Der Slawenaufstand 983

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von balticbirdy, 23. August 2010.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Na gut, war nicht böse gemeint. Solltest du dich mies behandelt fühlen, entschuldige ich mich hiermit vor allen im Forum.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. September 2010
  2. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    Ist schon ok - laß uns das einfach vergessen. :)
     
    1 Person gefällt das.
  3. Silli

    Silli Neues Mitglied

    Wie bereits erwähnt, befindet sich unsere Region Uckermark westlich und südlich von Stettin und unterstand hunderte Jahre den Pommern. Die hier siedelnden Ukranen (wo sie genau hingehören ist man sich nicht ganz sicher, wahrscheinlich Lutizen) sollen besonders (?) kirchenresistent gewesen sein.
    Vielleicht hat sich deshalb hier doch etwas länger gehalten als anderen Ortes. Ich war über diese Aussage beim Lesen auch äußerst überrascht, daß zu dieser Zeit das wohl doch noch eine Rolle spielte, obwohl es für die Zeit danach oder davor keine weiteren Hinweise gab. Die Slawen sollen ja als Fischer den hiesigen Kietz besiedelt haben. Funde belegen das. Inwiefern dort bis zum besagten Zeitpunkt eine Vermischung stattgefunden hat, kann ja niemand sagen. Die Zeit war lang und viele Slawen dürfte es nach dem Wendenkreuzzug nicht mehr gegeben haben. Aber wahrscheinlich war es wohl offensichtlich so, daß ein slawischer Name mit Wohnort Kietz schon ausschlaggebend war.
    Allerdings galt der Markgraf als äußerst jähzornig, stur und rau und erhielt den Beinahmen "toller" Markgraf. Es wäre möglich, daß es auch nur eine Marotte von ihm war. Dagegen steht aber das offensichtliche Verbot, wendisch zu sprechen in seiner Gegenwart.
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    "Kietz" war mal die Bezeichnung für eine Fischersiedlung.
     
  5. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Verzeiht, wenn ich von der Schalker Westkurve und dem § 175 nochmal an den Anfang des Thema zurückgehe, und zwar zur - für mich plausiblen - These, die Ereignisse um 983 wären "in der deutschen Geschichte sträflich vernachlässigt" worden.

    Aber warum? Es hängt zum einen sicherlich zusammen mit der sog. "panborussischen" Geschichtskonzeption, die anfangs des 19. Jh. aufkam. Ranke etwa [1] grenzt "slavische, lettische, magyarische Stämme" ausdrücklich aus seiner Darstellung aus, weil diese "eine eigenthümliche und besondere Natur (haben)" und konzentriert sich bewusst auf die "stammverwandten Nationen entweder rein germanischer oder germansich-romanischer Abkunft, deren Geschichte der Kern aller neueren Geschichte ist". Ranke war kein Panborusse und formulierte noch relativ vorsichtig, was andere nach ihm nicht mehr taten, sondern stattdessen die Slawen als "kultur- und geschichtslos" denunzierten.

    Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage, welche Aspekte der slawischen Geschichte gewürdigt werden und wie das geschieht, durchaus an Bedeutung. Wenn ich mich recht erinnere, haben deshalb gerade DDR-Historiker versucht, vorhandene Defizite aufzuarbeiten [2].

    Bei Herrmann [3] fand ich den Hinweis, dass in der Gemeinde Wustrow im Hannoverschen Wendland 1756 der Tod der letzten drawehnopolabisch sprechenden Frau im Sterberegister vermerkt wurde - habe bisher nicht mal gewusst, dass es eine solche Sprache gab. :rotwerd:


    [1] Vorrede zu Geschichten der romanischen und germanischen Völker von 1494 bis 1514 (1824), hier zitiert nach der 3. Auflage 1885, S. V.
    [2] Am bekanntesten wohl das Handbuch Die Slawen in Deutschland. Geschichte und Kultur der slawischen Stämme westlich von Oder und Neiße vom 6. bis 12. Jahrhundert, hg. v. J. Herrmann. Berlin 1970, letzte Aufl. 1985, das ich leider nicht zur Verfügung habe.
    [3] Die Slawen in der Frühgeschichte des deutschen Volkes. Braunschweig 1989, S. 28.
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Der "Hermann" ist auf dem Trödelmarkt billig zu bekommen, was er eigentlich nicht verdient hat. Kaufen...
     
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Man kennt nicht mal die polabische Sprache genau, es gibt nur ein paar dürftig überllieferte Wortlisten. Manches ist in die deutsche Sprache eingegangen, meistens Fachbegriffe aus der Fischerei (Plötze, Ukelei...) oder Botanik.
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Man sollte die Slawen nicht nur als Opfer sehen. Die Obotriten plünderten Hamburg und Ribe in Jütland, die Ranen waren berüchtigte Piraten, die auf den dänischen Inseln keinen Ziegel heil liessen.
     
  9. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Völlig richtig! Es kann keine Rede davon sein, dass sie sozusagen die besseren Menschen waren; sie waren ebenso wenig "edle Wilde" wie die Indianer... :)autsch: für diesen Vergleich).

