Also halten wir fest:
- Es gibt in Mittelhessen aus der Zeit Caesars an sicheren archäologischen Funden lediglich die römischen Lager in Limburg-Eschhofen und die von @Biturigos erwähnten Spuren (z.B. Sandalennägel) am Dünsberg.
- Es gibt bislang kein römisches Marschlager in Gladenbach, sondern allenfalls nahe Gladenbach (= Reimershausen, 10 km entfernt), und dies drususzeitlich bis spätaugusteisch.
- Die von @Biturigos erwähnte Wangenklappe eines römischen Helms, gefunden in Mittenaar-Bischoffen (zu Fuß 19 km westlich von Reimershausen), ist ein sehr schöner Fund, belegt aber noch keine größeren militärischen Aktivitäten, ist noch im Kontrollbereich des Dünsberggebietes.
- Die Wallburg bei Rittershausen wird in den Vorträgen als gutes Beispiel für die Möglichkeiten von LIDAR und Luftbildarchäologie vorgestellt worden sein, hat aber mit den Römern und der Latènezeit D2 nichts zu tun.
- Es gibt in der latènezeitlichen Wirtschaftsregion sehr wohl Wallburgen oder -anlagen, die spätlatènezeitlich sind (z.B. ""Alte Burg" bei Netphen = Latène D, Rimberg bei Caldern, Ringwallanlage "Eisenköpfe" bei Hommertshausen etc.), bei denen eine Nutzung bis zur Zeit Caesars möglich aber nicht belegt ist.
- Die drususzeitlichen bis spätaugusteischen Aktivitäten in der Dünsbergregion werden
- als wirtschaftliche Ziele regional (Bergbau, Agrarprodukte) und
- als militärische Ziele logistisch oder als Aufmarschgebiet in Richtung Nordosten (drususzeitliche Expansion) oder gegen Chatten und Marser (Strafexpeditionen des Germanicus) verfolgt worden sein, und dies im Rahmen von Feldzügen und zeitlich sehr begrenzt.
Lieber
@Pardela_cenicienta , ich war überrascht, dass in deiner Aufzählung Waldgirmes und Dorlar fehlen. Ebenfalls fehlen die Informationen, die aus den schriftlichen Quellen bekannt sind. Außerdem fasst du in deiner Sammlung Einzelfacetten aus einem weitem Zeitraum zusammen, in dem sich die politischen und militärischen Verhältnisse drastisch verändern.
Ich würde daher vorschlagen, diesem Zeitraum von Latène D1 bis zur frühen Kaiserzeit in mehrere Phasen einzuteilen.
Vor dem Gallischen Krieg - Während des Gallischen Krieges - Sicherung ud Konsolidierung der Eroberung und Provizialisierung in den drei Gallien - Militärische Intervention in Germanien und Versuch der Provinzialisierung - Rückzugsphase - Chattenkriege Domitians und Limesbefestigung
Zu den Schriftquellen: bekannt sind die beiden Rheinübergänge Cäsars, mit dem die Ubier schon vor diesen diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten (Caes. Gall IV,8). Immerhin war die Amicitia mit den Ubiern so wichtig, dass Cäsar zweimal rechtsrheinisch interventierte, auch wenn es mehr oder weniger Machtdemonstrationen waren (55 v. Chr: Caes Gall IV,18-19 und 53 v.Chr. VI, 9-10). Gleichzeitig dienten diese Feldzüge dazu das rechtsrheinische Terrain zu erkunden.
Ob es vor dem Gallischen Krieg diplomatische Kontakte zu den Ubiern gegeben hat, ist nicht bekannt - da Cäsar jedoch davon spricht, dass die Ubier ihm Geiseln gestellt und sich unterworfen hatten (,IV,16,5 und VI, 9,6), wird eine aktive diplomatische Beziehung erst im Laufe des Gallischen Krieges auf Initiative der Ubier statgefunden haben.
