Die Griechen im Atlantik

Thor Heyerdahl hat es mit der Ra immerhin von Marokko bis nach Barbados geschafft.
Er hatte aber einen gewaltigen Vorteil: Er wusste, dass er Land erreichen würde, und wohin er fahren musste.

Damit Phönikier, Griechen, Römer oder wer auch immer Amerika erreichen, hätten sie auf gut Glück nach Westen segeln müssen - wozu? In der vagen Hoffnung, mit viel Glück irgendwo unbekanntes Land zu erreichen? Mag sein, dass man das ein paar Tage oder auch zwei, drei Wochen lang ausprobiert, aber dann wäre man wohl doch umgekehrt.

Falls jemand Christoph Kolumbus einwenden möchte:
Erstens dauerte es fast zwei Jahrtausende von der Einsicht, dass die Erde eine Kugel sei, bis zum tatsächlichen und gewissermaßen geglückten Versuch, "Asien" auf dem Westweg zu erreichen. Das zeigt doch wohl, wie abenteuerlich ein solches Unterfangen anmutete.
Zweitens hätte es wohl auch Kolumbus nicht versucht, wenn er gewusst hätte, wie weit Asien auf dem Westweg tatsächlich von Europa entfernt ist. (Bzw. wenn er es trotzdem versucht hätte und nicht das Glück gehabt hätte, unterwegs auf Amerika zu stoßen, wäre er höchstwahrscheinlich verschollen und heute maximal noch als Fußnote bekannt, denn mit seiner Expedition hätte er praktisch keine Chance gehabt, es bis Asien zu schaffen.) Er berechnete die Entfernung von Europa nach Asien nämlich viel zu gering. Die antiken Griechen hatten wesentlich genauere Vorstellungen von der tatsächlichen Größe und Gestalt der Erde.
 
Auch ich erachte transatlantische Hin-und-zurück-Reisen seitens antiker Seefahrer für unmöglich, erst recht solche mit dauerhaften Kontakten wie sie in der Publikation des Eingangsposts im Nordatlantik als plausibel angenommen werden.

Was gewesen sein kann, dass es
  • geplante mutige mehrtägige oder gar -wöchige Versuche gegeben haben mag, im offenen Atlantik zu erkunden ob da was ist, orientiert an vertrauten Erfahrungswerten wie bspw. beabsichtigten oder unbeabsichtigten Biskaya-Querungen nach und von Britannien.
  • durch Sturm und Strömungen unfreiwillig Abgetriebene gegeben hat, die nach glücklicher Rückkehr via Gestirns-Navigation berichten konnten: "Da draußen ist nix."
  • vielleicht auch vereinzelt solche gab, denen ein Zurückpaddeln nicht gelang, und die durch Glück und Überlebenswillen drüben ankamen - aber eben ausgestattet mit einem Never-come-back-Ticket.
Beispiele für äußerst waghalsige auf Muskelkraft basierende Unternehmungen den Atlantik in Nussschalen zu überqueren gibt es einige, z.B.
  • Janice Jakeit benötigte 90 Tage mit einem High-Tech-Ruderboot von Portimão (Portugal) nach Barbados, und hatte eine 1/4 t Power-Lebensmittel an Bord (2011-12).
  • Oder Aleksander Doba, der den Atlantik insgesamt dreimal in einem High-Tech-Kajak (Solarkollektoren, Wasserentsalzungsmaschinen, etc.) überquerte: Senegal-Brasilien 98 Tage (2010), Portugal-Florida 168 Tage (2013) und New Jersey-Bretagne 111 Tage (2017).
  • Besonders extrem Hans-Günther Lindemann, der zunächst in einem selbstgebauten Einbaum von Liberia (65 Tage, 1955) und dann in einem handelsüblichen Faltboot von Las Palmas (72 Tage, 1956) aufbrach, bis er jeweils übelst ausgemergelt karibische Inseln erreichte.
Doch wie @Ravenik für Thor Heyerdahl anmerkte, alle wussten wo das Ziel lag, und wann es günstig war aufzubrechen. Jakeit und Doba waren zudem auch nicht von der Außenwelt abgeschnitten (Satellitentelefon). Nicht zuletzt durften alle davon ausgehen, dass ihnen, in welchem Zustand sie auch ankommen würden, jede erdenkliche ärztliche Hilfe zuteil werden würde. Nicht unwesentliche Faktoren für die Wahrung psychischer Stabilität.
 