    Aber darum geht es mir nicht, sondern eben um das partielle historiographische Schattendasein. Das fängt schon bei den Römern an, die über die Germanen einiges wussten, über die Kelten weniger, und über die Slawen am wenigstens. Wie schon anderswo bemerkt, gibt es nur zwei frühe Quellen, nämlich Prokopius [1] und Pseudo-Maurikios. Letzterer schrieb, sie würden "in Freiheit leben und sich von niemandem beherrschen lassen. Aber man dürfe sie nicht allzu sehr reizen, denn dann würden sie unter einem Anführer im Krieg alle zusammenhalten" [2]. - Für die Elbslawen traf das offenbar noch um die Jahrtausendwende zu.


    [1] Siehe den frühen Hinweis in http://www.geschichtsforum.de/224619-post172.html
    [2] So die knappe Zusammenfassung bei Uwe Wesel, Geschichte des Rechts in Europa. München 2010, S. 132
     
  10. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nun, es waren weder "edle" noch andere Wilde, sondern mindestens genauso ziviliersierte Menschen wie die Bewohner des restlichen Mitteleuropa. Was da so angeführt wurde, um die "deutsche" Überlegenheit zu beweisen, -Räderpflug, Steinbauten-, bitte, auf dem mageren Boden,-bis auf kleine Ausnahmen-, tuts der alte Hakenpflug allemal. Zu der Zeit war nämlich unsere Heide noch ziemlich unbesiedelt!
    Und bau mal mit Ziegel und Stein, ohne ausreichend Steine und Ton.
    Also WILDE waren das nach meiner Meinung nicht.
    Die Zeitgenossen haben das anders gesehen, weigerten sie sich doch, ins Reich umzuziehen um für die edlen Herren unentgeltlich zu arbeiten und sich taufen zu lassen. Da musste man sie eben zwingen, uneinsichtig, wie sie waren.

    Ich finde übrigens den Namen "Elbslawen"bezeichnend für den mangelnden Respekt, den die Wissenschaft diesen Leuten entgegenbringt. Damals hießen sie noch Wenden, bezeichnet doch "Slav" im niederdeutschen einen dem Vieh gleichgestellten Menschen.
    Und die Obotriten , Ranen, Ukranen usw wohnten ja vergleichsweise weit weg von der Elbe. In der Lesart wären die Wendenkreuzüge Kämpfe zwischen Elbgermanen und Elbslawen gewesen.
    Es war aber schlicht ein Eroberungskrieg des Herzogs von Sachsen und Bayern, um von innenpolitischen Schwierigkeiten ab zu lenken , die Widersacher im Innern wieder an sich zu binden und sich ein reichsunabhängiges Gebiet zu erwerben.

    Licht in dieses bisher unbeleuchtete Kapitel deutscher Geschichte zu bringen, scheint von Nöten
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Weiß der Gottseibeiuns was "Slav" im Niederdeutschen bedeutet.

    Das meint WIKI zum Namen der Slawen zu wissen:
    Was heißen würde, es ist umgekehrt Deiner Vermutung:

     
  12. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    slav=Sklave
    Auch wenn´s eine Selbstbezeichnung ist, was ich auch gelesen hatte, ist´s durch den Bedeutungswandel im deutschen eine unschöne Bezeichnung. Irgendwie gedankenlos, wie die unkritische Übernahme der angeblichen kulturellen Unterlegenheit in der Vergangenheit. Das scheint sich aber wohl in letzter Zeit zu ändern
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Kennst du nicht den berühmten Spruch der Friesen gegen jegliche Unterdrückung und für ihre friesische Freiheit?

    Lewer duad, as slav!

    So stehts auch im Wappen der Nordfriesen und so wurde es von Detlev von Liliencron in seiner friesischen Ballade "Pidder Lüng" verwendet!
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Seis drum.

    Ich erinnere hier dann halt mal wieder an das erfolgreiche
    "slawische Kulturmodell"
    Was der Typus "Leibhusar" unter den Historikern im 19. Jahrhundert (Wilhelm Blos) natürlich nicht erkannt hat.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Deine Argumentation ist nicht ganz sauber. Natürlich ist über das Griechische das Wort Sklave vom slawischen Wort für Slawe abgeleitet, aus einer Herkunfts/Zugehörigkeitsbezeichnung wurde eine Produktbezeichnung. Dennoch handelt es sich um verschiedene Worte. Ebenso im Englischen, wo man zwischen slav und slave unterscheidet und so auch im Niederdeutschen, wo man zwischen slaav und slav unterscheidet. Daher sehe ich keine Problem, Slawen auch weiter als Slawen zu bezeichnen.
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Im Englischen sagt man "slawonian". Es gibt sogar einen "Slawonian Grebe", der auf Deutsch schlichtweg "Ohrentaucher" heisst.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Leider hat mein Kakerlakenbeispiel keinen Wohlgefallen gefunden.:cry:

    Aber, historisch geblieben, was können die Goten dafür, dass einer, denen ein gewisser Baustil nicht gefiel, diesen "gotisch" nannte?
    Inzwischen heißt er allüberall so, ohne jeden negativen touch.
    Aber die Goten können immer noch nichts dafür=)
     

Diese Seite empfehlen