Das Osmanische Reich in Bosnien und Herzegowina

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von saracalex, 28. Juni 2006.

  1. ning

    ning Gesperrt

    Hallo Moerth,

    Das kleine Problem für mich bei deiner Frage ist - und hier wäre deine sprachl. Hilfe gefragt - ob die Ableitung Wlachen deinen Vlasi auch exakt entspricht.
    Über die "Wlachen"(*) (Vlaçi) gibt es gute Informationen(**).
    Diese Wlachen haben ursprünglich nichts mit den "ethnischen Serben" (Raizen/s. Raja) zu tun, wurden aber interessanterweise durch ihre Islamisierung zu Serben. Dieses Paradoxon erklärt sich unten.

    Sie sind eine sehr interessante Gruppe und zuverlässig "orthodox" wurden sie - allerdings als Moslems!
    Also, wir befinden uns in der Glanzzeit türkischer Vormachtstellung ab Anfang des 16. Jhs (Niedergang ab Mitte des 17. Jhs):

    (**) Als "Wlachen" wurden die Nachfahren illyrischer, thrakischer, dakischer Völkerschaften bezeichnet, die zur Römerzeit oberflächlich romanisiert und später von den einwandernden Slawen in die Berge abgedrängt worden waren. (Anm.: unklar bleibt, ob schon ursprüngl. oder aus diesem Schicksal heraus eine Kultur nomadisierender Viehhirten)

    Solange die serbischen Zaren herrschten, waren sie als unliebsame, rechtlose Störenfriede stets wieder vertrieben worden, sobald sie einen Vorstoß in dichter besiedelte, fruchtbarere Gegenden wagten; die Sultane boten ihnen nun die Gleichberechtigung im Stande der "Raja". Die meisten von ihnen slawisierten sich mit der Zeit, wurden vornehmlich Serben (also eine "Ethnogenese sprachlicher Art", sie wurden Srbi, serbisch Sprechende); nur in den beiden Donauländern WALACHEI und Modau (Moldava) überlagerten sie allmählich das zahlenmäßig schwächere slaw. Element und bildeten den Kern des heutigen rumänischen (Sprach-)Volkes.

    Sehr lange zählten die Wlachen zu den getreuesten und zuverlässigesten Anhängern der Osmanen, denen sie Bewegungsfreiheit für ihre Wanderungen, neue, ihnen früher verwehrte Weidegründe und Privilegien verdankten. Sie stellten den Türken, welche an den W(a)lachen wohl die Erinnerung an die eigenen nomadische Vergangenheit schätzten, vor allem bewaffnete Reiter ("Voynuken") sowie im Kleinkrieg bewährte Truppen ("Matrolosen").
    Wo immer die Türken auf ihren Eroberungszügen verödete, also verlassene Landstriche antrafen, in den Gegenden Südungarns od. Slawoniens zB, wurden als ersten Ansiedler Wlachen als ergebene und kriegerische Grenzbevölkerung zur Besiedelung geholt.
    (Anm.: die Osmanen hatten also hier das Vorbild zu den österr. Grenzern -Confini- geschaffen;
    zu den Matrolosen (übrigens auch die ersten Matro(lo)sen auf den türk. Kriegstschaiken auf der Donau): diese hatten die gleiche Kampfweise, die Guerillatechnik der "(christl.-serbischen) Hayduken" - aus dem Status rechtloser, also zur Räuberei verurteilter Nomaden/Hirtenvölker in den bergigen Gebieten entstanden; eine Wlachen-Verbindung mit den ebenfalls "orthodox-moslemischen" Albanern -Skipetaren- liegt natürlich auch nahe.)

