Geschichte der dt. Freicorps

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Arcimboldo, 6. September 2005.

  1. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Ein wirklich interessanter Thread, gratuliere!

    Mein Beitrag ist eigentlich Off-Topic. Ich möchte nur etwas zu den Freikorps beitragen, die mir bislang zu grob skizziert wurden. Weil es einerseits die inzwischen obsolete SA-Unterdiskussion berührt und andererseits die Tatsache das Lettow-Vorbeck ein Freikorpsführer war denke ich das mein Beitrag hilfreich sein kann zum Hintergrund.

    Ihre Tradition aus den Befreiungskriegen ist makellos, hier handelte es sich um patriotische Bürger die in der Lage waren ihre Ausrüstung selbst zu bezahlen und in eigenen Verbänden relativen Kleinkrieg hinter den feindlichen Linien zu führen. Sie wählten ihre Offiziere selbst. Sie sahen ihre Aufgabe darin, die Bevölkerung gegen die französische Besatzung aufzuwiegeln und zum Aufstand zu bringen. Sie dienten weniger den deutschen Kleinstaaten, sondern mehr der national-deutschen Einigungsidee. Den Dynastien und Militärs passte diese Ausrichtung nur am Rande.
    Die Freikorps nach dem ersten Weltkrieg nahmen in erster Linie nur die national-deutsche Tradition in sich auf. Sie waren überwiegend national-monarchistisch eingestellt und fühlten sich nur dem 'Vaterland', aber keiner Regierung primär verbunden. Sie wurden hier im Thread als Söldner bezeichnet, ein Ausdruck gegen den ich mich wehre und die Ursache meiner Anmerkung ist. Natürlich war unter ihnen der Anteil von jenen Menschen völlig dominierend, die an die 'Dolchstoßlegende' glaubten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich völlig unterschiedliche Freikorps, so gab es auch solche die etwa eine Seperation Bayerns betrieben. Fast ausschließlich keineswegs demokratisch gesinnt kann man sie als Konservativ bezeichnen. Bekannt wurden vor allem die maßlos reaktionären Verbände. So lange in Deutschland und Teilen Deutschlands bürgerkriegsartige Zustände herrschten, blieben sie ein Machtfaktor, waren aber zunehmend auf Finanzierung angewiesen. Die 'regulären Truppen' des Kaiserreiches hatten sich ohnehin weitgehend im Rahmen der Demobilisierung aufgelöst. Das war auch der Grund warum sie überhaupt zu einem Machtfaktor wurden!
    Kommunistisch ausgerichtete Kampfverbände, die es auch gab, nannten sich nicht Freikorps sondern Rote Armee und wollten duch Verschmelzung von ihren Kerntruppen mit 'zu begeisterndem Proletariat' die Erfolge der Bolschewiken in Russland wiederholen. Der kommunistische Mix aus erfahrenen Kerntruppen und 'Rebellen', die ohne schwere Waffen (keinen einfachen Zugriff auf Heeresmaterial, da nicht durch Offiziere geduldet) auskommen mussten, erwies sich als weniger Kampfstark als die Freikorps, die von kaiserlichem Offizierskorps gefördert und geleitet wurden.
    Letztlich war es vor allem die Reichswehrführung, die diese Verbände unterstützte. Es gelang ihr überwiegend aus diesem Milieu die mehr und mehr sich unpolitisch (im Herzen aber Deutschnationale) gebende neue Reichwehr zu formieren. Hier fanden sehr viele Freikorpskämpfer ihre neue Heimat, doch bot sie längst nicht allen ihren Kämpfern eine neue Heimat.
    Im deutschnationalen Milieu blieben Freikorpskämpfer dominierend in vaterländischen, halbmilitärischen Organisationen wie dem 'Stahlhelm'. Daneben bildeten andere Freikorpsleute durchaus eine Basis für Organisationen wie der faschistischen SA. Beim Hitler-Ludendorff-Putsch wurde an diese gemeinsame Freikorpsvergangenheit (allerdings weitgehend erfolglos) appelliert.
    Falls es jemals eine Freikorpsbewegung gegeben hatte, war sie spätestens mitte der 20er Jahre politisch tod. Als Gegenstand der Nostalgie und gemeinsame Basis für nationales Tam-Tam mochte sie noch dienen, mehr nicht.

