Du musst kein frisches Wasser mitführen. Die Tiere tranken, was auf dem Weg zu finden war, die Menschen bekamen
posca. Das konnten sie mit
Quellwasser strecken (ich trinke auch heute noch auf Bergwanderungen Quellwasser). Posca (Essig) desinfizierte. Beim Lagerbau wurden
Brunnen angelegt.
In Spanien findest du bei mittelalterlichen Burgen sogenannte
Corrachas. Das sind Wehrgänge, die eine Burg mit einem Fluss verbinden, um eine sichere Wasserquelle zu haben. Flusswasser ist also in vormodernen Zeiten - wenn man sich nicht gerade unterhalb einer Großsiedlung befindet - trinkbar.
Dass man Gegnern das Wasser abgrub, kam immer wieder vor. Caesar (bzw. eigentlich Aulus Hirtius) beschreibt das z.B. im Gallischen Krieg - twar war das Abgraben im Falle von Uxellodunum nicht möglich (wurde aber offensichtlich in anderen Fällen praktiziert), aber die Bewohner wurden daran gehindert, den Fluss zu erreichen:
Cum contra exspectationem omnium Caesar Uxellodunum venisset oppidumque operibus clausum animadverteret neque ab oppugnatione recedi videret ulla condicione posse, magna autem copia frumenti abundare oppidanos ex perfugis cognosset, aqua prohibere hostem temptare coepit. Flumen infimam vallem dividebat, quae totum paene montem cingebat, in quo positum erat praeruptum undique oppidum Uxellodunum. Hoc avertere loci natura prohibebat: in infimis enim sic radicibus montis ferebatur, ut nullam in partem depressis fossis derivari posset. Erat autem oppidanis difficilis et praeruptus eo descensus, ut prohibentibus nostris sine vulneribus ac periculo vitae neque adire flumen neque arduo se recipere possent ascensu. Qua difficultate eorum cognita Caesar sagittariis funditoribusque dispositis, tormentis etiam quibusdam locis contra facillimos descensus collocatis aqua fluminis prohibebat oppidanos.
Als Caesar entgegen aller Erwartung nach Uxellodunum gekommen war und bemerkte, dass die Stadt durch Befestigungswerke eingeschlossen war und dass es unter keinen Umständen möglich schien, von der Belagerung abzusehen, und als er von Überläufern erfahren hatte, dass die Bewohner der Stadt über einen großen Vorrat an Getreide verfügten, begann er zu versuchen, den Feind vom Wasser abzuschneiden.
Ein Fluss durchquerte das tiefste Tal, das beinahe den gesamten Berg umschloss, auf dem die ringsum steil abfallende Stadt Uxellodunum lag. Ihn abzuleiten verhinderte die Beschaffenheit des Geländes: Denn der Fluss verlief unmittelbar am Fuß des Berges so tief, dass er durch ausgehobene Gräben in keine Richtung abgeleitet werden konnte.
Für die Bewohner der Stadt war der Abstieg dorthin zudem so schwierig und steil, dass sie, wenn unsere Truppen dies verhinderten, weder ohne Verwundungen und Lebensgefahr zum Fluss hinabsteigen noch sich über den steilen Anstieg wieder zurückziehen konnten.
Nachdem Caesar diese Schwierigkeit erkannt hatte, stellte er Bogenschützen und Schleuderer auf und positionierte außerdem an einigen Stellen Geschütze gegenüber den am leichtesten zugänglichen Abstiegen. Auf diese Weise hinderte er die Bewohner der Stadt daran, Wasser aus dem Fluss zu holen.
Es gibt Quellen, etwa zum Markomannenkrieg oder zu Karls des Großen Sachsenfeldzüge, die von Regenwundern berichten: Die Römer/Franken litten Durst, als plötzlich, nach einem Regen, Quellen sprudelten und die Römer/Frankren retteten. In der antiken und mittelalterlichen Literatur als Wunder behandelt, heute von der Geologie erklärt: Intermittierende Quellen.
