deutsch-englischer Rüstungswettlauf um 1900

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Gast, 22. Januar 2011.

  1. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Hier hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Das Buch ist 1971 erschienen und nicht 1941.
     
  2. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Vielleicht kommen meine Kommentare für deinen Vortrag zu spät, aber ich möchte dennoch auf deine Aufstellung eingehen.

    Um die Flottenrüstung zum Ende des 19.Jahrhundert zu verstehen, ist es wichtig diese im direkten Zusammenhang mit dem Imperialismus jener Jahre zu sehen.
    In der Zeit nach den 1890iger wird der moderne Flottenaufbau auch als Navalismus bezeichnet.
    Wichtige Kennzeichen des Flottenaufbaus war die wirtschaftliche Stärke der Nationen, die ihn betrieben, da es modernste Technologien und ein hohes Finanzaufkommen forderte. Nach dem auch die Panzerschiffflotten in den 1880iger eine klare strategische Ausrichtung erhielt, wurde die Flottenrüstung allgemein in den großen Marinenationen in Flottenbauprogramme manifestiert, um die Hohen Kosten gegenüber den Parlamenten zur festigen bzw. zur rechtfertigen.
    Allen voran war die britische Royal Navy mit dem Naval Defence Act von 1889.
    Kaiser Wilhelm II war ebenfalls von diesen Navalismus beeinflusst und setzte die Flottenrüstung als oberste Zielstellung seiner Politik mit dem Machtantritt 1888.
    Doch dauerte es noch bis 1898, daß die deutsche Marinerüstung in ein Flottenprogramm festgelegt wurde.
    In diesen 10 Jahren wurde die Forderung einer starken deutsche Flotte von dem neuen deutschen Kolonialismus angetrieben, sowie die in den 90iger Jahren entstandene Strategie über die Erringung der Seeherrschaft, die als Grundvoraussetzung für eine Weltherrschaft maßgeblich schien. Beeinflusst wurde das Maritime Denken durch das Werk von T.Mahan: The Influence of Sea Power upon History (dt.: Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte).
    Mit Tirpitz bekam die deutsche Flottenrüstung ab 1897 ein Gesicht, der ihr das strategische Konzept des Risikogedanken als Basis darstellte und entsprechend das erste und zweite Flottengesetz erstellte.
    Die deutsche Flottenrüstung orientierte sich dabei an der stärksten Flotte, der Royal Navy, was bedeutete, daß die deutsche Flotte so Groß und Stark sein müsse, daß es ein Risiko darstellt, sich ihr in einem Seekrieg zu stellen. Anfänglich hoffte die deutsche Diplomatie auch mit einer großen Flotte Großbritannien als Bündnispartner zu gewinnen, was aber durch eine falsche Außenpolitik verspielt wurde.

    Ab 1906 gewinnt der Navalismus eine neue Wendung, durch den Bau neuer Großkampfschiffe, die alle bisherigen Linienschiffe deklassierten. Großbritannien baute diese Schiffe mit der Hoffnung sich einen technologischen Vorsprung zu schaffen, doch sah es die deutsche Admiralität als Herausforderung an. Beide Länder begaben sich ab dieser Zeit in ein erbittertes Flottenwettrüsten, bei denen keine europäische Seemacht mehr mitziehen konnte. Jetzt fühlte sich Großbritannien massiv von der deutschen Flotte bedroht und die Rüstungspirale war entscheidend für das Verhältnis beider Länder.

    Deine Aufstellung ist so ganz okay, nur die Ausrichtung gegen Frankreich und Russland würde ich so nicht erwähnen. Die deutsche Flotte orientierte sich immer an der britischen Flotte, aber anfänglich nicht als unmittelbaren Gegner.
    Auch den Punkt mit dem Festungsausbau der Hafenlagen kannst getrost vernachlässigen, da dies nur ein Nebenschauplatz der deutschen Flottenrüstung darstellt und nicht genannt werden muß. Dem würde erstmal die Typologie der deutschen Flotte vorangehen, die aber für deinen Vortrag auch nicht notwendig ist.