    Ich hoffe mein Exkurs war nicht zu weit weg vom Thema.


    Anmerkung des Moderators: Beitrag in ein passenderes Thema verschoben
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16. April 2006
  2. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Dass die Freikorps "überwiegend national-monarchistisch" eingestellt waren, kann ich so nicht nachvollziehen. Keines dieser Freikorps - auch und gerade die "unsicheren Kantonisten" Rossbach, Ehrhardt, Epp - rührten einen Finger um den Kaiser aus dem Exil zurückzuholen oder den Kronprinz auf den Thron zu setzen. Sicher gibt es die eine oder andere Verlautbarung aus monarchistischen Kreisen, aber allzu erfolgreich schien man mit solchen Aufrufen bei den Freikorps nicht gewesen zu sein.

    Treffender ist da der Hinweis auf das "Vaterland" als Bezugspunkt. Es sind gerade persönliche Loyalitätsbezüge (Anführer, Kameraden, ...), die das Vakuum füllen, das mit dem Zusammenbruch der Monarchie entstand und das
    mit der Republik und ihrer Verfassung konkurriert. Der latente - und gelegentlich manifeste - Widerstand der Militärs der Weimarer Republik gegen die Verfassung liegt ja gerade darin begründet, dass man einem "leblosen Wesen", einem "blossen Vertragswerk" keine Treue schwören kann. Das erste, was Hitler tut, um die Reichswehr, dann Wehrmacht an sich zu binden, ist sie auf seine Person zu vereidigen.

    Ein anderer Punkt ist die soziale Zusammensetzung der Freikorps. Es wird in verschiedenen Darstellungen immer wieder darauf hingewiesen, dass dazu keine Analysen vorliegen, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Das ist angesichts der Umstände und der Überlieferung nicht verwunderlich. Allein schon die Angabe der Zahl der Freikorpsangehörigen geht von 100-400.000 Mann ziemlich weit auseinander. Zwei Argumente, die immer wieder - gerade von den Apologeten - aufgegriffen werden, erscheinen mir allerdings wenig stichhaltig:

    1. Es seien viele Sozialdemokraten in den Freikorps gewesen.
    2. Es hätten viele Kriminelle in den Freikorps Unterschlupf gesucht und gefunden.

    Beide Argumente lassen sich nicht überprüfen und basieren auf Einschätzungen von Freikorpsführern in ihren entsprechenden Erinnerungen und Darstellungen. Sie dienen ganz offensichtlich dazu, Kritik an den Zielen der Freikorpsführer abzuwehren und von den Greueltaten (ä geht einfach nicht) abzulenken.

    Was jedoch letztlich feststehen dürfte, ist der Idealismus, der die Freikorps beseelte, der sich auch und gerade gegen eine sich modernisierende Umwelt richtete, die sich immer mehr nach materialistischen Gesichtspunkten ausrichtete.

    Die Freikorps waren die "regulären", die Regierungstruppen der jungen Weimarer Republik, weil, wie Du richtig sagst, sich das Kriegsheer aufgelöst hatte. Deshalb hat man versucht, aus den Resten des alten Heeres neue Verbände zu formieren, die aber angesichts der chaotischen Zustände sehr heterogen waren. Aus den "zuverlässigsten" Freikorps wurde dann die Reichswehr aufgebaut. Daneben gab es noch eine Vielzahl an lokalen und regionalen "Selbstschutz"-Organisationen und "Einwohnerwehren", die aber nur begrenzten Einfluß hatten.
    Wesentlicher ist m.E., dass die Sozialdemokratie über keine eigenen bewaffneten Verbände verfügte und sie deshalb auf die Freikorps zurückgreifen mußte, um Umsturzversuche von links bzw. abzuwehren. Dabei scheint mir aber eher die Furcht vor einer möglichen "Bolschewisierung" maßgeblich gewesen zu sein, als eine akute Bedrohung durch "rote Garden".

