeutung nachweisen (oder ggf. semantische Verschiebungen) und - was der einzig halbwegs schlüssige Beweis für eine Verwandtschaft wäre - Ablautregeln herleiten können, die sich auch auf andere Worte anwenden lassen. D.h. ein Phonem in der Ursprungssprache muss - gleiche Wortgeschichte vorausgesetzt - auch immer dasselbe Phonem in der Zielsprache bilden. Ausnahmen, wie z.B. Neuentlehnung (Kultismen) oder Einflüsse der Wortumgebung berücksichtige ich der Einfachheit halber hier nicht mit.
    Also z.B.
    thou - Du
    thorn – Dorn
    thorrow – Dauer, ein altes deutsches Wort, das nicht die Zeitdauer meint, sondern das noch in be-dauer-n erhalten ist.
    thunder – Donner
    thursday – Donnerstag
    thinn – dünn
    thing – Ding (Altdeutsch auch Gericht)
    that – das vgl. mit Niederdeutsch/Niederländisch datt (what – watt)
    this – dies
    the – der/die/das
    thumb – Daumen
    there – da/dort
    therefore – dafür
    thirsty – durstig
    through – durch
    thanks – Danke
    thick ~ dick
    feather - Feder
    Englisches <th>, korrespondierend mit dem germanischen <þ> entwickelt sich im Deutschen also regelmäßig zum /d/, englisch-germanisches /d/ entwickelt sich im Deutschen dagegen regelmäßig zu /t/:
    day – Tag
    dove – Taube
    to do – tun
    door – Tor/Tür
    dead – tot
    death – Tod (Siehe auch wieder Analogie zwischen th und d)
    deer – Tier (Deer bezeichnet noch heute Wild in Nordamerika)
    dear – Teuer/Teure

    Solche Regelmäßigkeiten muss man auch nachweisen können, wenn man Ba'al mit Belenos, Belatucauros oder Balder in Verbindung bringen möchte.


    Natürlich gab es keine verbindliche Rechtschreibung. Nur wäre es eine Illusion zu glauben, dass die Schrift die Sprache ausreichend gut abbilden würde. Doch dieselben Muster müssen eben immer wieder auftauchen, denn Schrift ist ein System, was nur einen Nutzen hat, wenn Schreiber und Leser einander verstehen. Manche der Unterschiede sind im Übrigen nicht sprachintern sondern ein Problem verschiedener Transkriptionsschulen.
     
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  2. Haetius

    Haetius Neues Mitglied

    aber Baal und Bel entsprechen doch fast Belenus, Bali und Baldr. das n am Ende bzw. nos bedeutet ja meistens Mann oder Führer.
    Das Fest Balis heißt Onam. Hatte ich versehentlich oben auch falsch angegeben.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    :weinen: Es kann doch nicht so schwer sein zu begreifen, dass der Phonetik praktisch keine Bedeutung zukommt und die Morphologie und Semantik, sowie Ablautregeln das sind, was zählt.

    Ich würde das eher für eine Flexionsendung halten.
     
  4. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    enos bzw. enus setzt sich wie folgt zusammen:

    - en: = Verstärkungssilbe (wird vergleichsweise in der deutschen Sprache für den Plural oder für die Verbform gebraucht):

    Schlacht => schlachten
    Hecht => hechten
    Schaf (Singular)
    den Schafen (Plural Dativ)

    Die Bedeutung von en bedeutet hier in männlichen Namen bedeutet stark, gross.

    - der Suffix -os bzw. -us ist einfach die männliche Endung (im Vergleich dazu die weibliche Endung mit Suffix -a oder -ia

    Stephanus
    Stephania
    Carolus
    Carola
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Morphologisch betrachtet sind das verschiedene Dinge. Es handelt sich um unterschiedliche grammatische Morpheme. Allein schon beim Verb:
    -en = Pluralendung in der ersten Person
    -en = Pluralendung in der dritten Person
    -en = Infinitivendung
    Der Dativ Plural ist nun eine ganz andere grammatische Kategorie.
    "Verstärkungssilben" sind dagegen eine Möglichkeit der ungrammatischen Steigerung, also z.B. statt reich, reicher, am reichsten als Superlativ steinreich, oder statt faul, fauler, am faulsten der Superlativ stinkfaul.

    Ob nun -enos/-enus ein Morphem oder mehrere bilden, sei dahingestellt, das hat jedenfalls nichts mit der Endung des Dativ Plural oder den verschiedenen Plural- und Infinitivendungen beim deutschen Verb zu tun.
     

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