    Das wäre so ein grober Überblick, doch genauer kannst du es im www. ergooglen z.B. mit den Schlagwörtern, wie – deutsche Flottenrüstung. Es gab auch mal einen Wiki - Eintrag zum Begriff – Navalismus -, der aber leider gelöscht wurde.
     
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  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Die Bemühungen Großbritannien als Verbündeten zu gewinnen, setzten schon mit dem erzwungenen Abgang Bismarcks ein. Man hat ja den sogenannten Rückversicherungsvertrag aus dem Jahre 1887 ohne irgendeine Not leichtfertig auslaufen lassen, auch als ein deutlich verbessertes Angebot von Giers auf dem Tisch lag, und ist damit noch in London Reklame gelaufen So viel geballte Torheit ist kaum noch zu fassen. Das war aber schon im Jahre 1890. Als Tirpitz Staatssekretär des Reichsmarineames wurde, also 1897, gab es noch einmal eine gewisse Chance der Annäherung, ob von Seiten GB ein Bündnis angestrebt wurde, wage ich zu bezweifeln. Die ganzen Bemühungen wurden wieder auf Eis gelegt und still zu Grabe getragen. Die Flotte wurde gegen Großbritannien gebaut.
     
  4. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Ich denke, dann können wir doch festhalten, dass das Deutsche Reich in ein Flottenwettrüsten mit Großbritannien kam, ohne dass eine Absicht zu unterstellen wäre, Großbritannien angreifen zu wollen.

    Es sind oben Zweifel geäußert worden, was man mit einer Kriegsflotte ohne entsprechende Stützpunkte hätte anfangen sollen. Dem würde ich zunächst entgegenhalten, auch eine Handelsmarine muss sich unterwegs versorgen und konnte dazu auf Posten anderer europäischer Länder vertrauen. Ich vermute, dass die obige Ausage stimmt, dass dies im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen schnell zu Versorgungsengpässen führen würde, besonders wenn man auf die Stützpunkte des möglichen Kriegsgegners gesetzt hätte. Andererseits ist es im Kriegsfall ja auch wiederum legitim, die dann feindlichen Stützpunkte anzugreifen, um sie zu übernehmen, was ja doppelt Sinn macht, weil man damit dem Kriegsgegner den Nachschub abschneidet. Hätte man weitere Kolonien aufgetan - das war ja wohl das Ziel der Übung - wätte man dort auch eigene Stützpunkte errichten können. Deshalb finde ich eine Flotte ohne schon Stützpunkte zu haben durchaus nicht unsinnig. Solange alle Frieden halten und bereit sind fremde Schiffe zu versorgen, kommt man natürlich auch ganz gut ohne eigene Stützpunkte aus.

    Desweiteren können wir wohl festhalten, dass das DR sich um eine Teilhabe an dem was wir heute als Ausbeutung armer Länder betrachten würden, bemühte. Das klingt retrospektiv immer sehr nach böser imperialistischer Wirtschaftspolitik, was aus heutiger Sicht ja auch so war. Nur darf man dabei doch nicht vergessen, dass die späteren Kriegsgegner ja nun eben diese imperialistisch-ausbeuterische Wirtschaftspolitk längst und in viel breiterem Maße betrieben. Insofern sollte man dabei den Aspekt des Wirtschaftsimperialismus gedanklich ausblenden und sich in die damalige europäische Perspektive der Erschließung von Rohstoffen als wichtige Voraussetzung für eine Teilhabe an der wirtschaftlichen Entwicklung Europas versetzen. Man sollte auch hinterfragen, was es für das Deutsche Reich bedeutet hätte, von Großbritannien vom Überseehandel ausgeschlossen zu werden oder jederzeit mit dieser Gefahr rechnen zu müssen. Eben diese Macht wollte ja Großbritannien sich nicht wegnehmen lassen. Ich denke nur so kommt man zu einer angemessenen Bewertung des Verhaltens Großbritanniens und Deutschlands.
     
