Facharbeit: Inzucht

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Gast, 4. Januar 2010.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Die Geschichte der jüdischen Verwandtschaft Hitlers ist eine der zahlreichen Mythen, die einer wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten.

    Dazu einen Auszug aus der Hitlerbiographie von Ian Kershaw.

    "Schliesslich gibt es eine dritte Hypothese. Demnach hatte Adolf Hitler einen jüdischen Grossvater, Entsprechende Gerüchte kursierten bereits Anfang der zwanziger Jahre in Münchner Cafés und erhielten durch den Sensationsjournalismus der ausländischen Presse in den dreissiger Jahren zusätzliche Nahrung. Die Zeitungen behaupteten, der Name "Hüttler" sei jüdisch, sie "enthüllten", er sei auf einen jüdische Familie namens Hitler in Bukarest zurückzuführen, und schreiben sogar, Hitlers Vater sei von Baron von Rothschild gezeugt worden, in dessen Wiener Haus die Grossmutter angeblich einige Zeit als Dienerin verbracht habe. Ernster zu nehmen sind Spekulationen über Hitlers vermuteten jüdischen Hintergrund, die nach dem Krieg auftauchten und direkt auf die Memoiren des führenden NS-Anwalts und Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank, zurückgehen, die er im Gefängnis von Nürnberg vor Vollstreckung der Todesstrafe diktiert hat.
    Frank behauptete Hitlerhabe ihn Ende 1930 zu sich gerufen und ihm einen Brief seines Neffen William Patrick Hitler gezeigt: Das Schreiben enthielt eine Drohung, im Zusammenhang mit den Pressegeschichten über Hitlers Herkunft aufzudecken, dass in Hitlers Adern jüdisches Blut fliesse. Angeblich von Hilter beauftragt, familiengeschichtliche Nachforschungen anzustellen, entdeckte Frank seinen Bericht zufolge, Maria Anna Schickelgruber habe das Kind zur Welt gebracht, als sie einer jüdischen Familie namens Frankenberger in Graz als Köchin diente. Nicht nur das: Von Frankenberger senior hiess es, er habe regelmässig Alimente gezahlt, um anstelle seines zum Zeitpunkt der Geburt etwa 19 Jahre alten Sohnes das Kind bis zum 14. Geburtstat zu unterstützen. Maria Anne und die Frankenbergers hätten jahrelang Briefe gewechselt. Frank zufolge soll Hitler erklärt haben, aus Erzählungen des Vaters und der Grossmuter wisse er, der Grossvater sei nicht der Jude aus Graz. Da die Grossmutter und ihr späterer Mann, so arm gewesen seien, hätten sie dem Juden eingeredet, er sei der Vater und ihn überredet, den Jungen finanziell zu unterstützen.
    In den fünfziger Jahren wurde Franks Geschichte weithin verbreitet. Einer Überprüfung hält sie nicht stand. In den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts lebte in Graz keine jüdische Familie namens Frankenberger. In der gesamten Steiermark gab es seinerzeit keinen Juden, erst seit 1849 durften Juden in diesem Teil Österreichs ihren Wohnsitz nehmen. Zwar lebte dort eine Familie Frankenreiter, aber sie war nicht jüdischer Herkunft. Falls Maria Anna je in Graz war oder beim Metzger Frankenreiter gearbeitet hat, lässt sich das nicht belegen. Auch ein Briefwechsel zwischen Maria Anna und einer Familie namens Frankenberger oder Frankenreiter ist niemals aufgetaucht.

    Gesetzt den Fall, Frank hat nur die Namen vertauscht, dann war der Sohn Leopold Frankenreiters der vermeintliche Vater des Kindes für das Grossvater Frankenreiter dem Anschein nach 13 Jahre Alimente zahlte, zum Zeitpunkt von Alois Geburt gerade zehn Jahre alt.

    Ebenso unglaubwürdig ist Franks Kommentar, Hitler habe von der Grossmutter erfahren, die Graz-Geschichte enthalte kein Körnchen Wahrheit: Zum Zeitpunkt von Hitlers Geburt war die Grossmutter bereits über 40 Jahre tot.

    (...)

    Hans Franks Memoiren sind voller Ungenauigkeiten und mit Vorsicht zu geniessen. In Bezug auf die Geschichte von Hitlers angeblichem jüdischem Grossvater sind sie wertlos. Hitlers Grossvater, wer er auch war, war kein Jude aus Graz".

    Quelle:
    Ian Kershaw
    Hitler
    1889 - 1936
    DVA 1998
    Seite: 35 - 36

    Aus: http://www.geschichtsforum.de/f66/hitlers-familie-4447/
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. April 2010
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wo wurde das denn mitgeteilt, hast du einen Link oder eine andere Quelle?
    Habe ich nicht kürzlich gelesen, der Schädelrest ist gar nicht echt, weil weiblich?
    DNA-Analyse: Angeblicher Hitler-Schädel stammt von einer Frau - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Außerdem kann man an einem einzelnen Individuum mittels DNA-Analyse gar nicht mit absoluter Sicherheit aussagen, ob es sich einem Norweger, Bantu, Philippino oder Juden handelte.
    Holländische Frauen dürften oft in ihrem (unvermischten, weil in weiblicher Linie komplett vererbten) mt-Chromosomensatz die DNA irgendeiner indonesischen Ururgroßmutter aus Batavia haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. April 2010
  3. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Erwähnt werden sollte, dass bei solchen Verwandschaftsregeln weiblicher und männlicher Anteil oft unterschiedlich gewichtet werden. Bei den afrikanischen Bantuvölkern werden Verwandtschaftschaftbeziehungen meist matrilinear definiert, so dass der leibliche Vater und dessen Verwandte als "weniger" oder gar nicht verwandt mit dem Kind angesehen werden.

    Erwünscht ist oft die Kreuzcousinenheirat, also die Heirat eines Mannes mit der Tochter des Mutterbruders, während die Heirat zwischen Kindern von Schwestern tabu ist.

    Hinzuzufügen wäre noch, dass es eine biologische Inzesthemmung mit genetischem Hintergrund nicht gibt (wie sollte man genetische Verwandte auch erkennen), wohl aber eine Hemmung gegenüber PartnerInnen, die man schon als Kind (bis 5 Jahre) kannte.

    Dies und die weite Verbreitung eines kuturellen Inzestverbots lässt in meinen Augen durchaus die Vermutung zu, dass Inzucht negative Folgen für die Nachkommenschaft haben muss.
     
  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Vielleicht ist es ja der Schädel von Eva Braun :still:

    Wäre auch seltsam, denn seit wann wird die Zugehörigkeit zu einer Religion via DNA nachgewiesen.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das ist wahr, wie man an Untersuchungen an ehemaligen Kindern aus israelischen Kibbuzim feststellte.
     

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