Bis zur nächsten rechtsrheinischen Intervention, diesmal von Agrippa als Statthalter der drei Gallien 39/38 v.Chr. (Dio 48,49,2-3 aber auch Tacitus Ann. 12,27,1) sind keine Informationen aus schriftlichen Quellen bekannt. Bei Tacitus und Strabon finden sich dann Informationen zur Übersiedlung der Ubier auf linksrheinisches Terrain, auf das ehemalige Land der Eburonen (Strab. 4,3,4). Wahrscheinlich wurde dieser Prozess mit der 2.Statthalterschaft Agrippas 20./19. v.Chr. abgeschlossen. Ob Agrippa auch in dieser Zeit den Rhein überquerte, ist nicht bekannt, auszuschließen ist es nicht. In diesen Jahren finden sich einzelne Notizen, wie der Triumphzug des Gaius Carrinas im Jahr 28 v.Chr. der die Sueben über den Rhein zurückgeschlagen hatte (Dio51,22,6), die vermuten lassen, dass die Rheingrenze alles andere als sicher war.
Insgesamt lässt sich eine beständige diplomatische Verbindung zwischen Rom und den Ubiern ab 55 v.Chr. festhalten. Tacitus verwendet die Formulierung fidem accipere für die formale Dedition der Ubier gegenüber Agrippa, die sich unter den Schutz Roms stellten. Ein aus den römischen Quellen herausgestellten Grund erwähnt schon Cäsar: der einst mächtige Stamm der Ubier war den Sueben tributpfichtig geworden, hatte sich jedoch auch durch viele Kriege nicht aus seinen Wohnsitzen vertreibe lassen (Caes Gall IV, 3). Dieser suebische Druck wird eine der Haupttriebfedern der ubischen diplomatischen Initiative für ein Bündnis mit Rom gewesen sein, und könnte nach dessen Sieg gegen Ariovist erfolgt sein.
Ich möchte noch auf etwas anderes in dieser Frühphase aufmerksam machen: Cäsar spricht immer von germanischen Reitern, die er, nachdem die Haeduische Adelsreiterei während des Vercingetorix-Aufstands die Seiten gewechselt hatte, zur Hilfe gerufen hat. Diese germanischen Reiter verhelfen Cäsar in der Reiterschlacht
Schlacht am Armançon – Wikipedia und bei der Schlacht um Alesia zum Sieg. Im Heidetränkoppidum wurde ein Silbermünzenschatz von 349 Münzen gefunden, der um 50 v.Chr. vergraben worden war. Der größte Teil dieser Nauheimer Quinare sind Überprägungen gallischer Silberquinare, über die Hälfte davon Caleten - und Haeduerquinare. Könnte das der Sold für die Dienste im Gallischen Krieg gewesen sein? Schulze-Forster beschreibt die Funde vom Tor 4 vom Dünsberg als Kultplatz, bei dem auch die römischen Waffen deponiert worden sein können. Er betont die Vielzahl von deponierten zerstörten Trensen und Pferdegeschirren: "
Der Reichtum an Zaumzeug und Zubehör ist einmalig in der spätkeltischen Welt. Es wirft ein Licht auf die gesellschaftliche Elite am Dünsberg, namentlich auf die hervorragende gesellschaftliche Rolle des Reiteradels. K.Tausend hat in einem anregenden Artikel ( Cäsars germanische Reiter,1988, Bem. Bitu) die unterschiedliche Rolle der Reiterei bei den Stämmen am Mittelrhein untersucht und mit der Frage der Herkunft von Caesars germanischen Reitern verknüpft. Das Thema ist deshalb auch für die Frage römisch-einheimischer Kontakte im Lahngebiet sowie der Übernahme einheimischer Elemente in der römischen Kavallerie von Interesse. Bei der Besprechung des Fundmaterials ist mehrfach betont worden, dass Schmuckscheiben, Beschläge oder Riemenhaken vom Dünsberg zahlreiche Analogien im kaiserzeitlichen Zaumzeug finden." Jens Schulze-Forster, Die latènezeitlichen Funde vom Dünsberg, 2014/15).
Es mag sein, dass die cäsarische Elite eine gewisse Dankbarkeit und Treue aufgrund der außerordentlichen Kriegstaten der germanischen Reiter im Gallischen Krieg und darüber hinaus gegenüber den Ubiern empfand. Schon Julius Cäsar hatte eine germanische Leibwache, in der, nachgewiesen aufgrund der Grabfunde, später auch Ubier dienten.
Soweit erst einmal zur Frühzeit der Beziehungen Roms in den rechtsrheinischen hessischen und rheinland-pfälzischen Mittelgebirgsraum.