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Der Unterschied liegt in der Planung, Navigation und Vorratshaltung: eine Fahrt über den Atlantik ist eine Fahrt non-stop. Das allerdings für Seefahrer die nie solche Strecken gefahren sind: "Kurzstreckenhüpfer".

Natürlich habe ich das Ganze absichtlich zugespitzt formuliert und ein "niemals" draufgesetzt. Sonst hätte ich nie die ausführliche und lesenswerte Beiträge und Einwände von @Scorpio, @Sepiola und @El Quijote bekommen.

Diese Atlantiküberquerung ist ohne plausible und verifizierbare Details überliefert. Sie ist Mythos und mythisch überhöht.
Vergleicht es mit den Details und logischen Überlegungen die Strabon nennt, vergleicht es mit den Details der anderen Unternehmungen:

  • Die Afrikaumsegelung im Auftrag von Pharao Necho ist im Rahmen der nautischen Erfahrungen, sie beschreibt genau die Vorgehensweise.
  • Der Periplus des Hanno zeigt genau den logistischen Aufwand und geographische Details.
Beide Berichte sind glaubhaft und in sich selbst widerspruchsfrei, schildern Probleme und enthalten keine ideologische, philosophische oder mythische Botschaft.

Für die Griechen wiederum gilt: in welchem Zeitfenster wäre eine solche Expedition ohne zeitgenössischen politischen, literarischen oder epigraphischen Niederschlag möglich gewesen?
 
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Für die Griechen wiederum gilt: in welchem Zeitfenster wäre eine solche Expedition ohne zeitgenössischen politischen, literarischen oder epigraphischen Niederschlag möglich gewesen?
Diese Frage hatte ich mir umgehend gestellt, als ich die in #1 verlinkte Publikation von Liritzis et al. anlas. Darin wird argumentiert, dass derartige Atlantik-Turns aus navigatorischen Gründen auf einem 30-jährigen Turnus aufgrund einer bestimmten Konstellation der Gestirne basieren könnten. Dann wird vermutet, dass eine letzte geglückte Rückkehr für das Frühjahr 56 n. Chr. plausibel sein könne, was ja vorausgegangene Unternehmungen einschließt.
Nicht vorstellbar, dass all dies, wenn es denn stattgefunden hätte, keinerlei Niederschlag in Quellen gefunden haben sollte, bis auf die mythenhaft verwobenen geographischen Angaben des Plutarch-Dialogs De facie in orbe lunae. Ich kann diesbezüglich kein Zeitfenster sehen, schon gar nicht eines Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. - das wäre zu Plutarchs Lebenszeit gewesen. Das Jahr 54 n. Chr. ist zudem das Antrittsjahr Neros, bei dem ein gewisses Faible für weitreichende Unternehmungen anzunehmen ist. Aus seiner Regierungszeit sind von ihm initiierte Expeditionen zu den Quellen des Nils sowie an die Bernsteinküste des Baltikums überliefert.
Und schließlich, ist nicht schon der aus dem Plutarch-Dialog abgeleitete Start- u. Zielort auf der Krim vielsagend hinsichtlich eines möglichen Wahrheitsgehalts? Aus dem hintersten Winkel der mediterranen Binnenmeere soll ein Hochsee-Turn gestartet worden sein?
Abgesehen von der Frage nach dem seemännischen Know-how, das/die Schiff/e wären unterwegs frühzeitig wartungsbedürftig geworden. Auch aus weiteren logistischen Notwendigkeiten hätten sie sowohl bei Hin- wie Rückfahrt einige römische Häfen anlaufen müssen, wo es dann jeweils Austausch gegeben haben könnte/sollte/müsste.
Ich denke, die Autoren sind da schlicht weltmeerweit über Plutarchs Intention beim Verfassen seines Dialoges hinausgesegelt.
 
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Es bestreitet ja niemand, dass die Phönizier, Griechen und Römer in bekannten Gewässern (Schwarzes Meer, Mittelmeer, nordwestlicher indischer Ozean) auch quer übers Meer fuhren. Meines Wissens verbrachte man aber die Nacht tunlichst an Land.
 