    Einerseits litten die "Roten" sicher unter einem Mangel an Material, aber diese waren im Häuserkampf weniger von Bedeutung (wobei die "Kontrolle" von Offizieren über schweres Gerät sicher kein Hinderungsgrund war), andererseits - und das wiegt m.E. schwerer, fehlte es an Führungspotential. Ich sehe nicht, dass es bei den "Roten" eine einheitliche, straffe militärische Führung gegeben hätte, die in der Lage gewesen wäre, einen Umsturz zu planen und durchzuführen. (Was nicht bedeutet, dass die "Roten Armee" nicht diszipliniert gewesen wäre.)
    Ich denke, hier spielte die Furcht vor russischen Verhältnissen und ein traditioneller Antimarxismus eine sehr viel größere Rolle, als tatsächliche Bestrebungen zum Umsturz - also eher Prophylaxe. Vielfach war es ja erst das Auftauchen von Freikorps bzw. Umsturzversuche von Rechts, die die Kommunisten auf den Plan riefen, die dann auf die Unterstützung der breiten Massen hoffend, die deutsche "Oktober-Revolution" anstrebten. Ohne die Volkserhebung blieb das ganze aber ein ziemlich untauglicher Versuch des Umsturzes.
    Dabei waren die "Roten", gerade in der Verteidigung den Freikorps ebenbürtig, ja sogar überlegen. Je grausamer die Freikorps mit "Roten" umgingen, desto verbissener verteidigten diese sich.

    Ich würde sogar sagen, dass die Reichswehr gezielt Freikorpsangehörige rekrutiert hat, die sich als "zuverlässig" und "führungsstark" erwiesen. Das war ja Sinn und Zweck der Freikorps. Um 1920 fand eine Auslese statt, die dann nach 1933 den Grundstock für den Aufbau der Wehrmacht lieferte. Die Liste der ehemaligen Freikorpsangehörigen in der Generalität und Admiralität ist beeindruckend. Die allermeisten Generale und Admirale waren in den Freikorps - und nicht irgendwelchen - aktiv.

    Diese Wehrverbände hatten das gleiche Ziel, wie die Reichswehrführung: Die Erhaltung der Wehrfähigkeit des deutschen Volkes. Daher ja auch der Versuch mit der "Schwarzen Reichswehr", wozu in ihrer Anfangsphase auch die SA gehörte, diese Bestrebungen zu fördern und zu kanalisieren. Erst mit dem Scheitern des Ruhrkampfes und des Hitler-Putsches erfolgte ein Umdenken. 1923 war die Zeit vorbei, in der ein militärischer Umsturz mit Hilfe der Freikorps möglich gewesen wäre, vor allem, weil nach fünf Jahren eine gewisse "Verbürgerlichung" und eine Gewöhnung an die Umstände eingesetzt hatte. Man verlegte sich zunehmend auf weniger abenteuerliche Projekte.

    Die aktive Zeit der Freikorps war 1923 mehr oder weniger beendet. Aber politisch tot waren sie nicht. Im Gegenteil. Die Wehrverbände erreichten einen Grad der Militarisierung der Politik, den selbst das Kaiserreich nicht erreicht hatte, so dass selbst die Sozialdemokratie begann sich eigene "Kampforganisationen" zu halten. Was ich für bezeichnend halte ist, dass die Leute, die 1918/23 Seite an Seite in den Freikorps kämpften, 1933 und dann 1941 wieder gegen die "Roten" zu Felde zogen. Die Verquickung von Militär und Politik, die es im Kaiserreich nie so gegeben hat, wurde nicht erst nach 1933 vollzogen, sondern hat ihren Ursprung m.E. in der Freikorpsbewegung. Es ist sicher überzogen, die Freikorps als die Vorhut des Nationalsozialismus zu bezeichnen, wie Waite das 1952 getan hat. Aber das Netzwerk, das in den Freikorps geknüpft wurde, entfaltet nach 1933 seine volle Wirkung. Auch wenn prominente Freikorpsler, wie Salomon oder Lettow-Vorbeck sich gegen die Nazis wandten, viele "Ehemalige" kamen rasch in führende Positionen, sei es im Militär oder in der Verwaltung. Ich denke vielfach dürfte die Erinnerung an die gemeinsame "Kampfzeit" politische Differenzen überwogen haben. Zumal "Politik" in diesen Kreisen eh verpöhnt war.
     
