Einfach und effizient, aber trotzdem eine Rarität - der Sandsack in der Vormoderne

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Gegenkaiser, 4. November 2008.

  1. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Bei den antiken Griechen kann ich mir schwer Standheere vorstellen. Die Soldaten gingen nach Schlachten und Kriege weitestgehend wieder auf ihre Gehöfte und verwalteten ihr Land oder gingen ihren Handwerken nach. Erst bei erneuter Mobilmachung schnappten sie sich ihre Waffen und liefen zu den Sammelplätzen. Der Rest war berufsmäßig Sicherheitspersonal für das Herrscherhaus oder Grenzwache. Dann gabs noch die Söldner. Die Söldner verdingten sich je nach Bezahlung bei verschiedenen Mächten. Ob Söldner für einen Hafenbau eingesetzt und Sandsäcke genäht und befüllt haben könnten...
     
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Nun sag mal selbst, haben die in der Zeit Sandsäcke genäht? (zustimmung, hurvi)

    Wenn ich sowas, Völlig an der Realität vorbeigehendes lese, steht mir was.(Gruss an Ingeborg, der Haarschopf)
     
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  3. Guntbot

    Guntbot Gast

    Ne
    hamse nit
    aber das sag ich doch die ganze Zeit:weinen:
     
  4. Tekker

    Tekker Gast

    Ich dachte erst, dieses Thema gehört unter "Heiteres"... Soll es um den ordinären Sandsack als technisches Hilfsmittel in der Antike gehen oder den ganz speziellen Sandsack zu militärischen Zwecken?

    Zu letzterem:

    Wo liegt bitte der Sinn eines Sandsackes, wenn man mit Pfeil und Bogen schießt?

    Dieses wurde auch in einem der wenigen sinnvollen Beiträge dieses Threads angesprochen:
    Der Erste Weltkrieg bzw. die Neuzeit allgemein sind dabei fast so offtopic wie diverse Geschichten aus dem (eigenen) Soldatenleben. :S :fs:
     
  5. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Wo?

    Die praktischen Vorteile von Sandsäcken liegen auf der Hand. Warum ist es also dennoch nicht zu einer Massenverwendung gekommen?
     
  6. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Hm, aber was passierte, wenn die Sandsäcke sich unter Wasser auflösten? Meinen Quellen nach wurden von den Griechen zu Zweck der Fundierung Steinblöcke eingesetzt, bei den Römern auch Betonblöcke.
     
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  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Genau. Da komme ich wieder zu der rationalen Frage.
    Nehmen wir mal an, es war so.
    Diese Säcke damals waren ja wohl alles andere als das, was wir uns heute unter Säcken vorstellen.
    Das heisst, sie waren grobmaschig.
    Nur eine Welle würde den Schwemmsand herrausspülen. Dann bleiben die groben Kieselsteine in den Säcken.
    Das heisst, grob gerechnet bleibt 1/4 von der Masse übrig. dann die nächsten Säcke usw.
    Quatsch, die haben gleich Felsbrocken genommen.
    Spinnt euch nur nicht fest mit euren Sandsäcken. Das ist eines der wenigen Themen, von denen ich was verstehe.

    Beispiel.
    Ihr geht an den Strand und stellt euch in die Brandung. Was fühlt ihr unter den Füssen? Der feine Sand wird weggespült und ihr steht auf Steinen. da die Sandfüllung fehlt, sackt ihr etwas ein.
    Sowas weiss man schon in der 5. Klasse. Masse und Dichte
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2008
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Dann nenn' doch mal die Vorteile eines Sandsackes gegenüber dem einfachen aufschütten von Erde mithilfe einer Schaufel und dann kann durchgegangen werden, welcher der Punkte für antike Heere relevant war.
     
  9. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich halte die Materialkosten in der Antike für zu hoch. Man müsste mal ausrechnen, wie viel Quadratmeter Tuch man für einen Wall von zehn Meter Länge und zwei Meter Höhe braucht.
    In feuchteren Gegenden würden Säcke aus Naturmaterial auch schnell anfangen zu schimmeln. Das stände einem Mehrfachgebrauch im Wege. Gut, in Griechenland oder Mesopotamien könnte man die fix in der Sonne trocknen lassen.
     
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  10. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Generell kann man sich darauf einigen dass Sandsäcke, wenn sie denn eingesetzt wurden, zur Abwehr von Beschuss dienten. Nun bleibt aber Anzumerken, dass der Beschuss in der Antike von einer komplett anderen Art war als er es in der Neuzeit war/ist.
    Wo Gewehrkugeln fast parallel zur Oberfläche abgeschossen werden war vor allem der Bogenbeschuß ja eine Kurvenbahn, d.h. der Großteil der Projetike kam im steilen Winkel von oben. Damit war der Schutz vor diesen Projektilen der Tote Winkel den eine Mauer/Wallanlage mit sich brachte. Wie schon gesagt wurde war ein Erde, Rasensoden, Holz-Erdebauwerk um einiges besser zu Verteidigen als eine Anhäuffung von Säcken.
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Als früher fleissiger Hornblower-Leser kann ich da mit Fachwissen glänzen:D

    Die benutzten Schanzkörbe so ca. 1800 nChr., ist leicht zu tragen, überhaupt zu transportieren, wird in Position gestellt, dann mit der jeweils vorhandenen Erde gefüllt.
    Ob er billiger zu flechten, wie ein Sack zu nähen ist? Kein Plan.
    Leichter zu füllen ist er auf jeden fall.
     