Außerdem fuhren sie quer übers Meer bei Strecken, die sie bereits kannten. Wenn also z.B. Griechen und Römer von der Arabischen Halbinsel übers offene Meer direkt nach Indien fuhren, wussten sie (von früheren Fahrten entlang der Küsten), dass sie nach Indien kommen würden.
Das ist etwas ganz anderes als eine Fahrt ins Blaue ins offene Meer hinaus in der vagen Hoffnung, dass vielleicht irgendwann (idealerweise ehe alle Vorräte erschöpft sind) unbekanntes Land auftauchen würde.
 
Es mag seltene Schicksale gegeben haben, bei denen u.a. Passatwinde oder Golfstrom dazu beigetragen haben, dass jemand (tot oder lebendig) auf was auch immer an der jeweils anderen Küste angespült wurde. Neben anderweitigem exotisch empfundenen Treibgut kann dies Annahmen hervorgerufen sowie v.a. zu Mythen- u. Legendenbildungen beigetragen haben, irgendwo hinterm Horizont müsste (bewohntes) Land sein. Wagemutige werden vermutlich auch mal geplante Erkundungen unternommen haben, denen dann Vernunft oder Scheitern ein Ende setzte. Und selbst sollte mal eine Blindfahrt gelungen sein, sie wird im One-way-Modus geblieben sein, ohne die Möglichkeit, die Verifizierung der Annahme nach Hause schippern zu können.
 
Eigentlich wiederholt sich die Diskussion von vor sechs Jahren.

Och, für das bisschen Verpflegung für 170 Ruderer auf einem dreimonatigen Ausflug ins Eismeer wird sich doch wohl ein Plätzchen finden...

Die haben bestimmt Angeln ausgeworfen und jeden Tag rohen Fisch gefressen, den sie mit Regenwasser runterspülten ;)

Eigentlich hat man in der Antike Küstennavigation betrieben. Meistens musste man Abends anlanden, um frisches Wasser aufzunehmen. Auf einem Handelssegler mit ein paar Mann Besatzung hätte man sicher genügend Lebensmittel und Wasser mitnehmen können. Nur waren die eben viel langsamer noch als eine Galeere und konnten nur schwerfällig gegen den Wind kreuzen. Das Lateinersegel, welches das Kruezen vereinfachte, wurde nach vorherrschender Auffassung erst in der Spätantike entwickelt. Da auf dem Nordatlantik Westwinde vorherrschen - und die These behauptet ja, dass die Griechen zum Sankt-Lorenz-Golf gelangt seien - ist das nur schwer vorstellbar, dass griechische Segler es irgendwie über den Atlantik gemacht hätten. Selbst akzidentell nicht.

Kolumbus konnte vernünftig kreuzen, Kolumbus wählte eine weitaus südlichere Route und war in der Region des Passatwindes unterwegs. Also mit einem Ostwind. Die hier diskutierte These hier verlangt, dass die Griechen entweder mit Galeeren, die nichts laden konnten oder aber mit Seglern, die nur schwerfällig kreuzen konnten, gegen den Westwind Kanada erreichten, mit Schiffen, deren Stabilität alles andere als gutgeeignet für den Atlantik war.
 
Die Drachenboote der Wikinger werden in Dokus immer total überhöht, eigentlich war es eine relativ simple Konstruktion: ein Boot mit einem Kiel.
Was ich mich schon länger frage:
Die Wikingerboote waren ja oben offen.
Die Schiffe des Kolumbus hatten eine Beplankung über dem Rumpf und an der darüber hinausstehenden Bordwand Abflussöffnungen. Wenn da eine Welle drüber schwappte lief das Wasser zurück ins Meer.
Ein kräftiger Schwapp und weg ist das Wikingerschiff?
 
Darin wird argumentiert, dass derartige Atlantik-Turns aus navigatorischen Gründen auf einem 30-jährigen Turnus aufgrund einer bestimmten Konstellation der Gestirne basieren könnten.
Die "navigatorischen Gründe" erschließen sich mir nicht. Ich finde sie auch in dem Artikel nicht. Wo hast Du die Argumentation gefunden?
 
