Göbekli Tepe

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Gast, 13. Oktober 2004.

Schlagworte:
  1. Cassandra

    Cassandra Neues Mitglied

    Ich habe mal gelesen, dass die ersten Tempel Getreidesilos waren. Dies klingt für mich zumindest logisch, denn warum sonst sollte man gerade "Naturgötter" ins Trockene bringen?

    Cassandra
     
  2. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Göbekli Tepe ist noch dem Mesolithikum zuzurechnen. Getreideanbau kam später. Darin liegt die Brisanz der Fundstätte. Früher ging man eben davon aus, dass sich zentrale Orte aus wirtschaftlichen Gründen herausbildeten. Göbekli Tepe legt uns nahe, dass es zuvorderst kultische Funktionen waren, welche die Menschen in die Urbanität lockte.

    Eine spannende These ...
     
  3. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    deckt sich auch ein wenig mit der These, die ich im TV gesehen habe, dass die ägyptischen Pyramiden einen Technologie-/Zivilisationssprung provozierten.

    (Auch das Apollo-Raketen Programm hatte teilweise eine solche Wirkung...)
     
  4. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    mit diesem Technologiesprung meinst Du sicher die neolithische Revolution Entwicklung von Ackerbau, Viehzucht und Seßhaftwerdung.
    Ich habe nach der Ausstellung eher den Eindruck, dass die Menschen das damals anders gesehen haben. Göbekli Tepe soll ja ein Heiligtum einer Jäger- und Sammler-Gesellschaft gewesen sein, einer überaus erfolgreichen, da sie die Zeit, das Know how, die Organisation und eine ausreichende Zahl von Menschen hatten, um die Tempelanlagen zu bauen. Selbst wenn man annimmt, dass die verschiedenen Anlagen über einen großen Zeitraum nacheinander erbaut wurden, bedeutet das doch, dass sich in Göbekli Tepe oft eine größere Gruppe von Priestern / Schamanen und Bauleuten aufhielt, die ernährt werden mußte von den Jägern und Sammlerinnen der Umgebung oder wurde in den umliegenden Dörfern vielleicht doch schon eine frühe Form des Ackerbaus betrieben? Vielleicht wurden auch Wildziegen in Tälern eingepfercht, um für die Tempelbauer Nahrung zur Hand zu haben.
    Weiß jemand im Forum aus welcher Zeit die unterste Schicht stammen soll, damit man den Zeitraum einschätzen kann.
    Irgendwann wurde die Anlage dann zugeschüttet, vielleicht weil der Unterhalt zu schwierig wurde.
    Auf der Karte, die ich mir bei der Ausstellung in Karlsruhe gekauft habe, sind noch andere "Tepes" aus der gleichen Zeit mit Pfeilern eingezeichnet: Karahan, Sefer und Hamzan Tepe, weiß jemand etwas darüber?
    Die Dörfer in Ostanatolien, die zeitlich nachfolgen, wie Nevali Cori oder Cayönü haben in ihren viel kleineren Kultbauten in verkleinerter Form auch Pfeiler eingebaut. Das spricht doch dafür, das die Menschen damals die großen Tempelanlagen bewunderten, also so etwas wie eine Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit hatten.
     
  5. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Aus Wikipedia:

     
  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich meinte meinen Satz auf Pope bezogen und eher allgemein.
    Also erst die Idee, das Projekt, dann kam danach die Realisierung und Überwindung von Schwierigkeiten zur Erreichung dessen.
    Also bei Pope, seine Aussage, dass früher davon ausgegangen ist, dass erst wirtschaftliche Voraussetzungen für zentrale Orte vorhanden sein müssen, und heute auch der gegenteilige Fall denkbar scheint.
    Und dazu eben meine Beobachtung einer TV-Doku, dass beim Bau der größten Pyramiden nicht alles schon im Vorherein logistisch und organisatorisch und auch zivilisatorisch gegeben war, sondern eher durch die enorme gesellschaftliche Anstrengung und die kommenden Herausforderungen beim Bau die Pyramiden gleichsam als Katalysatoren dienten, eine neue Stufe an Entwicklung der ägyptischen Gesellschaft zu erringen.
    (so zumindest in der Doku)

    So, nun ist es klar, oder auch nicht... ;)

    Vielleicht sind in google earth die anderen Tepes/Siedlungshügel eingezeichnet, mit weiteren Infos und Links?