Ammianus Marcellinus berichtet von einem Wasserholer (
aquatus) im römischen Heer.
Eine andere Stelle ist aber interessanter: Durch Gefangene wird eine Abteilung des römischen Heeres unter dem Befehl von Arintheaus während des Perserkrieges dazu veranlasst, den Fluss zu verlassen. Arinthaeus veranlasst, die meisten Schiffe zu verbrennen (um sie nicht den Feinden in die Hände fallen zu lassen -
ne relicta classis usui hostibus foret) -
subiectis ignibus exuri cunctas iusserat naves - und packt zwölf kleinere auf Wagen, um sie später als Material für Brücken nutzen zu können -
praeter minores duodecim, quas profuturas pangendis pontibus disposuit vehi carpentis.
Als die römischen Soldaten aber sehen, was vor ihnen liegt - die Schiffe sind bereits unrettbar verbrannt - fürchten sie, nicht mehr an Wasserquellen zu kommen. Deshalb kehrte man doch wieder zum Fluss zurück:
Dein cum metuens sibi quisque mussaret monstraretque perspicua veritas, quod repulsus forsitan ariditate vel altitudine montium, ad aquas redire non poterit miles, tortique perfugae aperte faterentur se fefellisse, concursu maximo extingui iussae sunt flammae. et quoniam ignis auctus inmaniter plerasque consumpsit, duodecim tantum modo naves potuerunt intactae servari, quae ut possint custodiri discretae sunt.
Ammianus war selber Soldat und Teilnehmer des Feldzuges.
Die Region, die Ammianus hier beschreibt, ist nicht das liebliche Mitteleuropa, sondern die mesopotamische Wüste, der heutige 'Iraq. Aber selbst hier musste Wasser auf dem Marsch genommen werden. Was im 'Iraq grundsätzlich - wenn auch unter erschwerten Bedingungen - möglich war, soll am Osning oder im Wiehengebirge, wo es hinreichend Bäche gab und gibt oder in der Tiefebene, wo das Grundwasser - von Geestrücken und Binnendünen abgesehen - recht hoch steht, ein logistisches Problem gewesen sein?
Und Vitruv meint sogar, dass das Wasser im Norden besonders geeignet zum trinken sei:
Haec autem maxime in montibus et regionibus septentrionalibus sunt quaerenda, eo quod in his et suaviora et salubriora et copiosiora inveniuntur.
Und er nennt bestimmte Baumarten als Anzeiger für Wasserstellen:
Signa autem, quibus terrarum generibus supra scriptum est, ea invenientur nascentia: tenuis iuncus, salix erratica, alnus, vitex, harundo, hedera aliaque, quae eiusmodi sunt, quae non possunt nasci per se sine umore.
Plinius (NH XXXI, 21) philosophiert über die unterschiedliche Trinkwasserqualität nach Art des Wassers: Brunnenwasser, gegenüber Wasser aus Fließgewässern (er bevorzugt natürlich Wasser aus Fließgewässern), sagt aber auch, dass manche Leute Regenwasser oder Schmelzwasser von Schnee bevorzugen, denn Regenwasser sei leichter (es sei ja zuvor in den Himmel gestiegen) und Schmelzwasser von Schnee sei nach Meinung einger sogar noch besser und das von Eis sowieso am besten. Plinius weist dies aber alles zurück. Regen- und Schmelzwasser, sei nicht reiner.
Aber wir sehen: Die Römer nahmen Wasser, wo sie es fanden und kannten die notwendigen Techniken. In Südniedersachsen oder in Westfalen sollten sie damit kein Problem gehabt haben.
Nahrung für Tiere und Menschen wurde mitgeführt. 30 Tage waren möglich. Varus bei den Cheruskern wird wohl von diesen versorgt worden sein, so wie Caesar sich von den Haeduern und anderen Galliern versorgen ließ.