Was ich mich schon länger frage:
Die Wikingerboote waren ja oben offen.
Die Schiffe des Kolumbus hatten eine Beplankung über dem Rumpf und an der darüber hinausstehenden Bordwand Abflussöffnungen. Wenn da eine Welle drüber schwappte lief das Wasser zurück ins Meer.
Ein kräftiger Schwapp und weg ist das Wikingerschiff?
Grundsätzlich waren die Wikingerschiffe wohl schon recht empfindlich gegen Sturm und hohen Wellengang. Deshalb fuhr man auch bevorzugt im Sommer. Für die Fahrten zu den Inseln im Nordatlantik wie Island oder Grönland wurden nicht die typischen Langboote eingesetzt, sondern der sog. Knorr (auch Knörr oder Knarr). Das waren Handelsschiffe, die ein halboffenes Deck, aber etwas höhere Außenwände hatten und die daher vermutlich mehr Seegang ausgehalten haben. An Bord gespültes Wasser hat man vermutlich mit Muskelkraft wieder herausgeschöpft, aber das ging natürlich nur bis zu einer bestimmten Menge.

 
Die "navigatorischen Gründe" erschließen sich mir nicht. Ich finde sie auch in dem Artikel nicht. Wo hast Du die Argumentation gefunden?
Im abstract lautet es (DeepL):
“(...) Die beschriebenen eigentümlichen, wiederkehrenden Reisen finden alle 30 Jahre (wenn der Planet Saturn die Taurus-Konstellation erreicht) vom Mittelmeer bis zum kronischen offenen Meer statt, das mit den Küsten des nördlichen Atlantiks identifiziert wird. (...) Es hat sich gezeigt, dass die Reise mit guten Kenntnissen der Meeresströmungen unternommen wird, aber durch die Verwendung heller Sterne und Sternkonfigurationen als astronomische Nachtlandschaftsmarkierungen, die die genaue Ausrichtung des Segelns zur iberischen Halbinsel und zurück zum östlichen Mittelmeer bestimmen, wodurch die aktuelle Arbeitshypothese zu einem plausiblen Ereignis wird.“
 
Im abstract lautet es (DeepL):
“(...) Die beschriebenen eigentümlichen, wiederkehrenden Reisen finden alle 30 Jahre (wenn der Planet Saturn die Taurus-Konstellation erreicht) vom Mittelmeer bis zum kronischen offenen Meer statt, das mit den Küsten des nördlichen Atlantiks identifiziert wird. (...) Es hat sich gezeigt, dass die Reise mit guten Kenntnissen der Meeresströmungen unternommen wird, aber durch die Verwendung heller Sterne und Sternkonfigurationen als astronomische Nachtlandschaftsmarkierungen, die die genaue Ausrichtung des Segelns zur iberischen Halbinsel und zurück zum östlichen Mittelmeer bestimmen, wodurch die aktuelle Arbeitshypothese zu einem plausiblen Ereignis wird.“

Zwischen der Saturn-Taurus-Konstellation und der Navigation mittels heller Sterne sehe ich keinen Zusammenhang. Der Saturn ist zudem der lichtschwächste der in der Antike bekannten Planeten.

Sonne, Mond und Sterne gehen im Osten auf und im Westen unter, so weiß man, wo Osten und Westen sind. Der Polarstern zeigt den Norden.
 
Ich habe die Hypothese von Likritzis et al. so verstanden: Der Saturn benötigt ca. 29,5 Jahre für eine Sonnenumrundung, in diesem Rhythmus durchwandert er die Sternbilder der Tierkreiszeichen. Für die Rückreise auf offener See hätten die alten Griechen für eine bestimmte Jahreszeit alle 30 Jahre entlang der Saturnposition zu den Sternbildern nachts die Gewissheit gehabt, dass sie sicher auf ihre Fernziele Iberische Halbinsel und Taurus zusteuern.
"Die beschriebenen eigentümlichen, wiederkehrenden Reisen finden alle 30 Jahre (wenn der Planet Saturn die Taurus-Konstellation erreicht) vom Mittelmeer bis zum kronischen offenen Meer statt, das mit den Küsten des nördlichen Atlantiks identifiziert wird. Es wurde vermutet, dass die letzte Mission im April 56 n. Chr. in die Heimat zurückgekehrt war." (abstract)

Möglicherweise absoluter Mumpitz den ich, absolut unkundig in puncto Astronomie, mir zusammenreime.
 