  5. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich denke das Deutsche Reich wollte mit sehr großem Nachdruck seinem Anspruch auf Weltmacht geltend machen. Das war nach Lage der Dinge nur gegen Großbritannien möglich, nicht mit. Zur Begründung des Status einer Weltmacht gehörten nach damaligem Verständnis auch Kolonien im entsprechenden Umfange. Und hier stieß das Deutsche Reich ganz klar an Grenzen, vornehmlich an die Großbritanniens. Und wenn dieser Anspruch realisiert werden sollte, und das sollte dieser, dann war eine starke Flotte unabdingbare Voraussetzung und die musste schon über eine Kampfkraft verfügen, das es für den potentiellen Gegner, eben Großbritannien, ein erhebliches Risiko darstellt, die Schlacht zu suchen. Die Flotte sollte also ein nicht zu verachtendes Drohpotenzial, mit der man seine Ansprüche eben durchsetzten wollte, darstellen, aber eben im zweifelsfrei auch in der Lage sein die britische Flotte in der Deutschen Bucht zu schlagen.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bevor das festgehalten wird, würde ich nachdrücklich widersprechen. Es entspricht auch keinesfalls dem Stand der Forschung.

    - Zunächst einmal war die Nordsee-Flotte das "Messer an der Kehle" (Tirpitz). Da bedarf es keiner Interpretation beim Festhalten.

    - die Flottenlage war 1905/1911/1912/1914 permanent Gegenstand von Präventivkriegsüberlegungen: nicht in dem simplen Zusammenhang eines Vorstosses zur Themse, sondern in der Funktion der Risikoflotte, die im Klarttext auf eine Paralyse Großbritanniens für den Fall eines deutschen Angriffskrieges gegen Frankreich, alternativ für britisches Eingreifen gegen eine weitere deutsche Expansion im Südostraum Europas/Naher-Mittlerer Osten hinauslief. Das ist mehrfach deutlich zum Ausdruck gekommen, ua. bei der Haldane-Mission.

    - Die Kompensation des Risikos wurde durch Großbritanniens Rüstung vorgenommen, die Deutschland überflügelte ("We want eight and we won't wait"). Damit wurde das Messer stumpf, wenngleich es dazu diente, die Koalitionen zu festigen (wie man am Abzug der britischen Mittelmeerflotte 1912/14 sieht)

    - die damaligen imperialistischen Ziele aller Länder stehen außer Frage, sind allerdings nicht geeignet, deutsche expansive Weltpolitik mit der Wegnahme oder Gefährdung britischer Kolonien zu rechtfertigen. Hier wird in der Bewertung ausgeblendet, dass die britisch-deutschen Kontroversen an allen Brennpunkten von einer deutschen Expansion, und von einem britischen Stopp gemessen an den abgesteckten "Interessensphären" geprägt waren. Das reicht von Südafrika, über den Upper Nile bis zu den Dardanellen und Mesopotamien. Moralische Kategorien nach heutigen Massstäben sind ungeeignet für die damalige Unterscheidung von Offensiv und Defensiv. Es war das Deutsche Reich als europäische Kontinentalmacht, das sich vorsätzlich mit der Risikoflotte auf der Weltbühne mit Großbritannien angelegt hat. Ansonsten sollte man die britische Reaktion auf die vorherige koloniale Ausdehung des Deutschen Reiches betrachten: diese ging in die Phase der Koexistenz, sogar der imperialistischen Zusammenarbeit über. Erschöpfende Studien dazu sind schon häufig im Forum gepostet worden.

    - die deutsche Flotte konnte bereits versorgungstechnisch nach dem damaligen Stand nicht in der Lage sein, Hochsee-Handelsinteressen und die Handelsflotte wirksam zu schützen. Das Flotten-/Handels-Argument stammt ebenso wie die "Wirtschaftskrieg"-Argumentation aus der überholten deutschen Kriegsschulddebatte und der Märchenküche von Tirpitz&Co. (übrigens auch angeheizt von der politischen Laientruppe der Marineattachees bei den deutschen Botschaften, die insbesondere in den Interessenlagen und dem komplizierten Empire-Gebilde eben teilweise nur Bahnhof verstanden).

    - die "Rohstoffe" der deutschen kolonialen Gebiete waren völlig belanglos für die deutsche Volkswirtschaft.

