Die Römer in Mittelhessen ¹

Oh weh. Rittershausen wurde im dritten Jahrhundert v.Chr. schon verlassen, bzw. niedergebrannt. Das Marschlager bei Reimershausen ist noch nicht sicher datiert, wahrscheinlich drususzeitlich. Wie kommt da der Journalist auf Julius Cäsar?
Kein Journalist, sondern ein (vermutlich pensionierter) in der Heimatforschung engagierter Arzt. Oder eben die Referentin.
 
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Also halten wir fest:
  • Es gibt in Mittelhessen aus der Zeit Caesars an sicheren archäologischen Funden lediglich die römischen Lager in Limburg-Eschhofen und die von @Biturigos erwähnten Spuren (z.B. Sandalennägel) am Dünsberg.
  • Es gibt bislang kein römisches Marschlager in Gladenbach, sondern allenfalls nahe Gladenbach (= Reimershausen, 10 km entfernt), und dies drususzeitlich bis spätaugusteisch.
  • Die von @Biturigos erwähnte Wangenklappe eines römischen Helms, gefunden in Mittenaar-Bischoffen (zu Fuß 19 km westlich von Reimershausen), ist ein sehr schöner Fund, belegt aber noch keine größeren militärischen Aktivitäten, ist noch im Kontrollbereich des Dünsberggebietes.
  • Die Wallburg bei Rittershausen wird in den Vorträgen als gutes Beispiel für die Möglichkeiten von LIDAR und Luftbildarchäologie vorgestellt worden sein, hat aber mit den Römern und der Latènezeit D2 nichts zu tun.
  • Es gibt in der latènezeitlichen Wirtschaftsregion sehr wohl Wallburgen oder -anlagen, die spätlatènezeitlich sind (z.B. ""Alte Burg" bei Netphen = Latène D, Rimberg bei Caldern, Ringwallanlage "Eisenköpfe" bei Hommertshausen etc.), bei denen eine Nutzung bis zur Zeit Caesars möglich aber nicht belegt ist.
  • Die drususzeitlichen bis spätaugusteischen Aktivitäten in der Dünsbergregion werden
  • als wirtschaftliche Ziele regional (Bergbau, Agrarprodukte) und
  • als militärische Ziele logistisch oder als Aufmarschgebiet in Richtung Nordosten (drususzeitliche Expansion) oder gegen Chatten und Marser (Strafexpeditionen des Germanicus) verfolgt worden sein, und dies im Rahmen von Feldzügen und zeitlich sehr begrenzt.
 
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Zu Oberbrechen: Die einzige Zuordnung die ich gefunden habe, war "augusteisch". Leider war die Fundstelle von Sondengängern komplett ausgeraubt, bei der archäologischen Prospektion 1999 fand sich kein aussagefähiges Material.

Ein einziges Tor auf der Nordseite, nur 2 ha Größe: Das ist weniger als halb so groß wie das jetzt entdeckte Lager im Brücker Wald östlich von Amöneburg.

Funktion: Kontrolle der vorrömischen Handelswege im Goldenen Grund.

Der User @Hermundure hat sich zu den dortigen Münzfunden geäußert:
Die Gräben und Wälle des augusteischen Kleinlagers in Oberbrechen (Schlussmünze Gaius-Lucius-Denar) haben ebenfalls 2000 Jahre überlebt. Man hatte ja zuerst angenommen, dass es sich um eine frühneuzeitliche Schanze des 30-jährigen Krieges handeln würde - bis die Funde eines besseren belehrten.

Römerlager Oberbrechen – Wikipedia

Gaius-Lucius-Denar als Schlussmünze:
Das Prägedatum war 2 v. Chr. bis 4 n. Chr.
 
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Die Römer in Mittelhessen: Geschichtlich gesehen, nur ein ganz kurzes Kapitel. Aber wie immer bei einem engen Zeitfenster, man hat den immensen Vorteil, dass die Befunde einer Region in einem engen Zusammenhang sind.