    Diese sozialrevolutionäre Note der türkischen Eroberung zieht sich erfolgreich durch die damalige türkische Vormacht- und Vormarschbewegung und ergab also diese Umschichtung bzw. Besserstellung einserseits vormals ethnisch Ausgegrenzter (also damals noch "romanischer Völker" wie die Wlachen) ebenso wie religiös unterdrückter/isolierter Christen wie die Bogumilen Bosniens. Denn zugleich entkam man einem Leibeigenschaftssystem christlicher Prägung, das in seiner Unerbittlichkeit im europ. Abendland mit der Niederschlagung (ohne Pardon) der Bauernaufstände (Ende 15. jh. bis 1525/26) eine Realität war, die keine Wahl darstellte - angesichts des Angebots eines starken zentralistischen Osmanenreichs, das Besserstellung bei Übertritt zum Islam aber auch - zdst. in dieser Hochzeit des 16. Jh.s - religiöse Toleranz ggb. Christen gewährte.


    (*) Analogie zu deutsch "Welsche" oder Wallis, Wallonie, Wales, etc. - in Österreich und dem gesamten Alpengebiet blieb nach der Südbewegung der Germanenvölker (Völkerwanderungszeit) auch der Begriff "Walchen" (!), alle Orte mit Walch, Familiennamen wie Walcher, etc. gehen auf diesen ethn. Ursprung zurück; die Walchen, Welschen, Wallonen und Walliser waren also die verbliebene romaniserte (oder auch "lateinisierte"=Ladiner) Vorbevölkerung) - dt./slaw. Walchen/Wlachen=Umkehr von a und l wie zB. Waldemar zu Wladimir

    (**) Alle kursiven Zitate (ohne Anmerkungen) sind aus einem Buch, dass mich einmal mehr kleine, komprimierte und schlüssige Übersichten dicken Wälzern vorziehen lässt. Ich lege es euch sehr ans Herz (muss man leider im Antiquariats- od. Ebaynetz finden), weil es einem mit urteilsloser Objektivität durch das Dickicht der Vorgänge am Balkan von 1463 bis 1819 (Stefan Tomasevic bis Karadjordjevic) blicken lässt! Und der Titel entpuppt sich auf 134 Seiten als eine kritische und verständnisvolle Sicht auf alle Proponenten:

    Leignitz, Rainer: Des Kaisers Partisanen, Österreichs Türkenkriege und der Freiheitskampf auf dem Balkan (Wiener Domverlag als Erstherausgeber)
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2006
  2. saracalex

    saracalex Neues Mitglied

    Also wenn ihr schon ueber den ersten weldkrieg und uns Bosniche einwohner spricht dan will ich euch von der kuriositet erzehlen das meine uhrgrosvether im krieg gekempft haben. Das were nicht interesant wen einer nicht auf der seite der KoK war, und der andere in der koeniglich Serbischen armme. Dass alles were ja auch nicht so schlim wen beide nicht Muslims wehren. Und nach dem krieg kamen sie in ihr heimatdorf zurich und uhre kinder die se einpaarjahren spaeter bekamen haben geheratet....
    aber das ist eine andere geschihte...
     
  3. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    @Ning:
    Ein paar Bemerkungen und Fragen zu dem interessanten Text, den du reingestellst hast.
    Für Griechenland kann ich sagen, dass die Walachen oder Vlachen bis vor ein paar Generationen noch ihre rumänische Sprache gesprochen haben. Z.T. auch noch heute. Mich wundert das, dass dies in Serbien anders gewesen sein soll.
    Die verschiedenen Vlachengruppen haben sich je nach Land anders verhalten gegenüber den Osmanischen Besetzern. Z.T. kooperiert, was sicherlich in ihrem Interesse war. Aber z.T. haben sie auch mitgemacht bei den ganzen Aufständen gegen die Osmanen. Generel kann man also nicht sagen, dass sie immer mit den Osmanen kooperiert haben.

    Zum Wort Matro(lo)sen... verstehe ich das richtig, dass das ehemalige Matrosen gewesen sein sollen ?
    Meinst du nicht vielleicht die Martolos (italienische/venzaianische Aussprache) oder besser ausgesprochen mit der ursprünglichen Bezeichnung: Armatoli, d.h. die Bewaffneten, die zu osmanischer Zeit eine Art milizartige leichte Guerilla oder Infantrie war...?