    - die Gleichung "neue Kolonien" = verwertbare "Stützpunkte" ist in der strategischen Lage 1890 bis 1914 falsch, wie sowohl aus deutschen Akten wie aus britischen hervorgeht. "Verwertbare" Stützpunkte waren eben nicht in beliebigen Kolonialräumen verfügbar, sondern allenfalls in den bereits verteilten Hotspots.

    - in der deutsch-zentrierten Literatur wird zwar die Entspannung zu Großbritannien 1912/14 erwähnt, nach (sic!) bereits entschiedenem Flotten-Wettrüsten. Nur die neuste deutsche Literatur schließt zaghaft an den inzwischen erreichten sonstigen Forschungsstand an, der den starken Spannungsanstieg 1911/14 beim seit 1907 bestehenden britisch-russischen Interessenausgleiches im Mittleren und Fernen Osten analysiert hat. Der bevorstehende Kollaps des Interessenausgleichs aufgrund der unüberbrückbaren Gegensätze im Mittleren und Fernen Osten (bekannt als "Great Game", mit der Patt-Lösung 1907) wurde von der Juli-Krise dilatiert. Selbst in der Liman-von-Sanders-Krise hielt sich Großbritannien sehr zur Verärgerung von Rußland zugunsten des Deutschen Reiches (mit dem das Krisenmanagement 1913 zuvor recht gut klappte) zurück.
     
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  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    @Silesia hat hier schon vieles Grundlegendes erwähnt.:yes:

    Aber auch auf die Gefahr hin, das ich mich wiederhole: Tirpitz hat bereits 1897 klargestellt, das die Flotte gegen Großbritanien gebaut wird.

    Im Jahre 1900 in der Begründung zum 2.Flottengesetztes hieß es u.a.:

    "Unter den gegebenen Umständen gibt es nur ein Mittel, um Deutschlands Handel und Kolonien zu schützen: Deutschland muß eine Flotte von solcher Stärke haben, daß selbst für die größte Flotte ein Krieg mit ihm ein solches Risiko in sich schließen würde, daß ihre eigene Überlegenheit gefährdet wäre. Für diesen Zweck ist es nicht absolut notwendig, daß die deutsche Flotte ebenso groß ist wie die der größten Seemacht [England], weil in der Regel eine große Seemacht nicht in der Lage sein wird, ihre ganze Kraft gegen uns zu konzentrieren. Aber selbst wenn es ihr gelingen sollte, uns mit überlegenen Kräften entgegenzutreten, würde der Feind durch seine Überwindung des Widerstandes der deutschen Flotte so erheblich geschwächt werden, daß trotz des etwa errungenen Sieges die eigene Machtstellung zunächst nicht mehr durch eine ausreichende Flotte gesichert wäre." (1)


    Kurz noch Thema Stützpunkte:

    Dadurch, da das Deutschen Reich nicht über die erforderliche Stützpunktkapazität verfügte, wurde die Hochseeflotte auch entsprechend konzipiert. Die "Entscheidungsschlacht" sollte vorzugsweise in der Deutschen Bucht stattfinden, wo sie eben ihre Kampfkraft optiomal hätte entfalten können. Und der primäre Träger dieser Schlacht sollte eben das Schlachtschiff sein.

    (1) Walther Hubatsch: Der Kulminationspunkt der deutschen Marinepolitik im Jahre 1912, Historische Zeitschrift Bd. 176, 1953. S. 72-73
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2011
  8. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    silesia und Turgot haben dieses "festhalten" bereits richtig entkräftet.

    Doch zum Thema Flottenwettrüsten, hat m.E. Großbritannien den Stein ins Rollen gebracht, mit dem Bau der Dreadnought und Invincible.

    Um 1905/06 waren sicherlich viele Marinen beschäftigt, ähnliche Großkampfschiffprojekte umzusetzen, doch Deutschland definitiv nicht.