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Ich habe die Hypothese von Likritzis et al. so verstanden: Der Saturn benötigt ca. 29,5 Jahre für eine Sonnenumrundung, in diesem Rhythmus durchwandert er die Sternbilder der Tierkreiszeichen. Für die Rückreise auf offener See hätten die alten Griechen für eine bestimmte Jahreszeit alle 30 Jahre entlang der Saturnposition zu den Sternbildern nachts die Gewissheit gehabt, dass sie sicher auf ihre Fernziele Iberische Halbinsel und Taurus zusteuern.
"Die beschriebenen eigentümlichen, wiederkehrenden Reisen finden alle 30 Jahre (wenn der Planet Saturn die Taurus-Konstellation erreicht) vom Mittelmeer bis zum kronischen offenen Meer statt, das mit den Küsten des nördlichen Atlantiks identifiziert wird. Es wurde vermutet, dass die letzte Mission im April 56 n. Chr. in die Heimat zurückgekehrt war." (abstract)

Möglicherweise absoluter Mumpitz den ich, absolut unkundig in puncto Astronomie, mir zusammenreime.

Naja, wenn man alle 29.5 Jahre eine Reise machte, wäre man stets zu anderen Jahreszeiten unterwegs und Leute, welche als „Schiffsjungen“ mit 14-20 ... die Reise erstmals mitgebracht hätten, hätten dann mit 44-50 ... die Reise als die „erfahrenen“ Segler gemacht. Hardy likely. Was sollte das auch, eine Reise nur alle 29.5 Jahre zu unternehmen?

Die Autoren dieser „Studie“ betreiben auch Cherrypicking. Lamprias (der Erzähler) fabuliert (Abschnitt 25) über See- und Landbewohner und deduziert aus der Tatsache, dass Meerwasser bitter und ungenießbar sei und trotzdem belebt, so unwahrscheinlich das auch sei, dass der Mond, der von anderen Teilnehmern des Dialogs für Aether gehalten wird, auch von Menschen besiedelt sei, welche, wenn sie die homerischen Epen kennten bei sich den Hades etc. verorteten und nicht etwa auf der Erde. Lamprias wird da von Sylla unterbrochen (Abschnitt 26). Sylla spricht vom Meer des Kronos (in der englischen ÜS Saturn) und dass 5000 Stadien/5 Tagesreisen westlich der britischen Inseln die Insel Ogygian liege, außerdem drei weitere Inseln, die laut der englischen Übersetzung gleich weit von einander entfernt liegen, wie von Britannien. Außerdem gebe es einen den Ozean umfassenden Kontinent. Wir haben hier also eine erweiterte Vorstellung des Randmeeres. Eigentlich gibt es ja die Vorstellung, dass die bewohnte Welt mit dem Mittelmeer im Zentrum, vom Ozean umgeben ist und nun ergänzt Sylla dje Vorstellung des die Welt umgebenen Randozeans von einem diesen wiederum umgebenden Kontinenten (wie gesagt, ich rekurriere hier auf die engl. ÜS.); dieser Kontinent sei von Griechen besiedelt, aber die Kommunikation zwischen diesem Kontinent und der bekannten Welt sei schwierig, weil der Ozean schlammig und fast solide sei (und von dem fremden Kontinent verschiedene Strömungen ausgingen).
Der Dialog endet damit, dass Sylla seine Quellen preisgibt (Abschnitt 30):

“All this,” said Sylla, “I heard the stranger recounting; and the chamberlains and ministers of Saturn had related it, as he said, to him. You, Lamprias, are at liberty to make what use you please of the story.”

„All dies hörte ich einen Fremden wiedergeben, und die Priester und Diener des Kronos hatten dies, wie er sagte, ihm erzählt.“

Das erinnert doch an Platons Timaios, wo Platon dem Sprecher, der von Atlantis erzählt in den Mund legt, er habe die Geschichte als kleiner Junge von seinem Großvater gehört, der diese wiederum von Perikles(?) habe, der die Geschichte in Ägypten gehört habe, wo sie seit 9.000 Jahren von Priestern tradiert würde. Plutarch hat hier dieselbe Verfremdungstechnik wie Platon angewandt, eine Verfremdungstechnik, die später von Cervantes im Quijote, von Montesquieu in den Lettres persanes und von Cadalso in den Cartas marruecas aufgegriffen wurde.
 