  3. Arne

    Arne Premiummitglied

    Gute Darstellung, soweit ich das beurteilen kann. Zwei Sachen, die mir wichtig sind:

    Nur ein Teil stand unter bedingter Kontrolle der Regierung. Es erscheint mir gerade deswegen schwierig, von "den Freikorps an sich" zu sprechen (ihrem Verhalten, ihrer Zusammensetzung und den Zielen) weil sie gerade in der frühen Nachkriegszeit keine homogene Einheit waren.


    und weiter unten:
    Kampfstarke bolschewistische, kommunistische Verbände gab es meines Erachtens tatsächlich erst nach der Zeit der Freikorps und ihre Gegner auf der Straße waren die SA-Männer. Inwiefern, dies ehemalige Freikorpsleute waren, die Organisation und Uniform gewechselt hatten, wird ja auch hier diskutiert.
     
  4. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Ich würde fast sagen, die Freikorps (alle) entschieden ad hoc, wen sie gerade unterstützen wollten. Die MSPD-Regierung bot 1918/19 die Möglichkeit, mit den "Roten" aufzuräumen. Später wurde es dann diffuser. Baltikum und Oberschlesien waren weder von der Regierung, noch von der Reichswehrführung/OHL zu kontrollieren. Die machten dort, was sie wollten - und brachten damit die Regierung ganz schon in die Bredouille.

    Spätestens nach dem Ruhraufstand 1920 dürfte sich bei den Freikorps die Spreu vom Weizen getrennt haben. Für den Winter 1918/19 läßt sich vielleicht sagen, dass die Frontheimkehrer die Gelegenheit nutzten, für gutes Geld (5 Mark plus Zulagen, bei freier Kost und Unterbringung) noch eine Weile Soldat zu spielen. Aber schon im Sommer 1919 dürfte sich die Situation soweit beruhigt gehabt haben, dass viele es vorzogen, ins Zivilleben zu wechseln - so sie Arbeit gefunden hatten.

    Die Heterogenität der Freikorps wird auch deutlich, wenn man sich anschaut, was für Einheiten sich da kurzerhand formieren, umformieren, vereinigen etc. Besonders die Zeitfreiwilligen scheinen mir eine bemerkenswerte Form des Teilzeitkriegers zu sein.

    Was ich aber erschreckend finde, ist die Zahl an Waffen, die im Nachkriegsdeutschland herumschwirrt. Als die Entwaffnung der Bürgerwehren etc. (auf alliierten Druck) vorgenommen wurde, hat man mehr als 2 Mio. Gewehre eingesammelt, und das waren längst nicht alle. 1935 wurde die Wehrmacht aus geheimen Waffendepots aus dieser Zeit bewaffnet. Das ist ein Gefahrenpotential, dagegen erscheint es fast harmlos, worüber wir uns heute Sorgen machen.

    1930 waren die ehemaligen Freikorpsangehörigen schon etwas zu alt für Raufhändel. Aber in Führungspositionen saßen sie allemal, und ich würde den Wert von "Erlebnisberichten" aus der Kriegs- und Freikorpszeit für die Stimmung innerhalb der SA nicht zu gering ansetzen.
    Was die Kommunisten betrifft, waren die 1930 sicher besser organisiert (auf Reichsebene) und wurden gezielter eingesetzt, nur dürften sie kaum militärischen Wert besessen haben. Saalschlachten mit Gummiknüppel und der einen oder anderen Pistole sind eine andere Sache, als militärische Operationen im urbanen Terrain.
     