    Natürlich musste Deutschland nachziehen, denn der Riskogedanke baute auf die Royal Navy auf. Doch mit der Deklassierung der alten Linienschiffflotten spielte doch Großbritannien den Deutschen in die Hände.
    Die erhofften Probleme, die Deutschland mit dem Großkampfschiffbau hätte haben sollen, wurden im grundegenommen, eindrucksvoll in kürzester Zeit von deutschen Konstrukteuren des Werft- und Schiffbau gemeistert.
    Großbritannien blieb nun garnichts anders übrig, wie „auf Teufel komm raus“, Großkampschiffe zu bauen und dass nicht nur um sich den Vorsprung gegen Deutschland zu sichern, sondern um den Quantitativen Vorsprung als 1. Seemacht überhaupt zu halten, denn auch auf anderen Kontinenten war der Flottenbau voll im Gange und später auch ohne die Probleme einer Kriegswirtschaft.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Am 14.02.1898 teilte der deutsche Botschafter in Paris Graf Münster seinem Vorgesetzten den Staatssekretär Bülow mit: "Einer unser rabiaten Marinehelden, Admiral von Senden, war kürzlich hier in Paris und hat mit mir diniert. Es war geradezu himmelschreiend, anhören zu müssen, welchen politischen größenwahnsinningen Unsinn er zusammenschwatze." (1)

    Senden war ja immerhin Chef des Marinekabinetts von Wilhelm II. .


    (1)Haller, Ära Bülow. S.92
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Januar 2011
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Nicht nur dass, denn schon 1888 war er Flügeladjutant des Kaisers und ab 1901 war er sein Generaladjutant. Klar das bei solch einer nähe zum Kaiser, auch entsprechende Weltmachtgedanken "überschwappen"...

    Übrigens, daß Marinekabinett war mit dem Kaiser eingerichtet worden, praktisch als Gegenstück zum Militärkabinett.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    "In our dealings with Germany generally let us take a new departure. In commerce the rivalry is keen but friendly. It is the desire of the masses in both countries to be friends. The cordial invitation lately addressed by the Mayor of Berlin to the Lord Mayor, and gladly accepted, is an incident of happy augury."

    Brassey, im Naval Annual 1912. Der Schluss seines Vorwortes (Suggestions on Naval Administration) wird übergeleitet auf eine sachliche Darstellung der Rüstungsprogramme von Großbritannien und der anderen Nationen.

    Die Wahrnehmung des Rüstungswettlaufes 1912 stellte vorwiegend auf Deutschland und die USA ab:

    Rüstungsausgaben 1911 (1909):
    Großbritannien insgesamt: 45 (36) Mio. GBP, Neubauten 17,5 (11) Mio. GBP
    USA insgesamt: 26 (29) Mio. GBP, Neubauten: 5,3 (8) Mio. GBP
    Deutschland insgesamt: 22 (20) Mio. GBP, Neubauten: 12 (10) Mio. GBP

    Betont wurde hier die derzeit noch grobe Einhaltung des Two-Power-Standards, jedoch nicht mehr in den summierten Neubauten der letzten Jahre.
     
  13. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nochmal zur Laientruppe der Marineattaches:

    Eine nicht ganz unwesentliche Überlegung, um das Flottenrüsten erfogreich gestalten zu können, war die angebliche Personalknappheit der Royal Navy; diese war ja bekanntermaßen eine Berufsarmee.

    Das Reichsmarinemat hat 1897 den Marineattache in London um eine entsprechende Auskunft gebeten, ob Großbritannien bei einer erheblichen Verstärkung seiner Flotte fähig sein werde, über den jetztigen Stand hinaus Offiziere und Mannschaften zu rekrutieren. Gülich berichtete, das schon derzeit ein Mangel insbeosndere an Offizieren herrsche. Es sei daher doch ungewiss woher der steigende Personalbedarf bei einer 25-30%igen Vergrößerung der englischen Flotte kommen solle. (1)

    So hat man sich dann das angestrebte Kräfteverhältnis in der Nordsee im Vorfeld schon einmal im gewünschtem Sinne geklärt, da die Briten ja auf keinen Fall das Personal dafür zur verfügung stellten könnten.

    Berghahn, Tipritzplan S.193f
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Januar 2011
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  14. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Sehr interessant. Dankeschön.
     