    Mike
     
  4. ning

    ning Gesperrt

    "Also" über den ersten Weltkrieg haben wir eigentlich noch nicht einmal ansatzweise gesprochen. (Und falls ich das richtig nachvollzogen habe, hat Moerth ja seine ÖU(K.u.K.) Bemerkung zurückgezogen.)

    Dass sich diese Deine Geschichte (soweit ich sie richtig verstand) innerhalb vieler bosnischer Familien nun schon seit mehr als 500 Jahren immer wieder ähnlich wiederholt ist allerdings ein (und dereinzige) Ansatzpunkt, der zu unserem eigentlichen Zeitthema hier "Osmanen als Herren in Bosnien" passt ....
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Sehe ich gerade erst.
    Das ist natürlich Stil der 20er Jahre. Aus Werken von damals abgetippt. Aber Quellenangaben stehen doch dabei. Ich habe auf dieser Page eigentlich noch nichts falsches oder sonstwie anrüchiges entdeckt.
    Und diese Punkte über die Bosnier in der ÖU-Armee werden auch sonst bestätigt.

    ÖU hat natürlich ein paar hundert Jahre Balkan Erfahrung.
    Die haben die Bosnier und ihre anderen Südslawen am Isonzo gegen die Italiener eingesetzt. Und denen war da natrülich sehr wohl bewußt, dass sie ihre Heimat verteidigen. Mit anderen Worten, sie wollten die Österreicher nicht unbedingt gegen die Italiener eintauschen.

    Grüße Repo
     
  6. ning

    ning Gesperrt

    Hallo Mike, Antworten kömmen demnächst ;-)
     
  7. ning

    ning Gesperrt

    Ich kann mich leider nur auf Leignitz beziehen (und ähnlich steht es im Ausstellungskatalog "Die zweite Wiener Türkenbelagerung" des Museums der Stadt Wien):
    - dass jene Wlachen, die ins serbische Kernland einsiedelten (ab Mitte 15. Jh.) die serbische Sprache übernahmen, vermutl. nach und nach intensiver, weil sie mit den Ansässigen in den osman. Wiederstand gedrängt wurden (das passt nun zu deiner Bemerkung, dass manche Wlachengruppen nicht proosmanisch sondern zu "Österreichs Partisanen" wurden) und gemeinsam mit den ansässigen Raizen beim großen Aussiedelungstreck ("37.000 Familien", also 100.000 Menschen) aus dem Kosovo 1690 in die damalige Batschka und Slawonien, also auf neues österr. Eroberungsgebiet mit auswanderten. Und hier wirds ja interessant: ihre direkten Nachbarn über der Theiß waren ja ihre originalere Verwandtschaft, die diese Landschaft, den Banat auch derart überprägten, dass es völkerrechtl. nach dem 1. WK Rumänien zugeschlagen wurde ... diese Banat-W(a)lachen blieben proosmanisch

    - Überleitung zu den Matrolosen:

    "Matrolosen" verwendet Leignitz und ist wohl die überlieferte österr. Aufnahme ins Deutsche dieser Kleinkrieger.
    Die Ähnlichkeit zu "Matrosen" springt ins Auge, deshalb schrieb ich dieses Matro(lo)sen - Zufall oder gar kein Zufall, sondern die Zusammenführung und Verballhornung von Deinen "Almatori" und dem dt. Wort "Matrosen"...
    (Das Wort "Matrose" ist niederdt., also gänzl. german.-sprachl. Ursprungs, es kommt aus dem Niederländischen. (Ethymologen kamen bisher dabei auf nichts besseres, als "Jungs auf Schiffen, die nebeneinander auf Matten liegen"(frei nach Kluge).
    Ob der europ. Matrose für die walachischen Tschaikenpiraten alleine Pate stand und zu ihrer Bezeichnung "Matro-lo-sen" führte, kommt mir sonderbar vor. Leider fand ich nichts im Netz, hier wäre ein rumän. bzw. türk. Sprachkundiger (oder hyokkolose) gefragt ....

    Also, dein "Armatoli" würde genau zur Bewaffnung, Kreigstechnik der Matrolosen passen, möglichweise sind sie ein und das selbe, das eine Wort walachischer und das andere deutsch-verballhornender Zunge.... w.a.i.: ich weiß es nicht.