Soviel wird deutlich: Die Römer hatten hier wirtschaftliche Interessen, und es war schon:
  • eine erschlossene Region,
  • günstiges Klima,
  • mit fruchtbaren Böden, extrem ertragreicher Landwirtschaft mit den Lössböden von Wetterau und Amöneburger Becken,
  • Verkehrswegen zu Lande (Ost-West: mit der Hohen Straße / Siegener Straße / Brüderweg / Brabanter Straße / Köln-Leipziger Straße eine wirklich bedeutende Achse, und diagonal mit den Langen Hessen, Süd-Nord über Paderborn bis zur Ostsee,
  • über die Flüsse Lahn mit Anschluss an den Rhein, und auch über die Wetterau und das Flusssystem der Nidda mit dem Anschluss an den Main,
  • Bergbauregion in keltischer Zeit (und der Machtbereich des Fürsten vom Glauberg ging in der Hallstattzeit über die Lahn hinaus!) mit Export von Eisen und Buntmetallen,
  • Mit Dünsberg und Amöneburg keltische Oppida,
  • Münzprägung
Und das alles also schon weit vor den Römern. Und die Bevölkerung z.T. handwerklich gut ausgebildet, und vor allem den Römern gegenüber nicht feindlich gesonnen. Also ein Sahnetörtchen.

Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt im Internet zum kostenlosen Download einen Tagungsbericht aus Nijmegen, von 2022:

Supplying the Roman Empire


Und da stehen einige Artikel direkt über die Interessen der Römer an der Lahn, und noch mehr über die Querverbindungen ¹ und Parallelen in anderen Grenzregionen. Thema ist natürlich die Logistik, und der Handel.
Lesenswert! Und unterhaltsam.

Ein schöner (wörtlich nicht ganz so formulierter) Merksatz von Frau Rasbach:
Nicht alles was römisch und rechteckig ist und einen Wall mit Spitzgraben hat, ist ein Marschlager!
¹ Querverbindungen: Da steht auch etwas über Oberbrechen, @Stilicho hatte mich darauf gebracht.​
 
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Die Kombination "Nationales Automuseum" + "emeritierte Ernährungwissenschaftlerin" klingt jetzt erstmal nicht nach 1. Liga.

Dieses Automuseum ist meines Wissens der Ausstellungsort eines privaten Oldtimer-Sammlers. Da das Museum sich nicht gerade in einem urbanen Zentrum befindet, muss man mediale Aufmerksamkeit mühsam erkämpfen. Als Vortragsort für ein Referat mit einem eisenzeitlichen Thema ist es auch nicht gerade die erste Wahl.
 
Also, dass es im Nationalen Automuseum stattfand, ist ein Bewertungskriterium? ;)

Das wirft allerdings ein gewisses Licht auf die Vorstellungen unserer Denkmalbehörde und des Archäologischen Museums, die ihre Veranstaltungen gern in der Evangelischen Akademie abhalten. Also in einem feministische Frühstücksgottesdienste für FLINTA*, Vulvamalen und politisches Nachtgebet zu Klima und Gerechtigkeit Umfeld.
 
Also halten wir fest:
  • Es gibt in Mittelhessen aus der Zeit Caesars an sicheren archäologischen Funden lediglich die römischen Lager in Limburg-Eschhofen und die von @Biturigos erwähnten Spuren (z.B. Sandalennägel) am Dünsberg.
  • Es gibt bislang kein römisches Marschlager in Gladenbach, sondern allenfalls nahe Gladenbach (= Reimershausen, 10 km entfernt), und dies drususzeitlich bis spätaugusteisch.
  • Die von @Biturigos erwähnte Wangenklappe eines römischen Helms, gefunden in Mittenaar-Bischoffen (zu Fuß 19 km westlich von Reimershausen), ist ein sehr schöner Fund, belegt aber noch keine größeren militärischen Aktivitäten, ist noch im Kontrollbereich des Dünsberggebietes.
  • Die Wallburg bei Rittershausen wird in den Vorträgen als gutes Beispiel für die Möglichkeiten von LIDAR und Luftbildarchäologie vorgestellt worden sein, hat aber mit den Römern und der Latènezeit D2 nichts zu tun.
  • Es gibt in der latènezeitlichen Wirtschaftsregion sehr wohl Wallburgen oder -anlagen, die spätlatènezeitlich sind (z.B. ""Alte Burg" bei Netphen = Latène D, Rimberg bei Caldern, Ringwallanlage "Eisenköpfe" bei Hommertshausen etc.), bei denen eine Nutzung bis zur Zeit Caesars möglich aber nicht belegt ist.
  • Die drususzeitlichen bis spätaugusteischen Aktivitäten in der Dünsbergregion werden
  • als wirtschaftliche Ziele regional (Bergbau, Agrarprodukte) und
  • als militärische Ziele logistisch oder als Aufmarschgebiet in Richtung Nordosten (drususzeitliche Expansion) oder gegen Chatten und Marser (Strafexpeditionen des Germanicus) verfolgt worden sein, und dies im Rahmen von Feldzügen und zeitlich sehr begrenzt.
Lieber @Pardela_cenicienta , ich war überrascht, dass in deiner Aufzählung Waldgirmes und Dorlar fehlen. Ebenfalls fehlen die Informationen, die aus den schriftlichen Quellen bekannt sind. Außerdem fasst du in deiner Sammlung Einzelfacetten aus einem weitem Zeitraum zusammen, in dem sich die politischen und militärischen Verhältnisse drastisch verändern.