  15. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Der Two-Power-Standards gründete doch auf eine numerische Überlegenheit der RN, von mindest zwei Gegnern, seiner Zeit Frankreich und Russland.
    Der Aufbau der Flotte unter dem Naval Defence Act war das Ergebnis diese Strategie und durch eine klare Schiffsklassierung und vor allem durch das Einheitslinienschiff erbaute sich die RN einen quantitativen Vorsprung bis 1904 von ca. 60 Linienschiffen. Unerreichbar, weder von französischer, russischer oder gar deutscher Seite.

    Aber durch den Schnitt von 1906 im Kriegsschiffbau war dieser numerische Vorsprung so zusagen negiert. Alle Flotten fingen mit dem Bau von Großkampfschiffen bei der Menge null an.
    Spätestens ab hier, hatte der Two-Power Standard in seiner Grundstrategie seine Berechtigung verloren.

    Großbritannien hat durch die Unterhöhlung ihrer eigenen Strategie ein Wettrüsten vom Zaun gebrochen und in Deutschland sah man die Chance, das angestrebte Verhältnis von 2:3 schneller zu erreichen, als noch unter den Bedingungen von 1900.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wir haben das ja schon einmal diskutiert, und das sehe ich auf Grundlage der britischen Literatur zu den Motiven etwas anders.

    1. Der Two-Power-Standard wurde bis 1914 grob realisiert, oben findet man dazu statt der Schiffszahlen einmal die Ausgabenzahlen, die andere Seite der Medaille.

    2. Der Durchhänger in der britischen Rüstung hat ausschließlich mit dem Schwenk zu den Liberalen nach dem Wahlsieg zu tun, nicht mit den Programmen der Royal Navy; die Ausgaben wurden in "Soziales" umgeleitet. Bis 1909 - zu dem slogan "we want eight" s.o. - wurde das durchgehalten, dann kam der Schwenk zurück aufgrund der angekündigten Rüstungsprogramme der übrigen Länder. Von daher kann man 1907-1909 hier einen bemerkenswerten britischen "Aussetzer" sehen, den den Ablauf insofern beeinflusst hat, als die britische Seite hier auf Entwicklungen in anderen Ländern reagierte.

    3. Der dreadnought-Sprung war seitens Fisher (a) ein zeitlich kalkulierter Vorsprung, um die supremacy zu sichern. Es war völlig klar, dass die übrigen Nationen folgen bzw. der Entwicklungssprung unvermeidbar ist. Dazu kommt (b) die Kalkulation des Gewichtsanstieges, der der deutschen Flotte wegen des K.W.-Kanals Probleme bereiten würde. Schließlich kalkulierte er (c) sehr clever mit der britischen überlegenen Werftkapazität, qualitativ (i.W. Bauzeiten!), wie quantitativ.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2011
  17. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Okay, mit der Finanzierungsfrage steht oder fällt eine Aufrüstung.

    Die Entwicklung um 1905/06 im Linienschiffbau ließ schon vorab erkennen, daß das traditionelle Einheitslinienschiff ausgedient haben wird. Das Zwischenkaliber war keine alternative Lösung und führte zur Vereinheitlichung der Hauptkaliber und welche Rolle eine hohe Geschwindigkeit spielt, war sehr deutlich bei den Seeschlachten von 1904/05 zu sehen.
    Wenn sich Großbritannien mit diesen neuen Großkampschiffen ihren numerischen Vorsprung gefährdet sah, war das zuvorkommen der Plan, um sich die supremacy zu sichern.

    Der Bezug, der immerwieder hergestellt wird, daß die RN und insbesondere Fisher hofften, daß Deutschland nicht in der Lage wäre so große Schiffe in relativ kurzer Zeit zu bauen kommt mir immer etwas vorgeschoben vor. Bisher ging ich auch davon aus, daß dies mit die Gründe waren. Aber die deutschen Flottenrüstung war ab 1900 verdoppelt wurden, aber die deutschen Kriegsschiffe waren am internationalen Standard gemessen unterdurchschnittlich und stellten für die RN keine Bedrohung dar.
    Und auch der Bau von Großkampschiffen war 1905/06 in Deutschland nur ein Thema, weil es die Dreadnought und Invincible gab.
    Immerhin stellte die deutsche Marine die letzten Einheiten der Deutschland-Klasse 1908 in Dienst und der große Kreuzer Blücher stellt genau dar, daß die deutsche Rüstung bis 1906/07 nicht an den Großkampfschiffbau dachte.