  5. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Was aber nicht unbedingt gegen die monarchistische Einstellung an sich spricht. Es könnte auch eine Ablehnung der Person des Kaisers bzw. seiner Familie gegenüber sein. Denn der Kaiser hatte sich in Militärkreisen schon während des Krieges Unmut zugezogen (am Ende musste er erfahren, dass nur noch eine Minderheit der Kommandeure bereit war, ihn zu unterstützen) und dann vor allem durch seine Flucht in die Niederlande im November 1918, die von vielen Militärs als Fahnenflucht ausgelegt wurde.

    Zutreffender wäre es wahrscheinlich, die Freikorps als "anti-demokratisch" oder "republikfeindlich" zu bezeichnen. Was natürlich die Frage aufwirft, für welche Staatsform sie dann die größten Sympathien empfunden haben.
     
  6. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Militärdiktatur war sehr beliebt in der Zwischenkriegszeit!
     
  7. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die müssen tatsächlich zu einem erheblichen Teil mit allen Waffen nach Hause gegenagen sein. Handgranaten, Gewehr 98 war normal, seltener, dafür sehr gesucht, sei die Pistole 08 gewesen.
    Den Umgang mit den Waffen waren sie auch gewöhnt. Ein Bürgerkriegs-Potential war schon vorhanden.

    Grüße Repo
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es waren nicht alles Weltkriegveteranen.

    Mein Grossvater war 1918 gerade 16. Sein Jahrgang war noch nicht aufgerufen worden, der vorhergehende jedoch schon.

    Einige seiner gleichaltrigen Klassenkameraden sind dann in die Freikorps eingetreten und haben (Zitat wörtlich). "den Polen auf die Finger geklopft".
     
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Die P 08 meines Grossonkels (Offizier im I WK, gefallen im 2.) trieb sich bis 1948 noch bei meinen Grosseltern im Haus herum. Nach einem abenteuerlichen Zwischenfall bei der sie im Ofen der Waschküche losging (sie war im Rauchabzug versteckt) wurde sie im Wannsee "entsorgt".
     
  10. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Hierzu ein indirekter Verweis aus Erfurth, "Geschichte des deutschen Generalstabs", S. 29: "Für den Geist und die Zusammensetzung der Freikorps war es bedeutungsvoll, dass die organisierten Arbeiter der Truppe fern blieben, während die akademische Jugend sich zur Verfügung stellte...
    Die Mehrheitssozialdemokraten, mit geringen Ausnahmen, trugen keine Bedenken, die Politik ihrer Parteigenossen Ebert und Noske mit allen Mitteln zu bekämpfen. Das Parteiorgan "Der Vorwärts" und andere Zeitungen der Mehrheitssozialdemokratie nahmen keine Werbeinserate für Freiwillige an".
    Auch wenn das Zitat aus Erfurths konservativer Brille zu sehen ist, scheint dies anzudeuten, dass Sozialdemokraten aus politischer Motivation Teilnahme in den Freikoros ablehnten.


    Ich weiß nicht, ob nicht beim Aufbau der vorläufigen Reichswehr sogar generell die Freikorps aufgenommen werden sollten. Danach bildeten sich in der Tat noch zahlreiche weitere "Freiwlligen"- und andere paramilitärische Einheiten.

    Das ist auch logisch, weil der Grad an Zusammenarbeit zwischen Militärführung und Freikorps hoch war und auch viele Freikorps von erfahrenen, hochrangigen Offizieren geführt wurden.

    Naja, leider müsste es zu diesem Thema mehr Analysen der Kämpfe geben. Ich denke schon, dass die größere Ausstattung an Ausrüstung und Truppen dafür sorgte, dass sich die Freikorps meist recht schnell durchsetzten. Die diversen Kämpfe im Frühjahr 1919 in Städten Norddeutschlands, des Ruhrgebiets und Berlin wurden recht schnell niederschlagen - die letzte Erhebung in Berlin etwa vom 4. bis 12. März. Ich würde schon sagen, dass die Freikorps eher reagierten als agierten, das eigentlich problematische ist, dass die Regierung sie auch gegen Streiks einsetzte.