    Vielleicht sind Ähnlichkeiten an Kultobjekten über Jahrhunderte hinweg auch der beschränkten und naheliegenden Geometrie geschuldet. Ein T oder ein Dreieck, würde ich nicht immer als Kontinuum des Kunsthandwerk betrachten wollen, wenn es keine weiteren Indizien als nur die Form gibt.
     
  7. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    dann fällt doch Schicht Ii und auf jeden Fall III mit dem Beginn der Seßhaftwerdung zusammen. Und auch wenn man bis jetzt am Göbekli Tepe keine Wohnbereiche gefunden hat, es ist nur ein kleiner Teil ausgegraben.
    Man sollte doch zumindest Feuerstellen und Steine zum Zeltbeschweren finden.
    Außerdem liegt die Stadt Urfa nicht weit entfernt, weiß man, wie lange diese besiedelt ist. Da hat es doch auch Funde gegeben, diesen ausgestellten Urfa-Mann?
     
  8. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Vielleicht sind Ähnlichkeiten an Kultobjekten über Jahrhunderte hinweg auch der beschränkten und naheliegenden Geometrie geschuldet. Ein T oder ein Dreieck, würde ich nicht immer als Kontinuum des Kunsthandwerk betrachten wollen, wenn es keine weiteren Indizien als nur die Form gibt.[/quote]

    Die Form, dieses T ist aber das außergewöhnliche, wenn man die Fotos sieht, denkt man an Stonehenge aber die T-Pfeiler am Göbekli Tepe sind aus einem Stück und viel glatter und sorgfältiger gearbeitet, da muß man doch erstmal draufkommen eine T-förmige Figur aus einem Stück zu machen?
     
  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich habe die Doku vor einiger Zeit bereits gesehen.

    Wenn ich die bisherigen Beiträge im Forum lese:

    Es mutet mir merkwürdig an, eine Verbindung zu den Megalithkulturen (bewusst hier als Mehrzahl) herzustellen.
    Die Bezeichnung T-Säulen ist m.E. eine Umschreibung. Es sind Phallus-Symbole, wie sie zu einem Fruchtbarkeitskult gehören. Da war es weltweit naheliegend, einen großen Stein entsprechender Form aufzurichten.

    Damals war das Gebiet des "Fruchtbaren Halbmonds" überwiegend Grasland mit großen Huftierherden (Gazellen) und Beutegreifern. Die Wanddarstellungen in Catal Hüyük zeigen übrigens keine Männer in Leoparden-, sondern Gepardenfellen. Passt auch besser zum Habitat.
     
  10. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Was die T-Pfeiler darstellen sollen ist m.E. das schwierigste, wenn man nicht weiß, wie die Menschen damals dachten / welche Religion sie hatten.
    Ich habe die ersten 10 Minuten der Doku gestern verpaßt, habe sie aber auch schon vorher gesehen, wird bestimmt wiederholt.
    Da wurden Höhlenbilder in Westanatolien, die einen "Kopffortsatz", (vielleicht geweihähnlich, haben Gazellen spiessförmige Geweihe?) als Vorläufer der T-Form bezeichnet, das erscheint mir weit hergeholt. Diese Höhlenmalereien erinnern eher an Lascaux usw, aber darüber weiß ich zu wenig. Tatsache ist doch aber, dass der vor mehr als 40000 Jahren eingewanderte Sapiens ein Bedürfnis nach bildlicher Darstellung hatte.
    Ich habe mir gestern Kollaps von Jared Diamond ausgeliehen und habe nach der Sendung angefangen in dem Kapitel über die Osterinseln nachzulesen. Zugegeben eine andere Zeit und die Idee der Statuen wurde mitgebracht. Die wirtschaftlichen und vor allem technischen Voraussetzungen kann man schon heranziehen. Sie haben mit Steinwerkzeugen gearbeitet + wahrscheinlich mit Leiterschlitten transportiert. Auch Jäger + Sammler / Hirtennomaden sollten Leiterschlitten für den Transport von z.B. Zeltwandverkleidungen benötigen.
    Diamond zitiert einen Versuch, wonach 50 - 70 Erwachsene den Transport über 15 km von einer durchschnittlichen Statue von 12 t in einer Woche bewerkstelligen können, es gibt aber Statuen von bis zu 75 t. Dazu kommen natürlich noch die eigentlichen Steinbrucharbeiten und das Aufstellen. Jedenfalls haben die Osterinsulaner in nur ca 300 Jahren ca. 400 Statuen aufgestellt, weitere lagen unfertig im Steinbruch und das bei einer mit 15 000 geschätzten Gesamtbevölkerung. Ob der benutzte Basalt vergleichbar mit Göbekli Tepe ist, weiß ich nicht.
    Demnach ist der Arbeitsaufwand gar nicht so einmalig, schließlich wurden auch die Pyramiden mit ähnlicher technischer Ausstattung erbaut. Ich glaube nur wir heutigen sind so erstaunt, weil wir es gewohnt sind für die kleinste Kraftanstrengung eine Maschine zu benutzen, dafür gehen wir lieber ins Fitnessstudio.
    Jedenfalls interessiert mich am meisten die Idee, die dahintersteckt und ob sie wirklich neu war oder mitgebracht von einer Stelle, die wir noch nicht kennen.
    Das mit dem Phallus ist m.E. nur eine Möglichkeit und überhaupt nicht gesichert, auch für die Megalithen nicht.
     