Ich würde daher vorschlagen, diesem Zeitraum von Latène D1 bis zur frühen Kaiserzeit in mehrere Phasen einzuteilen.
Vor dem Gallischen Krieg - Während des Gallischen Krieges - Sicherung ud Konsolidierung der Eroberung und Provizialisierung in den drei Gallien - Militärische Intervention in Germanien und Versuch der Provinzialisierung - Rückzugsphase - Chattenkriege Domitians und Limesbefestigung

Zu den Schriftquellen: bekannt sind die beiden Rheinübergänge Cäsars, mit dem die Ubier schon vor diesen diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten (Caes. Gall IV,8). Immerhin war die Amicitia mit den Ubiern so wichtig, dass Cäsar zweimal rechtsrheinisch interventierte, auch wenn es mehr oder weniger Machtdemonstrationen waren (55 v. Chr: Caes Gall IV,18-19 und 53 v.Chr. VI, 9-10). Gleichzeitig dienten diese Feldzüge dazu das rechtsrheinische Terrain zu erkunden.

Ob es vor dem Gallischen Krieg diplomatische Kontakte zu den Ubiern gegeben hat, ist nicht bekannt - da Cäsar jedoch davon spricht, dass die Ubier ihm Geiseln gestellt und sich unterworfen hatten (,IV,16,5 und VI, 9,6), wird eine aktive diplomatische Beziehung erst im Laufe des Gallischen Krieges auf Initiative der Ubier statgefunden haben.

Bis zur nächsten rechtsrheinischen Intervention, diesmal von Agrippa als Statthalter der drei Gallien 39/38 v.Chr. (Dio 48,49,2-3 aber auch Tacitus Ann. 12,27,1) sind keine Informationen aus schriftlichen Quellen bekannt. Bei Tacitus und Strabon finden sich dann Informationen zur Übersiedlung der Ubier auf linksrheinisches Terrain, auf das ehemalige Land der Eburonen (Strab. 4,3,4). Wahrscheinlich wurde dieser Prozess mit der 2.Statthalterschaft Agrippas 20./19. v.Chr. abgeschlossen. Ob Agrippa auch in dieser Zeit den Rhein überquerte, ist nicht bekannt, auszuschließen ist es nicht. In diesen Jahren finden sich einzelne Notizen, wie der Triumphzug des Gaius Carrinas im Jahr 28 v.Chr. der die Sueben über den Rhein zurückgeschlagen hatte (Dio51,22,6), die vermuten lassen, dass die Rheingrenze alles andere als sicher war.

Insgesamt lässt sich eine beständige diplomatische Verbindung zwischen Rom und den Ubiern ab 55 v.Chr. festhalten. Tacitus verwendet die Formulierung fidem accipere für die formale Dedition der Ubier gegenüber Agrippa, die sich unter den Schutz Roms stellten. Ein aus den römischen Quellen herausgestellten Grund erwähnt schon Cäsar: der einst mächtige Stamm der Ubier war den Sueben tributpfichtig geworden, hatte sich jedoch auch durch viele Kriege nicht aus seinen Wohnsitzen vertreibe lassen (Caes Gall IV, 3). Dieser suebische Druck wird eine der Haupttriebfedern der ubischen diplomatischen Initiative für ein Bündnis mit Rom gewesen sein, und könnte nach dessen Sieg gegen Ariovist erfolgt sein.