    ;-)
     
  8. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Da die Vlachen in Stämmen organisiert waren, die unabhängig voneinander agierten und als Nomaden und Viezüchter eh im ganzen Balkan unterwegs waren, ist das alles nachvollziehbar was du schreibst.

    Zu den Martolos...
    die ursprüngliche Bezeichnung lautet Armatoli (=die Bewaffneten), kommt vom griech. Wort Arma bzw. Armata (Plural) was Waffe bedeutet.

    Die Armatoloi (ital. Bezeichnung Martolos) wurden als eine Art Miliz von den Osmanen in Hellas aufgestellt mit eigenen Anführern (Kapetan) und besoldet.
    Ihre Aufgabe war die verschiedenen Räuberbanden, Vogelfreien, Partizanen und Unzufriedenen etc. zu jagen und zu bekämpfen. Daher waren sie im Guerillakampf erfahren, also so eine Art Konterguerilla.

    Soweit ich weis gab es diese Armatoloi auch im sonstigen Balkan, ich vermute dass sie jeweils aus der heimischen Bevölkerung rekrutiert wurden.

    Die typischen Gegner der Armatoloi in Hellas waren die Klephten, was direkt übersetzt Räuber heisst. Jedoch hatten diese eher den Ruf eines griech. Robin Hoods, der den Reichen und Bösen was wegnimmt und es den Armen gibt...

    Interessanterweise rekrutierten sich imn griech. Befreiungskrieg gegen die Osmanen die härtesten und erfahrendsten Kämpfer aus diesen Klepthen und Armatoloi.

    So, genug doziert... hoffe ich habe dich nicht gelangweilt :winke:
     
  9. ning

    ning Gesperrt

    Keineswegs! :yes:

    Selbiges Robin Hood-Image wie die Klephten hatten die (serb.) Hayduken (Heiducken), und logisch: auch sie christliche, verwegene Burschen, des tags brav Viehbauern und -züchter und des nachts Räuber, Störer, Paschaärgerer - auch sie: Vorgänger und Basis des christlichen Wiederstands und Kerntruppen bei den Auftständen von Karpos, Mihaljevic, Karadjordjevic - so erfochten sie in geordneten Verbänden für die österr. Reconquista glänzende Siege - schmachvoll für Österreich, das diese Verbände dann in den Kriegen des 18. Jh. (vor allem Josephs II Krieg - der war ja völlig sinnlos, feig und dämlich geführt) im Stich ließ und so die enttäuschte Abkehr von Ö und Verselbständigung des serb. Freiheitskampfes erzeugt hat.

    Aber Entschuldigung, kehren wir nun zurück in das in genau diiesen Zeiten Sultantreue Bosnien, Bollwerk, Ausfalls- und Nachschubsinsel der Osmanen in all den Kriegen zw. 1683 und 1786!
     
  10. saracalex

    saracalex Neues Mitglied

    Wileicht wir es euch etwas weiterhelfen (oder nicht) aber bei unz in Bosnien besonders bei den Muslimischen menchen steht das wort VLAH (VLACH) fuhr "DER UNGLEUBIGE", "DER NICHT MUSLIME IST".
    Oder einfach jemand der zu der Christlichen religion gehort.

    Und es gibt das sprichwort wen jemand angst vor etwas hatt dan sagt mahn zu ihm "Du hast angst, so wie der Vlach von der Musche" oder "Du renst weck wie der Vlach von der Musche.
     
  11. ning

    ning Gesperrt

    Danke Alex ;-)

    Deshalb meine Conclusio: Die Walchen waren Fremde, Ursprüngliche, jene, mit den "älteren Rechten". Die , die vorher da waren. Und zum Spielball verdammt, um zu irgendwelchen Rechten zu kommen..

    Und deshalb waren sie zur Opposition gezwungen. Outlaws hier: im (zack-zack) muslimisch gewordenen Bosnien - "Bosnien fiel ohne einen Seufzer" - und da: in den katholischen oder christlich-orthodox dominierten Ländern nördl. und östl. der Donau und Save.
     