  11. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Ich glaube nicht, dass man das mit der Absolutheit wirklich sagen kann. Wären die Pfeiler umgekehrt (also mit dem T-Stück am Boden), würde ich auch in diese Richtung neigen.

    Ich bin auf die weiteren Grabungsfunde gespannt. Wenn - wie vermutet - unter den Böden der Anlage Gräber liegen, wissen wir vielleicht mehr.
     
  12. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Mit Absolutheit habe ich gar nichts behauptet. In meinem Beitrag schrieb ich m.E. = meines Erachtens.
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nein, das bedeutet es nicht unbedingt! Da es sich um nomadische Jäger und Sammlerinnen handelte, ist es wahrscheinlicher, dass der Kultplatz nur zu bestimmten Zeiten als Ort diente, wo man sich versammelte und kultische Riten abhielt. Welcher Ar die gewesen sein könnten, lässt sich freilich nur noch durch Analogieschlüsse vermuten. Nur während der Bauzeit(en) des Monuments dürften sich dort Menschen in größerer Zahl aufgehalten haben.

    Planmäßigerr Ackerbau wurde nach allen bisherigen Erkenntnissen frühestens seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. betrieben, womit auch die Sesshaftigkeit einsetzte. Zudem sind diese frühen Formen des Ackerbaus zunächst im Nordirak (Zagros-Gebirge) zu finden. Wikipedia schreibt, dass nach angeblich "neuesten Erkenntnissen" der Ackerbau dort schon im 11. Jahrtausend begann, doch habe ich das bisher nirgendwo seriös bestätigt gefunden.
     
  14. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

     
  15. Cassandra

    Cassandra Neues Mitglied

    Es bräuchten auch nicht nur kultische, sondern auch politische Versammlungen gewesen sein, wie ein germanisches Thing z.B.
    Gerade wenn sich mehrere Clans hier ihren Treffpunkt hatten.

    Doch um noch mal auf Silos zurück zu kommen, auch gesammelte und gejagte Beute könnte gelagert werden. Es bedarf einen großen Aufwand viele Menschen zu unterhalten, und dies zog bestimmt auch Raubtiere an.

    Gruß
    Cassandra
     
  16. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich hab die Doku:
    PHOENIX
    auch schon vor Jahren gesehen, aber wenn einer sie nochmals sehen möchte: PN an mich.
    *erstaunt_guck_dass_anscheinend_jeder_sie_schon_gesehen_hat_oder_selber_downgeloaded _hat* ;)
     
  17. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @rena8, ein sehr schöner Link. Einer der Vögel auf Abb.3 ist wohl ein Flamingo, die gibt es heute noch in Anatolien. Die 3 Vögel vor dem Netz auf Abb.4 würde ich als Ornithologe für Strauße (nicht Sträuße, hihi) halten. Die sind in Vorderasien erst in jüngster Zeit verschwunden.
     
  19. idahoe

    idahoe Neues Mitglied

    frage wg göbekli tepe

    moin zusammen,

    bei recherchen wg. göbekli tepe stieß ich auf Ihr forum, an das ich mich mit zwei fragen wenden möchte:

    gibt es außer auf der zweifelhaften seite - http://www.urgeschichte.org/DieBeweise/GobekliTepe/gobeklitepe.htm- bereits irgendwo eine (natürlich noch vorläufige) virtuelle rekonstruktion der gesamtanlage?

    hat schon jemand die stichworte zirkus oder labyrinth in die manege geworfen?

    ahoi

    idahoe
     
  20. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    meinst du Zirkus wegen der runden Form der Anlagen? Habe ich bisher nirgends gelesen, Labyrinth auch nicht und eine Rekonstruktion sollte bei den ersten Beiträgen dabei sein, habe ich jedenfalls schon öfter gesehen
     

Diese Seite empfehlen