    Würde ich zwar nicht ausschließen, hätte ich aber gerne mal einen Beleg zu - zumal es mich auch interessiert.

    Ich halte es schon für einen bedeutsamen Unterschied und denke, dass es für Freikorpsler leichter war, innerhalb der SA und NSDAP Karriere zu machen, als in der Wehrmacht. Völlig unbelastet war das Verhältnis zwischen Freikorps und Wehrmacht nicht, wegen der offiziellen Auflösung der Freikorps und dem Aufbau des 100 000-Mann-Heers, in das nur ein Bruchteil der Freikorps-Truppen aufgenommen werden konnten.

    Ja, richtig, vor allem, wenn man auch bedenkt, dass viele dieser Waffen bei der SA landeten. Allerdings hat die Wehrmacht auch stets eine geheime Aufrüstung in geringem Umfang betrieben, z.B. Panzer- und Flugzeugprototypen entwerfen lassen und getestet.

    Im Jahr 1932 gab es ein Kriegsspiel, das wohl zeigte, dass die Kräfte der Polizei und der Wehrmacht zusammen nicht geeignet waren, bei einem Generalstreik oder Bürgerkrieg die Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Bericht von diesem Kriegsspiel spielte auch eine gewichtige Rolle bei Papens Rücktritt, was natürlich einige Fragen aufwirft, inwieweit es instrumentalisiert wurde. Dennoch ist es schon eine berechtigte Frage, ob das 100 000-Mann-Heer in der Lage war, sich insgesamt gegen die paramilitärischen Verbände der Weimarer Republik durchsetzen zu können - auch gegen die SA.
     
  11. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Naja, viele der Freikorpsangehörigen scheinen Berufssoldaten oder Kriegsfreiwillige gewesen zu sein. Im Gegensatz zu den organisierten Arbeitern hatten die nichts, wohin sie zurückkehren konnten. Sprich: Arbeit, Familie, Partei.

    Zumindest was die unteren Ränge betrifft, sicherlich. Um da berücksichtigt zu werden, mußte man auffallen. Und auffallen bedeutete in diesem Zusammenhang wohl am ehesten "Tapferkeit vor dem Feind" zu beweisen. Schwierig, wenn Waffenstillstand herrscht ...

    Wohl eher überreagieren .. Ein Streik wird vielfach zum Aufstand, eben weil die Freikorps anrücken. Und die Freikorps nutzen jede Gelegenheit zum Handeln.

    Schau Dir z.B. die Marine-Brigade Ehrhardt an. Unterstützt Kapp und Wochen später wird ein Großteil der Mannschaft in die Reichsmarine übernommen. (qv, in Wikipedia).

    Die Reichswehr schaute sich die Leute doch ziemlich genau an, die sie aufnahm. Da wurde gezielt nach Führungspotential gesucht. Die Reichswehr ging nie davon aus, dass die Beschränkung auf 100.000 Mann lange exisitieren würde. So wurden von vornherein Kompanieführer als Bataillonskommandeure ausgebildet etc. Einige Berufsoffiziere wurden dann später politisch untragbar (Röhm) und wurden entfernt, was diese aber nicht daran hinderte, bei den Wehrverbänden einzusteigen. Und Karriere war hier wie dort erst nach 1933 drin. Ein Teil der Verbitterung in der SA 1934 lag ja darin begründet, dass Spezialisten im Eiltempo befördert wurden, während die Veteranen der Straßenschlachten buchstäblich mit warmer Suppe abgespeißt wurden.
     
  12. Arne

    Arne Premiummitglied

    Tejason, der den neuen Ansatz zur Diskussion lieferte, hat leider noch keine Schreibrechte Neuzeit, würde aber auch gern etwas beitragen. Ich wurde gebeten seinen Beitrag hier weiterzuleiten, was ich mal ausnahmsweise tue:

     
  13. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Ja, das ist richtig, und ich denke, es hängt nicht unwesentlich mit den Unruhen der frühen Weimarer Republik zusammen, dass es nach der Reduktion aufs 100 000 Mann her einen so großen Überhang an nicht mit Kriegshandwerk beschäftigten Soldaten und auch Offizieren gab...