  12. saracalex

    saracalex Neues Mitglied

    Tut mir leid aber Bosnien viel nicht in ein paar tagen.
    Vom erstem kampf der Bosnischen arme mit den Osmanen bis zum letztem vergingen 140 Jahre.
    Anderseits glaube ich nicht das der grund dafuehr die Sterke der Bosnischen Armme war, sonder war es mehr die damahlige politik des Osmanischen reiches. Habe jetzt keine zeit weiter darueber zu schreiben.
    Nechstes mahl.

    THX.
     
  13. ning

    ning Gesperrt

    Bin schon neugierig.

    Zu meinem Zitat: "Bosnien fiel ohne einen Seufzer", ich werde noch rechercherien, wer den Spruch tätigte, aber er stammt vermutl. aus dem 19. Jh.
    Er bezog sich auf das aristokratische Bosnien, denn die ehem. bogumilische Herrschaftsschicht wechselte fast ausnahmslos, geschlossen also und innerhalb zweier oder dreier Generationen (also viel weniger Jahren als 140) nach dem Tod (auf der Flucht nach der Schlacht) des bosnischen Königs Tomasevic zum Islam!
    (Die ehm. Königs-Familie u.a. waren natürlich raus aus dem Spiel.)

    Mit der Gesamtheit der Bevölkerung sah das en Detail bestimmt wohl eher so aus, wie du sagst, aber auch für Bosnien galt wohl: cuius regio, eius religio - dh. dass mit der jeweiligen "Herrschaft" auch deren Untergebenen als moslemisch gerechnet wurden. Mittelalterliche bzw. Renaissance-Statistik sozusagen - dem Christentum wurde gewiss noch länger (nostalgisch) angehangen, nehme ich an bzw. mischten sich vielleicht das NT und bogumilische Riten als Lokalkolorit in den frisch angenommenen Islam hinein (?)- dazu fehlt mir Literatur und genaueres Wissen. ich versuch das nachzuholen oder vielleicht kannst du hier etwas reinstellen .... diese Übergangszeiten sind doch interessant.

    Was mir ein Rätsel ist: weshalb musste eigentl. der bosnische Adel und danach auch der größere Teil des "Volkes" sich vom Bogumilentum abwenden bzw. abkehren, wenn doch das so "religionstolerante" Regime des Sultans ihnen endlich Befreiung und Schutz vor Verfolgung vor Katholiken und Orthodoxen sicherte ... ?
    Weil es ein religiös-pseudoethnischer Durcheinader schon damals war?
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2006
  14. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Ich habe mich dies auch schon gefragt...
    Ich vermute mal, dass nach den ganzen Verfolgungen von katholischer und orthodoxer Seite, der Adel einfach mal mitbestimmen wollte. Und es ging um das Sichern der Privilegien und des eigenen Besitzes.

    Im übrigen wurden diese Konvertierungen von einigen -vorher byzantinischen, serbischen, bulgarischen etc.- Adeligen ja vorgemacht.

    Zu überprüfen wäre noch folgendes, welche religiösen Träger diese "Überzeugungsarbeit" tatsächlich gemacht haben.
    Wenn es z.b. Derwische vom Bektaschi-Orden waren, könnte ich die Konvertierung gut nachvollziehen. Die waren ja auch für die religiöse Erziehung der Janitscharen zuständig und hatten einen geradezu universalistischen religiösen Ansatz. Mit den richtigen Argumenten und der Aussicht zur Machtelite zu gehören, war die Entscheidung vielleicht doch nicht so schwer ?
     
  15. ning

    ning Gesperrt

    Das kann ich absolut nachvollziehen. Auch von den Bektaschi-Derwischen habe ich gelesen.

    Ich verdächtige die Konvertitengeschichte einerseits eines Geschäfts, eines Deals, was die Privilegien betrifft. Der leise Ruch von Zwang hängt der Sache an.