    Wozu sollte dann Fisher einen Grund erheben, obwohl auf deutscher Seite garnicht daran gearbeitet wurde?

    Zudem Fisher´s Hauptaugenmerk nicht auf den langsamen Linienschiffen lag, sondern auf den neuen schnellen Schlachtkreuzern. Immerhin war die britische Admiralität nicht überzeugt von der Dreadnought und lies alternativ die beiden Linienschiffe der Lord Nelson-Klasse bauen.
    Nur die Invincible wurde ohne alternative gebaut und diese Schiffe waren für den Überseeeinsatz und dem Zufuhrkrieg vorgesehen, allerdings durch ihr hohes Hauptkaliber fälschlicherweise auch linienfähig gehalten.

    Und das sind m.E. von britischer Seite alles strategische Überlegungen ohne dabei Deutschland als Gegner zu sehen.

    Das Deutschland schon sehr schnell nachziehen konnte, müsste doch Fisher übel aufgestoßen sein bzw. hatte man Deutschland erst durch den Großkampschiffbau herausgefordert.
     
  18. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Volle Zustimmung. Und da sah es für das Kaiserreich nicht so optimal aus. Das Haushaltsjahr 1901 wurde mit einem Defizit von 48,4 Millionen Reichsmark abgeschlossen. Zu berücksichtigen ist auch, das die Aufrüstung der Marine klar zu Lasten des Heeres ging, welches dies aber mehr oder weniger klaglos geschluckt hat, wofür es seine ganz eignen Gründe hatte.

    Die finanziellen Bedarfsmeldungen der einzlenen Ressorts für 1902 ergaben ein ungedecktes Defizit von deutlich über 100 Millionen Reichsmark. Es gelang zwar diesen mit Hilfe der Matrikularbeiträge auf 58,9 Millionen Reichsmark zu reduzieren, aber die Bundesstaaten weigerten sich das Defizit vollständig auszugleichen. Es musste also Geld geliehen werden. Ende 1902 betrug das Defizit dann schon auf über 180 Millionen.

    Die Flotte wurde also zu Lasten des Heeres und einem nicht zu verachtenden Teil auf Pump gebaut. Es wäre sicherlich überaus sinnvoll gewesen, bevor die Reichsleitung mit dem Flottenbau begonnen hätte, die Finanzen des Reiches durch eine Finanzreform auf eine solidere Grundlage zu stellen.
     
  19. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Jedenfalls war der finnzielle Druck auf die Marine ganz erheblich. Für Tirpitz dreht sich alles darum, das erst einmal und fast ausschließelich die Schiffe fertiggestellt werden. Alles andere hatte zu warten.

    So wollte doch beispielsweise der Admiralstab, durchaus berechtigt, sein Personal aufstocken, was von Tirpitz vehement und schließlich erfolgreich bekämpft wurde. Das gleich galt für das Anliegen der Flotte in Sachen Ausbildung und taktischer Schulung. Auch hierfür fehlten die Mittel um eigentlich wie gewünscht eine äußerst gewissenhafte Ausbildung praktizieren zu können.

    Interessant ist diesem Zusammenhang, was sich um die Strafexpedition nach China für ein Tauziehen, wer die finanziellen Lasten der Truppen zu tragen habe, zwischen Armee und Reichsmarineamt entwickelte. Das Geld fehlte an allen Ecken und Kanten. Unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet, hätte das Deutsche Reich sich diese Aktion unter der Leitung von Weltmarschall von Waldersee gar nicht leisten können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2011
  20. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    erschreckende Zahlen!... kannst Du kurz was zum unterstrichenen Satz erklären, diese ganz eigenen Gründe: was meinst Du damit?
     

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