Ich möchte noch auf etwas anderes in dieser Frühphase aufmerksam machen: Cäsar spricht immer von germanischen Reitern, die er, nachdem die Haeduische Adelsreiterei während des Vercingetorix-Aufstands die Seiten gewechselt hatte, zur Hilfe gerufen hat. Diese germanischen Reiter verhelfen Cäsar in der Reiterschlacht Schlacht am Armançon – Wikipedia und bei der Schlacht um Alesia zum Sieg. Im Heidetränkoppidum wurde ein Silbermünzenschatz von 349 Münzen gefunden, der um 50 v.Chr. vergraben worden war. Der größte Teil dieser Nauheimer Quinare sind Überprägungen gallischer Silberquinare, über die Hälfte davon Caleten - und Haeduerquinare. Könnte das der Sold für die Dienste im Gallischen Krieg gewesen sein? Schulze-Forster beschreibt die Funde vom Tor 4 vom Dünsberg als Kultplatz, bei dem auch die römischen Waffen deponiert worden sein können. Er betont die Vielzahl von deponierten zerstörten Trensen und Pferdegeschirren: "Der Reichtum an Zaumzeug und Zubehör ist einmalig in der spätkeltischen Welt. Es wirft ein Licht auf die gesellschaftliche Elite am Dünsberg, namentlich auf die hervorragende gesellschaftliche Rolle des Reiteradels. K.Tausend hat in einem anregenden Artikel ( Cäsars germanische Reiter,1988, Bem. Bitu) die unterschiedliche Rolle der Reiterei bei den Stämmen am Mittelrhein untersucht und mit der Frage der Herkunft von Caesars germanischen Reitern verknüpft. Das Thema ist deshalb auch für die Frage römisch-einheimischer Kontakte im Lahngebiet sowie der Übernahme einheimischer Elemente in der römischen Kavallerie von Interesse. Bei der Besprechung des Fundmaterials ist mehrfach betont worden, dass Schmuckscheiben, Beschläge oder Riemenhaken vom Dünsberg zahlreiche Analogien im kaiserzeitlichen Zaumzeug finden." Jens Schulze-Forster, Die latènezeitlichen Funde vom Dünsberg, 2014/15).

Es mag sein, dass die cäsarische Elite eine gewisse Dankbarkeit und Treue aufgrund der außerordentlichen Kriegstaten der germanischen Reiter im Gallischen Krieg und darüber hinaus gegenüber den Ubiern empfand. Schon Julius Cäsar hatte eine germanische Leibwache, in der, nachgewiesen aufgrund der Grabfunde, später auch Ubier dienten.

Soweit erst einmal zur Frühzeit der Beziehungen Roms in den rechtsrheinischen hessischen und rheinland-pfälzischen Mittelgebirgsraum.
 
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Also, dass es im Nationalen Automuseum stattfand, ist ein Bewertungskriterium? ;)
Wenn ein PhD der Sorabistik eine von ihm entwickelte neue Theorie zur Evolution der Raubsaurier im Frankfurter Senckenbergmuseum vortragen dürfte, wäre ich eher zu einer wohlwollenden Beschäftigung mit dem Vortrag bereit als wenn dieser im privaten Bügeleisenmuseum von Urxbach-Lattenhausen stattfinden würde. Da bin ich sicher kleingeistig. ;)

Das wirft allerdings ein gewisses Licht auf die Vorstellungen unserer Denkmalbehörde und des Archäologischen Museums, die ihre Veranstaltungen gern in der Evangelischen Akademie abhalten. Also in einem feministische Frühstücksgottesdienste für FLINTA*, Vulvamalen und politisches Nachtgebet zu Klima und Gerechtigkeit Umfeld.
Klingt interessant. Ich beschäftige mich eindeutig zu viel mit Kalkriese und zu wenig mit dem Innenleben der Evangelischen Akademie. :D
 
....als wenn dieser im privaten Bügeleisenmuseum von Urxbach-Lattenhausen stattfinden würde. Da bin ich sicher kleingeistig. ;)

Veranstalter des Vortrags war die Geschichtswerkstatt Dietzhölztal, ein lokaler Verein, der sich mit lokaler Geschichte befasst. Hauptsächlich mit den Hüttenwerken der Gegend, aber auch mit der Vorgeschichte des ganzen. Lobenswert, dass sie auch über den Teller Dorfrand hinausschauen. Daher erfahren wir auch, dass Frau Dr. Daniel keltische Stuhlproben aus der Hallstattzeit erforscht hat, was nicht jede(r) von sich sagen kann.
Leider ist es mit Vortragssälen eher mau im dortigen Urxbach-Lattenhausen, da kommt so ein professionell ausgestattetes Automuseum, das auch noch freundlicherweise seine Türen öffnet, gerade recht. Sonst hätte man es tatsächlich in der evangelischen Dorfkirche ausrichten müssen, oder einem miefigen Bürgerhaus.
Senkenberg wäre etwas weit gewesen, noch dazu interessieren die sich kaum für die Ringwallbewohner von Rittershausen.
Aber die Zuschauerzahl wäre sicher höher gewesen.
 