    So meinte ich das. Es ist schwierig, bei den Freikorps-Einsätzen zu unterscheiden zwischen "militärischen Aktionen" und solchen, die eigentlich eher ein Fall für die Polizei gewesen wären, zumal sich die meisten Kämpfe auch noch im städtischen Raum ereigneten. Und dass dabei von Seiten der Korps überreagiert wurde, ist gar keine Frage.

    Verständnisproblem. Ich meinte gar nicht die frühe Zeit, sondern weiß nicht, ob man eine Kontinuität von den Freikorps zur wiederaufgerüsteten Wehrmacht nach 1935 ziehen kann, was deren Führungsschicht betrifft. Ich vermute, dass wegen der diversen politischen Richtungsänderungen, die es
    in der Wehrmacht gab, dass Personal zumindest der obersten Führung doch gewechselt hat. Ansonsten müsste man ein wenig recherchieren. An hohen Generalen, die in den Freikorps gedient haben, fallen mir ein: Generaloberst Heinz Guderian, Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner, Admiral Wilhelm Canaris.

    Na ja, ein Ernst Röhm hatte schon vor 1933 eine relativ mächtige Stellung. Das Problem für Soldaten - weshalb auch SA und Wehrverbände für sie attraktiv wurde - habe ich oben ja schon geschildert.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Hallo,

    das Szenario setzte einen gleichzeitigen Angriff von außen auf Schlesien voraus! Der dann nicht mehr hätte abgeschlagen werden können!
    So das Ergebnis des Kriegsspiels.
    Einem Bürgerkrieg von links oder von braun sah sich die Reichswehr immer gewachsen. Es wurde befürchtet, dass sich insbesondere Polen dies aber zu nutze machen würde.

    Grüße Repo
     
  15. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Ich würde die Freikorps nicht nur auf die Zeit 18 -20/23 reduzieren. In den Monaten nach der Revolution bildeten sich hunderte von Freiwilligenorganisationen, die meisten bestanden nur kurze Zeit. Interessant sind aber die Freikorps, die längere Zeit bestanden, also z.B. Oberland, Epp, Ehrhardt, Roßbach. Es sind diese Freikorps, die den harten Kern der "Bewegung" bilden, die mal eben 1000km ins Baltikum marschieren, um ihre Kameraden rauszuhauen etc. Es sind diese Freikorps, die einen Tag für die Regierung marschieren und an nächsten gegen sie putschen.
    Ich würde hier durchaus von einer Bewegung sprechen: die Freikorps eine nehmen eine Tradition der Befreiungskriege wieder auf, es ist ja kein Zufall, dass die nationalistisch geprägten Kriegsfreiwilligen und Schüler und Studenten das Gros der Mannschaften bilden, also eher bürgerliche Schichten. Diese Entwicklung steht m.E. durchaus im Zusammenhang mit der bürgerlichen Jugendbewegung, die außerhalb des sozialdemokratischen Milieus
    existierte. Bisweilen hat man den Eindruck, für die Studenten von 1919/20 waren München und Oberschlesien was Woodstock für die 68er war.

    Und genau da sehe ich die Anknüpfungspunkte in den Dreissigern. Ich will damit nicht unterstellen, dass alle Freikorps-Mitglieder Nazis waren. Aber in einer Atmosphäre des Unpolitischen, in der eine Bedrohung von Außen bzw. von Links suggeriert wurde, konnte man auf die gemeinsame Erfahrung der Freikorpszeit zurückgreifen und darauf eine Zusammenarbeit aufbauen.