    Aber andererseits (ganz Deiner Ansicht): alles steht und fällt mit den Köpfen und den dazugehörigen Händen: Ich würde auch vermuten, dass Bosnien gut geführte Hände in sein -zunehmend geschlossenes- Muselmanentum geführt haben. Und die Bevölkerung Bosniens eigentlich erstmals auf die glückliche Seite des Lebens wechseln konnte , wollte und es bis heute -man kann sagen treu- mit dieser Entscheidung hält.

    PS: Das mit den Janitscharen und ihrer Erziehung muss noch über die Jh.e differziert werden. Ich sehe in dieser Kriegerkaste nämlich etwa ab dem 17. Jh. einen der Viren oder besser Metastasen im "kranken Mann am Bosporus" ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2006
  16. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Ich habe letztens ein sehr Interessantes Buch über die Janitscharen von Osprey gelesen (ach übrigens, auch einen sehr gut geschriebenen Roman zum gleichen Thema!) und habe so mehr von diesem sehr interessanten Orden erfahren. Ich kannte den Namen zwar schon vorher, aber konnte mir nicht viel darunter vorstellen. So wie die Bektaschis Religion praktizierten und propagierten, das war schon was besonderes. Erinnerte mich sehr an die universalistische Botschaft des Sufismus...

    Ansonsten, natürlich war auch Druck dahinter, ist doch klar...
    Über das gesamte Osm. Reich gehörten die Bosnier ja auch eher zu den Gewinnern, wenn ich das so platt sagen darf. Sie stellten einen nicht unerheblichen Teil der osm. Elite.
    Das mit dem dogmatischeren Sunnismus und der darauffolgenden Rückständigkeit kam erst später. Insofern war es sicherlich attraktiv den Islam anzunehmen. Und wie gesagt, das machten nicht nur die Bosnier, auch diverse andere Landbesitzer, z.b. auch ein Teil der byzantinischen Proonia-Besitzer (später in Timare umbenannt) konvertierten und stellten die Roumeliotischen Siphahi-Reiterei...(Verräter! =) )

    Das mit den späteren Janitscharen ist richtig, nur noch Last...so wie alle Palasttruppen, die nicht mehr richtig beschäftigt werden.

    P.S. noch zu den Bosniern. Ich weis nicht wie es früher war, aber ich kenne einige Bosnier hier in Deutschland und ich muss sagen, da ist garnichts mit fundamentalistischen Islam o.ä. Nicht nur sehr sympatische und nette Leute, sondern auch sehr sekulär (richtig geschrieben?) aufgestellt... Mir scheint, religiös sehr viel enspannter als ihre christlichen Nachbarn... Na ja, aber das gehört wohl eher in die Neuzeit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2006
  17. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied

    Wann hat begonnen und wann wurde der Konvertierungsprozess zum Islam in Bosnien abgeschlossen?
    Wenn ich mich nicht irre, schreibt man das Wort “Hund” IT auf Türkisch mit “I” und nicht mit “Y”.

     
  18. ning

    ning Gesperrt

    Begonnen wohl unter Mehmets Sohn, der mit B. beginnt und den ich jetzt nicht suche und der Konsoldierungspolitik betrieb (etwa ab 1480)
    Abgeschlossen? Innerhalb der Gesamtbevölkerung nie: als ÖU das Mandat über Bosnien und die Herzegowina 1878 auch faktisch übernahm, waren die Muslime immer noch die Minderheit und über 50% des Landes alleine serb.-orthodox, und dann war noch jede andere orthodoxie vertreten, slawisch, kleinasiatisch etc. etc.

    Maßgeblich für den polit. Verbleib war der Übertritt der Grundbesitzenden "ohne Seufzer" innerhalb weniger Jahrzehnte, also innerhalb der Regentschaft der beiden Nachfolger von Mehmet auf Grund dieses Systems:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Timar
    Aber das wirst du ja selber wissen. Bitte um Deinen Vortrag ;-)

    -

    Meine Signatur müsste Seldschuk berichtigen ...
     