Ich möchte noch auf etwas anderes in dieser Frühphase aufmerksam machen: Cäsar spricht immer von germanischen Reitern, die er, nachdem die Haeduische Adelsreiterei während des Vercingetorix-Aufstands die Seiten gewechselt hatte, zur Hilfe gerufen hat. Diese germanischen Reiter verhelfen Cäsar in der Reiterschlacht Schlacht am Armançon – Wikipedia und bei der Schlacht um Alesia zum Sieg. Im Heidetränkoppidum wurde ein Silbermünzenschatz von 349 Münzen gefunden, der um 50 v.Chr. vergraben worden war. Der größte Teil dieser Nauheimer Quinare sind Überprägungen gallischer Silberquinare, über die Hälfte davon Caleten - und Haeduerquinare. Könnte das der Sold für die Dienste im Gallischen Krieg gewesen sein? Schulze-Forster beschreibt die Funde vom Tor 4 vom Dünsberg als Kultplatz, bei dem auch die römischen Waffen deponiert worden sein können. Er betont die Vielzahl von deponierten zerstörten Trensen und Pferdegeschirren: "Der Reichtum an Zaumzeug und Zubehör ist einmalig in der spätkeltischen Welt. Es wirft ein Licht auf die gesellschaftliche Elite am Dünsberg, namentlich auf die hervorragende gesellschaftliche Rolle des Reiteradels. K.Tausend hat in einem anregenden Artikel ( Cäsars germanische Reiter,1988, Bem. Bitu) die unterschiedliche Rolle der Reiterei bei den Stämmen am Mittelrhein untersucht und mit der Frage der Herkunft von Caesars germanischen Reitern verknüpft. Das Thema ist deshalb auch für die Frage römisch-einheimischer Kontakte im Lahngebiet sowie der Übernahme einheimischer Elemente in der römischen Kavallerie von Interesse. Bei der Besprechung des Fundmaterials ist mehrfach betont worden, dass Schmuckscheiben, Beschläge oder Riemenhaken vom Dünsberg zahlreiche Analogien im kaiserzeitlichen Zaumzeug finden." Jens Schulze-Forster, Die latènezeitlichen Funde vom Dünsberg, 2014/15).
Kurzer Nachtrag zum Thema "germanische Reiter": ich habe gestern zwei Informationen leider nicht gefunden. Die erste Information betrifft eine im Lahntal (bei Waldgirmes?) gefundene Münze, die im Text so interpretiert wurde (meine Erinnerung!), dass die Münze ein Hinweis auf die Beteiligung ihres Besitzers am Römischen Bürgerkrieg zum Beispiel in der germanischen Leibwache Cäsars war, und zweitens eine Neuinterpretation des Kultplatzes am Dünsberg. Es sind dort zahlreiche Pferdezähne und Knochen gefunden worden. Möglich wäre, dass zum Beispiel ein Pferd an einem Totempfosten aufgestellt worden sein könnte. Hier ein Grabungsbericht von 2005 von Christa Nickel: »Gold und Silber wünsch ich mir ...«

Interessant ist auch, dass die altkeltische Pferdegöttin Epona in die römische Götterwelt integriert wurde. Epona wurde von den römischen Truppen als Schutzheilige der Kavallerie und Wagenlenker adaptiert. Der Name der Göttin leitet sich von indogermanisch *ekwo/*epo ab, verwandt mit dem lateinischen equus.

Unten am Dünsberg gefundene eiserne emailverzierte Trense
csm_duensberg-abb2-2_6e47642b88.jpg
 
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Lieber @Biturigos, vielen Dank für Deinen weit gefassten Bericht.
Vor allem, dass Du den Akzent auf die Kelten bzw. die Ubier gelegt hast.

Ich hatte ja eher Facetten glitzern lassen. Natürlich sind Dünsberg, Waldgirmes und Dorlar Schlüsselstellen, und faszinierend auch die Erkenntnisse über Wetzlar-Dalheim.

Das Thema hier könnte ebenso sein "Kelten und Ubier in Hessen", denn es ist deren komplexer Siedlungsraum, deren originäre Schöpfung. Und vor allem eine geschlossene und große Wirtschaftszone, mit weit nach Gallien ausstrahlendem Handel und der politischen und diplomatischen Verankerung.

Erstaunlich war für mich auch dass Manuel Zeiler auf den defensiven Charakter der latènezeitlichen Wallanlagen nach Osten verwiesen hat. Mich hat das überrascht, ich hatte gedacht dass das eher im Bereich der Fabel sei, wie die zusammenrollbare Wandkarte (aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg!) in meiner Grundschule, die den Kampf der eisenverarbeitenden Kelten mit den von Osten eindringenden zotteligen Germanen zeigte.

Die von Dir vorgestellten Trensen sind von höchster handwerklicher Qualität. Wurden sie hier in Mittelhessen oder doch nahe am Rhein hergestellt?
 
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