Facharbeit: Inzucht

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Gast, 4. Januar 2010.

  1. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

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  2. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Das könnte in dem Zusammenhang interessant sein:
    In der Markgrafschaft Baden des 18.Jh. gab es ein Gesetz das Ehen unter Partnern verbat die gleiche Urgroßelten hatten!
    So krass ist die Gesetzgebung selbst heute nicht, ich denke mal das das Gesetz bestimmt aus einem Inzuchtproblem heraus entstanden ist. Es wurde - zummindest in meiner Heimatgemeinde aber auch eingehalten, das ist aus einer Untersuchung über die Kirchenbücher des 17. und 18.Jh. ersichtlich.

    @Dorfdeppen:
    Man darf auch nicht vergessen, dass es in früherer Zeit auch kaum Möglichkeiten der Therapie von psychisch Kranken gab.
    Oder auch ganz banal: wir hatten im Dorf als ich noch zur Grundschule ging(frühe 1990er Jahre) eine uralte Taubstumme die nicht sprechen gelernt hatte (ob sie Gebärdensprache konnte weiß ich nicht, glaube es aber kaum), an ihrem Haus ging mein Schulweg vorbei und wir Knider hatten furchtbare Angst vor ihr, wenn sie auf der Straße rumrannte und unartikulierte Laute von sich gab. Meine Eltern erklärten mir zwar, dass sie einfach nicht sprechen kann und eigentlich nur eine arme Wutz war, aber gruselig blieb sie trotzdem.
    Jetzt stelle man sich weniger aufgeklärte Zeiten und Zeitgenossen vor - da wird so jemand völlig zu unrecht auch ganz schnell zum Dorfdeppen gemacht.
    Aber das nur so am Rande.
     
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  3. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Stimmt, das BGB verbietet lediglich Ehen mit Blutsverwandschaft in direkter Linie, drolligerweise gilt dieses Eheverbot auch für Adoptivkinder sinngemäß, obwohl da ja keine Blutsverwandschaft vorliegt. Bei kirchlichen (röm.-kath.) Trauungen sieht es allerdings wieder anders aus, dort ist nach wie vor ein Dispens bis zum 4. Grad der Verwandtschaft in der Seitenlinie erforderlich. Ausgeschlossen ist eine Eheschließung außerdem in direkter Linie sowie bis zum 1. Grad der Verwandschaft in der Seitenlinie. Das von dir beschriebene Gesetz geht dann sogar noch darüber hinaus, indem es auch eine Ehe mit Seitenverwandschaft 2. Grades verbietet. Interessant finde ich das vor allem deshalb, weil die Eheschließung zu dieser Zeit ja noch ausschließlich durch die Kirche vorgenommen wurde (die bürgerliche Ehe dürfte erst mit dem Code Civil eingeführt worden sein) und dort die Heirat mit entsprechendem Dispens - zumindest in den katholischen Regionen - nichts desto trotz möglich gewesen wäre. Du hast nicht zufällig eine Quelle zu dem gesetz parat?

    Nicht nur das - dein Beispiel der taubstummen Dame hat mich noch auf einen weiteren Gedanken gebracht. Das heutige Wort "taub" leitet sich vom mittelhochdeutschen "toup" ab, was eben nicht die Bedeutung gehörlos sondern eben die Bedeutung "dumm, verwirrt" hat. Die damaligen "Dorfdeppen" müssen also nicht zwingend auch nach heutigem Verständnis psychisch krank gewesen sein.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Bei wiki ist das zu finden
    Jetzt wäre die Frage wie sich das Risiko erhöht, wenn die "Kusinenheirat" mehrfach praktiziert wird.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Es verdoppelt sich etwa mit jeder Generation, in der das muntere Treiben ohne "Frischfleisch" fortgesetzt wird. Also bei reiner Kusin-Kusine über 3 Generationen 8-16-32% = fast schon wie Bruder - Schwester (50%). In der 4 Generation Kusin-Kusine ist das Risiko (64%) sogar höher Spätestens dann ist statistisch gesehen Schluß, der Wert kann sich 100 annähern, aber nicht überschreiten. Alles klar?

    PS: Auch im Hochadel gab und gibt es Kuckuckskinder...
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Danke Dir.

    Was ich im Groben auch so erwartet hätte.
     
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das war ja auch nur eine grobe Zusammenfassung, @da Silva (Wo isser?) hätte es besser gemacht.
    Aber mit Statistikmodellen, Hardy-Weinberg-Regel und 2. Mendelschen Gesetz wäre hier keinem gedient.
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ja klar, ich habe es schon mit den Bohnen einst in der Penne nicht verstanden.