Es bestreitet ja niemand, dass die Phönizier, Griechen und Römer in bekannten Gewässern (Schwarzes Meer, Mittelmeer, nordwestlicher indischer Ozean) auch quer übers Meer fuhren. Meines Wissens verbrachte man aber die Nacht tunlichst an Land.
Wenn man sich diese Karte ansieht
map-greeks-in-canada.gif

dann wäre die Hinfahrt meistens eine Küstenfahrt gewesen. Außerdem könnten sie, wie vielleicht Pytheas (4. Jhdt. BC), mit einem Handelsschiff unterwegs sein, das genügend Trinkwasser und Nahrungsmittel für Wochen mitnehmen konnte.

Ein Schiff, das im ersten Jahrhundert BC vor Insel Antikythera sank, war ca. 30 m lang und ca. 10 m breit und hatte ein Fassungsvermögen von ca. 300 Tonnen (die Karavellen, mit denen Kolumbus Amerika erreichte, waren kleiner), und wenn sie über einen Mechanismus von Antikythera verfügten, konnten sie wahrscheinlich besser navigieren als Kolumbus.

Für die Rückfahrt wussten sie dann, dass sie stur nach Osten segeln müssen.

Die Frage nach warum, kann man mit „Es gab immer Abenteurer und Geldgeber, die sich davon Ruhm und noch mehr Geld versprachen“ beantworten - auch der Abenteurer Kolumbus musste 7 Jahre für seine Idee werben, bevor er seine Reise finanziert bekam.

Zwei Fragen können derzeit nicht beantwortet werden:

Warum gibt es bisher in Amerika keine Spuren vom Aufenthalt der Griechen?
Warum gibt es bisher von diesen Reisen – außer von Plutarch – keine zeitgenössischen Berichte?

Aber was nicht ist, kann noch werden, denn immer wieder werden Schriftstücke gefunden, von denen man glaubte, sie seien verschollen. Und ein weiteres Beispiel, dass etwas, wovon man Jahrhunderte glaubte, es sei nicht möglich gewesen, doch existierte: Bis der Mechanismus von Antikythera gefunden und weitgehend entschlüsselt wurde, dachte man auch, solche Apparate konnte man erst ab der Renaissance herstellen.
 
dann wäre die Hinfahrt meistens eine Küstenfahrt gewesen. Außerdem könnten sie, wie vielleicht Pytheas (4. Jhdt. BC), mit einem Handelsschiff unterwegs sein, das genügend Trinkwasser und Nahrungsmittel für Wochen mitnehmen konnte.
Von den Lofoten bis Spitzbergen sind es etwa 900 km über offene See. Das ist keine Küstenfahrt mehr.

Ein Schiff, das im ersten Jahrhundert BC vor Insel Antikythera sank, war ca. 30 m lang und ca. 10 m breit und hatte ein Fassungsvermögen von ca. 300 Tonnen (die Karavellen, mit denen Kolumbus Amerika erreichte, waren kleiner), und wenn sie über einen Mechanismus von Antikythera verfügten, konnten sie wahrscheinlich besser navigieren als Kolumbus.
Es ist ja nicht nur eine Frage der Schiffsgröße. Eine moderne Segelyacht kann deutlich kleiner als 30 m lang und 10 m breit und trotzdem hochseetauglich sein. Allein aus der Größe lassen sich keine Rückschlüsse auf die Hochseetauglichkeit ziehen. Und sicher kann man mit dem Schiff mehr transportieren als mit einer Karavelle, aber brauchte man eventuell auch mehr Besatzung? Und Kolumbus nahm ja auch nicht den Umweg über Spitzbergen.

Zwei Fragen können derzeit nicht beantwortet werden:

Warum gibt es bisher in Amerika keine Spuren vom Aufenthalt der Griechen?
Warum gibt es bisher von diesen Reisen – außer von Plutarch – keine zeitgenössischen Berichte?
Die einfachste Antwort wäre natürlich, dass es diese Reisen einfach nicht gab.

Aber was nicht ist, kann noch werden, denn immer wieder werden Schriftstücke gefunden, von denen man glaubte, sie seien verschollen. Und ein weiteres Beispiel, dass etwas, wovon man Jahrhunderte glaubte, es sei nicht möglich gewesen, doch existierte: Bis der Mechanismus von Antikythera gefunden und weitgehend entschlüsselt wurde, dachte man auch, solche Apparate konnte man erst ab der Renaissance herstellen.
Sicher, theoretisch ist viel möglich. Aber bis man irgendwelche Hinweise darauf findet, bleibt das alles Spekulation ohne Grundlage.
 
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