  12. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Ich verstehe gar nicht, warum ihr bei Sandsack immer gleich an Krieg denkt.

    Sandsäcke leisten und leisteten im Bauwesen unschätzbare Dienste. Zum Beispiel um mit ungeeignetem Material (Sand, Kies) Schutzdämme zu bauen. Oder um nach der Fertigstellung der Maurerarbeiten ein Lehrgerüst abzusenken, usw...


    Gruss Pelzer


    .
     
  13. Guntbot

    Guntbot Gast

    wei Gegenkaiser nach der Verwendung im Kriegswesen fragte
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Volle Zustimmung.
    Immer die Militär-Denke.

    Die Boxer hängen so ein Ding, so einen Sack, na eben einen Sack mit Sand drin,
    an einen Haken, und daann
    dann hauen die dagegen..... stundenlang, tagelang, jahrelang...
    na eben lang.:rotwerd:
     
  15. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das ist das übliche im Laufe einer Diskusion. Niemand guckt mehr Beitrag eins an.

     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gibt es da auch Beispiele für einen militärischen Einsatz?

    Also aus "meiner Zeit" kenne ich selbst keine Beispiele, wobei ich mittlerweile auch eher wenig über die militärischen Aspekte lese.

    Zu üblichen Formen wie, ganz richtig von Repo erwähnt, Schanzkörben und sowas könnte ich was sagen, aber auch nur zu der Zeit, die Repo ansprach.

    @ florian17160
    Zu Deinem ersten Einwurf, als was man als Soldat nicht alles einen Sack nehmen konnte, würde ich auf den "sac à distribution" in der französischen Armee hinweisen, der auch verschiedene Funktionen, die des Sandsackes ausgenommen :D, hatte. Hier 22e demi-Brigade de Ligne unter dem Unterpunkt "Ausrüstung" (auf der linken Seite der Homepage) kommst Du auf einen Artikel zu diesem Ausrüstungsstück des französischen Soldaten, das in den Koalitionskriegen in Gebrauch war.
     
  17. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Der bislang einzige Hinweis auf die Verwendung von Sandsäcken, den ich entdecken konnte:

    John Gray Landels: Engineering in the Ancient World, S.92 unten: Engineering in the Ancient World - Búsqueda de libros de Google

    Falls sich kein früherer finden lassen sollte, kommt man wohl nicht drumherum, die (erst-)Erfindung des Sandsacks glatt den alten Griechen (6. Jh. v. Chr.) zuzuschreiben.
     
  18. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Hm, tschuldigung, daß ich den Faden wieder hochleben lasse, aber irgendwie kann ich es nicht verwinden, daß er genau in dem Moment zum Erliegen kommt, wo ich IM SCHWEIßE MEINES ANGESICHTS eine zweckdienliche Quelle aufgetan habe. Bleibt das der einzige Hinweis im Altertum? :cry:
     
  19. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Ich schweiße mit Dir, aber die Ausgangsfrage bezog sich ja auf die kriegerische Verwendung des ubiquitären Sandsack, und da sieht es tatsächlich nicht gut aus mit Belegen.

    Soweit es ums Zivilleben geht, hatte ich zum Artemistempel (#1,37) schon den Ankerplatz (#7) beigesteuert, aber im Bauwesen hat sicherlich der Schwerpunkt gelegen, siehe z. B. Lehrgerüst ? Wikipedia einschließlich der Wasserwirtschaft
    http://www.uni-jena.de/data/unijena...tertum/ls_altges/HpS2_Wasseruhren_Ruhnow1.pdf
    vgl. auch Kammerer (Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt, München: Oldenbourg 1907, S. 10 f.) mit Bezug auf antike Hebemaschinen.

    Es gibt noch ein sehr viel älteres, freilich legendenhaftes Beispiel: Gott soll den Erzengel Gabriel mit einem prall gefüllten Sandsack losgeschickt haben, um ein wenig Sand über Ägypten zu verteilen; Satan habe heimlich den Sack aufgeschlitzt und so für die Entstehung der unermesslichen Weite der Wüste gesorgt...
     
  20. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Sandsäcke wurden auch einmal in einem Krieg der Perser gegen die Römer eingesetzt: 549 n. Chr. belagerten die Oströmer den von den Persern gehaltenen Stützpunkt Petra in Kolchis und brachten einen Teil der Mauer durch Untergrabung zum Einsturz, aber ohne die Stadt erfolgreich stürmen zu können. Als ein persisches Entsatzheer eintraf, reparierten die Perser die Lücke provisorisch, indem sie die Säcke, in denen sie Proviant mittransportiert hatten, mit Sand füllten und mit diesen Sandsäcken die Mauerlücke notdürftig schlossen. (Prokopios, Kriegsgeschichte, 2,30)
     

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