  19. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Muss ich nicht berichtigen! Ist richtig! Da Du das wahrscheinlich kopiert und nicht selbst geschrieben hast und dein PC nicht auf die türkische Sprache eingestellt war, ist aus dem "i" ein"y" geworden, da es noch einen Buchstaben "i" im türkischen gibt, ohne den Punkt. Dieser Buchstabe , hätte ning ihn kopiert, wäre als "i", allerdings ohne Punkt, kopiert worden.
     
  20. ning

    ning Gesperrt

    Stimmt! ... und das nicht aus Faulheit sondern aus Hochachtung vor anderen Sprachen (=Werten), hab alle Versionen abgewogen ... übrigens, Hund und Karawane hab ich schon gefunden, als wir uns noch angekläfft haben, in weiser Voraussicht, dass das einmal anders sein wird. ;)

    Aber zurück nach Bosnien. Wir haben also feststellen können (besser: die Geschichte belegt es), dass Bosnien zur Zeit osmanischer Hohheit und Glanzzeit (Anfang 1500 bis Mitte/Ende 1600) auf Grund des Übertritts der bestimmenden Oberschicht ein danach auch nie erobertes Bollwerk der Osmanen wurde.
    Bosnien galt den kaiserl. Generälen in den Kriegen von 1685 bis 1785/88 als uneinnehmbar (wohl auch aus geograph. Gründen), man hatte viel zu tun, Ausfälle und Versorgung der Osmanischen Hauptfront (südl. der Donau) aus Bosnien zu unterbinden.
    Bosnien hat also einen Sonderweg genommen, worauf es derart sultanstreu verblieb, sei dies durch mehr Toleranz (siehe Konvertierungspolitik) oder auch weniger Unzufriedenheit (Toleranz ggb. christl. Orthodoxen) geschehen, die die Bevölkerung auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit noch nicht ethnisch trennte, sondern eben nur versch. Religionen anhängen ließ.

    Zweitens (wenn nicht erstens) sollten wir die eigentliche "Urbevölkerung", jene Wlachen gerade im Falle Bosniens nicht aus den Augen verlieren. Von einem Genozid der Vorbevölkerung bei Einwanderung und Machtübernahme der slawischen Volksscharen ist keine Rede in der Geschichte - man schreibt in allen Quellen vom "Zurückdrängen" ins Gebirge - ergo ist genau Bosnien ein diesbezüglich passendes Rückzugsland für die romanisierte illyrische ansässige Hauptbevölkerung.

    Die Trennung allerdings, durch die die Muslime plötzlich zu einem "anderen und eigenen Volk" wurden, beginnt m.E. vor, mit und nach Entstehung des SHS-Königreiches (das unglücklicherweise das Selbstverständnis der Bosnier als Muslime und folglich polit. Einheit schon im Namen ausschloss); - also mit den unseligen und eigentlich unsinnigen "völkisch-nationalistischen" Tendenzen des GESAMTEN 19. Jh.s, die im KR Yugoslawien als treibende Kraft den russ. geprägten und serb. exekutierten Panslawismus betrieb. Und sonderbar, der Balkan: genau hier wird das verbindende "Pan-"Element und der Versuch der Vereinheiltichung zum Desaster des Auseinandertreibens auf Grund der unüberwindlichen Grenzlinie zw. Morgen- und Abendländischer Kultur, die die Osmanen in Europa gezogen hatten.

    Irrig ist für Bosnien aber die Annahme, die Konvertierung zum Islam wäre flächendeckend bzw. mehrheitlich gewesen. Viel mehr war das schwer zugängliche Bosnien innerhalb seiner bergigen Umfassung bis zur Übernahme durch ÖU jener "Fleckerlteppich" (österr. für ein grob gewobenes Teppichgewebe mit bunten Stoffenresten) geworden, er auis versch. Religionszugehörigkeiten unversöhnl. "ethnische" Wiedersacher herausentwickelte.
    Aber - standen sich auch da vielleicht nicht doch immer nur Wlachen und Slawen gegenüber ... (sorry für den Ausritt Richtung Phantom 1991 - aber, es geht schwer ohne, ich kann nur durch den Fluss etwas erkennen..)

    Dies als Ansatz - zur Diskussion und schönen Tag noch!
     

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