Franken und Türken

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von tela, 5. November 2019.

  1. tela

    tela Aktives Mitglied

    In der Fredegar Version vom Ursprung der Franken aus den Trojanern steht in meiner Übersetzung (Reinhold Kaiser, Sebastian Scholz, Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger):

    "Die Sage bestätigt dass als drittes Volk die Türken von gleicher Abstammung seien".
    Im Lateinischen: origine gentem Torcorum.

    Was genau hat es mit diesem Volk auf sich? Die Türken im historischen Sinn können es ja wohl kaum sein, da sind ja gut 500-600 Jahre dazwischen? Ungeschickte Übersetzung? Kann mir da irgendjemand weiterhelfen?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nicht?

    "Es ist bekannt, daß oströmische Gesandtschaften in der zweiten Hälfte des. 6. Jahrhunderts türkische Khane in Zentralasien besucht haben und umgekehrt türkische Gesandte vom oströmischen Kaiser empfangen wurden."

    Die Beziehungen des oströmischen Reiches zu Zentralasien und ihre Resonanz on JSTOR


    Eugen Ewig meint sogar:

    "Da die Franken im letzten Viertel des 6. Jhs. rege Beziehungen zum Kaiserhof unterhielten, können fränkische Gesandte türkischen Gesandtschaften in in Constantinopel begegnet sein und zu Hause von den Türken berichtet haben. Da mochte ein erfinderischer Erzähler leicht auf den Gedanken verfallen, das ferne und fremde Volk in die Wanderung der Trojanerfranken von Asien nach Europa einzuschleusen."

    Die Franken und die Alemannen bis zur "Schlacht bei Zülpich" (496/97)
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eugen Ewig befasst sich mit dem Ethnonym und meint, dass es sich um Protobulgaren handele. (Ewig, E.: Troiamythos und fränkische Frühgeschichte, in: Geuenich, Dieter et al.: Die Franken und die Alemannen bis zur "Schlacht bei Zülpich" (496/97) RGA, Ergänzungsband 19, Berlin/NY 1998, S. 1 - 30 (S. 7 f.))
     
  4. tela

    tela Aktives Mitglied

    Danke schön. Türken in dieser frühen Zeit war mir neu, vielleicht hab ich sie aber mit dem Aufkommen der Osmanen verbunden mit meiner Datierung...
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wenn ich es richtig sehe, bringt Ewig nur die bei Agathias erwähnten Tourkoi mit den Protobulgaren in Verbindung. Wie er darauf kommt, ist mir nicht klar. Die byzantinisch-türkischen Beziehungen gehen auf die 560er Jahre zurück.

    "Im Jahre 568 haben türkische Gesandte begleitet von dem sogdischen Stadtfürsten Maniak die byzantinische Hauptstadt besucht. Die Protokolle der Empfänge der Türken durch den damals regierenden byzantinischen Kaiser Justin II. wurden Wort für Wort von den Stenographen festgehalten, sie enthalten einen zuverlässigen Bericht über die großen politischen Veränderungen, die sich in Zentralasien in der Mitte des 6. Jahrhunderts vollzogen hatten. Zu den unmittelbaren Folgen dieser Gesandtschaft gehörte ein ständiger Austausch byzantinischer und türkischer Gesandtschaften. Es befanden sich zeitweise 86 Türken in Konstantinopel. Diese Epoche, in der Gesandte beider Völker, der Türken und der Oströmer, ständig zwischen den jeweiligen Residenzen der türkischen Khane und Konstantinopel hin- und herreisten, umfaßt die Jahre von 568 bis 581." (Hans-Wilhelm Haussig, Link siehe oben)
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2019
    Carolus und tela gefällt das.

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