    Was mir auffällt sind, wie gesagt, die blödsinnigen Schäferhunde. Die Hundezüchter kreuzen doch überwiegend "Geschwister".
     
  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Entsprechund kaputtgezüchtet sind auch fast alle Haustiere, auch wenn man ab und zu einen Rüden, Hengst, Bullen oder Eber importiert (Heutzutage passen die ja in eine transportable Kühlbox).
     
  10. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Von minderbemittelten Hunden als Folge von Inzucht hab ich noch nicht gehört, die bekanntesten Probleme dieser Züchtungspraxis sind wohl Hüftproblem (Schäferhunde, etc.).
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Genügt das nicht? Außerdem ist Hochbegabung kein Zuchtziel und wie testet man Hunde oder Pferde auf ihren IQ?
    Bekannt ist, dass Haustiere bei gleichem Körpergewicht bis zu einem Drittel weniger Hirvolumen haben als die Wildform.
     
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  12. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Das ist sogar mehr als genug. Ich wollte diese Probleme nicht kleinreden, sondern nur bemerken, dass ich noch nie was von "Schwachsinn" bei Hunden gehört hab.

    Ebenso würde ich mich eher von der These der Inzucht als Genese für das "Dorftrotteltum" distanzieren (ich finde das Wort an sich schon unpassend). Der Zusammenhang ist wohl eher auf eine landläufige wenig wissenschaftliche Urban Legend zurückzuführen.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Und um dann wieder in die Historie zurückzukommen, die Kirche hat mit ihren Eheverboten, vermutlich auf Grund von empirisch erworbenen Kenntnissen, oder intuitiv, das richtige gemacht.
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das ist sogar viel älter. Wie Völkerkundler wissen, es gibt bei den meisten heute noch existenten Jägern und Sammlern irre komplizierte Heiratsregeln über Clan-Beziehungen, die nur so erklärt werden können. Zumal sich Inzucht bei diesen kopfschwachen Gruppen (oft unter 100) schnell fatal auswirken würde.
     
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  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Was wiederum nicht heißen muss, dass es das nicht gibt.:devil:

    wenig wissenschaftlich...:rofl:tja könnt mich nicht erinnern einen solchen Anspruch gestellt zu haben.

    Obwohl:
    auch für diese These scheint, trotz Deiner Unkenntnis:devil: manches zu sprechen.:friends:

    Wie sagte schon Shakespeare?
    Ach so, den gab es ja auch nicht.:rofl:
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    In den USA gibt bezügl. "Dorftrottel + Inzucht" auch Klischees, wenn es um die sogenannten Rednecks geht. Dabei hatten die noch gar nicht soviel Zeit seit der Besiedelung, um das auszuprägen.
    Das wohl bekannteste Beispiel hier:
    YouTube - Deliverance - Banjo Duel
     
  17. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Gibt es in der Tat.

    Wobei diese sich oft in einer übermäßigen Aggressivität (soll es bei nicht besonders klugen Menschen auch gelegentlich geben) und der Nichteinhaltung ansonsten Artspezifischer Verhaltensregeln zeigt. Dass tritt in Folge von Überzüchtung sowohl bei Schäferhunden wie bei Dobermännern auf. Bei Kampfhunden sowieso, wobei man bei diesen diese Eigenschaften ja ausdrücklich sucht.

    Bei Dalmatinern scheint dagegen häufig eine angeborene Taubheit das Problem zu sein.
     
  18. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Nicht wenn sie nicht schon in geschlossenen Gruppen eingewandert sind, möglicherweise auch noch als Familienverband.

    Mir ist zumindest in Patagonien ein Fall bekannt, bei dem vor 120 Jahren ein Ort von einem Mann und seiner Sippe erstbesiedelt wurde. Alle 20 heute ansässigen Familien in dieser Ortschaft stammen von ihm ab. Da sind garantiert noch andere dazugekommen, sein Erbmaterial dürfte jedoch in allen präsent sein.
     
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  19. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Ja, wobei die lieben Engländer mal wieder die Ausnahme sind. Sie praktizierten bis weit ins Viktorianische hinein die Heirat unter Cousins ersten Grades. War durchaus gängige Praxis ...:winke:
     
  20. Nomen Nescio

    Nomen Nescio Neues Mitglied

    Vor einigen Wochen wurde mitgeteilt, daß Untersuchungen am DNS des Schädels Hitlers und am DNS seiner Verwandten deutlich bezeugten, daß die These Alois Hitler (der Vater Adolfs) sei der Sohn eines Juden einwandfrei als ein Märchen bezeichnet werden darf.
    Der «Match» war wie man erwarten durfte, wenn ein Hiedler/Hietler/Hitler tatsächlich der Vater Alois' war.
     

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