    Nur dass sich die Roten Armeen nicht auf einen eingespielte reichsweiten Verwaltungsapparat stützen konnten, wie die Freikorps, die sich keinesfalls spontan bildeten, sondern gezielt aufgestellt wurden. Vor November 1918 gab es keine sozialistische Militärorganisation in Deutschland, lediglich verstreute Zirkel, die sich im Geheimen auf eine eventuelle Revolution vorbereiteten. Hingegen gab es nach der Revolution eine Masse an militärisch ausgebildeten, fronterfahrenen, nationalgesinnte Soldaten, ohne Betätigungsfeld, die keine Anstalten machten, nach Hause zu gehen, wie ihre österreichisch-ungarischen Kameraden.

    Das Heer ist 1918 nicht zusammengebrochen, auch wenn es deutliche Auflösungserscheinungen zeigte. Wer nach Hause wollte, ging einfach, damit war jeder, der blieb de facto Freiwilliger. Und aus dieses Potential wurde dann einsatzfähige Einheiten verbundener Waffen aufgestellt, ähnlich den "Kampfgruppen", die man bereits an der Front gebildet hatte.
    Die personelle Überführung, nicht die organisatorische, des alten Heeres in die Reichswehr passierte größtenteils über die Freikorps. Die Fachleute und Spezialisten, Berufsoffiziere größtenteils, blieben immer beim Heer, die jungen Offiziere und Mannschaften hingegen, zumal die erst im Krieg zu (Reserve-)Offizieren ernannten Kriegsfreiwilligen (es geistert die Zahl von 200.000 herum), fanden sich in Freikorps wieder. Das zeigt m.E. auch der Umstand, dass viele der aktiven Regimenter Freiwilligenverbände bildeten, während mir noch kein Freikorps "Freiwilligen-Reserve-Landsturm-Regiment" begegnet ist.

    Man darf dabei auch nicht vergessen, dass der Übergang zum 100.000 Mann-Heer erst 1920 (mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags) begonnen wurde. Vorher war das Ziel 200.000 Mann. Die Freikorps dienten also dem Zweck, das Kräftepotential des Heeres zu erhalten, die Grenzen zu schützen und im Innern für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

    @Ashigaru:

    Die Kategorie Freikorps-Mitglied in Wikipedia liest sich wie ein Who's Who der Wehrmachtführung.
     
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  16. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Repo: natürlich spielte bei diesem Kriegsspiel auch der Grenzschutz eine Rolle in den Überlegungen. Grundsätzlich ging man aber in dem Szenario wohl davon aus, dass es mit einem Generalstreik bzw. Bürgerkrieg beginnt. Das dann mögliche Versagen der Wehrmacht werde erst zu einer Schwächung der Lage im Grenzschutz führen. Werde bei Gelegenheit mal nachschauen, ob ich was dazu finde.
    Hier schon mal:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Planspiel_Ott

    Nein, das war eben nicht der Fall nach dem Eindruck mancher Berichte über die Anhörung. Zu untersuchen wäre allerdings, ob die Wehrmacht tatsächlich so schwach war, ob die Offiziere suggestiv so antworteten oder ob es sich im Grunde dabei sogar um eine gezielte Intrige Schleichers handelte. Man darf den Kontext, in dem das Planspiel vorgetragen wurde, nicht vergessen: Papen wollte den Reichstag wegen seiner Minderheitenregierung für unbestimmte Zeit ausschalten, was er im Grunde nur über eine Form der Militärdiktatur hätte schaffen können.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zentner schildert das anders.
    Suchs mal heute abend raus.

    Grüße Repo
     
  18. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Albatros: ich kann solch einen Artikel bei der Wikipedia nicht finden. Unter "Freikorps", Themenpunkt "Freikorpskämpfer" ist nur eine unzureichende Liste ohne Namen aus der Wehrmachtsführung. Vielleicht meinst du was anderes?
     
  19. Albatros

    Albatros Neues Mitglied

    Ich meinte:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Freikorps-Mitglied

    http://de.wikipedia.org/wiki/Marine-Brigade_Ehrhardt

    http://de.wikipedia.org/wiki/Marine-Brigade_von_Loewenfeld

    Gruß,
    Albatros
     
  20. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Warum machst Du so etwas?:confused: Er hat doch in diesem Thread schon geschrieben, wenn ich die Namen nicht verwechselt habe.:confused:
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2006

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